Kleiner Frostspanner

Operophtera brumata

Warndienst
Zuletzt geändert: 24.08.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Der Kleine Frostspanner ist ein Schmetterling, der im Frühjahr durch die Fraßtätigkeit der Raupen empfindliche Schäden an Kern- und Steinobst und auch an anderen Laubgehölzen verursachen kann.

Aussehen

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Frostspanner (Ei, Larve und Schmetterling) und das typische Schadbild an Blättern
Zeichnung der drei Entwicklungsstadien des Frostspanners (Ei, Larve und Schmetterling) sowie durch Fraß beschädigte Blätter

Der Kleine Frostspanner gehört unter den Schmetterlingen (Lepidoptera) zur Familie der Spanner (Geometridae), die durch das „Buckelmachen“ bei der Fortbewegung (spannerartige Fortbewegung) und bei Störungen der Raupen charakterisiert sind.

Falter: Das Männchen ist ein unscheinbarer braungrauer Schmetterling mit etwa 25 mm Flügelspannweite. Das Weibchen ist grau gefärbt und 6–7 mm lang, besitzt aber nur Flügelstummel und ist flugunfähig.

Die Raupen sind zunächst dunkelgrau, später bekommen sie eine hellgrüne Färbung mit gelblichen Längsstreifen.

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Raupe des kleinen Frostspanners
hellgrüne Raupe auf einem Blatt mit Fraßlöchern
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Raupe des Großen Frostspanners
grüne Raupe mit gelblichen Längsstreifen in buckelartiger Fortbewegung auf einem Blatt mit Fraßspuren

Biologie

Die Überwinterung erfolgt als Ei in Rindenritzen der Bäume. Die Raupen schlüpfen im Frühling bereits mit Beginn des Austriebs und fressen junge Blätter, Blüten und Früchte. Wenn die Raupen ausgewachsen sind (etwa 2,5 cm lang), verlassen sie den Baum und ziehen sich in die oberste Bodenschicht zurück (im Mai). Nach der Verpuppung treten die erwachsenen Schmetterlinge im Herbst etwa Ende Oktober mit den ersten Frostnächten auf. Da der Saugrüssel der Falter rückgebildet ist, nehmen sie keine Nahrung auf und leben nur wenige Tage. Nach der Paarung klettern die flugunfähigen Weibchen zur Eiablage die Stämme der Bäume hinauf und legen im äußeren Kronenbereich bis zu 300 Eier ab, die zunächst hellgrün und später im Winter rötlich verfärbt sind.

Schadsymptome

Die Blüten- und Blattknospen entfalten sich nicht, sie sind teilweise versponnen und in ihrem Inneren ausgehöhlt. In den Blüten sind Stempel und Staubgefäße abgefressen und die Blüte ist dadurch vernichtet. Die Blätter weisen zunächst Löcherfraß auf; bei stärkerem Befall werden sie bis auf die Blattrippen abgefressen (Kahlfraß). Auch die jungen Früchte werden vielfach geschädigt. Bei Kernobst ist das Fruchtfleisch betroffen, bei Steinobst, besonders Kirsche, auch der Kern (Löffelfraß). Der wesentlich seltenere Große Frostspanner (Erannis defoliaria) und andere Raupen erzeugen die gleichen Schadsymptome.

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Fraßspuren der Raupen an den Blättern
Laubbaum mit starken Raupenfraßspuren an den Blättern
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Kahlfraß durch Raupen
Mehrere Raupen an einem kahlgefressenen Zweig
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Kahlfraß eines Laubbaums durch Raupen des Frostspanners
Durch Frostspannerraupen kahl gefressener Laubbaum

Wirtspflanzen

Als Wirtspflanzen dienen Obstgehölze (Kern- und Steinobst, ausgenommen Pfirsich) und andere Laubhölzer. Obstanlagen, vor allem Süßkirschen, in Waldnähe und früh blühende Sorten sind besonders gefährdet.

Verbreitung

Frostspanner treten weltweit auf. Der Kleine Frostspanner tritt in Nord- und Mitteleuropa (bis in den Norden Italiens) und östlich bis zu den baltischen Staaten auf.

Ausbreitung und Übertragung

Die Ausbreitung erfolgt besonders durch die Jungraupen, die sich mit Spinnfäden von den Bäumen hängen lassen und dadurch mit dem Wind verdriftet werden können.

Wirtschaftliche Bedeutung

Durch starkes Auftreten der Frostspanner können erhebliche Ernteeinbußen entstehen, da durch den Fraß der Raupen große Mengen an Blüten und jungen Früchten ausfallen. Im Hausgartenbereich und im Obstbau tritt der Frostspanner in bestimmten Gebieten regelmäßig auf (so genannte Frostspannerlagen). Im Intensivanbau, besonders bei biologischer Bewirtschaftung, kann in manchen Jahren verstärkter Befall durch den Frostspanner beobachtet werden.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Förderung und Schonung von natürlichen Gegenspielern, wie z.B. räuberische Insekten, Spinnen, Schlupfwespen, Vögel
  • Verwendung von Leimringen ab Ende Oktober bis Jänner, um die flugunfähigen Weibchen, die den Baumstamm hinaufkriechen, abzufangen. Damit kann die Eiablage verhindert werden. Nicht vergessen, die Leimringe wieder im Jänner zu entfernen.
  • Winter- oder Austriebsspritzmittel (Ölpräparate) gegen „überwinternde tierische Schaderreger“ können die abgelegten Eier erfolgreich vernichten. Auf eine gründliche Benetzung aller Baumteile achten! (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel)
  • Behandlungen gegen die Jungraupen mit Pflanzenschutzmitteln vor bzw. bis spätestens kurz nach der Blüte, falls erforderlich. Wirtschaftliche Schadschwelle bei visuellen Kontrollen: 5–10 Raupen auf 100 Blattbüscheln.
  • Neben synthetischen Pflanzenschutzmitteln können gegen die Jungraupen auch Bacillus thuringiensis-Präparate eingesetzt werden (möglichst noch vor der Blütezeit).
  • Haben die Raupen eine Größe von 2 cm erreicht, ist eine chemische Behandlung nicht mehr angebracht, da ein baldiges Abwandern der Raupen zu erwarten ist.

Fachinformation

Publikationen

Lethmayer, C. (2018): Raupen an Marillenbaum. – LANDWIRT 21: 30-31.

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