Baumwollkapselwurm

Zuletzt geändert: 13.05.2016
Eine Raupe des Baumwollkapselwurmes in einer grünen Tomate
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Schadbild des Baumwollkapselwurmes an Tomate samt Raupe

Der Baumwollkapselwurm oder die Baumwoll-Kapseleule bzw. Baumwolleule (Helicoverpa armigera) wurde früher den Gattungen Chloridea später Heliothis zugerechnet. Es handelt sich dabei um die Raupe eines Nachtschmetterlings, der zu den Eulenfaltern (Noctuidae) zählt. Obwohl er bereits seit alters her bei uns vorkommt, erlangte er erst in den letzten Jahren landwirtschaftliche Bedeutung: insbesondere in Hitzejahren wie 2003 oder 2014 ist mit seinem Auftreten im Spätsommer an Salat, Fisolen, Paprika, Paradeisern, an Mais sowie verschiedensten Blumen zu rechnen.

Verbreitung

Bitte beachten sie die Monitoringkarte der Landwirtschaftskammer Österreich in Zusammenarbeit mit der AGES.
Monitoringkarte LKÖ/AGES

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Eine Raupe des Baumwollkapselwurmes in einer grünen Tomate
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Schadbild des Baumwollkapselwurmes an Tomate samt Raupe

Der Baumwollkapselwurm oder die Baumwoll-Kapseleule bzw. Baumwolleule (Helicoverpa armigera) wurde früher den Gattungen Chloridea später Heliothis zugerechnet. Es handelt sich dabei um die Raupe eines Nachtschmetterlings, der zu den Eulenfaltern (Noctuidae) zählt. Obwohl er bereits seit alters her bei uns vorkommt, erlangte er erst in den letzten Jahren landwirtschaftliche Bedeutung: insbesondere in Hitzejahren wie 2003 oder 2014 ist mit seinem Auftreten im Spätsommer an Salat, Fisolen, Paprika, Paradeisern, an Mais sowie verschiedensten Blumen zu rechnen.

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Symptome

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Befall durch den Baumwollkapselwurm an Tomate
Befall durch den Baumwollkapselwurm an Tomate

Typische Symptome sind Fraßgänge in Gemüsefrüchten und verschiedenen Samenständen, aber auch in Blüten oder Knospen beispielsweise von Gerbera oder Geranien.

Schäden wurden bislang in Ackerkulturen (Mais) und Freilandgemüse (Salat, Bohnen), aber auch in Glashauskulturen (Paradeiser, Paprika, Melanzani, …) beobachtet. Schäden waren auch im Kleingartenbereich festzustellen.

Die Raupen wurden in Österreich bisher in Früchten von Nachtschattengewächsen (Paprika, Paradeiser, Melanzani), an Buschbohnen, an Gurkentriebspitzen, an Maiskolben sowie in Gerbera- und Pelargonienblüten gefunden.

Weltweit ist er vor allem durch den Befall der Baumwollkapseln berüchtigt, woher auch sein deutscher Name rührt - in Frankreich wird er hingegen als Tomateneule bezeichnet.
Seine gesamte Wirtspflanzenliste umfasst jedoch mehr als 120 Wild- und Kulturpflanzen, eine der bevorzugten Wirtspflanzen ist der Mais.

Diagnose

Merkmale zur Identifizierung

Zur sicheren Identifizierung der Baumwollkapseleule ist es notwendig den Genitaltrakt der Falter zu untersuchen:

Beim Männchen sind im Inneren typische Chitinhörnchen (Cornuti) zu finden, beim Weibchen ist neben dem spiralig gedrehten Darm ein blasenförmiges Receptaculum seminis sichtbar, welches mit feinen Zähnchen besetzt ist, die in 4 Längsrillen angeordnet sind.

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Genital Männchen Falter des Baumwollkapselwurm (Helicoverpa armigera)
Genital Männchen Falter des Baumwollkapselwurm (Helicoverpa armigera)
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Genital Weibchen Falter des Baumwollkapselwurm (Helicoverpa armigera)
Genital Weibchen Falter des Baumwollkapselwurm (Helicoverpa armigera)
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Genital Weibchen (Detail) Falter des Baumwollkapselwurm (Helicoverpa armigera)
Genital Weibchen (Detail) Falter des Baumwollkapselwurm (Helicoverpa armigera)

Eiablage und Raupenstadium

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Ei des Baumwollkapselwurmes
Ei des Baumwollkapselwurmes

Sie legen ihre cremefarbenen Eier einzeln, aber in kleineren Gruppen an ihren Wirtspflanzen meist in der Nähe von Blüten oder Früchten ab. Sie besitzen kugelförmige Gestalt mit einem Durchmesser von etwa 0,5 mm und zeigen eine fein ziselierte Oberfläche.

Sie können nach derzeitigem Wissensstand nicht von den Eiern verwandter Arten unterschieden werden und mit freiem Auge sind sie sehr schwer zu erkennen. Weibchen können je nach dem Ernährungszustand der Raupe, aus der sie sich entwickelt hatten, über 1000 Eier ablegen.

Im Zuge der Entwicklung werden 6 Raupenstadien durchlaufen. Die Raupen fressen bevorzugt in Blüten, Triebspitzen oder Früchten. Wenn sie die Möglichkeit haben, so bohren sie sich in Pflanzenteile ein und halten sich dann in den selbst genagten Fraßgängen auf. Als Nahrung werden die heranreifenden Samen bevorzugt.

Charakteristika der Raupe und des Falters

Der „Baumwollkapselwurm“ ist eine sehr variabel gefärbt Raupe. Neben Typen, wie dem abgebildeten Exemplar gibt es noch bräunliche Farbvarianten. Charakteristisch sind jedenfalls die in feine Linien aufgelösten Längsbänder sowie Borsten auf dem 4. Körpersegment (das ist das erste beinlose Segment nach der Brustregion mit den Brustbeinen) die auf stark sklerotisierten Sockeln stehen. Die Körperhaut ist mit sehr feinen Zäpfchen bedeckt - zu deren Erkennung ist unbedingt eine Lupe erforderlich. Um letzte Sicherheit zu erhalten, muss die Raupe bis zum Falter weitergezüchtet werden.

Zur Verpuppung verlässt die Raupe ihre Wirtspflanze und gräbt eine kleine Erdhöhle, die sie mit Spinnseide auskleidet und in der sie sich verpuppt. Je nach Temperatur können sich in jeder Saison mehrere Generationen von Faltern entwickeln.

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Raupe des Baumwollkapselwurmes
Raupe des Baumwollkapselwurmes auf einer Pflanze
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Farbvariante einer Raupe
Farbvariante einer Raupe
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Zäpfchen auf der Haut der Raupe
Zäpfchen auf der Haut der Raupe des Baumwollkapselwurmes
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Puppe des Baumwollkapselwurmes
Puppe des Baumwollkapselwurmes
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Falter des Baumwollkapselwurmes
Falter des Baumwollkapselwurmes
 

Unterschiedliche Flügelfärbung der Falter

Die Flügel von Faltern der Baumwollkapseleule (Helicoverpa armigera) sind in verschiedensten Braun- und Grautönen äußerst variabel gefärbt und weisen eine Flügelspannweite von etwa 35 mm auf.

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Farbvarianten der Flügeln (Baumwollkapselwurm)
Farbvarianten der Flügeln (Baumwollkapselwurm)

Bekämpfung

  • Vor Kulturbeginn sollte die Befallsfreiheit im Gewächshaus und Folientunnel durch spezifische Pheromonfallen überprüft werden. Während der Saison regelmäßige Befallskontrollen durchführen.
  • Vor und nach Kulturbeginn im Gewächshaus und Folientunnel intensive Bodenbearbeitung durchführen. Nur befallsfreie Jungpflanzen zukaufen.
  • Bei hartnäckigem Befall in Gewächshäusern und Folientunnel den Boden im Winter sehr feucht halten: diese einfache Maßnahme beeinträchtigt die Überwinterung der trockenheitsliebenden Steppenart.
  • Behandlung mit einem zugelassenen, wirksamen Pflanzenschutzmittel: über den aktuellen Stand der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zur Bekämpfung des Baumwollkapselwurms informiert das österreichische Pflanzenschutzmittelregister (s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel)
  • Einsatz natürlicher Gegenspieler: im Gemüsebau unter Glas hat sich die periodische Freisetzung von Eiparasiten der Gattung Trichogramma gut bewährt. Im Allgemeinen wurden parasitierte Raupen in Mitteleuropa jedoch nur in geringem Ausmaß gefunden.
  • Raupen von Helicoverpa armigera sind an Jungpflanzen aus bestimmten Pflanzenfamilien, welche zum Verpflanzen bestimmt sind, gemäß EU-Richtlinie 2000/29/EG als Quarantäneschadorganismus gelistet und unterliegen an solchen Kulturpflanzen gesetzlichen Regelungen zur Verhinderung der Einschleppung und Ausbreitung in die bzw. in den Mitgliedsstaaten. Im Einzelnen handelt es sich dabei um Jungpflanzen von Nachtschattengewächsen (Tomaten, Paprika und Melanzani), Nelken und Chrysanthemen. Diese Bestimmungen richten sich vor allem an Jungpflanzenbetriebe und den Handel.
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