Asiatischer Marienkäfer

Harmonia axyridis

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Zuletzt geändert: 24.05.2018
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Asiatischer Marienkäfer (harmonia axyridis) oranger Farbton
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Asiatischer Marienkäfer (harmonia axyridis) oranger Farbton

Englische Bezeichnungen: Multicolored Asian lady beetle, Harlequin ladybird, Halloween beetle, Japanese lady beetle

Ursprünglich stammt der „Asiatische Marienkäfer“ aus dem östlichen Asien (China, Japan, Korea, Mongolei und Süd-Russland). Die Larven und erwachsenen Käfer ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen und Schildläusen, fressen jedoch außerdem noch andere weichhäutige Insekten und Milben.

Asiatischer Marienkäfer (harmonia axyridis) oranger Farbton
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Asiatischer Marienkäfer (harmonia axyridis) oranger Farbton

Englische Bezeichnungen: Multicolored Asian lady beetle, Harlequin ladybird, Halloween beetle, Japanese lady beetle

Ursprünglich stammt der „Asiatische Marienkäfer“ aus dem östlichen Asien (China, Japan, Korea, Mongolei und Süd-Russland). Die Larven und erwachsenen Käfer ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen und Schildläusen, fressen jedoch außerdem noch andere weichhäutige Insekten und Milben.

Schadorganismus

Schadorganismus

Der gefräßige Blattlausjäger wurde zur natürlichen Schädlingskontrolle gezüchtet und vor allem in Glashauskulturen erfolgreich eingesetzt, zuerst (1916) in den USA, ab 1995 auch in einigen europäischen Ländern (z.B: Frankreich, Belgien und die Niederlande). In der Zwischenzeit ist er jedoch in weiten Teilen der USA, in Europa und Südamerika sowie in einigen afrikanischen Ländern auch im Freiland etabliert. In Österreich wurde das erste Mal im Herbst 2006 über eine Ansammlung des Asiatischen Marienkäfers berichtet (Rabitsch und Schuh, 2006). Mittlerweile liegen Meldungen über das Vorkommen des Käfers aus allen Bundesländern vor.

Die Naturalisierung des Asiatischen Marienkäfers im Freiland war eigentlich nicht vorgesehen und ist aufgrund seines breiten Wirtsspektrums und raschen Ausbreitungsvermögens problematisch. Der Asiatische Marienkäfer ist eine invasive Art, die sich enorm rasch ausgebreitet hat und eine Bedrohung für die Biodiversität von einheimischen Marienkäferarten darstellt: als direkter Nahrungskonkurrent und als gefräßiger, polyphager Räuber, der auch die Eier und Larven anderer Nützlinge frisst. Zur Überwinterung bilden die Käfer große Ansammlungen und dringen in Häuser ein, wo sie eine Belästigung darstellen. Darüber hinaus verursacht Harmonia axyridis zunehmend Schäden im Obst- und Weinbau.

In den letzten Jahren hat sich das Bild des Asiatischen Marienkäfers vom „nützlichen Marienkäfer“ hin zum „Schädling“ gewandelt. Der positive Beitrag als biologisches Kontrollmittel von verschiedenen Schädlingen wird von seinen negativen Eigenschaften überschattet.

Aussehen

Der erwachsene Asiatische Marienkäfer erreicht eine Länge von 6-8mm und ist damit deutlich größer als die meisten europäischen Marienkäferarten (<5mm).

Einige heimische Marienkäferarten sind jedoch ähnlich groß wie zum Beispiel: der 7-Punkt Marienkäfer (Coccinella septempunctata) (5,5-8mm), Augenfleck Marienkäfer (Anatis ocellata) (6-9mm), Ameisen-Siebenpunkt (Coccinella magnifica), Vierpunkt Marienkäfer (Harmonia quadripunctata) (5-7,5mm), Gestreifter Marienkäfer (Myzia oblongoguttata) (6-8mm), Ceratomegilla undecimnotata (5-7mm). Aufgrund der variablen Farbgestaltung des Asiatischen Marienkäfers besteht daher Verwechslungsgefahr mit einheimischen Marienkäfern.

Grundsätzlich lassen sich drei Farbvarianten der Deckflügel (Elytren) unterscheiden:

  1. Die Grundfarbe der Deckflügel variiert von senf-gelb über orange bis rot mit keinem Punkt oder bis zu 21 schwarzen Punkten
  2. Schwarze Grundfärbung mit 2 orange - roten Punkten
  3. Schwarze Grundfärbung mit 4 orange - roten Punkten

Sehr häufig befindet sich auf dem Halsschild eine schwarze Markierung, die je nach Betrachtungsweise „M”-oder „W“-förmig ist.

Die Linien dieser Markierung können verbunden oder unterbrochen sein. Andere Individuen (häufig die mit schwarzer Flügelgrundfarbe) weisen diese Markierung nicht auf, sondern haben in der Mitte des Halsschildes einen großen schwarzen Fleck.

Verwechslungsgefahr besteht besonders mit dem Zwei-Punkt Marienkäfer (Adalia bipunctata), der eine ähnliche schwarze Markierung am Halsschild aufweisen kann. Neben den bereits genannten nicht artcharakteristischen Merkmalen, ist nur die im hinteren Bereich der Deckflügel transversal verlaufende leichte Erhebung ein eindeutiger Hinweis für den Asiatischen Marienkäfer.

Biologie

Die erwachsenen Asiatischen Marienkäfer treten ab Mitte April /Mai auf. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in Grüppchen auf von Blattläusen befallenen Pflanzen ab. Der Käfer entwickelt sich vom Ei über vier Larvenstadien und das Puppenstadium zum erwachsenen Käfer.

Im Unterschied zu den meisten in Nordeuropa heimischen Marienkäferarten, ist der Asiatische Marienkäfer in der Lage mehrere Generationen im Jahr zu bilden, abhängig von den vorherrschenden Temperaturen: in Großbritannien gibt es zwei, in Griechenland vier und in seiner Heimat Asien sogar fünf Generationen. Durch die Bildung mehrerer Generationen im Jahr kommt es zu einem raschen Populationsanstieg, was eine rasche Ausbreitung begünstigt.

Die älteren Larven sind sehr auffällig: auf dem Rücken tragen sie verzweigte Fortsätze, was ihnen ein stacheliges Aussehen verleiht. Die Fortsätze vom 1. bis zum 5. Hinterleibssegment sind orangefarben und bilden einen auffallenden Kontrast zum schwarzgrauen Körper. Das letzte Larvenstadium kann eine Größe von 1 cm erreichen.

Die Larven sind vor allem im Juni und Anfang Oktober zu finden. Eine Larve frisst während ihrer Entwicklungszeit von etwa 2 Wochen zwischen 90 und 370 Blattläuse (Hukusima and Kamei, 1970).

Im Oktober/November machen sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Winterquartier. Untersuchungen aus den USA zeigten, dass sich die Käfer im Herbst nach einem Kälteeinbruch (Temperaturen um 0°C) in den darauffolgenden wärmeren Tagen (>18°C) auf die Suche nach einem Winterquartier begeben (Huelsman et al., 2002).

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Larve des Asiatischen Marienkäfers
Larve des Asiatischen Marienkäfers
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Ansammlung des Asiatischen Marienkäfers
Ansammlung des Asiatischen Marienkäfers
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Ansammlung des Asiatischen Marienkäfers
Ansammlung des Asiatischen Marienkäfers

Wirtschaftliche Bedeutung

Wirtschaftliche Bedeutung

In den USA, wo der Asiatische Marienkäfer seit 1988 etabliert ist, fällt er immer wieder als Obst- und Weinbauschädling auf.

Weinbau

Wenn im Herbst keine Blattlauskolonien mehr vorhanden sind, sucht der Asiatische Marienkäfer andere Nahrungsquelle auf und wird von „Blattlausfresser“ zum „Früchteliebhaber“. Da Weintrauben im Herbst einen hohen Zuckergehalt aufweisen, werden sie von ihm gerne als Nahrung angenommen. 
Offensichtlich wird er von bereits beschädigten Weintrauben angelockt. Es gibt aber auch Berichte wonach er an nicht beschädigten Weintrauben frisst. Traubensorten die zum Aufspringen neigen und sehr spät reifende Sorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, oder Riesling sind besonders gefährdet und betroffen.

Der eigentliche Schaden entsteht durch die Geschmacksbeeinträchtigung des Weins durch den unangenehmen Abschreckstoff des Marienkäfers. Bei Bedrohung entlassen sie ein abschreckendes Sekret („Reflexbluten“), welches Pyrazine (2-isopropyl-3-methoxypyrazin, 2-sec-butyl-3-methoxypyrazin) enthält, die einen erdigen bis ranzigen Geruch aufweisen. Die Käfer fressen sich in die Trauben hinein, wo sie schwierig zu entfernen sind. Werden die Käfer mit den Weintrauben verarbeitet, wird das Aroma durch die Pyrazine verdorben und führt zu einem unerwünschten, bitteren Geschmack (Weinfehler).

Versuche in den USA und der Schweiz haben gezeigt, dass bereits 1 bis 1,9 Asiatische Marienkäfer pro kg Trauben die geruchliche und geschmackliche Qualität von Weißweinen (Testsorten: Chasselas, Riesling) mindern. Bei roten Rebsorten (Testsorten: Blauburgunder, Frontenac) waren erst bei fünf Käfern pro Kilogramm Qualitätsseinbußen festzustellen. Basierend auf diesen Ergebnissen, wurde in den USA eine Schadensschwelle hinsichtlich einer Geschmacksbeeinträchtigung von 1 Asiatischen Marienkäfer pro Traube festgelegt (Galvan et al., 2007a).

Zur Abschätzung der Befallsstärke durch den Asiatischen Marienkäfer im Weinbau wird in den USA folgende Methoden empfohlen: bei 25 Trauben wird der Anteil an befallenen Trauben über einem Schwellenwert von 1 Asiatischen Marienkäfer pro Traube bewertet (Galvan et al. 2007a). Sind 10% der untersuchten Trauben mit mindestens einem Asiatischen Marienkäfer infiziert, ist mit Geschmackseinbußen zu rechnen (Schwellenwert bei Riesling).

Erstmals 2006 in Österreich entdeckt, hat sich der Asiatische Marienkäfer mittlerweile weit ausgebreitet und wird auch in Weingärten immer häufiger wahrgenommen.

Obstbau

Im Obstbau sind Marienkäfer im Frühjahr und Sommer sehr nützlich, da sie effektiv Blattläuse vertilgen. Im Herbst allerdings kann sich der Asiatische Marienkäfer an verschiedenen Kern- und Steinobstsorten sowie Beeren schädigend zu schaffen machen. Der Asiatische Marienkäfer frisst an Apfel, Birne, Himbeere, Brombeere, Johannisbeere, Marille, Pfirsich, Zwetschke, Mirabelle und Kirsche; an Pfirsich und Himbeere frisst er auch wenn diese noch nicht vorgeschädigt sind.

Vereinzelt gibt es bereits erste Berichte aus Österreich, dass der Asiatische Marienkäfer im Obstbau Qualitätsschäden verursachte. Im Gegensatz zum Weinbau sind für den Obstbau bislang noch keine wirtschaftlichen Schadschwellen festgelegt worden. Aufgrund der zahlreichen Obstsorten und deren unterschiedliche Reifezeiten ist es im Obstbau auch weitaus schwieriger konkrete Angaben über den Zeitpunkt einer möglichen Schädigung durch den Asiatischen Marienkäfer zu machen. Grundsätzlich sollte ebenso wie im Weinbau kurz vor der Ernte (2 Wochen) ein Monitoring für den Asiatischen Marienkäfer gemacht werden. 

Vor allem bei der Vermarktung von frischen Beeren/Tafeltrauben und Verarbeitungsprodukten wie z.B. Obstsäften  kann es zu Qualitätsverlusten kommen. Werden die Käfer mit den Früchten geerntet und verarbeitet kommt es ähnlich wie beim Wein zur geschmacklichen unumkehrbaren Beeinträchtigung.

Vorbeugung und Bekämpfung

Vorbeugung und Bekämpfung

Kontrollmaßnahmen im Wein-und Obstbau

Da der Weinfehler eines “Harmonia-Weins” nicht mehr komplett aufgehoben sondern bestenfalls durch Zugabe von Eichenschnitzel oder Aktivkohle gelindert werden kann, ist es besonders wichtig eine derartige Verunreinigung von vornherein zu verhindern (Pickering et al. 2006b). Die Gefahr eines wirtschaftlichen Schadens hängt von der Populationsdichte des Asiatischen Marienkäfers ab. Kontrollmaßnahmen sollten auf Grundlage von Schädlingsdichte und Schadensschwelle erfolgen.
Da die Trauben/Früchte üblicherweise knapp vor der Lese/Ernte befallen werden, sollte 2 Wochen davor die Befallsstärke des Asiatischen Marienkäfers überprüft werden, z.B. mittels Bonitur oder beleimter Gelbtafeln.

Mechanisch

Beschädigte Trauben und Früchte sollten entfernt werden, damit der Asiatische Marienkäfer erst gar nicht angelockt wird. Es ist wichtig darauf zu achten, dass keine Käfer ins Lese- oder Erntegut gelangen. In kleineren Anlagen können per Hand die Käfer gegebenenfalls von den Trauben/Früchten geschüttelt werden. Bei maschineller Ernte besteht die Gefahr, dass die sich in den verletzten Trauben/Früchten aufhaltenden Käfer nicht ausgeschieden werden und in die Maische gelangen.

Insektizide

Zur Bekämpfung des Asiatischen Marienkäfers sind derzeit keine Pflanzenschutzmittel zugelassen. Grundsätzlich wären folgende Pflanzenschutzmittelwirkstoffgruppen gegen Harmonia axyridis wirksam: Pyrethroide, Imidacloprid und Carbarmat. Sollte  die Schadensschwelle überschritten und Bekämpfungsmaßnahmen notwendig werden, können nur Pflanzenschutzmittel mit entsprechend kurzer Wartefrist eingesetzt werden. Link: (s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel).

An der Erforschung anderer Kontrollmaßnahmen wie z.B. Abschreckstoffen (Repellents) und Lockstoffen wird gearbeitet. Kampfer und Menthol wirken auf die erwachsenen Asiatischen Marienkäfer abschreckend, allerdings haben diese pflanzlichen sekundären Inhaltsstoffe nur eine sehr kurze Wirkungsdauer.

Die Erfahrungen aus den USA zeigen was für ein großes Potenzial Harmonia axyridis als Wein-und Obstschädling birgt. Um mögliche negative Entwicklungen rechtzeitig feststellen zu können, sollte das Auftreten des Asiatischen Marienkäfers aufmerksam beobachtet werden. 

Rückfragehinweis

Bei Problemen mit dem Asiatischen Marienkäfer im Obst- und Weinbau wird ersucht die ExpertInnen der AGES zu kontaktieren.
Die Bestimmung von Harmonia axyridis kann an der AGES, am Institut für Nachhaltige Pflanzenproduktion, durchgeführt werden.

Mag. Gudrun Strauß
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit
Institut für Nachhaltige Pflanzenproduktion

Links

Großbritannien: www.harlequin-survey.org/default.htm (englisch)
Deutschland: www.nabu.de/tiereundpflanzen/insektenundspinnen/kaefer/marienkaefer/ (deutsch)
DAISIE (2008). Harmonia axyridis. www.europe-aliens.org/speciesFactsheet.do)
EPPO: www.eppo.org/MEETINGS/2008_meetings/biocontrol.htm (englisch)

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