Tetracycline

Zuletzt geändert: 16.06.2020

Tetracyclinrückstände in tierischen Lebensmitteln

Wirkungsweise

Tetracycline sind teils natürliche, aus Streptomycesarten gewonnene, teils halbsynthetische Antibiotika mit außerordentlich breitem Wirkungsspektrum. Durch Blockieren der ribosomalen Proteinbiosynthese wirken sie bakteriostatisch (wachstumshemmend) auf zahlreiche grampositive und gramnegative Bakterien sowie auf zellwandlose Problemkeime wie Mycoplasmen, Chlamydien und Rickettsien. Sie waren die erste Hauptgruppe von Antibiotika für die der Ausdruck "Breitband- oder Breitspektrum-Antibiotika" gebraucht wurde.

Bakterielle Resistenzmechanismen

Bakterienstämme, die eine Resistenz gegen ein Tetracyclin entwickelt haben, sind auch gegen alle anderen Vertreter der Tetracyclinfamilie resistent (komplette Kreuzreaktion zwischen allen Tetracyclinen). Da sie an den Ribosomen ihre Wirkung entfalten, indem sie dort die Proteinbiosynthese hemmen, ist ein bakterieller Resistenzmechanismus die Produktion eines Proteins, das die Ribosomen schützt. Die zweite wichtige Möglichkeit der Abwehr ist die Synthese eines zytoplasmatischen Membranproteins, das Tetracycline aus der Bakterienzelle pumpt. Der seltenste Resistenzmechanismus ist die chemische Modifizierung (Acetylierung) und damit Inaktivierung von Tetracyclinen.

Gesetzliche Rückstandsregelung

Für die Behandlung von lebensmittelliefernden Tieren sind die Substanzen Chlortetracyclin, Oxytetracyclin, Tetracyclin und Doxycyclin zugelassen. Die Anwendung erfordert die Einhaltung von Wartezeiten, die so bemessen sind, dass nach Ablauf der Wartezeit die Konzentrationen im Lebensmittel unter den Rückstandshöchstmengen liegen. Diese sind im Anhang der Verordnung (EU) 37/2010 (Tabelle 1) festgelegt und betragen, je nach Matrix, von 100 µg/kg (Muskel, Milch) bis 600 µg/kg (Niere). Die Anwendung von Doxycyclin bei Tieren, von denen Milch bzw. Eier für den menschlichen Verzehr gewonnen werden, ist explizit nicht erlaubt. Folglich dürfen in diesen Lebensmitteln keine Rückstände vorhanden sein. Für Honig gilt ebenfalls die sogenannte "Nulltoleranz", da Tetracycline, so wie alle anderen Antibiotika, für die Behandlung von Honigbienen nicht zugelassen sind.

Die Kontrolle tierischer Lebensmittel auf Tetracyclinrückstände

Aufgrund der verbreiteten Anwendung von Tetracyclinen umfasst die Kontrolle im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP) praktisch alle lebensmittelliefernde Tierarten sowie die Primärprodukte Milch, Eier und Honig. Im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes erfolgt die Probenziehung aus der Produktionskette, so dass Produkte, die mit Rückständen belastet sind, zum Ursprungsbetrieb zurückverfolgt werden können.

Im Rahmen von Aktionen der amtlichen Lebensmittelkontrolle sowie im Verdachtsfall werden Proben aus dem Handel untersucht, wobei sich die Kontrolle auch auf Drittland-Produkte erstreckt.

Untersuchte Probenarten

  • Tierische Gewebe (Fleisch, Leber, Niere)
  • Aquakultur (Fisch, Shrimps, Garnelen)
  • Milch
  • Eier
  • Honig

Untersuchungsspektrum

  • Chlortetracyclin
  • Doxycyclin
  • Oxytetracyclin
  • Tetracyclin
  • 4-Epimere von Chlortetracyclin, Oxytetracyclin und Tetracyclin
    (Die Epimere entstehen in unterschiedlichem Ausmaß als Artefakte bei der analytischen Aufarbeitung und können vermutlich bereits in vivo als Tetracyclin-"Metaboliten" zumindest im Ei gebildet werden. Sie sind zusammen mit der jeweiligen Muttersubstanz Markerrückstande gemäß Verordnung (EU) 37/2010.)

Untersuchungsstrategie und Untersuchungsmethoden

Zwecks rascher und kostengünstiger Untersuchungserledigung werden die Proben zunächst mittels geeigneter Screening-Methoden auf mögliche positive Ergebnisse (Höchstwertüberschreitung bzw. nicht zugelassene Anwendung) untersucht. Einem nicht-negativen Screening-Befund folgt eine Untersuchung mittels quantitativer Bestätigungsmethode.

  • Screening-Methoden
    Bei tierischen Geweben liefert der mikrobiologische Hemmstofftest (5-Plattentest) einen ersten Hinweis auf mögliche Tetracyclinrückstände. Der Test wird routinemäßig bei allen Gewebeproben aus dem NRKP an den damit beauftragten AGES-Instituten für veterinärmedizinische Untersuchungen Graz, Innsbruck, Linz und Mödling und an der Landesanstalt für veterinärmedizinische Untersuchungen in Klagenfurt durchgeführt.
    Da der 5-Plattentest nicht nur Tetracycline sondern Antibiotika verschiedenster Gruppen erfasst, wird - um die antibakterielle Ativität zuordnen zu können - im Fall eines positiven Hemmstoff-Ergebnisses ein Post-Screening mit dem gruppenspezifischen Charm II-Test durchgeführt.
    Milch, Eier und Honig werden mit ELISA-Test analysiert.
  • Bestätigungsmethode
    Zur Substanzidentifizierung und -quantifizierung bei nicht negativen Screening-Ergebnissen werden die Proben mittels Hochdruck-Flüssigkeitschromatographie mit Diodenarraydetektion (HPLC/DAD) analysiert.
    Der chromatographischen Trennung vorgelagert ist eine zweistufige Probenreinigung mittels Festphasenextraktion. Diese beinhaltet eine selektive Anreicherung der Tetracycline mittels Metallchelat-Affinitätschromatographie und eine Nachreinigung/Aufkonzentrierung auf C18-Säulen.
    Die HPLC/DAD-Methode ist, mit geringfügigen Unterschieden in der Probenaufarbeitung, für alle Matrices anwendbar.
    Die Bestimmungsgrenzen liegen substanzspezifisch zwischen 25 und 50 µg/kg und somit deutlich unter den gesetzlich festgelegten Höchstwerten.

Die Abteilung Tierarzneimittel, Hormone und Kontaminanten des Instituts für Lebensmittelsicherheit Wien untersucht Tetracycline in verschiedenen tierischen Matrices mittels Charm II-Test, ELISA und HPLC und ist  Nationales Referenzlabor für Tetracyclinrückstände.

Gesetzliche Grundlagen

Verordnung (EU) Nr. 37/2010 der Kommission vom 22. Dezember 2009 über pharmakologisch wirksame Stoffe und ihre Einstufung hinsichtlich der Rückstandshöchstmengen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs (ABl. EU Nr. L 15 vom 20.1.2010).

x