Antiparasitika

Zuletzt geändert: 16.06.2020

Antiparasitika sind Arzneimittel, die gegen Endo- und Ektoparasiten eingesetzt werden. Endoparasiten halten sich im Körper des Wirtes auf (z. B. Würmer), Ektoparasiten auf der Körperoberfläche (z.B. Zecken, Flöhe, Milben). Viele Antiparasitika kann man folgenden chemischen Verbindungsklassen zuordnen:

Avermectine: sowohl gegen Endo- als auch Ektoparasiten
Benzimidazole und Imidazothiazole (Levamisol): gegen Endoparasiten
Organophosphatverbindungen und Pyrethroide: gegen Ektoparasiten

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Antiparasitika sind Arzneimittel, die gegen Endo- und Ektoparasiten eingesetzt werden. Endoparasiten halten sich im Körper des Wirtes auf (z. B. Würmer), Ektoparasiten auf der Körperoberfläche (z.B. Zecken, Flöhe, Milben). Viele Antiparasitika kann man folgenden chemischen Verbindungsklassen zuordnen:

Avermectine: sowohl gegen Endo- als auch Ektoparasiten
Benzimidazole und Imidazothiazole (Levamisol): gegen Endoparasiten
Organophosphatverbindungen und Pyrethroide: gegen Ektoparasiten

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Substanzklassen

Avermectine (einschließlich Milbemycine wie Moxidectin), die keine antibakterielle Wirkung aufweisen, haben als gemeinsames Merkmal ein makrozyklisches Lakton in ihrer Molekülstruktur. Sie binden an Glutamat-aktivierte Chloridkanäle, die typisch für wirbellose Tiere wie Nematoden und Arthropoden sind. Das erhöht die Membranpermeabilität von Nerven- und Muskelzellen, wodurch deren Aktivität gehemmt wird und zum Tod der Parasiten führt. Avermectine sind Stoffwechselprodukte von Strahlenpilzarten (Streptomyces), die nachträglich zum Teil chemisch modifiziert werden. Aufgrund der insektiziden und akariziden Wirkung der Avermectine wird ein Vertreter, Abamectin, auch als Pestizid eingesetzt.

Benzimidazole sind Anthelminthika (Wurmmittel), deren Wirkmechanismus auf einer Bindung an bestimmte Proteine der Parasitenzellen, den sogenannten Tubulinen, beruht. Dadurch wird die Bildung der Mikrotubuli gestört und es kommt zu einer Beeinträchtigung wichtiger struktureller (Zytoskelett) und funktioneller (Aufnahme und intrazellulärer Transport von Nährstoffen) Vorgänge in den Zellen, sodass die Würmer absterben und nach einigen Tagen ausgeschieden werden. Das gemeinsame Merkmal dieser Substanzklasse ist ein Benzimidazol-Kern in ihrer Molekülstruktur.

Levamisol ist das L-Isomer von Tetramisol, das zu gleichen Teilen die L- und R-Form beinhaltet. Anthelmintisch wirksam ist nur das L-Isomer, das die cholinerge Reizleitung beeinträchtigt und so zur Lähmung und zum Tod des Parasiten führt.

Untersuchungsspektrum und Analysemethoden

Die Abteilung Tierarzneimittel, Hormone und Kontaminanten des Instituts für Lebensmittelsicherheit Wien analysiert Antiparasitika der Substanzklassen Avermectine, Benzimidazole inkl. Levamisol und Salicylsäure-/Phenolderivate (inkl. Salicylanilide)/Benzolsulfonamide routinemäßig in tierischen Geweben und Milch und ist auch Nationales Referenzlabor für diese Untersuchungen.

Die regelmäßige Teilnahme an internationalen Ringversuchen und an Workshops des für Antiparasitika zuständigen EU-Referenzlabors (EURL) in Berlin sichern die Qualität der Ergebnisse und eine stetige Weiterentwicklung der Analysenmethoden auf den neuesten Stand der Technik und Forschung.

Die einzelnen Substanzgruppen werden mit jeweils einer eigenen Analysemethode (betreffend Probenaufarbeitung und Messung) untersucht:

Avermectine

Avermectine

Abamectin (Avermectin B1a)
Doramectin
Emamectin B1a
Eprinomectin
Ivermectin B1a (22,23-Dihydroavermectin B1a)
Moxidectin

Analysemethode: HPLC mit Fluoreszenzdetektion (HPLC/FLD)

Benzimidazole inkl. Levamisol

Benzimidazole inkl. Levamisol

Albendazol
Albendazolsulfon
Albendazol-2-aminosulfon
Albendazolsulfoxid
Febantel
Fenbendazol
Flubendazol und Aminoflubendazol
Levamisol
Mebendazol, Hydroxymebendazol und Aminomebendazol
Nocodazol
Oxfendazol
Oxfendazolsulfon
Oxibendazol
Parbendazol
Thiabendazol und 5-Hydroxythiabendazol
Triclabendazol
Triclabendazolsulfoxid
Triclabendazolsulfon
Ketotriclabendazol

Analysemethode: HPLC mit massenspektrometrischer Detektion (LC/MSMS)

Salicylsäure-/Phenolderivate (inkl. Salicylanilide)/Benzolsulfonamide

Salicylsäure-/Phenolderivate (inkl. Salicylanilide)/Benzolsulfonamide

Clorsulon
Closantel
Nitroxinil
Oxyclozanid
Rafoxanid

Analysemethode: HPLC mit massenspektrometrischer Detektion (LC/MSMS)

Für ein rasches Screening von Avermectinen und Benzimidazolen inkl. Levamisol in Milch wird zusätzlich ein Chemolumineszenz-Immunoassay eingesetzt.

Gesetzliche Regelung

Für tierische Gewebe (Muskel, Fett, Leber und Nieren), teilweise für Milch und für Eier (Flubendazol) existieren in der Verordnung (EU) 37/2010, in der die Höchstmengen für Tierarzneimittelrückstände in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs festgelegt sind, Grenzwerte. Diese liegen - wie auch bei den meisten anderen Arzneimitteln - bei Milch wesentlich niedriger als bei den anderen Matrices. Das Verabreichen einiger Antiparasitika (z.B. Mebendazol) ist bei milchliefernden Tieren ausdrücklich verboten: „Nicht bei Tieren anwenden, von denen Milch für den menschlichen Verzehr gewonnen wird“. Blut und Harn sind in der oben genannten Verordnung nicht geregelt.

Gesetzliche Grundlagen

Verordnung (EU) Nr. 37/2010 der Kommission vom 22. Dezember 2009 über pharmakologisch wirksame Stoffe und ihre Einstufung hinsichtlich der Rückstandshöchstmengen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs (ABl. EU Nr. L 15 vom 20.1.2010).

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