FAQ zu MCPDs und Glycidyl-Fettsäureestern

Zuletzt geändert: 08.02.2017

Was sind 3-MCPD und 2-MCPD sowie Glycidyl-Fettsäureester?

Freies MCPD (3- und 2-Monochlorpropandiol) und deren Ester sowie Glycidyl-Fettsäureester gehören zu den Prozess-Kontaminanten, da diese Substanzen vor allem bei der Herstellung von pflanzlichen Fetten und Ölen entstehen: Pflanzliche Fette und Öle werden hoch erhitzt, damit unangenehme und bittere Geruchs- und Geschmacksstoffe entfernt werden (Raffination). Die dabei entstehenden MCPD-Fettsäureester (ab 150 °C) und Glycidyl-Fettsäureester (ab 200 °C) können somit in allen raffinierten pflanzlichen Fetten und Ölen und allen Lebensmitteln enthalten sein, denen diese Fette und Öle als Zutat zugegeben werden.

Neuere Erkenntnisse zeigen, dass sich 3-MCPDs auch bei der Verarbeitung von tierischen Lebensmitteln (Fisch, Fleisch) bilden können. Man findet sie auch in Lebensmitteln die getoastet, gegrillt, gebraten, frittiert oder geräuchert werden.

Welche gesundheitlichen Risiken gehen von diesen Substanzen aus?

MCPD (Monochlorpropandiaol):

  • 3-MCPD gilt als möglicherweise krebserregend für den Menschen. 2016 wurde eine tägliche duldbare Aufnahmemenge von 0,8 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag ermittelt, die ein Leben lang täglich aufgenommen werden kann, ohne dass sich daraus negative Folgen für die menschliche Gesundheit ergeben.
  • Für 2-MCPD existiert bislang kein derartiger Grenzwert. Die Auswirkungen auf den Organismus sind nicht ausreichend untersucht.

Gycidyl-Fettsäureester:

  • Im Körper werden Glycidyl-Fettsäureester aufgespalten und Glycidol wird freigesetzt. Diese Substanz gilt als wahrscheinlich krebserregend und erbgutschädigend. Aufnahme über Lebensmittel sollte daher so gering wie möglich sein. Für diesen Stoff kann keine täglich duldbare Aufnahmemenge festgelegt werden, bei dem negativen Folgen für die menschliche Gesundheit auszuschließen sind.

In welchen Lebensmitteln kommen diese Substanzen vor?

Die aktuellste Zusammenstellung von Gehaltsdaten in Lebensmitteln findet sich in dem Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus dem Jahr 2016. Dabei wurden insgesamt 7.175 Analysedaten zum Vorkommen dieser Stoffe in Lebensmitteln aus insgesamt 23 europäischen Mitgliedstaaten (2009 - 2015) erfasst.

Glycidyl-Fettsäureester und 3-MCPDs wurden in Speiseölen und Speisefetten nachgewiesen sowie in Lebensmitteln, die daraus hergestellt wurden, wie zum Beispiel Margarine, Back- und Konditoreiwaren, Brotaufstriche (Schokoladen-Aufstriche, Erdnussbutter), frittierte Produkte sowie verschiedene Snack-Produkte (bspw. Brezel, Kartoffel-Chips) sowie Säuglingsanfangs- und Folgenahrung.

Palmöl enthält vergleichsweise die höchsten Konzentrationen

Die höchsten Konzentrationen dieser Substanzen finden sich in Palmölen und Palmfetten, sie kommen jedoch auch in anderen Pflanzenölen und Pflanzenfetten vor (z. B.: Kokosöl/-fett, Walnussöl, Sonnenblumenöl, Sojabohnenöl, Rapsöl und Margarine). Laut EFSA enthält Palmfett/-öl mittlere Gehalte von 2.912 Mikrogramm pro Kilogramm Lebensmittel μg/kg) für 3-MCPD und 1.565 für 2-MCPD sowie 3.955 μg/kg für Glycidol. Für andere Öle wurden niedrigere mittlere Gehalte festgestellt: zwischen 48 und 608 μg/kg für 3-MCPD, zwischen 86 und 270 μg/kg für 2-MCPD und zwischen 15 und 650 μg/kg für Glycidol.

Gemäß EFSA werden Glycidyl-Fettsäureester aus Diacylglycerol (DAG) bei der Erhitzung von pflanzlichen Ölen auf Temperaturen über 200°C gebildet. Palmöl enthält hohe DAG Gehalte (4 - 12 %), daher wird mehr Glycidyl-Fettsäureester gebildet.

Welche Lebensmittel tragen zur Aufnahme bei?

Laut EFSA gibt es Anlass zu möglichen Gesundheitsbedenken für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder: diese jüngeren Altersgruppen nehmen durchschnittlich, bezogen auf ihr Körpergewicht, die größte Menge dieser Stoffe auf. Bei Jugendlichen und Erwachsenen besteht für Vielverzehrer (Personen mit überdurchschnittlich hohem Konsum) von Produkten die diese Substanzen enthalten Anlass zu möglichen Gesundheitsbedenken.

  • Säuglinge nehmen diese Stoffe über Säuglingsanfangs und –Folgenahrung zu sich. Denn raffinierte Öle/Fette sind Bestandteil von Säuglingsmilchnahrung.
  • Kinder bis 3 Jahren nehmen diese Stoffe über Pflanzenfette- und Öle, Kekse, Backwaren und Kuchen, Säuglingsmilchnahrung, frittierte oder geröstete Fleischwaren auf.
  • Kinder ab 3 Jahren nehmen diese Stoffe vor allem über Margarine, Backwaren und Kuchen auf. Weitere Quellen sind Pflanzenfette und –Öle, frittierte oder geröstete Fleischwaren sowie Schokoladen-Aufstriche.
  • Jugendliche/Erwachsene nehmen diese Stoffe über Margarine, Backwaren und Kuchen, sowie frittierte oder geröstete Fleischwaren und Schokoladen-Aufstriche auf.

 Was können VerbraucherInnen tun?

  • Palmöl/Palmfett trägt für die meisten Menschen wesentlich zur Aufnahme dieser unerwünschten Stoffe bei, da es in vielen Lebensmitteln enthalten ist. Anhand der Zutatenliste ist ersichtlich welche Fette verwendet werden.
  • Frittierfette enthalten oft hohe Gehalte dieser Kontaminanten und aus diesem Grund wird empfohlen möglichst selten frittierte Lebensmittel wie Pommes frites, Schnitzel usw. zu verzehren.

Wie sollen sich Eltern verhalten, deren Kinder nicht gestillt werden und ihre Säuglinge mit industriell gefertigter Säuglingsmilchnahrung ernähren?

Wenn nicht gestillt wird, gibt es für die Ernährung von Säuglingen keine Alternative zu industriell gefertigter Säuglingsmilchnahrung. Eltern wird empfohlen, ihre Säuglinge wie bisher mit den speziell für sie hergestellten Produkten zu ernähren, weil diese Produkte für den Säugling lebenswichtige Nährstoffe in der richtigen Zusammensetzung enthalten.

Was wird zur Verringerung dieser Substanzen getan?

Die Ergebnisse der EFSA Studie zeigen, dass die Gehalte an Glycidyl-Fettsäureestern in Palmfett/-öl zwischen 2010 und 2015 von den Herstellern um die Hälfte reduziert wurden. Die Belastung der VerbraucherInnen durch Glycidyl-Fettsäureester in Lebensmittel wurde damit bereits erheblich reduziert. Der Gehalt an 3-MCPD und dessen Fettsäureestern in Pflanzenölen hat sich in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert.

Die Europäische Kommission wird noch heuer (2017) Höchstgehalte für Glycidyl-Fettsäureester und MCPDs in pflanzlichen Fetten und Ölen sowie für Säuglingsanfangsnahrung und Folgemilch festsetzen.

Quellen:

BfR (2016). Fragen und Antworten zur Kontamination von Lebensmitteln mit 3-MCPD-, 2-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern. FAQ des BfR vom 07. Juli 2016. (Zugriff: 26.07.2016).

BfR (2016). 3-MCPD-, 2-MCPD- Glycidyl-Fettsäureester in Lebensmitteln: EFSA und BfR sehen Gesundheitsrisiko vor allem für jüngere Bevölkerungsgruppen. Mitteilung Nr. 020/2016 des BfR vom 07. Juli 2016. (Zugriff: 26.07.2016).

BLL (2016). Toolbox zur Minimierung von 3-MCPD-Fettsäureestern und Glycidyl-Fettsäureestern in Lebensmitteln. (Zugriff: 26.07.2016).

EFSA (2016). Risks for human health related to the presence of 3- and 2-monochloropropanediol (MCPD), and their fatty acid esters, and glycidyl fatty acid esters in food. EFSA Journal 2016;14(5):4426 [159 pp.]. (Zugriff: 26.07.2016).

EFSA (2016). Chemicals in food 2016: Overview of selected data collection. (Zugriff. 26.01.2017)

IARC (2000). IARC monographs on the evaluation of carcinogenic risks to humans. Volume 77. Some Industrial Chemicals. (Zugriff: 26.07.2016).

Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 der Kommission vom 19. Dezember 2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln. (Zugriff: 26.07.2016).

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