ORF-Kritik an AGES-Analytik haltlos

Zuletzt geändert: 20.05.2016

Laboranalytik auf höchstem internationalen Niveau

Die am 24. Februar 2015 in den ORF-Sendungen „konkret“ und „ZIB 1“ im Zusammenhang mit HCB-Untersuchungen im Kärntner Görtschitztal getätigte Kritik an der Laboranalytik entbehrt jeglicher Grundlage. Die Aussagen „die AGES dürfte Proben falsch ausgewertet haben, dadurch ist die Belastung durch das Gift falsch eingeschätzt worden“ sind falsch und völlig haltlos.

Die AGES hat im Dezember 2014 eine Analyse des HCB-Gehalts einer Muttermilchprobe durchgeführt. Das ist mit den in der AGES gebräuchlichen High-End-Geräten direkt an der Muttermilch möglich und entspricht dem aktuellen Stand der Analysetechnik. Der gemessene Wert lag bei 0,008 mg/kg (mit einer Messunsicherheit von 8 Prozent).

Der als Vergleich gebrachte „höhere“ Messwert einer im Beitrag genannten Untersuchung in einem deutschen Labor lag bei 0,18 mg/kg, allerdings gemessen im Milchfett. Das Ergebnis beider Untersuchungen ist gleich, der absolute Gehalt von HCB in der Muttermilch wurde korrekt gemessen. Lediglich die Darstellung der Untersuchungsergebnisse - einmal angegeben in Muttermilch, einmal angegeben im Milchfett - unterscheidet sich.
 
Muttermilch enthält im Schnitt 4 Prozent Fett. Nimmt man das Ergebnis der AGES-Messung und rechnet es auf 1 Kilogramm Milchfett um, indem man mit 25 multipliziert, ergibt sich ein Wert von 0,2 mg pro Kilo Milchfett im Vergleich zu den 0,18 mg der deutschen Untersuchung.  Diese Umrechnung wird üblicherweise bei der Erstellung eines Gutachtens durch einen Humanmediziner durchgeführt.
 
Dass HCB-Analyseergebnisse oft in mg/kg Fett angegeben werden, hat zwei Gründe: Früher wurde auf Grund leistungsschwacher Analysengeräte zuerst das Fett aus dem Lebensmittel extrahiert, im Fett wurde dann HCB analysiert. Die Methode der Fettextraktion ist aufwändig und braucht mehrere Zwischenschritte, was das Risiko für Fehler erhöht. Zum anderen ist HCB sehr gut fettlöslich und reichert sich im Fettgewebe an.

Die AGES verwendet für die Analyse ein modernes Verfahren, wobei die Milch direkt und als Gesamtprodukt (ohne Fettextraktion) rasch auf HCB analysiert werden kann. Diese Methode ist relativ neu, international anerkannt und in internationalen Fachjournalen publiziert (z. B. Analytical and Bioanalytical Chemistry. 2013 Nov;405(29):9523-36. doi: 10.1007/s00216-013-7377-0. Epub 2013 Oct 27. Multi-residue method for the determination of 57 persistent organic pollutants in human milk and colostrum using a QuEChERS-based extraction procedure. Luzardo et al.) Diese Methode ist vom Europäischen Referenzlabor anerkannt.

Die im Prüfbericht angegebene Messunsicherheit von 50 % basiert auf einer EU-weit geltenden Leitline, dem "Guidance document on analytical quality control and validation procedures for pesticide residues analysis in food and feed (SANCO/12571/2013)": Dieser Wert dient der Vergleichbarkeit von Analysenergebnissen aus unterschiedlichen europäischen Laboratorien. Daher ist dieser Wert auf den Prüfberichten akkreditierter Untersuchungslabors anzugeben.

Nationales Referenzlabor für Pestizid-Analytik  der AGES ausgezeichnet

Die Untersuchung der Muttermilchprobe wurde am Institut für Lebensmittelsicherheit Innsbruck der AGES durchgeführt. Als Nationales Referenzlabor (NRL) Österreichs für Pestizidanalytik ist das Institut Bestandteil des europaweiten Labornetzwerks und hat zusätzlich den koordinierenden Auftrag, nationalen Labors für die Pestizidanalytik beratend und unterstützend, z. B. durch die Durchführung von Laborvergleichstests, zur Seite zu stehen.

Die hohe Qualität spiegelt sich u. a. im 1. Platz als „Top Performing Laboratory for Single Residue Methods“ im Jahr 2013 wieder. Herangezogen wurde dafür das Abschneiden der Labors bei den Ringversuchen der letzten 3 Jahre, wobei sowohl der Untersuchungsumfang als auch die Performance der Labors berücksichtigt wurden. Am Nationalen Referenzlabor werden 525 Wirkstoffe routinemäßig untersucht. Verliehen wird dieser Preis von der europäischen Arbeitsgruppe zum Thema Analytik von Pflanzenschutzmittelrückständen. Ziel dieser Arbeitsgruppe sind die harmonisierte Vorgangsweise und die Validierung der Methoden. Zudem wurde eine international anerkannte Guideline „Method Validation and Quality Control Procedures for Pesticide Residue Analysis in Food and Feed“ erstellt, die alle zwei Jahre revisioniert wird.

Das Geschäftsfeld Lebensmittelsicherheit betreibt an allen seinen Standorten als Konformitätsbewertungsstelle ein Qualitätsmanagementsystem nach EN ISO/IEC 17025 und EN ISO/IEC 17020 und ist durch die nationale Akkreditierungsstelle „Akkreditierung Austria“ als Prüf- und Inspektionsstelle akkreditiert.

Mehr Informationen zum Qualitätsmanagement des Geschäftsfeldes Lebensmittelsicherheit

x