Bisphenol A

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Zuletzt geändert: 23.06.2016

Bisphenol A (BPA) ist eine häufig verwendete Industriechemikalie und dient als Baustein (Monomer) für die Herstellung von Polycarbonat-Kunststoff (PC) und Epoxidharzen. Aus Polycarbonat werden unter anderem Kunstglas, CD/DVD-Rohlinge und auch Lebensmittelbehälter wie Mikrowellengeschirr, Trinkwasserspender oder Wasserkocher hergestellt. Epoxidharze auf BPA-Basis werden in großen Mengen im Baubereich (Schiffs- und Formenbau, Rohrleitungen) eingesetzt. Im Kontakt mit Lebensmitteln finden sich Epoxidharze hauptsächlich in Form von Schutzbeschichtungen von Konserven- und Getränkedosen. Eine weitere im Alltag relevante Anwendung von BPA ist Thermopapier, aus dem z. B. Kassabons und Tickets hergestellt werden. Darüber hinaus kommt BPA in Zahnversiegelungen, Anstrichen, Oberflächenbeschichtungen, Klebstoffen und Elektronikgeräten zum Einsatz.

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Bisphenol A (BPA) ist eine häufig verwendete Industriechemikalie und dient als Baustein (Monomer) für die Herstellung von Polycarbonat-Kunststoff (PC) und Epoxidharzen. Aus Polycarbonat werden unter anderem Kunstglas, CD/DVD-Rohlinge und auch Lebensmittelbehälter wie Mikrowellengeschirr, Trinkwasserspender oder Wasserkocher hergestellt. Epoxidharze auf BPA-Basis werden in großen Mengen im Baubereich (Schiffs- und Formenbau, Rohrleitungen) eingesetzt. Im Kontakt mit Lebensmitteln finden sich Epoxidharze hauptsächlich in Form von Schutzbeschichtungen von Konserven- und Getränkedosen. Eine weitere im Alltag relevante Anwendung von BPA ist Thermopapier, aus dem z. B. Kassabons und Tickets hergestellt werden. Darüber hinaus kommt BPA in Zahnversiegelungen, Anstrichen, Oberflächenbeschichtungen, Klebstoffen und Elektronikgeräten zum Einsatz.

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Toxizität

Bisphenol A hat eine geringe akute Giftigkeit. In der aktuellen toxikologischen Bewertung kommt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu dem Schluss, dass BPA bei chronischer Aufnahme wahrscheinlich eine schädliche Wirkung auf Nieren und Leber hat und die Brustdrüsen von Nagetieren verändern kann. Mögliche Auswirkungen auf das Fortpflanzungs-, Immun-, Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf- und Nervensystem wurden von den Experten der EFSA anhand der derzeit verfügbaren Daten als wenig wahrscheinlich angesehen. Sie stellen jedoch Unsicherheitsfaktoren dar und wurden daher bei der Neubewertung mit berücksichtigt.

Bisphenol A gehört zu einer Gruppe von Substanzen, die hormonähnlich (östrogen) wirken können, den so genannten endokrin aktiven Substanzen. Die Auswirkungen solcher Substanzen auf Fruchtbarkeit und Fortpflanzung sowie das Hormonsystem werden – im Zusammenhang mit Berichten über sogenannte „Wirkungen niedriger Dosen“ bei Nagetieren – wissenschaftlich kontrovers diskutiert.

Laut Neubewertung der EFSA kann auf Basis der derzeitigen Datenlage nicht darauf geschlossen werden, dass BPA ein endokriner Disruptor gemäß WHO-Kriterien ist.

Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nach der ein Stoff folgende drei Kriterien erfüllen muss, um als endokriner Disruptor zu gelten:

  1. das Vorhandensein einer schädlichen Wirkung;
  2. das Vorhandensein einer endokrinen Aktivität; sowie
  3. ein plausibler ursächlicher Zusammenhang zwischen beiden.

TDI-Wert

BPA wurde durch EU-Gremien bereits mehrfach bewertet, und es wurde ein "TDI-Wert" (tolerable daily intake) festgelegt. Der TDI-Wert ist die geschätzte Menge eines chemischen Stoffs, die ein Leben lang täglich aufgenommen werden kann, ohne dass ein wesentliches Gesundheitsrisiko besteht.

Anfang 2015 veröffentlichte die EFSA eine Neubewertung von BPA, die einen neuen temporären TDI-Wert von 4 µg pro kg Körpergewicht und Tag festlegt.  Die EFSA hat den TDI-Wert somit um mehr als einen Faktor 10 herabgesetzt. Der bisher gültige TDI-Wert war von der EFSA 2010 festgelegt worden und betrug 50 µg pro kg Körpergewicht und Tag.

Im Rahmen der Neubewertung wurden keine neuen gesundheitlichen Bedenken gegenüber BPA identifiziert. Der neue TDI-Wert wurde von Niereneffekten bei Mäusen abgeleitet, die bereits in frühere Bewertungen eingegangen waren. Bei der Neubewertung wurde jedoch ein neuer Berechnungsansatz angewendet (Benchmark-Dose Lower Limit–Ansatz, BMDL) und es standen vor allem im toxikokinetischen Bereich neue genauere Daten zur Verfügung. Weiters wurden Unsicherheiten zu möglichen Auswirkungen auf Brustdrüse, Fortpflanzungsorgane, Stoffwechsel-, Nerven- und Immunsystem mit neuen Methoden quantifiziert und bei der Berechnung des TDI berücksichtigt. So ergab sich der neue, niedrigere TDI-Wert.

Die EFSA schlägt vor, den Wert 4 µg pro kg Körpergewicht und Tag als temporären TDI-Wert (t-TDI) festzulegen, da der Abschluss von Forschungsarbeiten im Rahmen des US-amerikanischen National Toxicology Program (NTP) abzuwarten ist, die die verbleibenden Unsicherheiten verringern sollen.

BfR unterstützt die Einschätzung der EFSA-Neubewertung

Aufnahme

Die maximale Gesamtexposition bei Erwachsenen (einschließlich Frauen im gebärfähigen Alter) wurde beispielsweise auf 1,063 µg/kg Körpergewicht und Tag geschätzt. Jugendliche sind mit maximal 1,449 µg/kg pro Körpergewicht und Tag am höchsten exponiert. Die EFSA ist der Ansicht, dass keine Gesundheitsbedenken bestehen, da die höchsten Schätzwerte für eine kombinierte orale und nicht-orale BPA-Exposition in allen Altersgruppen ca. drei- bis viermal niedriger liegen als der neue t-TDI-Wert von 4 µg pro kg Körpergewicht und Tag.

Als wichtigste Quellen für die Exposition der europäischen Bevölkerung gegenüber BPA wurden Nahrung und Thermopapier identifiziert, wobei Thermopapier bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine Rolle spielt, jedoch nicht bei Säuglingen und Kleinkindern.

Die BPA-Exposition über die Nahrung entsteht dadurch, dass Spuren von BPA aus Lebensmittelkontaktmaterialien in Lebensmittel übergehen können (Migration). Lebensmittelkonserven sowie Fleisch und Fleischerzeugnisse liefern den größten Beitrag zur ernährungsbedingten BPA-Exposition.

Untersuchungen

Untersuchungen

Die Einhaltung der Verbote und vorgeschriebenen Migrationsgrenzwerte wird laufend im Rahmen der amtlichen Überwachung kontrolliert. Die Lebensmittelaufsichtsorgane ziehen stichprobenartig oder schwerpunktsmäßig Proben, die dann in der Fachabteilung der AGES untersucht und begutachtet werden.

2012/13 wurden Babyfläschchen, Ernährungs- und Beruhigungssauger auf Abgabe von BPA untersucht. Auch unter verschärften Prüfbedingungen (Extraktion statt Migration) konnte keine BPA-Abgabe festgestellt werden.

Im Jahr 2011 wurden speziell Doseninnenlackierungen schwerpunktmäßig bei Dosenherstellern oder Großhändlern gezogen und auf Abgabe von BPA und BADGE (Bisphenol A-diglycidylester, ein Epoxyderivat) überprüft. Dabei wurden lediglich bei einer Dose Spuren von BADGE-Derivaten, in Summe 0,05 mg/kg (Nachweisgrenze = 0,002 mg/kg; Bestimmungsgrenze = 0,03 mg/kg) nachgewiesen. Der spezifische Migrationsgrenzwert von BADGE beträgt 9 mg pro kg Lebensmittel.

2010 und 2009 wurden Babyfläschchen aus Kunststoff auf die Migration von Bisphenol A in das Lebensmittel untersucht. Im Falle der Trinkflaschen aus Polycarbonat lagen alle Messwerte um das 300- bis 1000-fache unter dem damals EU-weit gültigen Grenzwert.

Regulierung

Bisphenol A ist durch die VERORDNUNG (EU) Nr. 10/2011 über Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff als Ausgangsstoff für die Erzeugung von Kunststoffen zugelassen. Derzeit darf BPA bei der Herstellung von Lebensmittelkontaktmaterialien und -gegenständen aus Kunststoff eingesetzt werden, sofern der spezifische Migrationsgrenzwert von 0,6 mg BPA/kg Lebensmittel eingehalten wird (0,6 mg/kg Lebensmittel).

Nachdem 2015 der TDI-Wert für BPA herabgesetzt wurde, wird nun eine neue Verordnung erarbeitet, die den spezifischen Migrationsgrenzwert entsprechend senken soll. Die neue Verordnung soll neben den bisher geregelten Lebensmittelkontaktmaterialien und –gegenständen aus Kunststoff auch Beschichtungen und Lacke einschließen (Stand Dezember 2015).

Verbot in Babyfläschchen und Schnullern

Bei der Herstellung von Babyfläschchen verbietet die VERORDNUNG (EU) Nr. 10/2011 die Verwendung von BPA. Das österreichische Gesundheitsministerium hat darüber hinaus mit der Verordnung BGBl. 327/2011 die Verwendung von BPA auch in Beißringen und Beruhigungssaugern (Schnuller) untersagt. Dieses Verbot trägt Untersuchungsergebnissen der AGES und anderer Prüfinstitute Rechnung, die vor 2011 in solchen Produkten wiederholt Spuren von BPA nachgewiesen haben, und entspricht dem Prinzip des vorbeugenden Gesundheitsschutzes für Kleinkinder.

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