Titandioxid

Zuletzt geändert: 25.02.2019
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Titandioxid

Titandioxid (TiO2) wird überwiegend in technischen Anwendungsgebieten, zum Beispiel bei der Herstellung von Farben, Lacken, Kunststoffen und Textilien verwendet.

Als Lebensmittelzusatzstoff E 171 wird Titandioxid in hellen, glänzenden Überzügen beispielsweise für Dragees oder Kaugummis, Süßigkeiten und Schokolade eingesetzt. Als Zusatz wird es auch bei Arzneimitteln (Tabletten mit glatten Überzügen) und Nahrungsergänzungsmitteln in Tablettenform verwendet. In Sonnenschutzmitteln dienen winzige Titandioxidpartikel, auch in Nanoform, als mineralische Lichtschutzfilter, die schädliche UV-Strahlung reflektieren.

Mögliche gesundheitlichen Risiken von Titandioxid

Inhalation (Einatmen)

Werden Titandioxid-Partikel eingeatmet, können sie tief in das Lungengewebe eindringen und hier Entzündungen verursachen und zur Bildung von Tumoren führen. Im Hinblick auf diese inhalative Einnahme von Titandioxid hat der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur ECHA Titandioxid als Stoff der Kategorie 2 (es besteht ein Verdacht, dass es für den Menschen krebserregend sein könnte) eingestuft. Für eine Einstufung in eine strengere Kategorie liegen nach Ansicht des RAC keine ausreichenden Beweise vor.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat 2006 Titandioxid ebenfalls als „möglicherweise für Menschen krebserregend“ eingestuft.

https://echa.europa.eu/documents/10162/682fac9f-5b01-86d3-2f70-3d40277a53c2

https://monographs.iarc.fr/iarc-monographs-on-the-evaluation-of-carcinogenic-risks-to-humans-28/

Aufnahme durch Essen und Getränke

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat bei Neubewertung von Titandioxid als Zusatzstoff E 171 in Lebensmitteln im Jahr 2016 keine Hinweise auf Gesundheitsbedenken für Verbraucherinnen und Verbraucher festgestellt. Die EFSA hatte dafür sämtliche verfügbaren wissenschaftlichen Studien und Daten berücksichtigt. Titandioxid wird bei oraler Aufnahme nur in sehr geringem Maße vom Körper aufgenommen, unabhängig von der Größe der Partikel. Ein Großteil des aufgenommenen Titandioxids verlässt den Körper unverändert über den Stuhl; ein kleiner Anteil (maximal 0,1 %) kann vom Darm in den Körper aufgenommen und in den verschiedenen Organen verteilt werden. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA kam ebenfalls zum Schluss, dass es keine wissenschaftlichen Hinweise auf eine krebserzeugende Wirkung bei oraler Aufnahme bzw. bei Aufnahme über die Haut gibt.

https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.2903/j.efsa.2016.4545

Französische Forscher stellten in einer 2017 veröffentlichten Studie zu möglichen Auswirkungen des Lebensmittelzusatzes E 171 bei einer regelmäßigen oralen Aufnahme von Titandioxid schädliche Auswirkungen auf das Immunsystem von Ratten fest (Darmentzündungen und präkanzeröse Läsionen). Eine Übertragung dieser Ergebnisse auf den Menschen sei jedoch nicht ohne weiteres möglich. Diese Studie wurde in der Bewertung der EFSA berücksichtigt. Eine ebenfalls im Jahr 2017 veröffentlichte Schweizer Studie kam zu dem Ergebnis, dass Nanopartikel aus Titandioxid bei Mäusen akute Darmentzündungen verstärken können. Es gibt zwar keine spezifischen Beschränkungen für die Teilchengröße von Titandioxid, das als Lebensmittelzusatz verwendet wird; Titandioxid in Lebensmittelqualität besteht jedoch überwiegend aus größeren Granulaten und enthält nur in begrenztem Maße Nanopartikel.

Aufnahme über die Haut

Die Anwendung von Titandioxid als Sonnenschutzmittel wurde vom wissenschaftlichen Ausschuss für Konsumentensicherheit als sicher bewertet. Es gibt derzeit keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass Titandioxid, auch als Nanopartikel, die Hautbarriere überwindet. Allerdings muss das mögliche Einatmen (inhalative Aufnahme) von Titandioxid ausgeschlossen sein.
Das bedeutet, dass die Verwendung von Titandioxid in Nanopartikelform in bestimmten Sonnenschutz-Sprays (so genannten Aerosolsprays) verboten ist, da bei diesen Sprays feinste Teilchen in die Lunge geraten können.

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