Rotschimmelreis-Produkte

Zuletzt geändert: 15.10.2018

Was ist Red Yeast Rice bzw. Rotschimmelreis?

Rotschimmelreis (RYR, red yeast rice) entsteht, wenn gewöhnlicher Reis mit Schimmelpilzstämmen der Gattung Monascus vergoren wird. Durch die Gärung bildet sich einerseits die typisch rote Farbe und andererseits entstehen wirksame Substanzen wie Monacolin K, die den Blutcholesterinspiegel beeinflussen können. Die Bildung von Monacolin K wird durch Faktoren wie Temperatur, pH-Wert und Stickstoffgehalt beeinflusst. Durch diese vielen Einflüsse kann der Monacolingehalt im Endprodukt stark variieren.

Rotschimmelreis wird in Asien zum Färben, Aromatisieren und Konservieren von Lebensmitteln verwendet, aber auch zur Förderung von Verdauung und Durchblutung. In Europa findet der Rotschimmelreis hingegen vorwiegend Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel mit einer Dosisempfehlung von 10 mg/ Tag.

2012 wurde in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 die gesundheitsbezogene Angabe „Monacolin K aus Rotschimmelreis trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei“ für Rotschimmelreis auf europäischer Ebene zugelassen.

Die Bedingungen für die Verwendung der Angabe lauten: „Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, deren Verzehr eine tägliche Aufnahme von 10 mg Monacolin K aus Rotschimmelreis gewährleistet. Damit die Angabe zulässig ist, sind die Verbraucher darüber zu unterrichten, dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 10 mg Monacolin K aus Rotschimmelreiszubereitungen einstellt.“

Rotschimmelreis sollte nicht mit dem roten Reis aus der Camargue in Frankreich oder dem Philippinischen roten Bergreis, die kein Monacolin enthalten, verwechselt werden. Die Färbung beim französischen roten Reis betrifft nur die Außenschicht des Reiskorns. Beim Philippinischen roten Bergreis hingegen ist das Reiskorn selbst rot.

Gehen von Rotschimmelreis gesundheitliche Risiken aus?

Das im Rotschimmelreis enthaltene Monacolin K ist mit dem zugelassenen Arzneimittelwirkstoff Lovastatin, der zur Behandlung eines zu hohen Cholesterinspiegels im Blut eingesetzt wird, chemisch ident. Lovastatin wird bei Behandlungsbeginn mit einer Dosis von 10 - 20 mg/ Tag eingesetzt und bei Bedarf auf bis zu 80 mg/ Tag erhöht. Die Senkung des Cholesterinspiegels ist dosisabhängig.

Anders als bei Arzneimitteln kann bei Nahrungsergänzungsmitteln der Gehalt der Inhaltsstoffe schwanken, etwa aufgrund verschiedener Rezepturen oder Herstellungsmethoden. In Untersuchungen von Rotschimmelreiskapseln wurden z. B. Konzentrationen im Bereich von 0,1 – 10 mg/ 600 mg Kapsel Monacolin K gemessen. Beim Rotschimmelreis konnte bereits bei einer Dosis von 3 mg Monacolin K/ Tag eine cholesterinsenkende Wirkung nachgewiesen werden.

Auch bei einer solch niedrigen Dosis (3 mg/Tag) und kurzen Einnahme (2 Wochen bis ein Jahr) von Monacolin K aus Rotschimmelreis konnten Nebenwirkungen wie vor allem Muskelkrämpfe, Schwächung der Muskulatur (Myopathie) und in wenigen Fällen Auflösung der Skelettmuskulatur (Rhabdomyolyse) festgestellt werden. Es wurde auch über negative Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt sowie Haut und Nervensystem berichtet. Diese Nebenwirkungen sind ident mit den möglichen Nebenwirkungen des Arzneimittelwirkstoffs Lovastatin.

Aktuelle Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und Regelung von Rotschimmelreis

Die Sicherheit des Einsatzes von Monacolin K in Nahrungsergänzungsmitteln wurde kürzlich auf europäischer Ebene durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Auftrag der europäischen Kommission bewertet. Dieser Bewertung ist zu entnehmen, dass nach den lebensmittelrechtlichen Kriterien keine sichere Tagesverzehrsmenge von Monacolin K in Nahrungsergänzungsmitteln festgelegt werden konnte.

Das EFSA Gremium kam weiter zu dem Schluss, dass die Aufnahme von Monacolin K aus Rotschimmelreis über Nahrungsergänzungsmittel zu einer vergleichbaren therapeutischen Dosis von Lovastatin führen kann. Auf Basis der verfügbaren Informationen zu Rotschimmelreis und dessen unerwünschten Wirkungen beim Menschen, kam die EFSA zu dem Ergebnis, dass bei einer Einnahme von 10 mg/ Tag Monacolin in Rotschimmelreis als Nahrungsergänzungsmittel erhebliche Sicherheitsbedenken bestehen. Weiters berücksichtigt wurden Fallbeispiele, in denen es zu schweren Nebenwirkungen bei einer Dosis von 3 mg Monacolin K/Tag Rotschimmelreis kam.

Monacolinhaltige Nahrungsergänzungsmittel sind daher nach den lebensmittelrechtlichen Bestimmungen für den menschlichen Verzehr ungeeignet und werden als „nicht sicher – für den menschlichen Verzehr ungeeignet“ beurteilt. Sie sind somit auch nicht verkehrsfähig.

Information für Lebensmittelunternehmer

Lebensmittelunternehmer sind für die Sicherheit ihrer Produkte verantwortlich. Zur Gewährleistung der Sicherheit ihrer Produkte muss daher die aktuelle Risikobewertung der EFSA  mit berücksichtigt werden. Auch wenn für Rotschimmelreis in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 eine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen wurde, steht dies nicht im Widerspruch zur Heranziehung aller erforderlichen Daten zur Belegung der Sicherheit der Produkte.

In Anbetracht dessen wird im Rahmen der amtlichen Kontrolle künftig ein vermehrtes Augenmerk auf den Nachweis der Sicherheit gelegt werden.

Empfehlungen für KonsumentInnen

Da die EFSA keine sichere Verzehrsmenge für Monacolin K ableiten konnte, empfiehlt die AGES im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz monacolinhaltige Nahrungsergänzungsmittel nicht zu verzehren.

Insbesondere bei der Einnahme von cholesterinsenkenden Arzneimitteln ist wegen dem Risiko einer Überdosierung von monacolinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln abzusehen.

Quellen:

  1. Verordnung (EU) Nr. 432/12
  2. EFSA, Scientific opinion on the safety of monacolins in red yeast rice. EFSA Journal, 2018.
  3. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, B.f.A.u.M., Einstufung von Rotschimmelreisprodukten, 2016.
  4. Verordnung (EU) Nr. 212/2014
  5. Österreichisches Lebensmittelbuch - Codexkapitel / A 3 / Allgemeine Beurteilungsgrundsätze – #4
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