Natürliches Mineralwasser

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Zuletzt geändert: 19.01.2016

Unterscheidungen von "Wässern" laut Österreichischem Lebensmittelbuch

Wasser, das für den menschlichen Gebrauch vorgesehen ist und somit ohne Gefährdung der Gesundheit verzehrt werden kann, wird umgangssprachlich als Trinkwasser bezeichnet. Der Gesetzgeber unterscheidet weiters: natürliches Mineralwasser, Quellwasser, Tafelwasser und abgefülltes Trinkwasser (Definitionen abgefüllter Wässer - BM für Gesundheit).

Anforderungen an natürliches Mineralwasser

„Natürliches Mineralwasser“ ist Wasser, das aus einem besonders geschützten Wasservorkommen stammt und ursprünglich rein ist, es darf nicht desinfiziert werden und ein Behandlungsaufwand, wie es der Gesetzgeber bei Trinkwasser erlaubt, ist nicht gestattet. Natürliches Mineralwasser ist somit von Natur aus sehr sauber. Dies bedeutet leider nicht, dass in dem Wasser nicht Substanzen nachweisbar sind, die der Mensch produziert hat. Deshalb schreibt der Gesetzgeber für definierte chemische Substanzen, wie Pflanzenschutzmittel, Grenzwerte vor, die nicht überschritten werden dürfen.

Ein natürliches Mineralwasser, das diese Anforderungen nicht erfüllt, darf als solches nicht mehr vermarktet werden. Natürliches Mineralwasser muss vom Bundesministerium für Gesundheit, der österreichischen Behörde für Mineralwasser, bei Erfüllung aller Kriterien als natürliches Mineralwasser zuerst anerkannt werden um anschließend vermarktet werden zu dürfen. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ist vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragt, gemeinsam mit der Lebensmittelaufsicht der Bundesländer, regelmäßig die Mineralwasserabfüller Österreichs zu überprüfen.

Verunreinigungen von natürlichem Mineralwasser

Natürliches Mineralwasser ist ein Produkt des Wasserkreislaufes, das heißt, es handelt sich um Regenwasser, dass durch langjähriges Durchsickern durch Erd- und Gesteinsschichten mineralisch angereichert, aber auch gereinigt wurde. Manche Mineralwasservorkommen in Österreich liegen bis zu 200 Meter und tiefer unter der Erdoberfläche. Neben den natürlich vorkommenden Bestandteilen des Wassers (das sind Mineralstoffe und Spurenelemente, auch natürliche Radionuklide und Schwermetalle) gelangen auch Fremdstoffe ins Wasser, das sind Stoffe oder deren Folgeprodukte (durch chemischen oder biologischen Abbau) die durch menschliche Aktivitäten ins Wasser gelangen.

Eine Verunreinigung kann viele Ursachen haben, beginnend vom fehlerhaften Brunnenbau (Oberflächengewässer sickert über Bohrloch ein), Verunreinigungen bei der Wasser-Abfüllung (z. B. Korrosionsschutzmittel), Eintrag über landwirtschaftlich genutzte Flächen (über Jahrzehnte durch Sedimentschichten eingesickert), Industrie- und Haushaltschemikalien bzw. pharmazeutische Wirkstoffe sowie Lebensmittelinhalts- und -Zusatzstoffe sowie Altlasten z. B. künstliche Radionukleide (Ursache stratosphärische Atombombenversuche der 1950er und 60er).

Amtliche Kontrollen von natürlichem Mineralwasser

Natürliches Mineralwasser ist eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel der EU mit vom Gesetzgeber fix vorgeschriebenem Untersuchungsumfang und dichten Untersuchungszyklen, vor allem für die Betreiber für Mineralwasserquellen.

Aufgrund des Fortschritts in den analytischen Messverfahren können immer mehr Einzelstoffe in immer geringeren Konzentrationen gemessen werden. Substanzen die vor Jahren analytisch „unsichtbar“ waren, können heute mit Sicherheit in sehr geringen Mengen nachgewiesen werden. Daher muss der Gesetzgeber Grenzwerte für definierte Verunreinigungen festlegen. Ein Grenzwert definiert die maximale Menge einer Substanz, die in einem Lebensmittel nachweisbar sein darf, bis zu der hin ein Lebensmittel immer noch ein sicheres Lebensmittel ist. Wobei eine minimale Überschreitung eines Grenzwertes nicht automatisch eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen bedeutet, denn Grenzwerte werden unter Berücksichtigung eines Sicherheitsfaktors festgelegt.

Im Österreichischen Lebensmittelbuch (Codex-Kapitel B1 und Kapitel B17) sind die relevanten Untersuchungs-Parameter für die Reinheit/Sauberkeit des Wassers aufgelistet. Neben natürlichen Stoffen finden sich dort auch Parameter für Fremdstoffe (durch den Menschen verursachte Verunreinigungen), wie Metaboliten (Abbau- bzw. Umbauprodukte von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen).

Bewertung von Pflanzenschutzmittel-Rückständen

Blatt mit Wassertropfen

Bei der Risikobewertung von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen und deren Abbau- und Reaktionsprodukten (Metaboliten) werden nicht nur die Gefahren für Mensch und Umwelt geprüft, sondern auch ihre Mobilität im Boden und die Gefahr eines Eintrags in das Grundwasser miteinbezogen. Im Zuge dessen wird auch eine Einstufung der Metaboliten in „relevant“ oder „nicht relevant“ vorgenommen.

Als „relevant“ im Grund- und Trinkwasser gelten jene Rückstände von Wirkstoffen, die hinsichtlich ihrer biologischen/pestiziden Aktivität vergleichbare Eigenschaften besitzen wie die Muttersubstanz, oder aufgrund ihrer toxischen oder ökotoxischen Eigenschaften das Grundwasser oder andere hiervon abhängige Ökosysteme oder die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden. Treffen diese Eigenschaften für einen Metaboliten nicht zu, kann er als „nicht relevant“ bewertet werden und gilt als unerwünschter Stoff im Trinkwasser.

Zur Beurteilung der Relevanz von Metaboliten im Grundwasser hat die Europäische Kommission einen Leitfaden ausgearbeitet. Link zum Leitfaden

Voraussetzung für die Genehmigung von Pflanzenschutzmitteln ist, dass für Wirkstoffe und „relevante Metaboliten“ im Grundwasser ein Grenzwert von 0,1 μg/l nicht überschritten werden darf. Das bedeutet, dass jedes Pflanzenschutzmittel das analytisch nachweisbar ist aber unter 0,1 μg/l liegt, aus aktuellem wissenschaftlichen Stand gesehen, gesundheitlich und ökologisch unbedenklich ist. Für „nicht relevante Metaboliten“ gibt es im Leitfaden je nach Metabolit unterschiedliche Werte (meist zwischen 0,75 μg/l und 10 μg/l).

Risikobewertung nicht-relevanter Metaboliten

Für „nicht relevante Metaboliten“ wird vorsorglich jeweils eine Konzentration im Trinkwasser (Aktionswert) vorgeschlagen, bei deren Überschreitung die Ursache zu prüfen und festzustellen ist, ob bzw. welche Maßnahmen zur Wiederherstellung einer einwandfreien Wasserqualität erforderlich sind. Diese Aktionswerte gelten auch für natürliches Mineralwasser. Sie basieren auf den Vorgaben der Leitlinie der Europäischen Kommission und auf der Basis der im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung vorgelegten wissenschaftlichen und fachlichen Daten.


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