Biodiversität bei Winterkörnerraps

Zuletzt geändert: 08.04.2019
caption
Winterraps: Bienenweide und Beitrag zur Artendiversität in der Kulturlandschaft.
Landschaftsaufnahme mit gelben Rapsfeld im Hintergrund und grünem Weizenfeld im Vordergund.

Die Erhöhung der Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktion stellt sowohl für die EU-Kommission als auch die Konsumenten ein zentrales Anliegen dar. Dies gilt aus der Sicht der Bürger auch hinsichtlich der Verfügbarkeit derartig produzierter gesunder Lebensmittel und der Erhaltung einer naturnahen Umwelt. Negative Auswirkungen des stattfindenden laufenden Klimawandels können dadurch minimiert werden. Zudem trägt eine nachhaltige Produktion und ein schonender Ressourcenumgang zum Erhalt bzw. zur Erhöhung der Biodiversität bei.

Im Jahr 2016 übertraf die Anbaufläche von Winterkörnerraps - die mit Abstand wichtigste Ölfrucht in der EU - mit 6,4 Millionen Hektar jene von Sonnenblume (4,1 Mio. ha) und Sojabohne (0,92 Mio. ha) deutlich. Die züchterische Bearbeitung dieser Kulturart ermöglichte in den vergangenen Jahrzehnten den rasanten Aufstieg dieser Kulturart. In dieser Zeit wurden durch das züchterische Engagement erucasäurefreie und senfölarme Sorten für die Landwirtschaft, die verarbeitende Lebensmittelindustrie, die Tierfütterung und damit auch für die Konsumenten verfügbar.

caption
Unterschiedliche Wuchstypen bei Winterraps: Halbzwergformen bleiben ihrer Bezeichnung entsprechend im Wuchs kürzer und sind sehr standfest.
Unterschiedliche Wuchstypen bei Winterraps: Halbzwergformen bleiben ihrer Bezeichnung entsprechend im Wuchs kürzer und sind sehr standfest.

In den Jahren 1950 bis 1975 wurden in Österreich lediglich zwei bis drei Rapssorten auf einer Fläche von ca. 5.000 Hektar angebaut. Zudem war das aus diesen Sorten gewonnene Rapsöl nicht für den menschlichen Genuss geeignet. Seit 1990 kultivieren die heimischen Landwirte ein Vielfaches dieser Fläche, wobei die Erntefläche 2016 mit 39.500 Hektar etwas größer ausfiel als als im vorhergehendn Jahr 2015 (ca. 37.000 ha), jedoch deutlich hinter 2014 mit 52.000 Hektar zurückblieb. Aktuell sind 31 Winterkörnerrapssorten auf Grund ihrer positiven heimischen Prüfergebnisse in der Österreichischen Sortenliste gelistet. Die Landwirte können aus diesem Sortenangebot die für ihre regionalen Bedingungen die bestgeeigneten Sorten für ihre Bedingungen auswählen.

Die Merkmale und die regionale Anbaueignung dieser Rapssorten, die aus zwölf verschiedenen Züchterhäusern stammen, können der Österreichischen Beschreibenden Sortenliste 2017 entnommen werden. Zum vorigen Herbstanbau wurden ins besonders die ertragreichen Hybridsorten von den österreichischen Saatgutfirmen beworben und vermarktet. Die Saatgutvermehrung vieler dieser Sorten wird als Basis für die heimische Rapsproduktion  auch in Österreich durchgeführt. Etwa drei Viertel der heimischen Anbaufläche nehmen zurzeit Hybridtypen ein, während die restliche Fläche noch mit Liniensorten bebaut wird.

caption
Sortendifferenzierung im Blühzeitpunkt
Sortendifferenzierung im Blühzeitpunkt bei Winterraps

2016 wurde nur eine Halbzwerg-Sorte (PX 105) neu in die Österreichische Sortenliste aufgenommenen. Damit verfügen die Landwirte über eine weitere kurzwüchsige und gülleverträgliche Sorte für intensivere Produktionsbedingungen. Seit den neunziger Jahren liegt der Elternlinien-Index (E-I) der geprüften Sorten im Durchschnitt zwischen 1,5 und 1,8. Dies bedeutet, dass für den Zuchtaufbau der nunmehr in Österreich zum Anbau zugelassenen 31 Raps-Sorten 55 verschiedene Elternlinien verwendet wurden (E-I = 1,5).


Winterkörnerraps ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine relativ neue Kulturart innerhalb der letzten 30 Jahre das Sortenspektrum dieser Art nachhaltig verbreiterte und Raps sich als begehrtes Fruchtfolgeglied etablieren konnte. Somit stehen dem europäischen Landwirt der aufgeführten Länder 2017 ein Vielfaches in ihrer Merkmalsausprägung sich unterscheidende und regional angepasste Winterkörnerraps-Sorten für seine Anbaulagen zur Verfügung als 1985. Diese Sorten unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Elternlinien und tragen so nachhaltig zu der auch von der EU erwünschten größeren Sortendiversität bei dieser Kulturart bei!

caption
Entwicklung der Anzahl der zugelassenen Sorten in Europa 1985-2015
Bei allen untersuchen Arten nahm die Anzahl der Sorten 1985-2015 zu.
x