Biodiversität bei Sojabohne

Zuletzt geändert: 08.04.2019
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Sojabohnenhülse: Erntereif
Sojabohnenhülse: abgereift

Sojabohne ist mit einer Anbaufläche von fast 924 000 Hektar nach Sonnenblume (4,3 Mio ha) und Winterkörnerraps (6,4 Mio ha) die drittwichtigste Ölfrucht in Europa (Angaben nach COCERAL). Österreich gehört mit seiner aktuellen Sojaanbaufläche von ca. 50 000 Hektar (2016) zu den zehn größten sojaproduzierenden Ländern innerhalb der 28 EU-Staaten.


Diese drei Kulturarten waren vor fünfzig Jahren in der heimischen Kulturlandschaft weitgehend unbedeutend und damit in den Ackerfruchtfolgen nicht oder nur in einem sehr geringen Ausmaß vertreten. Im Vorjahr wurden diese drei Kulturarten hingegen auf einer Fläche von über 100 000 Hektar angebaut und lockerten mit Ölkürbis, Wintertriticale und Durumweizen nachhaltig die Fruchtfolge auf einer Fläche von über 200 000 Hektar auf.


Damit wird nicht nur die Artendiversität sondern durch die Sortenvielfalt auch die genetische Diversität der Sojabohne verbreitert. In den vergangenen Jahren erhöhte sich die Anzahl der Sorten, die der heimischen Landwirtschaft zur Verfügung stehen, nicht zuletzt auch durch heimische Züchtungen, kontinuierlich.


In der aktuellen österreichischen Sortenliste sind 61 Sojabohnen-Sorten mit unterschiedlichen Merkmalsausprägungen aufgeführt. Diese Sorten stammen von sechs verschiedenen Antragstellern, die 14 in- und ausländische Züchter vertreten. Für 38 dieser Sorten wurden in der aktuellen Saison  österreichische Saatgutvermehrungsflächen von 3440 Hektar zertifiziert. Zusätzlich wurden von 38 EU-Sorten und Zuchtstämmen weitere 500 Hektar zertifiziert, wodurch seitens der heimischen Saatgutwirtschaft durch den heimischen Saatgutabsatz und den Export ein Umsatz von mehr als zehn mio Euro generiert wird. Im extrem hohen Vermehrungsanteil der unter österreichischen Bedingungen geprüften und zugelassenen Soja-Sorten  spiegelt sich auch die Bedeutung der heimischen Sortenzulassung wider! Dadurch wird auch die Saatgutversorgung sowohl der heimischen Landwirte als auch der angrenzenden Nachbarländer mit vergleichbaren Anbaubedingungen für den zunehmenden Sojaanbau sichergestellt.

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Sojabohne: Sorte mit dunkler Nabelfarbe
Sojabohne: Sorte mit dunkler Nabelfarbe
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Sojabohne: Sorte mit heller Nabelfarbe
Sojabohne: Sorte mit heller Nabelfarbe


Die Merkmale wie z.B. die Blüten- bzw. Nabelfarbe der Samen, Stängel-/Hülsen-Behaarung, Reifezeit, Anfälligkeit für Krankheiten und Kornausfall sowie Eiweiß-/Öl- und Kornertrag und insbesonders die regionale Anbaueignung dieser von 14 Züchtern stammenden Sojabohnen-Sorten können der Österreichischen Beschreibenden Sortenliste und dem „Sortenfinder“ -Internettool der AGES  - entnommen werden. Die in den beiden letzten Jahren  gelisteten zehn Sorten stammen von fünf verschiedenen Züchtern, wobei bei der Entwicklung von sieben Sorten österreichische Züchterfirmen zumindest beteiligt waren. Diese zehn neuen Sorten basieren züchterisch auf 19 verschiedenen Elternkomponenten und ergeben damit einen Elternkomponenten-Index (E-I) von 1,9. Der Elternkomponenten-Index (E-I) von allen seit dem Jahr 1994 in Österreich aktuell gelisteten Sorten liegt bei 1,6. Dies resultiert daraus, dass in der Praxis erfolgreiche gelistete Sorten im Rahmen des Züchterprivilegs für die Neuzüchtung von zukünftigen Sorten verwendet werden dürfen.


Sojabohne ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine vor 50 Jahren in Österreich noch nicht angebaute Art während der letzten Jahre das Kulturartenspektrum vergrößerte und sich als wertvolles Fruchtfolgeglied etablieren konnte. Sojabohne kann als Leguminose zudem über ihre Symbiose mit Wurzelknöllchenbakterien direkt Luftstickstoff binden. Damit benötigt Soja zum Beispiel im Gegensatz zu Getreide keine mineralische Stickstoffdüngung, dessen energieintensive Produktion hiermit zur Gänze eingespart werden kann!


Die österreichische Produktion von Sojabohne für die menschliche und tierische Ernährung erweitert zusammen mit anderen Ölpflanzenarten, wie Ölkürbis, Sonnenblume und Winterkörnerraps, das heimische Kulturartenspektrum. Die für die heimischen Anbaulagen geprüften Sorten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer zahlreichen Elternkomponenten und Merkmalsausprägungen. Dadurch trägt die Art Sojabohne nachhaltig zur von der Zivilgesellschaft erwünschten größeren Sortendiversität bei dieser im Anbau zunehmend wichtiger werdenden Kulturart in Europa bei.


Neue Sorten von vielen verschiedenen Züchtern mit unterschiedlichen Reifezeiten, Krankheits-toleranzen gegenüber Pilz- und Virenbefall bei gleichzeitig verbessertem Ertragspotential tragen dazu bei die EU-Versorgung mit garantiert nicht gentechnisch veränderten Sorten und deren Ernteware zu realisieren. Der in neuen Sorten verwirklichte Züchtungsfortschritt ist eine integrale Voraussetzung Ertragsteigerungen durch eine nachhaltige und umweltgerechte Intensivierung in der Landwirtschaft zu realisieren.

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Keimlinge: Kurz nach dem Feldaufgang
Keimlinge: Kurz nach dem Feldaufgang
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