Kupfer im Pflanzenschutz

Weingarten

Ausgangslage

Pflanzenschutzmittel auf Kupferbasis werden seit über 100 Jahren gegen Pilzkrankheiten und gegen zahlreiche Pflanzenkrankheiten im Weinbau, Obstbau, Hopfenbau sowie auf Ackerkulturen wie Kartoffeln, Feldgemüse und Zuckerrüben eingesetzt.

Von Mitte 2006 bis 2008 wurden Kupferverbindungen als Pflanzenschutzmittelwirkstoffe auf EU-Ebene bewertet. Als Ergebnis der Bewertung wurden unter anderem die Mitgliedstaaten aufgefordert, Programme zur Überwachung gefährdeter Gebiete, in denen die Kontamination des Bodens mit Kupfer Anlass zur Besorgnis gibt, durchzuführen, damit gegebenenfalls Beschränkungen hinsichtlich der zulässigen Aufwandmengen erlassen werden können.

Um der österreichischen Landwirtschaft die Anwendung von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln wissenschaftsbasiert und risikobasiert, entsprechend dem Stand der Methodik der Risikobewertung zur Erreichung der Ziele des EU-Pflanzenschutzmittelrechtes und des österreichischen Pflanzenschutzmittelgesetzes (Verfügbarkeit von PSM, Schutz von Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt) weiterhin angemessen zu ermöglichen, hat die AGES ein Projekt mit dem Titel "Kupfer als Pflanzenschutzmittel – Strategie für einen nachhaltigen und umweltschonenden Einsatz" initiiert. Das Projekt wurde in DAFNE genehmigt und nach einer 3-jährigen Projektlaufzeit erfolgreich abgeschlossen und approbiert. In projektbegleitenden Gesprächen zu Zwischenberichten und in einer internationalen Projekt-Abschlussveranstaltung „Fachtagung – Kupfer im Pflanzenschutz“ wurden die Projektergebnisse einem internationalen Publikum präsentiert.

Ergebnisse des Kupferprojekts

Mit den Ergebnissen des Kupferprojekts liegt nun eine wissenschaftlich fundierte Basis insbesondere über den Status des Kupfergehaltes im Boden von exponierten Lagen vor.
Die Auswertung der Bodendaten im Bodenuntersuchungsprogramm zeigt erwartungsgemäß eine hohe Kupferbelastung in Flächen, die bereits seit langer Zeit weinbaulich genutzt werden. Deutlich geringer ist die Kupferbelastung in obstbaulich genutzten Flächen. In Ackerkulturflächen bewegen sich die Kupfergehalte mehrheitlich im Bereich der natürlichen Hintergrundkonzentration. Ein Vergleich der Kupfer-Gesamtgehalte in Bodenproben aus biologisch und konventionell bewirtschafteten Flächen zeigt keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Bewirtschaftungsformen.
Bei der Risikobewertung von Kupfer im terrestrischen Ökosystem wurden sowohl die unterschiedliche Bioverfügbarkeit von Kupfer für Pflanzen und Bodenorganismen, als auch der Einfluss der Bodeneigenschaften auf die Toxizität von Kupfer berücksichtigt. Sowohl die Bioverfügbarkeit, als auch die Toxizität von Kupfer sind abhängig von verschiedenen Bodenparametern wie pH-Wert, Textur, Humusgehalt und Kationenaustauschkapazität (KAK).
Es wurden bodenspezifische PNEC-Werte für Kupfer abgeleitet. PNEC-Werte entsprechen Konzentrationen im Boden, bei denen keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt zu erwarten sind und sie liegen in Abhängigkeit von den vorliegenden Bodeneigenschaften zwischen 55 – 155 mg Gesamtkupfer/kg Boden.
In der Praxis bedeuten die Ergebnisse des Projekts, dass aus den Bodenparametern Humusgehalt, pH-Wert, Textur und Kationenaustauschkapazität für jede Fläche in Österreich ein PNEC-Wert für Kupfer im Boden bestimmt werden kann. Zur Beurteilung des Bodens im Hinblick auf ein intaktes Ökosystem kann der PNEC-Wert in weiterer Folge geeignet dem tatsächlich gemessenen Kupfergehalt im Boden gegenüber gestellt werden.


Detaillierte Informationen zum Projekt können im Abschlussbericht nachgelesen werden:

Stand der Zulassung von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln

Die zugelassenen kupferhaltigen Pflanzenschutzmittel können im Pflanzenschutzmittelregister eingesehen werden:
http://pmg.ages.at/ 

Strategie für die weitere Anwendung von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln

Im Sinne einer nachhaltigen Landbewirtschaftung ist eine weitere Anreicherung von Kupfer so weit als möglich zu vermeiden. Bei einer Überschreitung des PNEC-Wertes auf definiert exponierten Flächen mit entsprechendem Kulturartenbesatz, gilt es die Verwendung kupferhaltiger Pflanzenschutzmittel und die Einbringung kupferhaltiger Betriebsmittel einer angemessenen Risikomanagementmaßnahme zu unterziehen.
Basierend auf den aktuellen methodischen Ansätzen zur Risikobewertung von Kupfer im Ökosystem Boden werden von der AGES strategische Ansätze für die nachhaltige und umweltschonende Verwendung von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln erarbeitet.
Im Rahmen eines Konsultationsverfahrens mit allen Wirtschaftsbeteiligten werden die wissenschafts- und risikobasierte Bewertung der AGES (Risikobewertung), und die daraus abgeleiteten Optionen in Bezug auf Maßnahmen zum Risikomanagement in den nächsten Monaten erörtert, sodass das BAES in der Lage ist, ab 31.5.2014 die Zulassung von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln auf Basis einer wissenschaftlich fundierten Risikobewertung und daraus abgeleiteten Managementmaßnahmen zu erneuern.
Die AGES ist bemüht, unter Berücksichtigung der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, eine negative Bewertung dieser Wirkstoffe auf EU-Ebene abzuwenden und die Verfügbarkeit von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft auch in Zukunft zu erhalten.
Aufgrund der spezifischen Stoffeigenschaften von Kupfer und den damit verbundenen Risiken kommt dem nachhaltigen Schutz von Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt, und hierbei insbesondere dem Ökosystem Boden, eine besondere Bedeutung zu.

Projektdetails

Forschungsthema / research topic: Kupfer als Pflanzenschutzmittel
Akronym / Acronym: Forschungsprojekt Nr. 100537 (BMLFUW-LE.1.3.2/0131-II/1/2009)
Projektlaufzeit: 1.1.2010 – 21.12.2012
Projektleitung / project lead: AGES / Mag Elisabeth Berger MA
Projektpartner / project partner: Im Auftrag von BMLFUW und den 9 österreichischen Bundesländern (BBK-Forschung)
Förderstelle / Forschungsprogramm / funding organisation / research program: Interessensvertretungen der Österreichischen Landwirtschaft (BioAustria, Landwirtschaftskammer Österreich, Österreichischer Weinbauverband,
Bundes-Obstbauverband, Bundes-GemüsebauVerband Österreichs, VÖR Rübenbauern Vertretungs- und Übernahme GesmbH) und Pflanzenschutzmittelindustrie (Kwizda Agro GmbH, Montanwerke Brixlegg AG, Santa Giustina GmbH, Nufarm GmbH & Co KG, Spiess-Urania Chemicals GmbH, UPLtd, W. Neudorff GmbH KG)
Publikationen / publications: www.dafne.at

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