Kupfer im Pflanzenschutz

Zuletzt geändert: 14.03.2018

Wiedergenehmigung von Kupfer als Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln auf EU Ebene

Die derzeitige Genehmigungsperiode von Kupfer auf europäischer Ebene läuft am 31.1.2019 aus. Bis dahin müssen die Europäische Kommission und alle Mitgliedstaaten über eine Genehmigung von Kupfer für eine weitere Periode entscheiden.  

Basis für die Entscheidung für die Wiedergenehmigung von Kupfer ist ein umfangreicher wissenschaftlicher Bewertungsbericht der europäischen Risikobewertungsbehörden sowie die zusammenfassende Schlussfolgerung der EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA.
Der Bewertungsprozess für Kupfer ist abgeschlossen. Die zusammenfassende Schlussfolgerung der EFSA zum EU-Bewertungsbericht wurde im Jänner 2018 veröffentlicht:
EFSA conclusion Copper compounds 2018

Die wissenschaftliche Risikobewertung hat kritische Ergebnisse in folgenden Fachgebieten ergeben:
Toxikologie

  • Exposition der Anwender – Bei der Anwendung ist jedenfalls eine Schutzausrüstung notwendig

KonsumentInnensicherheit

  • Exposition der KonsumentInnen - Mangels geeigneter Rückstandsdaten konnte keine adäquate Risikobewertung für KonsumentInnen durchgeführt werden

Ökotoxikologie

  • Exposition von Vögeln und Säuger
  • Exposition von aquatischen Organismen
  • Exposition von Bodenorganismen

Bei der Entscheidung über die Wiedergenehmigung von Kupfer werden auch weitere Faktoren Berücksichtigung finden. Kupferhaltige Pflanzenschutzmittel sind als Fungizid vor allem im Weinbau und im Obstbau nahezu unverzichtbar. Kupfer spielt eine wichtige Rolle im Resistenzmanagement. Aufgrund des unspezifischen Wirkmechanismus sind bisher keine Resistenzen von Krankheitserregern gegen kupferhaltige Pflanzenschutzmittel bekannt.

Hinzu kommt, dass es insbesondere bei biologischer Bewirtschaftungsweise derzeit keine Produkte gibt, die alternativ zu kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden könnten. Ohne kupferhaltige Pflanzenschutzmittel wäre die biologische Produktion von Wein, Obst, Hopfen, Kartoffel, Gemüse und Zierpflanzen ohne größere Ertrags- und Qualitätseinbußen nicht möglich.

Der zuständige Ständige Ausschuss der Europäische Kommission und der Vertretungen aller Mitgliedstaaten (SCoPAFF - Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed) tagt alle zwei Monate. Die Schlussfolgerung der EFSA wird demnächst in diesem Ausschuss vorgestellt.  
In der Folge wird die Europäische Kommission einen Entwurf für eine Genehmigungsverordnung vorschlagen, der in den darauf folgenden Monaten mit den Mitgliedstaaten diskutiert wird. Am Ende erfolgt die Abstimmung. Die österreichische Position zum Thema Kupfer steht noch nicht endgültig fest. Der erste Entwurf der Genehmigungsverordnung wird mit Spannung erwartet. Einschränkungen und risikominimierende Maßnahmen sind jedenfalls zu erwarten.

Nationale Produkt-Prüfung

Alle Mitgliedstaaten müssen nach der Wiedergenehmigung von Kupfer gegebenenfalls die nationalen Zulassungen aller kupferhaltigen Pflanzenschutzmittel an die Vorgaben der neuen Genehmigungsverordnung anpassen. D. h. die Zulassungsinhaber müssen die Unterlagen, die einer Produktzulassung zugrunde liegen, innerhalb von drei Monaten aktualisieren und bei den Behörden vorlegen. Werden keine Unterlagen vorgelegt, erlischt die Zulassung. Falls neue wissenschaftliche Studien notwendig sind, kann diese Frist verlängert werden.

Die nationalen Behörden müssen innerhalb von 6 Monaten eine Bewertung der vorgelegten Unterlagen durchführen. Sind alle Anforderungen und Vorgaben der EU-Genehmigungsverordnung erfüllt, können kupferhaltige Pflanzenschutzmittel für eine weitere Periode zugelassen werden.

Stand der Zulassung von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln

Die zugelassenen kupferhaltigen Pflanzenschutzmittel können im Pflanzenschutzmittelregister eingesehen werden:
http://pmg.ages.at/

Österreichische Task Force Kupfer

In Österreich herrscht Einigkeit, dass der Einsatz von Kupfer im Pflanzenschutz minimiert werden muss, dass allerdings derzeit ein vollständiger Verzicht auf Kupfer nicht möglich ist. Aus diesem Grund wurde im Mai 2014 die Einrichtung einer Taskforce Kupfer, in Anlehnung an die Aktivitäten des Julius Kühn Instituts in Deutschland (http://kupfer.julius-kuehn.de/), beschlossen.

In der österreichischen Taskforce Kupfer sind folgende Organisationen vertreten: AGES, HBLA und BA Klosterneuburg, BAES, BMNT, BOKU, AIT, Bio Austria, LKÖ, LK NÖ, LK Stmk, LK Bgld, Plattform Bio-Wein, Absatzgemeinschaft  Bio-Obst, Weinbauverband, Obstbauverband, Gemüsebauverband.
Die Sitzungen der Taskforce Kupfer werden abwechselnd von der AGES und von der HBLA und BA Klosterneuburg organisiert und mindestens einmal jährlich abgehalten. In den Sitzungen werden die Tätigkeiten der Taskforce Kupfer im Jahresrückblick sowie wichtige Termine und künftige Aktivitäten besprochen.

Die Zielsetzung bzw. der Aufgabenbereich der Taskforce Kupfer sind wie folgt definiert:

  • Gebündelte Kommunikation der Kupfer-relevanten Aktivitäten an die interessierte Öffentlichkeit
  • Erhebung der Verfügbarkeit bzw. Notwendigkeit neuer und alternativer Pflanzenschutzmittel im Hinblick auf effektive Kupferreduktion
  • Erhebung bzw. Evaluierung der Wirksamkeit, Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen in der Kulturführung und Ausbringungstechnik im Hinblick auf Kupferreduktion
  • Erhebung des Wissensstandes bzw. Evaluierung aktueller wissenschaftlicher Ergebnisse bezüglich Ökotoxizität von Kupfer im Boden (Regenwürmer, Bioverfügbarkeit …)


Ergebnisse des AGES Kupferprojekts (2010-2012)

Mit den Ergebnissen des Kupferprojekts liegt nun eine wissenschaftlich fundierte Basis insbesondere über den Status des Kupfergehaltes im Boden von exponierten Lagen vor.
Die Auswertung der Bodendaten im Bodenuntersuchungsprogramm zeigt erwartungsgemäß eine hohe Kupferbelastung in Flächen, die bereits seit langer Zeit weinbaulich genutzt werden. Deutlich geringer ist die Kupferbelastung in obstbaulich genutzten Flächen. In Ackerkulturflächen bewegen sich die Kupfergehalte mehrheitlich im Bereich der natürlichen Hintergrundkonzentration. Ein Vergleich der Kupfer-Gesamtgehalte in Bodenproben aus biologisch und konventionell bewirtschafteten Flächen zeigt keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Bewirtschaftungsformen.

Bei der Risikobewertung von Kupfer im terrestrischen Ökosystem wurden sowohl die unterschiedliche Bioverfügbarkeit von Kupfer für Pflanzen und Bodenorganismen, als auch der Einfluss der Bodeneigenschaften auf die Toxizität von Kupfer berücksichtigt. Sowohl die Bioverfügbarkeit, als auch die Toxizität von Kupfer sind abhängig von verschiedenen Bodenparametern wie pH-Wert, Textur, Humusgehalt und Kationenaustauschkapazität (KAK).
Es wurden bodenspezifische PNEC-Werte für Kupfer abgeleitet. PNEC-Werte entsprechen Konzentrationen im Boden, bei denen keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt zu erwarten sind und sie liegen in Abhängigkeit von den vorliegenden Bodeneigenschaften zwischen 55 – 155 mg Gesamtkupfer/kg Boden.

In der Praxis bedeuten die Ergebnisse des Projekts, dass aus den Bodenparametern Humusgehalt, pH-Wert, Textur und Kationenaustauschkapazität für jede Fläche in Österreich ein PNEC-Wert für Kupfer im Boden bestimmt werden kann. Zur Beurteilung des Bodens im Hinblick auf ein intaktes Ökosystem kann der PNEC-Wert in weiterer Folge geeignet dem tatsächlich gemessenen Kupfergehalt im Boden gegenüber gestellt werden.

Abschlussbericht Kupferprojekt

    Kupfer als Pflanzenschutzmittel – Strategie für einen nachhaltigen und umweltschonenden Einsatz (4,04 M)
    Abschlussbericht
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Projektdetails

Forschungsthema / research topic: Kupfer als Pflanzenschutzmittel
Akronym / Acronym: Forschungsprojekt Nr. 100537 (BMLFUW-LE.1.3.2/0131-II/1/2009)
Projektlaufzeit: 1.1.2010 – 21.12.2012
Projektleitung / project lead: AGES / Mag Elisabeth Berger MA
Projektpartner / project partner: Im Auftrag von BMLFUW und den 9 österreichischen Bundesländern (BBK-Forschung)
Förderstelle / Forschungsprogramm / funding organisation / research program: Interessensvertretungen der Österreichischen Landwirtschaft (BioAustria, Landwirtschaftskammer Österreich, Österreichischer Weinbauverband,
Bundes-Obstbauverband, Bundes-GemüsebauVerband Österreichs, VÖR Rübenbauern Vertretungs- und Übernahme GesmbH) und Pflanzenschutzmittelindustrie (Kwizda Agro GmbH, Montanwerke Brixlegg AG, Santa Giustina GmbH, Nufarm GmbH & Co KG, Spiess-Urania Chemicals GmbH, UPLtd, W. Neudorff GmbH KG)
Publikationen / publications: www.dafne.at

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