Projekt "Drahtwurm-Control"

Services Verwandte Inhalte Warndienst Pflanzengesundheit
Zuletzt geändert: 24.02.2021

Titel des Forschungsprojekts: Praxisbasierte und nachhaltige Regulation von Drahtwürmern

Akronym: Drahtwurm-Control

Projektlaufzeit: 5 Jahre (Jänner 2021 – Dezember 2025)
Förderschiene: DaFNE/ Bund-Bundesländer Kooperationsprojekt
Gesamtprojektvolumen: ~ € 1.980.700
Eigenleistung der Projektpartner: ~ € 214.300
Fördervolumen: ~ € 1.766.300

Ausgangslage

caption
Drahtwürmer fressen an Wurzeln und Knollen zahlreicher Wirtspflanzen - wie hier an einer Kartoffel

Drahtwürmer, die Larven verschiedener Schnellkäferarten, verursachen jedes Jahr umfangreiche ökonomische Schäden. Die gefräßigen Larven sind seit je her auf den heimischen Ackerflächen zu finden und die von ihnen verursachten Schäden wurden schon vor Jahrzehnten als großes Problem betrachtet. Jedoch fällt auf, dass in den letzten Jahren der Umfang an Ernteausfällen, insbesondere bei Speiseerdäpfeln (Frischverzehr und Speiseindustrieware z.B. für Chips und Pommes), deutlich zunahm.

Berechnungen zufolge verursacht der Drahtwurm in einem Jahr mit durchschnittlichem Befall etwa 10% Verlust bei Speiseerdäpfeln. Im Jahr 2018 hat der Schaden durch den Drahtwurm einen Höhepunkt erreicht. Schätzungen zufolge mussten 25% geschädigte Knollen aussortiert werden. Dadurch konnte die Marktversorgung aus heimischer Produktion nicht mehr gewährleistet werden.

Vor allem die Trockenperioden im Spätsommer und Herbst erhöhten den Schaddruck maßgeblich, da sich Drahtwürmer unter trockenen Bedingungen offenbar vermehrt in die Kartoffelknollen einbohren. Niederschlagsarme Phasen während des Feldaufgangs erhöhen jedoch auch in Mais den Schaddruck durch Drahtwürmer, wenn sich durch die Trockenheit die Jugendentwicklung verzögert. Problematisch ist, dass die Schädlinge vollkommen überraschend auftreten. Ob auf einer Fläche Drahtwürmer zu erwarten sind oder nicht ist meist nicht einschätzbar. Ein möglicher Insektizideinsatz unterbleibt daher oft auch wenn er notwendig gewesen wäre. In Oberösterreich wurden im Jahr 2020 rund 850 ha Drahtwurmgeschädigter Mais umgebrochen.

Die Situation hat sich in den letzten Jahren, vor allem nach dem Verbot der Neonicotinoiden Beizen 2018, verschärft. Hinzu kommt, dass aufgrund des Verbotes von Thiacloprid spätestens in der Saison 2022 Mais vollkommen ohne insektiziden Beizschutz angebaut werden muss. Auch Notfallzulassungen mit Wirkstoffen aus Nicht-EU Ländern wird man sich ab sofort nichtmehr bedienen können, möchte man den „Green Deal“ erfüllen. In den letzten Jahren wurden Drahtwürmer auch in Raps zum Problem, da hier keine chemisch-synthetischen Insektizide gegen den Schädling zugelassen sind.

Diese krisengeschüttelte Kultur ist ein wertvolles Fruchtfolgeglied, das auch für Imker unverzichtbar ist. Auch andere Kulturen, wie beispielsweise Salat oder Zwiebeln, sind in kleinerem Umfang von Drahtwurmbefall betroffen. Derzeit ist die Bekämpfung des Drahtwurms in nahezu allen Ackerbaukulturen sowohl mit chemischen als auch mit biologischen Mitteln nur eingeschränkt erfolgreich oder möglich.

Zielsetzung

Eine ressourcen- und umweltschonende, aber auch konkurrenzfähige Landwirtschaft benötigt Mittel zur Minimierung von Drahtwurmschäden. Erfahrungen aus der Praxis weisen darauf hin, dass Einzelmaßnahmen vielfach nicht ausreichen um Drahtwurmschäden auf ein vertretbares Niveau zu reduzieren. Die Kombination verschiedener Maßnahmen über mehrere Jahre hinweg gilt daher als vielversprechender Ansatz zur nachhaltigen Regulierung von Drahtwürmern.

Bisherige Forschungsprojekte betrachteten jedoch vielfach nur einzelne Regulierungsmaßnahmen, meist das Larvenstadium betreffend. Die Untersuchungen wurden außerdem meist nur innerhalb relativ kurzer Versuchszeiträumen von ein bis zwei Jahren durchgeführt, wodurch sich praxisrelevante Schlussfolgerungen nur schwer ableiten lassen.

Ziel des Projekts Drahtwurm-Control ist daher die Entwicklung erfolgreicher Regulationsstrategien, die den gesamten bis zu fünfjährigen Entwicklungszyklus des Schädlings berücksichtigen, die in praxisübliche Bewirtschaftungsabläufe implementierbar sind und deren Aufwand im Verhältnis zum ökonomischen Nutzen stehen. Dabei werden bestehende und auch innovative Regulationsstrategien gegen den Drahtwurm in Kartoffeln und Mais auf biologisch und integriert bewirtschafteten Ackerflächen untersucht. Erklärtes Ziel ist es dabei, dass am Ende des Projektes die neuen Verfahren direkt in der Praxis eingesetzt werden können.

Folgende Inhalte werden dabei im Projekt Drahtwurm-Control untersucht:

  • Effizienz oberflächlicher Bodenbearbeitung in empfindlichen Phasen des Drahtwurm-Lebenszyklus, über die gesamte branchenübliche Fruchtfolge bei Kartoffeln hinweg, zur Reduktion der Drahtwurmpopulation und Drahtwurmschäden.
  • Evaluierung inwieweit die Eiablage weiblicher Schnellkäfer durch Abschreckpflanzengemische verhindert werden kann
  • Vermeidung von Drahtwurmschäden in Kartoffeln und Mais durch den Einsatz neuer Lockpflanzengemische.
  • Reduktion von Drahtwurmschäden im Bio-(Vermehrungs) Mais durch Soja als Vorfrucht
  • Optimierung des Einsatzes von insektenpathogenen Pilzen.
  • Untersuchung des Potentials von Hydrogelen zur Reduktion von Drahtwurmschäden in Kartoffeln durch Erhöhung der Wasserhaltekapazität des Bodens.
  • Effizienz von Ölsaaten-Pressrückstände zur Drahtwurmabwehr in Mais
  • Untersuchung des Einflusses von Düngern, Pflanzenhilfsstoffen, biologischen und chemisch-synthetischen Insektiziden auf den durch Drahtwürmer verursachten Schaddruck bei Kartoffeln.
  • Verbesserung der Kenntnisse über die Drahtwurm-Schadarten: Welche Drahtwurmarten sind für Schäden in Kartoffeln und Mais tatsächlich verantwortlich? Welche insektenpathogenen Pilze sind besonders wirksam gegen diese Arten?  In welchem Zeitraum und wo findet die Eiablage dieser Schnellkäferarten bevorzugt statt?

Das Projekt- Konsortium setzt sich aus hochrangigen Experten, Beratungsorganisationen sowie Vertretern der landwirtschaftlichen Praxis zusammen. Die Felduntersuchungen werden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen unter Praxisbedingungen in Kooperation mit Landwirtinnen und Landwirten durchgeführt.

Die Auswahl praxisnaher Bekämpfungsansätze und die Miteinbeziehung der Praxis, sowohl bei der Umsetzung der Versuche, als auch bei der Diskussion der jeweiligen Zwischenergebnisse, wird die Umsetzbarkeit der im Projekt entwickelten Maßnahmenkataloge und Handlungsempfehlungen sicherstellen. Das sind bestmögliche Bedingungen einer erfolgreichen Anwendung der Ergebnisse in diesem Forschungsbereich.

caption
Schnellkäfer weisen eine längliche Körperform auf und sind meist unauffällig gefärbt
caption
Verschiedene Drahtwurm-Gattungen die in Kartoffeln Schäden verursachen

Kooperationspartner

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (Projektleitung)
Universität Innsbruck
Landwirtschaftskammer Niederösterreich
Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau
Landwirtschaftskammer Oberösterreich
Meles GmbH – Ingenieurbüro für Biologie
Bio Forschung Austria
Land-Impulse AgroInnovation
BOKU – Institut für Meteorologie und Klimatologie

caption
Logo BMLRT
caption
Kooperationspartner im Projekt "Drahtwurm Control"

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT)
Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Abteilung Landwirtschaftsförderung
Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Abteilung Wissenschaft und Forschung
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Abteilung 10 Land- und Forstwirtschaft
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Abteilung 8 Gesundheit, Pflege und Wissenschaft
Amt der Oberösterreichischen Landesregierung
Amt der Kärntner Landesregierung
Amt der Burgenländischen Landesregierung
Amt der Vorarlberger Landesregierung
Amt der Salzburger Landesregierung
Amt der Tiroler Landesregierung
Amt der Wiener Landesregierung

x