Projekt "ElatPro"

Warndienst Pflanzengesundheit
Zuletzt geändert: 31.01.2018

Eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen - Vorhersage der Drahtwurmaktivität in der obersten Bodenschicht als Entscheidungshilfe für integrierte Pflanzenschutzmaßnahmen in betroffenen landwirtschaftlichen Kulturen

Projektbeschreibung:

Drahtwürmer, die Larven des Schnellkäfers (Coleoptera: Elateridae), zählen seit jeher zu den am schwersten bekämpfbaren Schädlingen in zahlreichen Acker-und Gemüsekulturen.
Betroffen sind unter anderem Kartoffeln, Mais, Salat, Karotten und Erdbeeren. Mit den durch Drahtwurmfraß verursachten Schäden wird am häufigsten die Gattung Agriotes in Verbindung gebracht.

Drahtwürmer zeichnen sich durch ihr vertikales Wanderverhalten im Boden aus. Abhängig von den vorherrschenden Klimabedingungen, vom Bodentyp, von der Verfügbarkeit von Nahrung, aber auch von biologischen Faktoren, wandern die Larven des Schnellkäfers innerhalb der Bodensäule auf und ab. In fraßaktiven Phasen sind Drahtwürmer in der obersten Bodenschicht zu finden, wo sie durch Fraß an Wurzeln und Knollen umfangreiche Schäden verursachen. Bei ungünstigen Bedingungen sowie zur Häutung wandern die Tiere in tiefere Bodenschichten ab. Tief im Boden sind die Tiere vor Bekämpfungsmaßnahmen bestens geschützt.

Obwohl Drahtwürmer ein altbekanntes Problem sind, gibt es nach wie vor keine verlässliche Methode um Drahtwurmschäden zu prognostizieren. Das Projekt ElatPro hat zum Ziel, die Vertikalwanderungen der Drahtwürmer im Jahresverlauf zu erforschen und auf Basis dieser Daten ein Prognosemodell zu erstellen, welches vor möglichen Drahtwurmschäden rechtzeitig warnen soll. Hierfür wird im Projekt europaweit ein einheitliches Drahtwurm-Monitoring in Äckern, Brachen und Wiesen durchgeführt, dessen Ergebnisse zur Modellentwicklung herangezogen werden.

Projektziele:

Das Hauptzieliel des Projektes „ElatPro“ ist die Entwicklung und Implementierung eines Prognosemodells zur Vorhersage der Drahtwurmaktivität in der obersten Bodenschicht. Dieses Modell soll von Landwirten und Beratern als Entscheidungshilfe genutzt werden können, um den optimalen Zeitpunkt für Maßnahmen zur Bekämpfung von Drahtwürmern zu bestimmen.

Die wichtigsten Projektziele umfassen (i) die Entwicklung eines Prognosemodells zur Vorhersage des Aufenthaltsortes von Drahtwürmern innerhalb der Bodensäule, (ii) die  Gewinnung detaillierter Kenntnisse über die Schlüsselfaktoren welche die Bewegung von Drahtwürmern innerhalb der Bodensäule beeinflussen. Diese Informationen geben wichtige Hinweise für den optimalen Zeitpunkt des Einsatzes von Bekämpfungsmaßnahmen und stellen damit die Basis für das zu entwickelnde Prognosemodell dar; (iii) Die nationale und internationale Validierung zur Verbesserung des Prognosemodells. Hiermit wird sichergestellt, dass möglichst viele Drahtwurmarten, Bodentypen und Klimate bei der Modellentwicklung berücksichtigt werden; (iv) Die Überprüfung der Anwendbarkeit des Modells in der Praxis. Die Freilanduntersuchungen werden auf Kartoffeläckern in direkter Zusammenarbeit mit Landwirten durchgeführt. (v) Das im Projekt entwickelte Modell wird nach Projektende für Berater und Landwirte online verfügbar sein.

Statusbericht 2017

Im Frühjahr 2017 startete das Freiland-Monitoring zur Erhebung der Drahtwurmaktivität in den obersten Bodenschichten auf Versuchsflächen in Deutschland, Österreich, Italien, Belgien, Frankreich und der Schweiz. Um die einheitliche Durchführung des Monitorings auf allen Versuchsflächen zu gewährleisten, wurden zu Projektbeginn Monitoring-Richtlinien erstellt. Die Erhebung der Drahtwurm-Aktivität in den obersten Bodenschichten erfolgte mittels Köderfallen und Bodenproben. Anhand der Bodenproben wird die absolute Larvendichte pro Quadratmeter bestimmt, während mittels Köderfallen die Aktivität der Larven ermittelt werden kann. Die Flugperioden der adulten Käfer wurden an ausgewählten Standorten mit Hilfe von Pheromonfallen dokumentiert. Über die gesamte Vegetationsperiode erfolgten Aufzeichnungen über das Bodenklima, die Entwicklung der Vegetation und aller durchgeführten Bodenbearbeitungsmaßnahmen sowie der Kulturfolge. Anhand der erhobenen Daten sollen jene Einflussfaktoren ermittelt werden, welche sich auf die Aktivitätsphasen des Schädlings auswirken.

Um die im Freiland erhobenen Daten aller Partner rasch und in einer einheitlichen Form für die Modellentwicklung heranziehen zu können, wurde eine Eingabemaske für ArcGis erstellt, die von den Projektpartnern als online Tool über mobile Geräte einsetzbar ist. Die Daten können mit diesem Tool direkt vor Ort auf den Versuchsflächen über ein Notebook, Smartphone oder Tablett eingegeben werden. Bei bestehender Internetverbindung werden die Daten ins System eingespeist und stehen jenen Projektpartnern, welche an der Modellentwicklung arbeiten, umgehend zur Verfügung.

Neben dem Freilandmonitoring wurden auch Halbfreiland- und Laborversuche durchgeführt. In Halbfreiland-Käfigen kann die Zusammensetzung der Drahtwurmpopulation in Bezug auf die Artzusammensetzung und hinsichtlich der vorhandenen Larvenstadien beliebig variiert, und so verschiedene Populationsszenarien an ein und demselben Standort untersucht werden. Im Labor werden die auf das Wanderverhalten von Drahtwürmern einflussnehmenden Faktoren einzeln untersucht. Es wurden bereits verschiedene Futterwahlversuche durchgeführt, wobei entweder ganze Pflanzen oder nur olfaktorische Komponenten getestet wurden. Des Weiteren wurde 2017 an einer neuen Methode zur Bestimmung von Drahtwürmern auf Artniveau durch Amplifikation von DNS (LAMP-Methode) gearbeitet.

Projektlaufzeit: 36 Monate, Projektstart: Oktober 2016
Lead Partner: AGES
Projekt Koordinator: Mag. Katharina Wechselberger
Förderschiene: ERA-NET C-IPM

Nationale Fördergeber:

Österreich: BMLFUW
Deutschland: BLE
Schweiz: FOAG
Belgien/ Wallonien: SPW-DGO3
Belgien / Flandern: IWT
Frankreich: INRA
Italien: Veneto Agricoltura

Projektpartner

P1: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES GmbH);
P2: MELES GmbH;
P3: Universität Innsbruck (UIBK);
P4: Université de Liége (ULG);
P5: National Research Centre for Witloof Chicory (NPW);
P6: INAGRO; P7: Hooibeekhoeve (HH);
P8: Agrocampus Ouest (IGEPP);
P9: Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz (ZEPP);
P10: Julius Kühn-Institut (JKI);
P11: Veneto Agricoltura;
P12: Eidgenössisches Department Wirtschaft, Bildung, Forschung- Agroscope (WBF-Agroscope);
P13: Information System for Integrated Plant Production (ISIP);
P14: The Own Capital oft he Institute for Agricultural and Fisheries Research (ILVO)

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