Pflanze des Monats Jänner 2017: Bibernelle

Zuletzt geändert: 10.01.2017
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Große Bibernelle

Die Große Bibernelle Pimpinella major (L.) HUDS. und die Kleine oder Gemeine Bibernelle, Pimpinella saxifraga L., gehören zu den geschätzt 150 Pimpinella-Arten weltweit, von denen nur drei in Österreich heimisch sind. Zum Ursprung des Namens Pimpinella gibt es mehrere Spekulationen. Einige Sprachforscher leiten ihn vom lateinischen "piper" für Pfeffer ab, da die Wurzel auf der Zunge einen brennend scharfen Geschmack hinterlässt. Andere führen ihn auf das griechische Wort für Dill zurück.

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Große Bibernelle

Die Große Bibernelle Pimpinella major (L.) HUDS. und die Kleine oder Gemeine Bibernelle, Pimpinella saxifraga L., gehören zu den geschätzt 150 Pimpinella-Arten weltweit, von denen nur drei in Österreich heimisch sind. Zum Ursprung des Namens Pimpinella gibt es mehrere Spekulationen. Einige Sprachforscher leiten ihn vom lateinischen "piper" für Pfeffer ab, da die Wurzel auf der Zunge einen brennend scharfen Geschmack hinterlässt. Andere führen ihn auf das griechische Wort für Dill zurück.

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Botanik

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Blüten der Großen Bibernelle
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Blüte der kleinen Bibernelle
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Anis

Die beiden als Wurzeldroge genutzten Bibernellen Arten, Pimpinella major (L.) HUDS., die Große Bibernelle oder Weiße Groß-Bibernelle und Pimpinella saxifraga L., die Kleine oder Gemeine Bibernelle, gehören zur Familie der Doldenblütler, Apiaceae oder Umbelliferae.

Beide Arten weisen eine große Formenvielfalt bzw. viele Unterarten auf. Von der Kleinen Bibernelle, P. saxifraga, sind drei Unterarten bekannt, subsp. saxifraga, subsp. alpestris und subsp. nigra. Ganz familiengetreu sind die einzeln eher unscheinbaren, fünfzähligen, weißen Blüten der Bibernellen zu einer imposanten Doppeldolde vereint. Hüll- und Hüllchenblätter sucht man an den Blütenstielchen dieser beiden Arten allerdings vergeblich.
          
Der Stängel der Großen Bibernelle wächst aufrecht 20-80 cm hoch und ist kantig gefurcht und kahl. Die Kleine Bibernelle wird  nur 15-50 cm groß und hat einen aufrechten, stielrunden, fein gerillten kahlen oder anliegend kurzhaarigen Stiel. Beide Arten sind wechselständig beblättert. Wobei der Stängel von Pimpinella saxifraga oft blattlos bzw. oben nur mit spreitenlosen Blattscheiden oder mit wenigen einfach gefiederten Stängelblättern versehen ist. Pimpinella major ist hingegen bis oben hin beblättert. Ihre Blätter sind einfach gefiedert mit grasgrünen, am Rand gezähnten Blättchen. Die einzelnen Blättchen sind bei der Großen Bibernelle länglich-eiförmig und meist deutlich gestielt, bei der Kleinen eher rundlich-eiförmig.
     
Die beiden ausdauernden Arten blühen von Juni an bis September, Oktober. Aus den durch Insekten bestäubten Blüten entstehen die klassischen Doppelachänen, die bei der Reife in zwei Teilfrüchte zerspalten. Sie sind eiförmig, meist kahl und kaum gerippt.

Der bei uns nur als Kulturpflanze angebaute Anis, Pimpinella anisum L., gehört zur selben Gattung.  Seine Blütendolde hat zwar auch keine Hüllblätter aber ein bis wenige fädliche Hüllchenblätter. Der stielrunde 15 bis 50 cm hohe Anis-Stängel ist gerillt und wird oberwärts ästig und stark verzweigt. Er weist eine leichte Behaarung und wechselständig angeordnete Blätter auf.

Die Laubblätter sind gestielt, fein und kurz abstehend flaumig behaart und am Rand gesägt. Die unteren Stängelblätter sind noch ungeteilt und rundlich-nierenförmig, die Folgeblätter können ungeteilt, dreilappig bis drei-, selten fünfschnittig oder gar einfach gefiedert sein. Die oberen Stängelblätter sind zwei- bis dreifach gefiedert mit linealisch- lanzettlichen Zipfeln, wie beim Dill.  Anis ist nur einjährig und blüht von Juli bis August. Seine Früchte sind eiförmig bis länglich, zur Spitze hin halsartig verjüngt (geschnäbelt), graubräunlich mit helleren, hervortretenden Hauptrippen und anliegend behaart.

Verbreitung

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Anis (Thome'sche Flora 1885)

Von den geschätzten 150 Pimpinella Arten weltweit, sind nur drei in Österreich heimisch.
Die Große Bibernelle, Pimpinella major (L.) HUDS., wächst in Europa bis ins nördliche Mittelmeergebiet. Sie ist in Österreich (collin)submontan bis subalpin(-alpin) auf Fettwiesen und in Hochstaudenfluren zu finden. Sie gilt als Nährstoffzeiger und kommt häufig in allen Bundesländern vor.

Die Kleine Bibernelle, Pimpinella saxifraga L., ist in Europa, Zentralasien, Kleinasien und im Kaukasus beheimatet. Sie wächst auf Magerrasen, Halbtrockenrasen, Böschungen und an Wegrändern der collinen (hügeligen) bis subalpinen Höhenstufe. Auch sie ist bei uns häufig bis zerstreut in allen Bundesländern zu finden.

Die letzte Vertreterin, die Alpen-Bibernelle, Pimpinella alpina Host, oft auch als Unterart der Kleinen Bibernelle, Pimpinella saxifraga subsp. alpestris, ist in Österreich, der Schweiz, Nord-Italien, Bosnien-Herzegowina und Rumänien beheimatet und ist nur zerstreut auf Magerrasen und Geröllhalden in subalpinen Lagen in Niederösterreich und der Steiermark anzutreffen.

Der bei uns als Gewürz bekannte Anis, Pimpinella anisum L,. ist wahrscheinlich ursprünglich im Raum Ägypten, Vorderasien und östliches Mittelmeergebiet beheimatet. Die Pflanze wird heute vielfach kultiviert v. a. in Südeuropa, der Türkei, der ehemaligen UdSSR, in Indien, China, Japan, Chile, Argentinien und Mexiko. In Österreich wird Anis nur selten kultiviert und ist selten, in der Steiermark, verwildert anzutreffen.

Vermehrung

Die Aussaat geschieht am einfachsten über Direktsaat von März bis Mitte April. Die Pflanzen können aber auch bereits von Jänner bis März in entsprechenden Anzuchtschalen oder Töpfen vorgezogen und Mitte Mai ausgepflanzt werden.

Im Zeichen der Vielfalt

In der europäischen Datenbank für genetische Ressourcen (http://eurisco.ipk-gatersleben.de) findet man 35 Eintragungen zu Pimpinella saxifraga, 17 zu Pimpinella major und 88 zu Pimpinella anisum. Im Österreichischen Verzeichnis für genetische Ressourcen (Index Seminum) werden fünf Pimpinella saxifraga-, eine Pimpinella major- und vier Pimpinella anisum-Akzessionen zur Erhaltung in Genbanken angegeben (www.genbank.at/nationales-verzeichnis.html).

Literatur

Berendes J. (1902) Des Pedanios Dioskurides aus Anazarbos Arzneimittellehre in fünf Büchern. Übersetzt und mit Erklärungen versehen. Volltext; Digitalisat: http://www.pharmawiki.ch/materiamedica/

Bock Hieronymus (1572) Kreütterbuch. Darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen. Straßburg.

Europäisches Arzneibuch, Amtliche deutsche Ausgabe (2008) Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart. 6. Ausgabe und Nachträge der 6. Ausgabe.

Fischer M. A., Oswald K., Adler W. (2008) Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. Auflage. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz.

Kubelka W., Länger R. (2001) Phytocodex. Pflanzliche Arzneispezialitäten aus Österreich 2001/2002 Krause und Pachernegg GmbH, Verlag für Medizin und Wirtschaft, Gablitz: http://www.kup.at/db/phytokodex/index.html

www.blumeninschwaben.de

www.genbank.at

www.theplantlist.org

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