Soja

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Zuletzt geändert: 24.10.2016

Die Heimat der Stammsippe der Sojabohne, Glycine soja, auch Glycine ussuriensis, ist Ostasien. Hauptanbaugebiete der Kulturform, Glycine max, liegen heute in den USA, Brasilien und Argentinien. In Österreich werden nur die seltenen gentechnikfreien Sorten kultiviert, der Anbau gewinnt immer mehr an Bedeutung. So wurden 2013 österreichweit, aufgrund der gesteigerten Nachfrage nach heimischer Ware, 42.027 ha (+4.901 ha oder +13,2% im Vergleich zu 2012) angebaut. 2014 wurde der Anbau von Sojabohnen abermals ausgeweitet (auf 43.832 ha - entspricht +1.805 ha oder +4,3%), ebenso 2015 (auf 56.895, +13.063 ha oder +29,8 %). Hauptanbaugebiete liegen im Burgenland, Nieder- und Oberösterreich. Programme wie etwa Donau Soja fördern den Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung gentechnikfreier und herkunftsgesicherter Qualitätssoja zur Eiweißversorgung in der EU.

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Die Heimat der Stammsippe der Sojabohne, Glycine soja, auch Glycine ussuriensis, ist Ostasien. Hauptanbaugebiete der Kulturform, Glycine max, liegen heute in den USA, Brasilien und Argentinien. In Österreich werden nur die seltenen gentechnikfreien Sorten kultiviert, der Anbau gewinnt immer mehr an Bedeutung. So wurden 2013 österreichweit, aufgrund der gesteigerten Nachfrage nach heimischer Ware, 42.027 ha (+4.901 ha oder +13,2% im Vergleich zu 2012) angebaut. 2014 wurde der Anbau von Sojabohnen abermals ausgeweitet (auf 43.832 ha - entspricht +1.805 ha oder +4,3%), ebenso 2015 (auf 56.895, +13.063 ha oder +29,8 %). Hauptanbaugebiete liegen im Burgenland, Nieder- und Oberösterreich. Programme wie etwa Donau Soja fördern den Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung gentechnikfreier und herkunftsgesicherter Qualitätssoja zur Eiweißversorgung in der EU.

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Botanik

Die Sojabohne, Glycine max (L.) Merr., zählt zur Familie der Schmetterlingsblütler, Fabaceae (Leguminosae).

Die einjährige Pflanze wächst mit ihrem aufrechten Stängel bis zu 100 cm hoch. Die meisten Sorten weisen ein sogenanntes determiniertes, also begrenztes Wachstum auf und sind in der Regel selbstbefruchtend. Die Tätigkeit der Bienen bzw. anderer Bestäuber hat jedoch positiven Einfluss; es gibt sogar artenreinen Honig. Die Sojabohne ist zudem eine Kurztagpflanze, es muss also die Dunkel/Nachtphase entsprechend lang sein, um die Blütenbildung auszulösen.

Typisch für die Familie besitzt die Sojabohne eine zygomorphe Schmetterlingsblüte mit einer Krone aus Schiffchen, Fahne und Flügel, die zehn Staubblätter sind zu einer Röhre verwachsen. Die Blüten-Krone ist recht klein, nur etwas länger als der Kelch und somit recht unscheinbar. Ihre Färbung reicht von weiß bis violett. Drei bis acht, manchmal auch zwölf Blüten sind gemeinsam in den Laubblattachseln in Büscheln angeordnet.
      
Die Laubblätter der Sojabohne sind lang gestielt und dreizählig. Auch die einzelnen eiförmigen Blättchen haben einen Stiel, das Endblättchen ist dabei länger gestielt als die Seitenblättchen. Die Blattoberfläche ist beiderseits, besonders am Rand und auf den Nerven der Unterseite, stark behaart.

Bei der Frucht handelt es sich um 3-5 (8) cm lange und ca. 10 mm breite, behaarte Hülsen mit meist zwei bis drei Samen. Die runden bis eiförmigen Samen sind glatt und gelb bis braun gefärbt.

Inhaltsstoffe

Bedeutend ist die Sojabohne vor allem aufgrund ihres Proteingehalts und der Eiweißzusammensetzung. Die Samen enthalten 33-44 % Rohprotein und weisen die essentiellen Aminosäuren Isoleucin, Leucin, Lysin, die wichtigen schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein, Phenylalanin, Tyrosin, Threonin, Tryptophan und Valin sowie die nicht essentiellen Arginin, Histidin, Alanin, Asparaginsäure, Glutaminsäure, Glycin, Prolin und Serin auf. Der Gehalt an Kohlenhydrate beträgt ca. 30 %. Der Rohfettgehalt der Samen liegt bei 17-21 %, wovon 48-52 % auf die zweifach ungesättigte Linolsäure und 23-32 % auf die einfach ungesättigte Ölsäure entfallen. Die Bohne enthält außerdem vor allem B-Vitamine sowie Vitamin A, C, E und K. An Mineralstoffen findet man Kalium, Phosphor, Calcium und Magnesium, sowie die Spurenelemente Eisen, Zink, Mangan, Kupfer, Fluor und Jod.

Verwendung einst und heute

Verwendung einst und heute

Sojabohnen waren schon vor Jahrtausenden eine wichtige Nahrungspflanze in China und anderen asiatischen Staaten. Aber auch hierzulande gewinnt die Fabaceae immer mehr an Bedeutung in der menschlichen Ernährung. Man verwendet die Samen gekocht als Gemüse (Gemüsesoja, grüne Sojabohne, Edamame) oder verarbeitet sie zu Sojamilch, Tofu oder Sojasoße und nutzt sie zur Herstellung von Speiseöl, Margarine, Backfett, Mayonnaise, Kartoffelchips, Backwaren und vielem mehr.

In erster Linie ist die Sojabohne aber ein bedeutendes Eiweißfuttermittel,  das als Nebenprodukt der ölverarbeitenden Industrie anfällt und hauptsächlich in getoasteter, gepresster oder extrahierter Form verwendet wird (getoastete Sojabohne, Sojapresskuchen oder Sojaextraktionsschrot). Es handelt sich bei diesen Produkten um hochwertige Futtermittel, da  das Eiweiß der Sojabohne eine hohe biologische Wertigkeit besitzt. Zur Inaktivierung der Trypsinhemmstoffe, für eine bessere Verdaulichkeit und Verwertbarkeit des Proteins, ist eine Hitzebehandlung der Bohnen (z. B.  durch Toasten oder Extrudieren) notwendig. Soja ist das wichtigste Eiweißfuttermittel in der Ferkelproduktion, Schweinemast und in der Geflügelproduktion. Eine pansengeschützte Form kommt auch bei Rindern zum Einsatz.

Die klassische Mehrnutzungspflanze gilt trotz ihres vergleichsweise geringen Ölgehalts (20 %) als Ölsaat mit einem Anteil von 60 % an der Ölsaatenernte der Welt.

Landwirtschaftliche Aspekte

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Sojabohne Merit
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Sojabohne Evans

Die Sojabohne bevorzugt ein feucht-warmes Klima. In Österreich gedeiht sie am besten im (Süd-) Osten des Landes. Man findet aber auch frühreife Sorten in günstigen Lagen im Westen Niederösterreichs sowie im oberösterreichischen Zentralraum.

Für ein gutes Wachstum brauchen die Pflanzen lockere, gut durchlüftete, schwach saure bis neutrale (pH-Wert 6,5 bis 7,5) Böden mit gutem Wasserhaltevermögen. Vor allem während der Blüte und der Körnerbildung ist der Wasserbedarf hoch.

Als Vorfrucht eignen sich vor allem Winter-, aber auch Sommergetreide sowie Körnermais. Da Sojabohnen aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung konkurrenzschwach sind, ist es vor allem wichtig, dass die Vorfrucht spätkeimende Unkräuter unterdrückt, zudem sollte sie keine unkontrollierbaren Stickstofffreisetzungen fördern. Die Sojabohne ist zwar selbstverträglich, sollte jedoch aufgrund der Gefahr des Auftretens der Pilzkrankheit Sklerotinia nur alle vier bis fünf Jahre hintereinander angebaut werden. Die gleiche Abfolge gilt für andere Fabaceae-Arten wie Bohnen, Kleearten, Erbsen etc. und andere gegenüber Sklerotinia anfällige Kulturen (Raps, Sonnenblume, mehrere Gemüsearten). Als Stickstoffsammler und Pflanze mit einem guten Wurzelsystem zur Verbesserung der Bodenstruktur, stellt die Sojabohne selbst eine gute Vorfrucht dar.
 
Die Saatzeit liegt zwischen Mitte April bis Anfang/Mitte Mai bei einer Bodentemperatur von 10 °C. Die Aussaat kann mit der Drillmaschine oder mit der Einzelkornsämaschine durchgeführt werden.

Die Sojabohne lebt in Symbiose mit stickstofffixierenden Knöllchenbakterien (Rhizobium japonicum), die bei erstmaligem Anbau der Sojabohne auf das Saatgut aufgebracht werden müssen. Sie decken den hohen Stickstoffbedarf der Pflanze. Im Normalfall ist daher keine Stickstoffdüngung notwendig, höhere Stickstoffgaben beeinträchtigen sogar die Tätigkeit der Knöllchenbakterien. Die Phosphat- und Kali-Düngegaben richten sich nach dem Bodenvorrat. Für die Bodengehaltsklasse A (sehr niedrig) liegt der zusätzliche Bedarf an Phosphor bei 60-90 kg/ha, der an Kalium bei 40-100 kg/ha, der an Magnesium bei 60 kg/ha und bei B (niedrig) bei 40-60 kg/ha Phosphor, 50-75 kg/ha Kalium und 30 kg/ha Magnesium.
 
Der Erntezeitpunkt schließlich hängt von Sorte und Witterung ab und liegt zwischen Mitte September bis Ende Oktober. Die Reife beginnt mit dem Gelbfärben der Blätter, welche schließlich eintrocknen und abfallen. Die Bohnen werden dabei rund und fest und liegen frei in der Hülse (Klappern beim Schütteln). Die Ernte erfolgt meist wenige Tage nach dem Blattfall mit dem Mähdrescher, wobei die Bohnen einen Wassergehalt von 12 bis 16 % aufweisen sollten. Die durchschnittlichen Ernteerträge liegen bei 1.800 bis 3.000 kg/ha.

Im Zeichen der Vielfalt

Der EU-Sortenkatalog listet 384 Sorten von Glycine max auf. In der Österreichischen Sortenliste sind 50 Sojabohnen, darunter neue Kultivare wie Abelina (eingetragen seit 26.02.2014) oder RGT Shouna (eingetragen seit 14.01.2015), aber auch die schon länger verwendeten Sorten Essor (seit 21.12.1994) und Merlin (seit 30.12.1997) eingetragen.

Die Sojabohnensorten werden in Reifegruppen eingeteilt, wobei gilt: je niedriger die Zahl, desto frühreifer ist die Sorte. In Österreich sind die Reifegruppen 00 und 000 dominant vertreten. Sortenversuche haben gezeigt, dass die Sorten der Reifegruppe 00 und 000 besonders für den pannonischen Raum geeignet sind, während man in den Grenzlagen des Sojaanbaues zu frühreiferen Sorten (Reifegruppe 000 und 0000) greifen sollte.
 
In der europäischen Datenbank für genetische Ressourcen (http://eurisco.ipk-gatersleben.de) findet man derzeit 14.019 Akzessionen von Glycine max, die meisten Treffer liefert dabei Russland, gefolgt von der Ukraine und Deutschland. Das Österreichische Verzeichnis für genetische Ressourcen (Index Seminum) beinhaltet 44 Akzessionen (www.genbank.at/nationales-verzeichnis.html).

Literatur

Donau Soja (April 2013) Donau Soja Richtlinien

FAO THE SOYBEAN (www.fao.org)

Fischer M. A., Oswald K., Adler W. (2008) Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. Auflage. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz.

Taubert P. H. W. (1889) Leguminosa. in Engelmann (ed.): Natürliche Pflanzenfamilien. Vol. III, 3.

Landwirtschaftskammer Niederösterreich (2009) Sojabohne (Glycine max) (http://ooe.lko.at/)

Landwirtschaftskammer Niederösterreich (Jänner 2011) Sojapotenzial in NÖ nutzen.  Die Landwirtschaftskammer Nr. 1 (https://noe.lko.at/)

Landwirtschaftskammer Österreich (2010) Soja - Eine Kulturpflanze mit Geschichte und Zukunft (www.soja-aus-oesterreich.at/downloads/Sojabroschuere_2010.pdf)

Ministerium für ein lebenswertes Österreich (2006) Saatgutverordnung 2006 konsolidiert: http://www.bmlfuw.gv.at/dms/lmat/land/produktion-maerkte/betriebsmittel-rechtsinfo/Saatgut/SG-VO-kons-8-1-14/SG-VO%20kons.8.1.14.pdf

EU-Sortenkatalog: http://ec.europa.eu/food/plant/propagation/catalogues/database/public/index.cfm?event=homepage

Österreichische Sortenliste 2015 - Republik Österreich, gemäß Saatgutgesetz 1997. Schriftenreihe 3/2015: http://www.baes.gv.at/fileadmin/user_upload/%C3%96SL_2015_Gesamt.pdf

Statistik Austria (2014) Anbau auf dem Ackerland 2013. Endgültige Ergebnisse. Schnellbericht 1.16.: http://www.statistik.at/web_de/static/anbau_auf_dem_ackerland_2013_076303.pdf

Statistik Austria (2014) Anbau auf dem Ackerland  2014. Endgültige Ergebnisse. Schnellbericht 1.16.: www.statistik.at/web_de/.../anbau_auf_dem_ackerland_2014_081443.pdf

Vollmann J. (2006) Speisesojabohnen und deren Qualitätsansprüche. Inform 1/06

Junior J. L. et al. Changes in the ultrastructure of soybean cultivars in response to manganese supply in solution culture. Sci. agric. (Piracicaba, Braz.) vol.67 no.3 Piracicaba May/June 2010

www.genbank.at

www.naehrwertrechner.de

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