West Nil Virus

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Zuletzt geändert: 10.09.2018

Das West Nil Virus wird durch Stechmücken (Gelsen) übertragen und gilt als Erreger von West Nil Fieber. Das natürliche Reservoir des West Nil Virus sind Vögel (über 300 Vogelarten). Menschen und andere Säugetiere, insbesondere Pferde, können ebenfalls erkranken. Im August 2008 wurde in Österreich erstmals bei Greifvögeln eine West Nil Virus-Infektion mit der Genotypenlinie 2 nachgewiesen.

Das West Nil Virus wird durch Stechmücken (Gelsen) übertragen und gilt als Erreger von West Nil Fieber. Das natürliche Reservoir des West Nil Virus sind Vögel (über 300 Vogelarten). Menschen und andere Säugetiere, insbesondere Pferde, können ebenfalls erkranken. Im August 2008 wurde in Österreich erstmals bei Greifvögeln eine West Nil Virus-Infektion mit der Genotypenlinie 2 nachgewiesen.

Das West Nil Virus wird, wie z. B. auch die Erreger von Malaria, Gelbfieber oder Dengue-Fieber, durch Stechmücken (Gelsen) übertragen. Die Bedeutung des Klimawandels als Ursache für das Vordringen von "fremden" Stechmückenarten in die nördliche Hemnisphäre wird zwar diskutiert, als gesichert gilt jedoch, dass auch unsere "einheimischen" Stechmücken-Arten zur Verbreitung des West Nil Virus beitragen.

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Das West Nil Virus wird, wie z. B. auch die Erreger von Malaria, Gelbfieber oder Dengue-Fieber, durch Stechmücken (Gelsen) übertragen. Die Bedeutung des Klimawandels als Ursache für das Vordringen von "fremden" Stechmückenarten in die nördliche Hemnisphäre wird zwar diskutiert, als gesichert gilt jedoch, dass auch unsere "einheimischen" Stechmücken-Arten zur Verbreitung des West Nil Virus beitragen.

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Verbreitung

Verbreitung

Erkrankungsrisiko in Österreich gering

Das Risiko, sich in Österreich anzustecken und an West Nil Fieber zu erkranken, ist derzeit noch sehr gering. Da die Übertragung durch Stechmücken erfolgt, treten West Nil Virus Infektionen in den Sommermonaten auf. In Österreich wurden zwischen 2009 und 2018 (Stand 10. September) insgesamt 39 im Inland erworbene West Nil Virus-Fälle bestätigt. Die wahrscheinlichen Ansteckungsorte sind in Wien und in Niederösterreich zu finden. Es gab bislang keinen Todesfall beim Menschen. In Summe konnten seit 2009 in Österreich 49 West Nil Virus Infektionen nachgewiesen werden. Zehn davon waren importiert.

Im Jahr 2014 wurde West Nil Virus erstmalig bei einer Blutspenderin diagnostiziert. 2015 fanden sich acht Fälle, darunter fünf Blutspender [Céline M Gossner CM, Laurence Marrama L, Marianne Carson M, Franz Allerberger F, Paolo Calistri P, Dimitrios Dilaveris D, Sylvie Lecollinet S, Dilys Morgan D, Norbert Nowotny N, Marie-Claire Paty M-C, Danai Pervanidou D, Caterina Rizzo C, Helen Roberts H, Friedrich Schmoll F, Wim Van Bortel W, Andrea Gervelmeyer A. West Nile virus surveillance in Europe: moving towards an integrated animal-human-vector approach. Eurosurveillance, Volume 22, Issue 18, 04 May 2017. Verfügbar über: http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=22789, abgefragt am 9. Mai 2017]. 

Das West Nil Virus (WNV) kommt in tropischen, aber auch gemäßigten Gebieten vor. Der Erreger überwintert vorwiegend in Stechmücken, kann aber auch in manchen Vögeln monatelang in inneren Organen überleben und durch Zugvögel über weite Entfernungen verschleppt werden (Aspöck 2002).

WNV wurde bereits 1937 aus dem Blut einer fieberhaft erkrankten Frau im West Nil District (Namensgebung!) von Uganda isoliert und in der Folge in vielen Teilen Afrikas und Asiens sowie in einigen Gebieten in Süd-Ost- und sogar in Mitteleuropa festgestellt. Flächendeckende Untersuchungen in Afrika haben eine hohe Kontaminationsrate bei Menschen im Sudan (1939: 46,4 %) und in Ägypten (1950: 90 % der Personen über 40 Jahren im Alter hatte WNV Antikörper) ergeben. 1957 wurde WNV (Lineage 1) bei einem Ausbruch in Israel als Ursache für schwere Meningoenzephalitis bei älteren Patienten diagnostiziert. In den vergangenen Jahren sind epidemische Häufungen der vom West Nil Virus ausgelösten Enzephalitis in Algerien (1994), der Demokratischen Republik Kongo (1998), Russland und Nordamerika (1999) und Israel (1998, 2000; Lineage 1) dokumentiert worden.

Das West Nil Virus wurde in der westlichen Hemisphäre erstmals im Jahr 1999 mit Enzephalitis bei Menschen, Hunden, Katzen und Pferde dokumentiert. Mit dem Auftreten des West Nil Virus (Lineage 1) in Nordamerika 1999 rückte die Thematik in das mediale Rampenlicht (Aspöck 2002). In den USA begann der Virusausbruch im Gebiet von New York City. Die ersten Anzeichen waren Vögel (insbesondere Krähenvögel), die tot von den Bäumen des Central Parks fielen (Calisher 2000, Steele et al. 2000). Bald darauf wurden ältere Menschen in der Gegend infiziert und erkrankten.

Das Virus breitete sich seitdem auf dem ganzen nordamerikanischen Kontinent aus; es wurde in den Vereinigten Staaten, Kanada, Mexiko, der Karibik, in Mittel- und Südamerika isoliert. Sowohl beim amerikanischen als auch beim israelischen Auftreten spielte das Vorhandensein von toten Vögeln, vor allem Rabenvögeln, eine Rolle. Dass das Virus auch in manchen Gegenden Europas – vermutlich durch mehr oder weniger regelmäßige Einschleppung durch Zugvögel – vorkommt, ist seit über 30 Jahren bekannt.

Im EU-Raum wurde seit 1996 von Krankheitsfällen bei Vögeln, Pferden und auch Menschen berichtet. Zwischen August und September 2008 traten 2 Humanfälle in Rumänien, 2 Humanfälle in Italien und 14 Humanfälle in Ungarn auf (Quelle: ECDC – siehe Literaturliste); 2009 waren es 7 Fälle in Ungarn, 14 in Italien und 2 in Rumänien, 2010 260 Fälle in Griechenland, 10 in Ungarn, 1 in Italien, 41 in Rumänien und 2 in Spanien. Der Zuwachs an Humanfällen in Europa von 2008 bis 2010 ist auch auf eine vermehrte Untersuchungstätigkeit bei Menschen zurückzuführen.

Laut Europäischem Seuchenkontrollzentrum ECDC (West Nile fever maps) wurden 2017 204 WNV Humanfälle in der EU und 84 in EU-nahen Ländern wie Serbien, Türkei und Israel gemeldet. Im Jahr 2018 wurden EU-weit mit Stand 16. August 273 Fälle mit West Nil Virus gemeldet. Es steht zurzeit für den Menschen kein Impfstoff zur Verfügung.

West Nil Situation in Österreich beim Tier

Im Jahr 2008 wurden in Österreich erstmals bei Greifvögeln klinische WNV-Infektionen der Linie 2 nachgewiesen und seit diesem Zeitpunkt wird am IVET Mödling ein WNV-Überwachungsprogramm im Auftrag des BMASGK bei Wildvögeln und seit 2011 auch bei Pferden durchgeführt.

Der Schwerpunkt des Programms liegt bei Greifvögeln (Falconiformes), Sperlingsvögeln (Passeriformes) und Rabenvögeln (Corvidae, Raben und Krähen), denen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Erregers zugeschrieben wird. Zusätzlich wurden auch andere Vogelspezies, wie Weidegänse und Enten aus Risikoregionen aus dem passiven Aviären Influenza Überwachungsprogramm über Schlachtblut, auf WNV untersucht.

In den Jahren 2013 und 2014 konnte im Rahmen der durchgeführten PCR Untersuchungen von Wild- und Greifvögel jeweils bei einem Habicht das WNV Linie-2 detektiert werden. Im Jahr 2015 konnte das WNV Linie 2 bei zwei Habichten nachgewiesen werden. Im Jahr 2017 wurden 129 Vögel mittels WNV- bzw. Flaviviren-PCR untersucht, bei insgesamt 12 Vögeln (6 Falken, 2 Habichte, 2 Bartgeier, 1 Bartkauz, 1 Kanarienvogel) konnte erneut WNV Linie 2 nachgewiesen werden (Datenquelle AGES und Vetmeduni Vienna). Im Zuge der serologischen Untersuchungen 2017 bei 126 Wildvögeln bzw. Weidegänsen sowie Straußen konnten in 2 Schlachtblutproben von Straußen eines Betriebes im Bundesland Niederösterreich Hinweise auf länger zirkulierende WNV-Antikörper gefunden werden (IgG AK ELISA fraglich, IgM Flavivirus ELISA negativ).

Alle klinischen Formen der Encephalomyelitiden bei Pferden sind in Österreich anzeigepflichtig und die verdächtigen Tiere werden routinemäßig auch auf das Vorkommen von WNV und andere Flaviviren untersucht. Klinische Fälle bei Pferden waren bis 2015 in Österreich nicht aufgetreten. Im August 2016 wurde erstmals bei einem Pferd im Osten von Österreich WNV bestätigt – das betroffene Tier zeigte klinische Symptome, sprach gut auf die Behandlung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien an und konnte geheilt werden.

Im Oktober 2016 mußte ein Pferd aus Niederösterreich wegen progressiven neurologischen Symptomen an der Veterinärmedizinischen Universität Wien euthanasiert werden. Das Tier zeigte bei der pathomorphologischen Untersuchung am NRL in Mödling das Bild einer viralen Meningoenzephalitis, die ätiologische Diagnose „WNV-Infektion“ konnte jedoch erst im Jänner 2017 bestätigt werden. Hierbei handelt es sich um den ersten dokumentierten Fall einer WNV-bedingten Enzephalitis bei einem österreichischen Pferd. Im Spätsommer/Früherbst 2017 konnten drei weitere klinisch relevante Fälle von equinen WNV-Infektionen in Niederösterreich nachgewiesen werden. Ein Pferd musste aufgrund der klinischen Symptomatik euthanasiert werden, bei diesem Tier lag eindeutig eine WNV-assoziierte Meningoenzephalitis vor. Die zwei weiteren Pferde haben die Krankheit überstanden, eine stattgefundene WNV-Infektion konnte serologisch jedoch bestätigt werden. Es handelte sich bei den equinen WNV-Fällen in Österreich bislang ausschließlich um WNV Linie 2.

In den vergangenen 15 Jahren wurden klinische WNV-Fälle bei Pferden auch in Italien, Ungarn, Frankreich, Griechenland, Portugal und Spanien gemeldet – zumeist gingen diese gleichzeitig auch mit Humanerkrankungen einher.

Im Jahr 2017 wurden im Rahmen des serologischen WNV-Screenings 148 Blutproben von Pferden auf das Vorkommen von Flavivirus AK untersucht. Davon reagierten 42 Sera  im IgG Flavivirus ELISA positiv, jedoch im IgM Flavivirus ELISA negativ, viele davon zeigten auch im FSME AK ELISA ein positives Ergebnis. In Österreich besteht die Möglichkeit, Pferde auch gegen WNV (Linie 1) zu impfen.

Im Jahr 2018 wurde West Nil Virus bei zwei Vögeln (1 Habicht, 1 Krähe) in Niederösterreich nachgewiesen (Stand 27. August).

Voraussetzungen für das Vorkommen in Europa:

Einschleppung durch Zugvögel oder Mücken

Existenz der entsprechenden Mückenarten

Relativ hohe Mückendichte dieser Arten

Entsprechend hohe Temperaturen: Während der Virustiter im Insekt bei 18 °C nur langsam steigt, vermehrt sich das Virus bei 30 °C rasch und die Übertragungswahrscheinlichkeit ist hoch

Vorkommen von Vogelarten mit hohen Virusmengen

Verbreitung dieser Vogelarten infolge Zugvogelaktivitäten

Anzahl von West Nil Virus Nachweisen in Österreich, 2010-2017

WNV-Nachweise bei: 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Mensch 1 0 0 0 2 8 6 7
Pferd 0 0 0 0 0 0 2 3
Vögel 0 0 0 1 1 2 0 12
Stechmücken-Pools 0 1 1 0 2 3 2 0

Übertragung

Übertragung

Das West Nil Virus wird von einer für Flaviviren ungewöhnlich großen Zahl an Stechmückenarten übertragen. Als mögliche Vektoren kommen eine Vielzahl verschiedener Mückenarten (43 Arten alleine in Nordamerika) in Frage, vor allem die Gattungen Culex, Aedes und Ochlerotatus (siehe auch Linke 2007). In der Gattung Culex sind dies vor allem Culex quinquefasciatus, C. molestus, C. pipiens, C. restuans, C. salinarius und C. tarsalis (Hayes et al. 2005, Trevejo & Eidson 2008). Culex pipiens, als Parasit von Vögeln und Mensch, ist einer der möglichen Vektoren in der Übertragungskette vom Tier zum Mensch bzw. Vogel zum Säuger. Das Virus kann in der Stechmücke Culex den Winter überdauern und im Folgejahr im Frühling einen Vermehrungszyklus in der Mücke durchmachen (Bugbee & Forte 2004).

Stechmücken der Gattung Culex verbringen den Winter in geschützten Räumen wie Keller, Scheunen, Tunneln und Höhlen. Nach 10-15 Tagen Inkubation in der Mücke wird das WNV durch Stechen weitergegeben.
Das größte Wirbeltierreservoir (siehe auch Linke 2007) stellen Vögel, insbesondere Zugvögel (vor allem Passeriformes wie Rabenvögel und Sperlinge) dar. Es können über 150 Vogelarten, verschiedene Säugetiere (Affen, Pferde, Wiederkäuer - Rinder, Ziegen, Schafe, Rotwild, Kamelartige, Büffel -, Schweine, Hunde, Wölfe, Füchse, Bären, Katzen, Fledermäuse, Stinktiere, Eichhörnchen, Hasen und andere Nagetiere), Reptilien (Alligatoren, Schlangen), Amphibien (Raniden) sowie der Mensch infiziert werden. Psittaciformes, Galliformes (Hühner, Wachteln) und Columbiformes (Felsentauben) sind aufgrund der schlechten virämischen Wirtseigenschaften (kurze Phase der Virämie mit niedriger Viruskonzentration) ungeeignete Wirte für WNV (Trevejo & Eidson 2008).

Säugetiere, Reptilien und Amphibien als Endwirte (sind wie Psittaciformes schlechte Wirte) spielen keine bedeutende Rolle in der Weiterverbreitung.

Bei Pferden wurde das Virus erstmals 1960 in Frankreich und Ägypten beschrieben. Menschen und Pferde können sich infizieren, aber sind für die Erhaltung des Übertragungszyklus nicht wichtig. Eine direkte Mensch – Pferd Übertragung ist unwahrscheinlich. Hunde und Katzen zeigen nur geringe Anzeichen für eine Infektion (Quelle: CDC). Es ist kein Fall einer direkten Hund- bzw. Katze-Mensch-Übertragung bekannt. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist äußerst selten. Übertragungen durch Bluttransfusion, durch Organtransplantation, intrauterine Exposition und Stillen sind möglich (CDC 2002a-d, 2003).

Die Virustransmission soll auch über direkten Kontakt erfolgen. Die Bedeutung der oralen bzw. fäkalen Übertragung ist noch unbekannt; die Aufnahme des Virus über Aerosole ist ebenfalls in Diskussion (Trevejo & Eidson 2008).

Symptome

80 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch

20 % der erkrankten Patienten zeigen eine grippeähnliche Erkrankung mit plötzlichem, hohem Fieber (= leichtes West Nil Fieber), Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Symptomen, eventuell Schnupfensymptomen, Lymphknotenschwellungen und Hautflecken. Die Inkubationszeit beträgt 2-8 Tage. Innerhalb von 7-10 Tagen erfolgt meist ein Abklingen der wichtigsten Symptome.

In Einzelfällen (bei 0,7 %) kommt es zur West Nil Meningitis oder Enzephalitis. Neuroinvasive Störungen mit Bewusstseinstrübung, Koordinationsstörungen, Schluckbeschwerden, extreme Müdigkeit und Schwindel kombiniert mit Verhaltens- und Persönlichkeitsänderungen sind typische Anzeichen. Hepatitis, Myokarditis, Nephritis, Pankreatitis und Splenomegalie gekoppelt mit einer langen Rekonvaleszenz sind die Folge (Perelman & Stern 1974, Mathiot et al. 1990, Omalu et al. 2003). Immunschwache Patienten und Personen über 50 Jahre haben ein höheres Risiko, die schwere Form der Krankheit zu entwickeln.

Neben sporadischen Infektionen in Süd-, Mittel- und Osteuropa hat es wenige größere lokale Ausbrüche gegeben, z.B. 1996 in Bukarest (393 Erkrankungen, 17 Todesfälle), 1999 in Volgograd (826 Erkrankungen, 40 Todesfälle) und 2010 in Nord-Griechenland (262 Erkrankungen und 35 Todesfälle). Bei solchen Ausbrüchen handelt es sich um unregelmäßige, geografisch und zeitlich limitierte Phänomene, deren Auftreten zum derzeitigen Stand des Wissens nicht vorhersehbar ist (ECDC Factsheet for Health Professionals).

Da eine geografische Ausweitung betroffener Regionen möglich ist, hat das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz ein Programm zur Überwachung der West Nil Situation in Österreich sowohl im Human- als auch im Veterinärbereich etabliert.

Symptome beim Tier

Vögel zeigen meist wenige oder keine klinischen Symptome, eventuell werden ZNS-Symptome mit entsprechenden Begleitsymptomen diagnostiziert: Lethargie, Koordinationsschwierigkeiten, Ataxie, Depression, Schiefhals, Opisthotonus und Blutungen in Schnabel- und Kloakenregion konnten nachgewiesen werden. Junge Vögel (1-11 Tage alte Hühnerküken, Gänseküken) zeigten im Gegensatz zu älteren Tieren eine wesentlich stärker ausgeprägte Virämie. Eine hohe Mortalität findet sich bei Krähen und anderen Rabenvögel. Bei toten Vögeln wurde Myokarditis und Enzephalitis diagnostiziert. Künstlich infizierte Hühner und Truthähne zeigten keine Symptomatik. Symptome bei Gänsen waren Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, depressives Verhalten, Myokarditis und neurologische Störungen. Rhythmische seitwärts gerichtete Kopfbewegungen („seitwärts Pendeln“) waren häufig zu sehen. In endemischen Regionen kann die Infektionsrate bei Vögeln zwischen 10-53 % betragen.

Die Hauptsymptome bei Pferden sind Fieber und neurologische Symptome wie diffuse Enzephalitis bzw. Enzephalomyelitis mit Ataxie und Parese. Koma und Tod sind oft die Folge. Die Morbiditätsrate bei Pferden ist relativ hoch. 20-43 % der infizierten Pferde zeigen neurologische Symptome. 25-45 % der infizierten Tiere können sterben.

Bei Hunden und Katzen ist der Verlauf der Krankheit in der Regel symptomlos.

Bei Schafen treten neben neurologischen Störungen Ataxie und Fieber sowie Verhaltensstörungen (Zähneknirschen, Depression) auf. Bei Mutterschafen kann es zum Abortus bzw. zur Totgeburt kommen. Der Tod kann auch bei jungen Lämmern kurz nach der Geburt eintreten. Infizierte Mutterschafe können sterben.

Vorbeugung

Die Behandlung von West Nil Fieber beim Menschen ist rein symptomatisch, d. h. eine gegen das Virus gerichtete Medikation gibt es nicht. Auch bei Tieren ist die Behandlung symptomatisch und beschränkt sich auf die Folgeerscheinungen.

Ein Impfstoff ist derzeit nur für Pferde erhältlich. Einen in der Prävention einsetzbaren Impfstoff für den Menschen gibt es nicht. Das Vermeiden von Moskitostichen ist das einfachste Mittel zur Prophylaxe von Infektionen (Hayes & Gubler 2006): Das Tragen von langärmeliger, heller Kleidung, das Verwenden von Repellenzien und der Verzicht auf den Aufenthalt in mückenreichen Regionen ist zu empfehlen.

AGES-Folder West Nil Virus

Vorbeuge-Maßnahmen für Pferdehalter:

  • Stechmücken sind in der Morgen- und Abenddämmerung besonders aktiv. Daher gilt es besonders in der Dämmerung, die Tiere in den Stall zu führen
  • Fenster mit Mückennetzen abdichten, Stall-Türen in der Nacht und in der Dämmerung geschlossen halten
  • Gelsenmenge reduzieren: Stechmücken legen ihre Eier in jede Wasseransammlung ab. Um die Vermehrung zu vermeiden, sollten Regentonnen abgedeckt und Tränken täglich gereinigt werden
  • Waschplätze trocken halten: An den Waschplätzen der Tiere ist darauf zu achten, dass das Wasser in die Kanalisation abfließt
  • Impfstoffe für Pferde: es gibt mehrere zugelassen Impfstoffe. Pferde sind zwei Mal im Abstand von drei bis fünf bzw. vier bis sechs Monaten und danach jährlich zu impfen

Literatur

Céline M Gossner CM, Laurence Marrama L, Marianne Carson M, Franz Allerberger F, Paolo Calistri P, Dimitrios Dilaveris D, Sylvie Lecollinet S, Dilys Morgan D, Norbert Nowotny N, Marie-Claire Paty M-C, Danai Pervanidou D, Caterina Rizzo C, Helen Roberts H, Friedrich Schmoll F, Wim Van Bortel W, Andrea Gervelmeyer A. West Nile virus surveillance in Europe: moving towards an integrated animal-human-vector approach. Eurosurveillance, Volume 22, Issue 18, 04 May 2017. Verfügbar über: http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=22789, abgefragt am 9. Mai 2017

Kolodziejek J, Seidel B, Jungbauer C, Dimmel K,  KolodziejekM, Rudolf I, Hubálek Z, Allerberger F, Nowotny N. West Nile Virus Positive Blood Donation and Subsequent Entomological Investigation, Austria, 2014. PloS One. 2015; 10(5): e0126381. Verfügbar über:  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4427133/, abgefragt am 9. Mai 2017

Aberle S, Heinz FX (2012) West Nil Virus Infektionen in Österreich. Virusepidemiologische Information Nr. 12/12. Verfügbar über: http://www.virologie.meduniwien.ac.at/home/upload/vei/2012/1212s.pdf, abgefragt am: 9. Mai 2017

Weiterführende Literatur:

Trevejo R.T. & Eidson M. (2008): West Nile virus – Zoonosis Update. JAVMA 232(9):1302-1309.

Spezielle Literatur:

Aspöck H. (2002): Die West Nil Virus -  Epidemie in New York aus der Sicht des (reisenden und nicht reisenden) Mitteleuropäers. Entomol. Austriaca 5:5-6.

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Bakonyi T. et al. (2006): Lineage 1 and 2 Strains of Encephalitis West Nile virus, Central Europe. Emerging Infect. Dis. 12(4):618-623.

Bakonyi, T., Gould, E.A., Kolodziejek, J., Weissenböck, H., Nowotny, N., 2004. Complete genome analysis and molecular characterization of Usutu virus that emerged in Austria in 2001: comparison with the South African strain SAAR-1776 and other flaviviruses. Virology 328, 301–310.

Bugbee L.M. & Forte L.R. (2004): The discovery of West Nile virus in overwintering Culex pipiens (Diptera: Culicidae) mosquitoes in Lehigh County, Pennsylvania. J. Amer. Mosquito Control Association 20(3):326–327.

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