West Nil Virus

West Nile Virus (WNV)

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Zuletzt geändert: 28.08.2017
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Das West Nil Virus wird durch Stechmücken (Gelsen) übertragen und gilt als Erreger von West Nil Fieber. Erstmals 1937 in Uganda isoliert, kam es vor 1999 nur in Afrika und Teilen Asiens und Südeuropas vor. Heute findet es sich in ganz Amerika und zunehmend in Mitteleuropa. Das natürliche Reservoir des West Nil Virus sind Vögel (über 300 Vogelarten). Menschen und andere Säugetiere, insbesondere Pferde, können ebenfalls erkranken. Im August 2008 wurde in Österreich erstmals bei Greifvögeln eine West Nil Virus-Infektion mit der Genotypenlinie 2 nachgewiesen.

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Das West Nil Virus wird durch Stechmücken (Gelsen) übertragen und gilt als Erreger von West Nil Fieber. Erstmals 1937 in Uganda isoliert, kam es vor 1999 nur in Afrika und Teilen Asiens und Südeuropas vor. Heute findet es sich in ganz Amerika und zunehmend in Mitteleuropa. Das natürliche Reservoir des West Nil Virus sind Vögel (über 300 Vogelarten). Menschen und andere Säugetiere, insbesondere Pferde, können ebenfalls erkranken. Im August 2008 wurde in Österreich erstmals bei Greifvögeln eine West Nil Virus-Infektion mit der Genotypenlinie 2 nachgewiesen.

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Verbreitung

Verbreitung

Das West Nil Virus (WNV) kommt in tropischen, aber auch gemäßigten Gebieten vor. Der Erreger überwintert vorwiegend in Stechmücken, kann aber auch in manchen Vögeln monatelang in inneren Organen überleben und durch Zugvögel über weite Entfernungen verschleppt werden (Aspöck 2002).

WNV wurde bereits 1937 aus dem Blut einer fieberhaft erkrankten Frau im West Nil District (Namensgebung!) von Uganda isoliert und in der Folge in vielen Teilen Afrikas und Asiens sowie in einigen Gebieten in Süd-Ost- und sogar in Mitteleuropa festgestellt. Flächendeckende Untersuchungen in Afrika haben eine hohe Kontaminationsrate bei Menschen im Sudan (1939: 46,4 %) und in Ägypten (1950: 90 % der Personen über 40 Jahren im Alter hatte WNV Antikörper) ergeben. 1957 wurde WNV (Lineage 1) bei einem Ausbruch in Israel als Ursache für schwere Meningoenzephalitis bei älteren Patienten diagnostiziert. In den vergangenen Jahren sind epidemische Häufungen der vom West Nil Virus ausgelösten Enzephalitis in Algerien (1994), der Demokratischen Republik Kongo (1998), Russland und Nordamerika (1999) und Israel (1998, 2000; Lineage 1) dokumentiert worden.

Das West Nil Virus wurde in der westlichen Hemisphäre erstmals im Jahr 1999 mit Enzephalitis bei Menschen, Hunden, Katzen und Pferde dokumentiert. Mit dem Auftreten des West Nil Virus (Lineage 1) in Nordamerika 1999 rückte die Thematik in das mediale Rampenlicht (Aspöck 2002). In den USA begann der Virusausbruch im Gebiet von New York City. Die ersten Anzeichen waren Vögel (insbesondere Krähenvögel), die tot von den Bäumen des Central Parks fielen (Calisher 2000, Steele et al. 2000). Bald darauf wurden ältere Menschen in der Gegend infiziert und erkrankten.

Das Virus breitete sich seitdem auf dem ganzen nordamerikanischen Kontinent aus; es wurde in den Vereinigten Staaten, Kanada, Mexiko, der Karibik, in Mittel- und Südamerika isoliert. Sowohl beim amerikanischen als auch beim israelischen Auftreten spielte das Vorhandensein von toten Vögeln, vor allem Rabenvögeln, eine Rolle. Dass das Virus auch in manchen Gegenden Europas – vermutlich durch mehr oder weniger regelmäßige Einschleppung durch Zugvögel – vorkommt, ist seit über 30 Jahren bekannt.

Im EU-Raum wurde seit 1996 von Krankheitsfällen bei Vögeln, Pferden und auch Menschen berichtet. Zwischen August und September 2008 traten 2 Humanfälle in Rumänien, 2 Humanfälle in Italien und 14 Humanfälle in Ungarn auf (Quelle: ECDC – siehe Literaturliste); 2009 waren es 7 Fälle in Ungarn, 14 in Italien und 2 in Rumänien, 2010 260 Fälle in Griechenland, 10 in Ungarn, 1 in Italien, 41 in Rumänien und 2 in Spanien. Der Zuwachs an Humanfällen in Europa von 2008 bis 2010 ist auch auf eine vermehrte Untersuchungstätigkeit bei Menschen zurückzuführen.

Laut Europäischem Seuchenkontrollzentrum ECDC (West Nile fever maps) wurden 2015 an die 108 WNV Humanfälle in Europa und 193 in EU-nahen Ländern wie Russland und Israel gemeldet. Im Jahr 2016 wurden EU-weit mit Stand 1. September 54 Fälle mit West Nil Virus gemeldet. Die meisten Fälle wurden in Rumänien und Italien dokumentiert. Es steht zurzeit für den Menschen kein Impfstoff zur Verfügung.

Ausbrüche bei Tieren wurden in Rumänien erstmals 1996/97, in Italien erstmals 1998 dokumentiert; zwischen 2005 und 2008 wurden Fälle bei Tieren in Rumänien und Russland, zwischen 2005 und 2007 in Frankreich, 1997 und 2008 in der Tschechischen Republik und in Ungarn publiziert (Quelle: OIE). Zwischen 2003 und 2004 wurde in Gänsen und Greifvögeln in Ungarn ein Ausbruch der Krankheit diagnostiziert (Bakonyi et al. 2006). 2008 und 2009 wurden in Italien zahlreiche Krankheitsausbrüche bei Tieren (Pferde, Vögel) diagnostiziert. 2010 wurde in 14 Pferden in Griechenland eine WNV Infektion bestätigt; in Rumänien in 18 Schafen und 15 Vögel das Virus serologisch nachgewiesen. In den europäischen Ländern waren vor allem Vögel und Pferde betroffen.

Voraussetzungen für das Vorkommen in Europa:

Einschleppung durch Zugvögel oder Mücken

Existenz der entsprechenden Mückenarten

Relativ hohe Mückendichte dieser Arten

Entsprechend hohe Temperaturen: Während der Virustiter im Insekt bei 18 °C nur langsam steigt, vermehrt sich das Virus bei 30 °C rasch und die Übertragungswahrscheinlichkeit ist hoch

Vorkommen von Vogelarten mit hohen Virusmengen

Verbreitung dieser Vogelarten infolge Zugvogelaktivitäten

Anzahl von West Nil Virus Nachweisen in Österreich, 2010-2016

WNV-Nachweise bei: 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Mensch 1 0 0 0 2 8 6
Pferd 0 0 0 0 0 0 2
Vögel 0 0 0 1 1 2 0
Stechmücken-Pools 0 1 1 0 2 3 2

Übertragung

Übertragung

Das West Nil Virus wird von einer für Flaviviren ungewöhnlich großen Zahl an Stechmückenarten übertragen. Als mögliche Vektoren kommen eine Vielzahl verschiedener Mückenarten (43 Arten alleine in Nordamerika) in Frage, vor allem die Gattungen Culex, Aedes und Ochlerotatus (siehe auch Linke 2007). In der Gattung Culex sind dies vor allem Culex quinquefasciatus, C. molestus, C. pipiens, C. restuans, C. salinarius und C. tarsalis (Hayes et al. 2005, Trevejo & Eidson 2008). Culex pipiens, als Parasit von Vögeln und Mensch, ist einer der möglichen Vektoren in der Übertragungskette vom Tier zum Mensch bzw. Vogel zum Säuger. Das Virus kann in der Stechmücke Culex den Winter überdauern und im Folgejahr im Frühling einen Vermehrungszyklus in der Mücke durchmachen (Bugbee & Forte 2004).

Stechmücken der Gattung Culex verbringen den Winter in geschützten Räumen wie Keller, Scheunen, Tunneln und Höhlen. Nach 10-15 Tagen Inkubation in der Mücke wird das WNV durch Stechen weitergegeben.
Das größte Wirbeltierreservoir (siehe auch Linke 2007) stellen Vögel, insbesondere Zugvögel (vor allem Passeriformes wie Rabenvögel und Sperlinge) dar. Es können über 150 Vogelarten, verschiedene Säugetiere (Affen, Pferde, Wiederkäuer - Rinder, Ziegen, Schafe, Rotwild, Kamelartige, Büffel -, Schweine, Hunde, Wölfe, Füchse, Bären, Katzen, Fledermäuse, Stinktiere, Eichhörnchen, Hasen und andere Nagetiere), Reptilien (Alligatoren, Schlangen), Amphibien (Raniden) sowie der Mensch infiziert werden. Psittaciformes, Galliformes (Hühner, Wachteln) und Columbiformes (Felsentauben) sind aufgrund der schlechten virämischen Wirtseigenschaften (kurze Phase der Virämie mit niedriger Viruskonzentration) ungeeignete Wirte für WNV (Trevejo & Eidson 2008).

Säugetiere, Reptilien und Amphibien als Endwirte (sind wie Psittaciformes schlechte Wirte) spielen keine bedeutende Rolle in der Weiterverbreitung.

Bei Pferden wurde das Virus erstmals 1960 in Frankreich und Ägypten beschrieben. Menschen und Pferde können sich infizieren, aber sind für die Erhaltung des Übertragungszyklus nicht wichtig. Eine direkte Mensch – Pferd Übertragung ist unwahrscheinlich. Hunde und Katzen zeigen nur geringe Anzeichen für eine Infektion (Quelle: CDC). Es ist kein Fall einer direkten Hund- bzw. Katze-Mensch-Übertragung bekannt. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist äußerst selten. Übertragungen durch Bluttransfusion, durch Organtransplantation, intrauterine Exposition und Stillen sind möglich (CDC 2002a-d, 2003).

Die Virustransmission soll auch über direkten Kontakt erfolgen. Die Bedeutung der oralen bzw. fäkalen Übertragung ist noch unbekannt; die Aufnahme des Virus über Aerosole ist ebenfalls in Diskussion (Trevejo & Eidson 2008).

Symptome

80 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch

20 % der erkrankten Patienten zeigen eine grippeähnliche Erkrankung mit plötzlichem, hohem Fieber (= leichtes West Nil Fieber), Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Symptomen, eventuell Schnupfensymptomen, Lymphknotenschwellungen und Hautflecken. Die Inkubationszeit beträgt 2-8 Tage. Innerhalb von 7-10 Tagen erfolgt meist ein Abklingen der wichtigsten Symptome.

In Einzelfällen (bei 0,7 %) kommt es zur West Nil Meningitis oder Enzephalitis. Neuroinvasive Störungen mit Bewusstseinstrübung, Koordinationsstörungen, Schluckbeschwerden, extreme Müdigkeit und Schwindel kombiniert mit Verhaltens- und Persönlichkeitsänderungen sind typische Anzeichen. Hepatitis, Myokarditis, Nephritis, Pankreatitis und Splenomegalie gekoppelt mit einer langen Rekonvaleszenz sind die Folge (Perelman & Stern 1974, Mathiot et al. 1990, Omalu et al. 2003). Immunschwache Patienten und Personen über 50 Jahre haben ein höheres Risiko, die schwere Form der Krankheit zu entwickeln.

Neben sporadischen Infektionen in Süd-, Mittel- und Osteuropa hat es wenige größere lokale Ausbrüche gegeben, z.B. 1996 in Bukarest (393 Erkrankungen, 17 Todesfälle), 1999 in Volgograd (826 Erkrankungen, 40 Todesfälle) und 2010 in Nord-Griechenland (262 Erkrankungen und 35 Todesfälle). Bei solchen Ausbrüchen handelt es sich um unregelmäßige, geografisch und zeitlich limitierte Phänomene, deren Auftreten zum derzeitigen Stand des Wissens nicht vorhersehbar ist (ECDC Factsheet for Health Professionals).

Die Nationale Referenzzentrale am Department für Virologie der Medizinischen Universität Wien hat nun durch die vom BMG beauftragte Untersuchung archivierter Proben von Patienten mit einer ZNS-Erkrankung (Jahre 2009, 2010 und 2011) nachgewiesen, dass in Österreich sporadische Infektionen mit dem West Nil Virus aufgetreten sind (2 im Jahr 2009, 1 im Jahr 2010, 0 im Jahr 2011). Im Jahr 2012 wurden zwei aus Serbien „importierte“ Erkrankungsfälle dokumentiert. In den Jahren 2011 und 2013 wurden in Österreich keine Humanerkrankungen an West Nil Fieber festgestellt. Obwohl es keinerlei Hinweise für ein gehäuftes Auftreten des West Nil Virus in Österreich gibt, sollte bei ZNS Symptomatik – vor allem bei älteren Personen nach Aufenthalt in einem Land mit bestätigten Erkrankungsfällen während der warmen Jahreszeit – auch an die Möglichkeit dieser Virusinfektion gedacht werden.

In Ungarn erkrankten im Jahr 2013 insgesamt 31 Personen, in Rumänien 24, in Griechenland 86; in Nord-Italien erkrankten im Jahr 2013 69 Personen an West Nil Fieber, in Kroatien 16 und in Serbien 302 Personen. Obwohl es derzeit keinerlei Hinweise für ein gehäuftes Auftreten des West Nil Virus in Österreich gibt, sollte bei ZNS-Symptomatik während der warmen Jahreszeit auch an die Möglichkeit dieser Virusinfektion gedacht werden. Dort, wo im Ausland Ausbrüche mit West Nil Fieber auftraten, hat sich gezeigt, dass einerseits Personen im Alter von über 50 Jahren und andererseits Personen, die sich viel im Freien aufhalten, überdurchschnittlich oft betroffen waren.

Da eine weitere geografische Ausweitung betroffener Regionen möglich ist, hat das Bundesministerium für Gesundheit ein Programm zur Überwachung der West Nil Situation in Österreich sowohl im Human- als auch im Veterinärbereich etabliert.

Erkrankungsrisiko in Österreich gering

Das Risiko, sich in Österreich anzustecken und an West Nil Fieber zu erkranken, ist derzeit noch sehr gering. In Österreich wurden bislang (Stand Mai 2017) insgesamt 17 im Inland erworbene West Nil Virus-Fälle dokumentiert. Es gab bislang keinen Todesfall beim Menschen. Im Rahmen einer rückblickenden Untersuchung waren im Jahr 2012 erstmals Fälle von in Österreich erworbenem West Nil Fieber bei drei PatientInnen dokumentiert worden (zwei im Jahr 2009, einer im Jahr 2010) [23. Aberle S, Heinz FX (2012) West Nil Virus Infektionen in Österreich. Virusepidemiologische Information Nr. 12/12. Verfügbar über: http://www.virologie.meduniwien.ac.at/home/upload/vei/2012/1212s.pdf, abgefragt am: 9. Mai 2017]. Im Jahr 2012 wurden zwei aus Serbien „importierte“ Erkrankungsfälle festgestellt. In den Jahren 2011 und 2013 gab es in Österreich keine Humanerkrankungen an West Nil Fieber.

Im Jahr 2014 wurde West Nil Virus erstmalig bei einer Blutspenderin diagnostiziert. 2015 fanden sich acht Fälle, darunter fünf Blutspender [Céline M Gossner CM, Laurence Marrama L, Marianne Carson M, Franz Allerberger F, Paolo Calistri P, Dimitrios Dilaveris D, Sylvie Lecollinet S, Dilys Morgan D, Norbert Nowotny N, Marie-Claire Paty M-C, Danai Pervanidou D, Caterina Rizzo C, Helen Roberts H, Friedrich Schmoll F, Wim Van Bortel W, Andrea Gervelmeyer A. West Nile virus surveillance in Europe: moving towards an integrated animal-human-vector approach. Eurosurveillance, Volume 22, Issue 18, 04 May 2017. Verfügbar über: http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=22789, abgefragt am 9. Mai 2017]. 2016 wurden sechs humane Infektionen dokumentiert, darunter vier bei Blutspendern.

Symptome beim Tier

Vögel zeigen meist wenige oder keine klinischen Symptome, eventuell werden ZNS-Symptome mit entsprechenden Begleitsymptomen diagnostiziert: Lethargie, Koordinationsschwierigkeiten, Ataxie, Depression, Schiefhals, Opisthotonus und Blutungen in Schnabel- und Kloakenregion konnten nachgewiesen werden. Junge Vögel (1-11 Tage alte Hühnerküken, Gänseküken) zeigten im Gegensatz zu älteren Tieren eine wesentlich stärker ausgeprägte Virämie. Eine hohe Mortalität findet sich bei Krähen und anderen Rabenvögel. Bei toten Vögeln wurde Myokarditis und Enzephalitis diagnostiziert. Künstlich infizierte Hühner und Truthähne zeigten keine Symptomatik. Symptome bei Gänsen waren Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, depressives Verhalten, Myokarditis und neurologische Störungen. Rhythmische seitwärts gerichtete Kopfbewegungen („seitwärts Pendeln“) waren häufig zu sehen. In endemischen Regionen kann die Infektionsrate bei Vögeln zwischen 10-53 % betragen.

Die Hauptsymptome bei Pferden sind Fieber und neurologische Symptome wie diffuse Enzephalitis bzw. Enzephalomyelitis mit Ataxie und Parese. Koma und Tod sind oft die Folge. Die Morbiditätsrate bei Pferden ist relativ hoch. 20-43 % der infizierten Pferde zeigen neurologische Symptome. 25-45 % der infizierten Tiere können sterben.

Bei Hunden und Katzen ist der Verlauf der Krankheit in der Regel symptomlos.

Bei Schafen treten neben neurologischen Störungen Ataxie und Fieber sowie Verhaltensstörungen (Zähneknirschen, Depression) auf. Bei Mutterschafen kann es zum Abortus bzw. zur Totgeburt kommen. Der Tod kann auch bei jungen Lämmern kurz nach der Geburt eintreten. Infizierte Mutterschafe können sterben.

West Nil Situation in Österreich beim Tier

Seit 2008 führt die AGES am Standort Mödling in Kooperation mit der Flavivirus-Referenzzentrale des Bundesministeriums am Department für Virologie der Medizinischen Universität Wien ein WNV-Überwachungsprogramm im Auftrag des BMG bei Wildvögeln und seit 2011 auch bei Pferden durch. Der Schwerpunkt des Programms liegt bei Greifvögeln, Sperlingsvögeln und Rabenvögeln wie Raben und Krähen, denen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Erregers zugeschrieben wird. Zusätzlich werden auch Wildvögel anderer Vogelspezies aus dem bestehenden Geflügelpest Überwachungsprogramm auf WNV untersucht. Im Jahr 2011 konnten keine WNV Infektionen bei Wildvögeln mittels PCR und Antikörper-ELISA nachgewiesen werden. In den Jahren 2008 und 2009 wurde bei 4 bzw. 3 Greifvögeln das West Nile Virus nachgewiesen. In  den Jahre 2010 und 2011 gelang kein Virusnachweis. West Nil Virus wurde im Jahr 2013 bei einem verendeten Falken aus Niederösterreich und 2012 in Stechmücken aus dem Burgenland nachgewiesen.

Zusätzlich zur Überwachung im Vogelbestand wurden im Jahr 2011 im Rahmen eines WNV-Screening für Pferde insgesamt 164 Pferdeseren verteilt über das gesamte Bundesgebiet auf einen möglichen WNV-Nachweis untersucht, dabei wurde eine WNV spezifische real-time RT-PCR durchgeführt – in keiner der 164 Proben konnte ein WNV-Genomabschitt nachgewiesen werden.

Um eine allfällige ältere Infektion auszuschließen wurde mittels eines speziellen Flavivirus Antikörper ELISA (das Testsystem differenziert nicht zwischen WNV, FSME (Frühsommermeningoenzephalitisvirus), Usutusvirus usw.) weitere Untersuchungen an den vorhandenen Seren durchgeführt. 71 Proben erbachten zwar ein positives ELISA-Ergebnis für Flaviviren, mit Hilfe von spezifischer FSME- und WNV-Serumneutralisationstests bzw. der Nachforschung ob die Tiere gegen West Nil in der Vergangenheit geimpft wurden  bzw. sich im Ausland (Turniersport) aufgehalten haben konnte bis zum Jahr 2016 eine autochthone Infektion von Pferden in Österreich mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden.

2016 wurde in Wien der erste klinische Fall der anzeigepflichtigen Pferde-Enzephalomyelitis ausgelöst durch WNV-Infektion bei einem Pferd dokumentiert. Bei weiteren vierzehn Pferden dieses Stalles konnte kein Virus molekularbiologisch nachgewiesen werden. Im selben Stall wurde das Virus jedoch auch in untersuchten Gelsen nachgewiesen. Der erste fatale Verlauf wurde im Herbst 2016 bei einem Pferd in Niederösterreich dokumentiert. In den letzten 15 Jahren wurden klinische WNV-Fälle bei Pferden nur in Italien, Ungarn, Frankreich und Spanien gemeldet.

Vorbeugung

Die Behandlung von West Nil Fieber beim Menschen ist rein symptomatisch, d. h. eine gegen das Virus gerichtete Medikation gibt es nicht. Auch bei Tieren ist die Behandlung symptomatisch und beschränkt sich auf die Folgeerscheinungen.

Ein Impfstoff ist derzeit nur für Pferde erhältlich. Einen in der Prävention einsetzbaren Impfstoff für den Menschen gibt es nicht. Das Vermeiden von Moskitostichen ist das einfachste Mittel zur Prophylaxe von Infektionen (Hayes & Gubler 2006): Das Tragen von langärmeliger, heller Kleidung, das Verwenden von Repellenzien und der Verzicht auf den Aufenthalt in mückenreichen Regionen ist zu empfehlen.

AGES-Folder West Nil Virus

Vorbeuge-Maßnahmen für Pferdehalter:

  • Stechmücken sind in der Morgen- und Abenddämmerung besonders aktiv. Daher gilt es besonders in der Dämmerung, die Tiere in den Stall zu führen
  • Fenster mit Mückennetzen abdichten, Stall-Türen in der Nacht und in der Dämmerung geschlossen halten
  • Gelsenmenge reduzieren: Stechmücken legen ihre Eier in jede Wasseransammlung ab. Um die Vermehrung zu vermeiden, sollten Regentonnen abgedeckt und Tränken täglich gereinigt werden
  • Waschplätze trocken halten: An den Waschplätzen der Tiere ist darauf zu achten, dass das Wasser in die Kanalisation abfließt
  • Impfstoffe für Pferde: es gibt mehrere zugelassen Impfstoffe. Pferde sind zwei Mal im Abstand von drei bis fünf bzw. vier bis sechs Monaten und danach jährlich zu impfen

Literatur

Céline M Gossner CM, Laurence Marrama L, Marianne Carson M, Franz Allerberger F, Paolo Calistri P, Dimitrios Dilaveris D, Sylvie Lecollinet S, Dilys Morgan D, Norbert Nowotny N, Marie-Claire Paty M-C, Danai Pervanidou D, Caterina Rizzo C, Helen Roberts H, Friedrich Schmoll F, Wim Van Bortel W, Andrea Gervelmeyer A. West Nile virus surveillance in Europe: moving towards an integrated animal-human-vector approach. Eurosurveillance, Volume 22, Issue 18, 04 May 2017. Verfügbar über: http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=22789, abgefragt am 9. Mai 2017

Kolodziejek J, Seidel B, Jungbauer C, Dimmel K,  KolodziejekM, Rudolf I, Hubálek Z, Allerberger F, Nowotny N. West Nile Virus Positive Blood Donation and Subsequent Entomological Investigation, Austria, 2014. PloS One. 2015; 10(5): e0126381. Verfügbar über:  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4427133/, abgefragt am 9. Mai 2017

Aberle S, Heinz FX (2012) West Nil Virus Infektionen in Österreich. Virusepidemiologische Information Nr. 12/12. Verfügbar über: http://www.virologie.meduniwien.ac.at/home/upload/vei/2012/1212s.pdf, abgefragt am: 9. Mai 2017

Weiterführende Literatur:

Trevejo R.T. & Eidson M. (2008): West Nile virus – Zoonosis Update. JAVMA 232(9):1302-1309.

Spezielle Literatur:

Aspöck H. (2002): Die West Nil Virus -  Epidemie in New York aus der Sicht des (reisenden und nicht reisenden) Mitteleuropäers. Entomol. Austriaca 5:5-6.

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Bakonyi, T., Gould, E.A., Kolodziejek, J., Weissenböck, H., Nowotny, N., 2004. Complete genome analysis and molecular characterization of Usutu virus that emerged in Austria in 2001: comparison with the South African strain SAAR-1776 and other flaviviruses. Virology 328, 301–310.

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