Tuberkulose

Mycobacterium tuberculosis

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Zuletzt geändert: 03.01.2017
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Mycobacterium caprae, elektronenmikroskopische Aufnahme
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Mycobacterium caprae, elektronenmikroskopische Aufnahme, © AGES, Tiergesundheit / Image: Mycobacterium caprae, electron-microscopic image, © AGES, Animal Health

Mykobakterien gehören als Erreger der Tuberkulose bei Tieren und Menschen zu den wichtigsten bakteriellen Infektionserregern. Die eigentlichen Tuberkulose-Erreger werden aufgrund ihrer engen genetischen Verwandschaft zum sogenannten Mycobacterium tuberculosis-Komplex (MTC) zusammengefasst. Mycobacterium tuberculosis, der Erreger der Tuberkulose des Menschen, M. bovis, der Erreger der Rindertuberkulose ist weltweit verbreitet. Weitere Erreger des Mycobacterium tuberculosis-Komplex sind: M. caprae, M. africanum, M. microti, M. canetti, M. pinnipedii, M. mungi, M. orygis, M. suricattae und Dassie bacillus.

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Mycobacterium caprae, elektronenmikroskopische Aufnahme
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Mycobacterium caprae, elektronenmikroskopische Aufnahme, © AGES, Tiergesundheit / Image: Mycobacterium caprae, electron-microscopic image, © AGES, Animal Health

Mykobakterien gehören als Erreger der Tuberkulose bei Tieren und Menschen zu den wichtigsten bakteriellen Infektionserregern. Die eigentlichen Tuberkulose-Erreger werden aufgrund ihrer engen genetischen Verwandschaft zum sogenannten Mycobacterium tuberculosis-Komplex (MTC) zusammengefasst. Mycobacterium tuberculosis, der Erreger der Tuberkulose des Menschen, M. bovis, der Erreger der Rindertuberkulose ist weltweit verbreitet. Weitere Erreger des Mycobacterium tuberculosis-Komplex sind: M. caprae, M. africanum, M. microti, M. canetti, M. pinnipedii, M. mungi, M. orygis, M. suricattae und Dassie bacillus.

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Vorkommen

Vorkommen

Tuberkulose beim Menschen

Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung ist nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO mit Tuberkulose (M. tuberculosis) infiziert. Jährlich sterben 1,6 Millionen Menschen an der Infektion und rund 9 Millionen erkranken neu. Das macht die Tuberkulose zur häufigsten Infektionskrankheit der Welt. Trotz des Rückgangs der Tuberkulose in Österreich sind vor allem in Afrika und Teilen Asiens die Zahlen der Infektionen auch im Zusammenhang mit der Aids-Epidemie dramatisch angestiegen. In den vergangenen Jahren sind in der ehemaligen Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten die Raten an schwer zu behandelnder multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) dramatisch angestiegen.

Die Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die zwischen Mensch und Tier wechselseitig übertragbar ist und daher zu den sogenannten Zoonosen gerechnet wird, d. h., es ist grundsätzlich ein Infektionsweg vom Tier zum Menschen und umgekehrt vorhanden. M. bovis ist aufgrund staatlicher Bekämpfungsverfahren in den meisten europäischen Ländern unter Kontrolle. In Ländern, wo die Erkrankung bei Rindern weit verbreitet ist, besteht eine ernste Gefahr für den Menschen. In Zentraleuropa sind Infektionen beim Menschen durch M. bovis oder M. caprae eher selten. Sie können aber ähnlich schwer verlaufen wie die Infektion mit M. tuberculosis.

Tuberkulose beim Tier

Der Mycobacterium tuberculosis-Komplex spielt als Erreger der Tuberkulose bei verschiedenen Haustieren sowie bei Zoo- und Wildtieren eine Rolle. Die Rindertuberkulose (M. bovis) zählt in Österreich und international zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen (siehe auch Homepage BMG/Verbrauchergesundheit). Österreich ist seit 1999 anerkannt frei von Rindertuberkulose (Entscheidung der EU-Kommission vom 23. Juni 2003, 2003/467/EG). 

Wildtiere wie Rothirsche können jedoch als Erregerreservoir für M. caprae bedeutsam sein. M. caprae wurde in Österreich auch bei einem Reh und einem Rotfuchs nachgewiesen. Winterfütterungen der Wildtiere sind problematisch - durch Erregerübertragung und geringere natürliche Sterblichkeit sowie Ansammlungen von Tieren im Bereich der Fütterungen wird die Übertragung der Erreger gefördert. Seit 2008 kam es in Österreich durch die Nutzung der gleichen Weideflächen von Rind und Rotwild, insbesondere während der Weide- und Alpungsperiode, auch zu einem Übergreifen der Infektion vom Rotwild auf Rinder.

Weiterführende Literatur

Übertragung

Übertragung

Übertragung Mensch zu Mensch/Tier zu Mensch

Am häufigsten wird die Tuberkulose aerogen übertragen: Dabei werden Mykobakterien während des Hustens in kleinste Wassertröpfchen eingeschlossen und in der Luft verteilt. Obwohl nur geringste Mengen aufgenommener Mykobakterien genügen, um eine Infektion hervorzurufen, ist ein langer (mehr als acht Stunden) und enger Kontakt mit einem an offener TB Erkrankten notwendig, um sich zu infizieren.

Die Übertragung vom Tier auf den Menschen erfolgt durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren.
Andere Formen der Übertragung, z. B. durch Aufnahme von kontaminierten Lebensmitteln, sind sehr selten und von geringer Bedeutung. Früher war der zoonotische Übertragungsweg durch nicht pasteurisierte Kuhmilchprodukte in Europa ebenfalls von Bedeutung.

Wissenschaftliche Stellungsnahme zur Risikobewertung von Milcherzeugnissen bei Verdacht auf TBC

Übertragung Tier zu Tier/Mensch zu Tier

Mykobakterien kommen  in Speichel, Bronchialschleim, Kot, Milch, Harn, Vaginalschleim und Sperma vor. In der Außenwelt vermehren sich die Erreger zwar nicht, können aber über Monate ansteckungsfähig bleiben. Unter den Bedingungen der Freiheit von Rindertuberkulose gehen Infektionen von anderen Tierarten als Rindern aus. Winterfütterungen der Wildtiere sind problematisch: durch Erregerübertragung und geringere natürliche Sterblichkeit sowie Ansammlungen von Tieren im Bereich der Fütterungen wird die Übertragung gefördert.

Die Infektion von Tier zu Tier erfolgt bevorzugt auf aerogenem Weg durch Einatmen feiner, erregerhaltiger Lufttröpfchen, die von erkrankten Tieren ausgehustet werden. Sie kann aber auch durch Kontakt oder oral z. B. über kontaminiertes Futter in Futtergrippen und Salzlecken erfolgen.

Auch Rückübertragungen vom infizierten Mensch auf das Tier können vorkommen. M. tuberculosis ist auch für Tiere pathogen; Infektionen landwirtschaftlicher Nutztiere durch diesen Erreger sind jedoch selten.

Symptome

Symptome

Symptome beim Menschen

Nach erfolgter Infektion mit Erregern des Mycobacterium tuberculosis-Komplexes kommt es zu einer zumeist unbemerkt verlaufenden Primärtuberkulose, die in eine latente Tuberkuloseinfektion übergeht. In nur 10 % der Fälle kommt es zu einer Aktivierung der latenten Tuberkulose.

Die häufigste Form (80 %) der aktiven Tuberkulose ist die Lungentuberkulose. Die wichtigsten Symptome sind über Wochen anhaltender Husten mit gelblich-grünem Schleim, Nachtschweiß, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Fieber. Durch Zerstörung des Lungengewebes (Kavernenbildung) kommt es unbehandelt zu einem Einbruch in die Bronchien, das ermöglicht das Ausscheiden der Erreger über das Sputum – der Patient kann jetzt andere Menschen anstecken.

Symptome beim Tier

Die chronische Lungentuberkulose äußert sich bei Rindern vorwiegend in fortschreitendem Husten und sich langsam verschlechterndem Allgemeinzustand. Erkrankungsprozesse können aber auch in anderen Organen auftreten.

Symptome siehe auch
Handbuch Rindertuberkulose des BVET Schweiz - Formen der Rindertuberkulose bei der Fleischkontrolle
Homepage des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen Schweiz

Symptombilder

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Rotwild, eitrige Granulome in Lunge /
Red deer, purulent granuloma in the lung
Rotwild, eitrige Granulome in Lunge / Red deer, purulent granuloma in the lung
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Rotwild, vergrößerter Leberlymphknoten /
Red deer, enlargened lymphatic nodes of the liver
Rotwild, vergrößerter Leberlymphknoten /
Red deer, enlargened lymphatic nodes of the liver
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Hirsch, eitrige Granulome entlang der Aorta /
Stag, purulent granuloma along the Aorta
Hirsch, eitrige Granulome entlang der Aorta /
Stag, purulent granuloma along the Aorta
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Rotwild, rechter retropharyngealer Lymphknoten, granulomatös /
Red deer, right retropharyngeal lymph nodes show signs of granuloma
Rotwild, rechter retropharyngealer Lymphknoten, granulomatös /
Red deer, right retropharyngeal lymph nodes show signs of granuloma
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M. caprae, rasterelektronenmikroskopische Aufnahme, Kultur /
M. caprae scanning electron microscopic image, culture
M. caprae, rasterelektronenmikroskopische Aufnahme, Kultur /
M. caprae scanning electron microscopic image, culture
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granulomatöse Lymphadenitis mit Bakterien (Microphoto, ZN-Färbung /
Lymphadenitis granuloma with bacteria (micro photo, Ziehl-Neelson stain)
granulomatöse Lymphadenitis mit Bakterien (Microphoto, ZN-Färbung /
Lymphadenitis granuloma with bacteria (micro photo, Ziehl-Neelson stain)
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Rind, eitrige Granulome in Lunge / Cattle, purulent granuloma in the lung
Rind, eitrige Granulome in Lunge / Cattle, purulent granuloma in the lung
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Rind, eitrige Granulome in einem Mediastinallymphknoten / Cattle, purulent granuloma in a mediastinal lymph node
Rind, eitrige Granulome in einem Mediastinallymphknoten / Cattle, purulent granuloma in a mediastinal lymph node
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Rind, eitrige Granulome in einem Mediastinallymphknoten / Cattle, purulent granuloma in a mediastinal lymph node
Rind, eitrige Granulome in einem Mediastinallymphknoten / Cattle, purulent granuloma in a mediastinal lymph node

Bekämpfung, Prävention

Bekämpfung, Prävention

Therapie und Prävention beim Menschen

Wegen des langsamen Wachstums des Erregers ist die antituberkulöse Therapie sehr langwierig und muss im Minimum für 6 Monate durchgeführt werden. Zur Verhinderung von Resistenzentwicklungen ist auch die Gabe von mehr als drei wirksamen Medikamenten, zumindest in den ersten 2 Monaten der Therapie, zwingend vorgeschrieben.
Besteht eine Resistenz gegen eines oder mehrere Antibiotika, so muss auf ältere und nebenwirkungsreichere zurückgegriffen werden.

Problematisch ist die Therapie einer multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB), bei der zumindest eine Resistenz gegen die wichtigsten zwei Medikamente, Isoniazid und Rifampicin, besteht. In diesen Fällen muss manchmal sogar eine chirurgische Therapie durch Entfernung des befallenen Lungenabschnitts erfolgen. In den letzten Jahren ist mit der erweitert multiresistenten Tuberkulose (=XDR-TB) eine nur noch schwerer und über Jahre zu behandelnde Sonderform aufgetreten.

Trotz jahrelanger Anwendung hat die Schutzimpfung mit dem Impfstamm BCG zu keinem wirklichen Schutz vor einer Infektion geführt. Die beste Prävention stellt die Ausbruchsabklärung dar, dabei wird nach der Diagnose einer Tuberkulose das Umfeld der Erkrankten auf mögliche TB-Infektionen untersucht und gegebenenfalls eine Therapie eingeleitet. Wichtig bei der Abklärung von unklaren Tuberkuloseinfektionswegen sind Vergleiche des genetischen Fingerabdrucks der Erreger. Diese aufwändigen Techniken ermöglichen auch Jahre nach der Übertragung, den Indexfall zu identifizieren

Human TBC-Überwachung: Tuberkulose im epidemiologischen Meldesystem

Bekämpfung und Überwachungsmaßnahmen beim Tier

Die Bekämpfung konzentriert sich auf die Erkennung infizierter Tiere bei der Untersuchung geschlachteter Tiere sowie bei Sektionen verendeter Tiere. M. bovis konnte seit Erlangen der TBC-Freiheit in Österreich in keinem Fall mehr bei Nutztieren nachgewiesen werden.  
Im Jahr 2013 wurde das länderübergreifende EU-Projekt „Tuberculosis (TB) in Alpine Wildlife“ abgeschlossen. Im Rahmen des Projektes haben sich die Länder Österreich, Deutschland, Italien und die Schweiz mit Liechtenstein zusammengeschlossen, um eine länderübergreifende Gesundheits- und Kontrollstrategie zum Schutz der Nutztierbestände und letztlich auch des Menschen vor dem Eintrag von Tuberkulose aus dem Rotwild in die Nutztierbestände zu entwickeln. Seit M. caprae-positive Erkrankungsfälle bei Rotwild aus freier Wildbahn in bestimmten Gebieten der Bundesländer Tirol und Vorarlberg festgestellt werden, werden Rinder in bestimmten Risikogebieten jährlich untersucht.

Die bisherigen Untersuchungen bei Rindern und Rotwild in ausgewählten Risikogebieten Österreichs („Indikatoralmen“) werden/wurden an die epidemiologische Situation sowie an die Ergebnisse der abgelaufenen Untersuchungsperioden angepasst und auch in den Folgejahren weitergeführt. Nach statistisch abgesicherter, risikobasierter Stichprobenplänen werden Rinder untersucht, die in Gebieten Österreichs mit hoher Rotwilddichte gealpt wurden, um eine eventuelle TBC-Übertragungvom Rotwild auf Rinder festzustellen zu können.

Gesetzliche Bestimmungen und aktuelle Situation bei Rotwild und Rindern

Tuberculose beim Rotwild im alpinen Raum_Folder (pdf)
Fink et al. (2015): Red Deer as maintance host for bovine tuberculosis, alpine region

Diagnostik

Diagnostik

Aufgrund des Gefahrenpotentials des Mycobacterium tuberculosis-Komplex ist dafür ein Labor mit Sicherheitsstufe 3 (BSL-3) notwendig. Wegen des langsamen Wachstums des Erregers müssen die Proben bis zu 8 Wochen bebrütet werden. Jedoch können molekularbiologische Techniken wie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) die Diagnosezeit verkürzen.

Diagnostik beim Menschen

Ziel jeder Tuberkulosediagnostik ist der kulturelle Nachweis des Erregers. Nur dadurch ist eine Erkennung des Resistenzmusters und eine Ausbruchsabklärung möglich.

Latente Tuberkulose-Infektionen können entweder mit dem seit Jahrzehnten in Verwendung stehenden Hauttest nach Mendel-Mantoux oder den neuen Bluttests, den Interferon-Gamma-Release Assays, durchgeführt werden. Die Bluttests zeigen im Gegensatz zum Hauttest keine Beeinflussung durch eine BCG-Impfung.

Seit 2015 kommt an der Nationalen Referenzzentrale für Tuberkulose der AGES auch die Next-Generation-DNA-Sequenzierung zum Einsatz. Bei der Next-Generation-Sequenzierung werden nicht nur kleine Teile der Bakterien-DNA analysiert, sondern binnen kürzester Zeit die gesamte Erbsubstanz. Dies ermöglicht nicht nur eine effizientere Ausbruchsabklärung, sondern auch das schnelle Erkennen von Antibiotikaresistenzen, was bislang nur mittels langwieriger Erregeranzüchtung möglich war. Die AGES-Referenzzentrale analysiert seit 2016 alle Erreger-Isolate routinemäßig mittels Next-Generation-Sequenzierung.

Diagnostik beim Tier

Auch in der Veterinärmedizin ist das Ziel jeder Tuberkulosediagnostik die Erregerisolierung. Nur dadurch wird eine Speziesidentifizierung, Genotypisierung und Ausbruchsabklärung möglich. Die Diagnostik beim lebenden Tier erfolgt mit dem seit mehr als einem Jahrhundert verwendeten Hauttest, bei Rindern und Rinderartigen stehen zusätzlich auch ein Interferon-Gamma-Release Assay, und bei Rindern auch ein Antikörper-Bluttest als diagnostische Mittel zur Verfügung. Ein positiver In vivo Test führt bei Rindern zur diagnostischen Tötung und pathologisch-anatomischen und -histologischen Untersuchung des Tieres mit anschließendem Erregernachweis (bakteriologische und molekularbiologische Diagnostik). Eine direkte molekulareTechnik  (Polymerase-Kettenreaktion, PCR) verkürzt  dabei die Diagnosezeit der Tuberkulose.

In Mödling durchgeführte Untersuchungsmethoden:

  • pathologisch-anatomische Untersuchung
  • histopathologische Untersuchung,
  • Spezialfärbung nach Ziehl-Neelsen
  • Anzüchtung
  • molekularbiologische Untersuchungen
  • Tests zum Nachweis zellvermittelter Immunität

Untersuchungslabor Veterinär

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen, Mödling (= Nationales Referenzlabor)
Robert Koch-Gasse 17
A-2340 Mödling
Tel.Nr.: 0043(0)50555-38112
e-mail: vetmed.moedling@ages.at

Ansprechpartner:
Dr. Erwin Hofer, erwin.hofer@ages.at
Dr. Maria Fink, maria.fink@ages.at


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