Rinderpest

Rinderpest-Virus

Zuletzt geändert: 11.08.2021

Tierseuchenkategorien: A D E

Steckbrief

Die Rinderpest ist eine virale Erkrankung der großen Wiederkäuer und Schweine. Der typische Krankheitsverlauf ist eine akut fiebrige Erkrankung mit einer sehr hohen Sterblichkeitsrate. Kleine Wiederkäuer, wie Schafe und Ziegen, können das Virus auf Rinder übertragen, zeigen aber selbst nur milde Symptome.

Vorkommen

Die Rinderpest wurde im Jahr 2011 weltweit für ausgerottet erklärt.

Wirtstiere

Alle Paarhufer (Rinder, Büffel, Yaks, Schweine, verschiedene Antilopen, Giraffen, Gnus, Kudus und Rotwild)

Infektionsweg

Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von infizierten Tieren bzw. über sehr kurze Distanzen über die Luft (Aerosole), aber auch indirekt über kontaminiertes Wasser.

Inkubationszeit

Maximal 21 Tage

Symptomatik

Fieber, Augen- und Nasenausfluss, Erosionen aller Schleimhäute von der Mundhöhle bis zum Anus, Durchfall, Dehydrierung, Tod nach 10 bis 12 Tagen. Bei Rindern, Wasserbüffeln und Yaks kann die Sterblichkeit 80 bis 90 % erreichen.

Therapie

Es gibt keine Therapie

Vorbeugung

Ein 1960 entwickelter Impfstoff trug maßgeblich zur Ausrottung der Rinderpest bei

Situation in Österreich

Rinderpest gilt seit 2011 als weltweit ausgerottet.

Fachinformation

Das Rinderpestvirus ist ein Morbillivirus (Familie der Paramyxoviren), mit einem einzelsträngigen RNA Genom mit negativer Polarität. Zu den Morbilliviren zählen wichtige tier- und humanpathogene Viren wie zum Beispiel das Pest der kleinen Wiederkäuer-Virus (Peste des petits ruminants Virus, PPRV), Hundestaupevirus (Canine Distemper Virus, CDV) und das Masernvirus (Measles Virus, MV).

Rinderpest ist wahrscheinlich in Asien entstanden und bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren mit Russland, China und Korea große Teile Asiens davon betroffen. Von dort ausgehend hat sich das Rinderpestvirus im 18 und 19. Jahrhundert in Europa ausgebreitet. Durch Importkontrollen, Schlachtungen und strenge Quarantänevorschriften konnte die Krankheit in Europa vorrübergehend ausgerottet werden. Im 20. Jahrhundert kam es jedoch zu einem Wiedereintrag nach Europa durch einen Import von infizierten Tieren. Der letzte nennenswerte Rinderpestausbruch in Europa fand 1920 in Belgien statt ausgelöst von einem infizierten Rind, das von Indien nach Brasilien verschifft wurde und am Hafen Kontakt mit heimischen Rindern hatte. Derselbe Transport infizierter Rinder führte auch zum ersten Ausbruch von Rinderpest in Südamerika. Rinderpest wurde Ende des 19. Jahrhunderts auch nach Afrika eingeschleppt, mit verheerenden Folgen für die dortigen Nutz- und Wildtiere. Der letzte Ausbruch von Rinderpest weltweit ereignete sich 2001 in Kenia.

Walter Plowright entwickelte 1960 einen attenuierten Lebendimpfstoff gegen Rinderpest, der in Zellkultur auf Rindernierenzellen hergestellt wurde, durch serielle Passagen eines ursprünglichen virulenten Isolats. Dieser Impfstoff war der erste, der bei den geimpften Tieren keine Krankheitssymptome hervorrief und somit komplett sicher war für alle Rinder, unabhängig von ihrem Alter, der Rasse und dem Geschlecht. Der Impfschutz hielt außerdem lebenslang. Dieser Impfstoff, bzw. die thermostabile Variante (in den 1980-er Jahren entwickelt) trug maßgeblich zur Ausrottung der Rinderpest bei. In endemischen Gebieten wurden Rinder und Büffel geimpft und zusätzliche Maßnahmen wie z. B. Schlachtungen durchgeführt, um eine Ausbreitung von Rinderpest zu vermeiden.

Hohe Viruslasten findet man in den Nasen- und Augensekreten von infizierten Tieren. Diese sind bereits während der Inkubationszeit, also ein bis zwei Tage vor Einsetzen des Fiebers, zu finden. Eine Übertragung erfordert einen direkten Kontakt oder eine unmittelbare Nähe zwischen einem empfänglichen und einem erkrankten Tier. Die Rolle von kontaminierten Oberflächen als Quelle von Infektionen ist vernachlässigbar, da das Virus sehr instabil ist und bereits nach 12 Stunden durch Licht und Hitze vollständig inaktiviert wird. Tiere, die eine Infektion mit Rinderpest überleben, entwickeln eine lebenslange Immunität. Außerdem gibt es keinen „Carrier state“, das heißt, erkrankte Tiere sind nach der vollständigen Genesung virusfrei und stellen keine Quelle für Neuinfektionen dar. Es gibt auch nur einen Serotypen, was die Entwicklung eines effizienten Impfstoffes erleichterte.

Symptomatik

Der klassische Verlauf der Rinderpestinfektion kann in 5 Phasen eingeteilt werden. Nach einer kurzen Inkubationszeit von 3 bis 5 Tagen kommt es zu der prodromalen Phase, die durch hohes Fieber gekennzeichnet ist. Danach kommt die mukosale Phase, bei der Läsionen der Mundschleimhaut auftreten und es zu eitrigen Nasen- und Augensekretionen kommt. Die betroffenen Tiere zeigen ein vermindertes Allgemeinbefinden und leiden an Appetitlosigkeit. Post-mortem-Untersuchungen zeigen, dass es zu nekrotischen Läsionen des Verdauungssystems kommt. Als nächstes folgt die diarrhöische Phase, die von schwerem, blutigen Durchfall begleitet wird. In dieser Phase sind die Tiere stark erschöpft, schwach, dehydriert und sterben. Bei nicht fatalen Fällen folgt die fünfte Phase, in der sich die Tiere erholen. Dieser Prozess kann mehrere Wochen dauern. Während dieser Rekonvaleszenzphase kann es zu Aborten bei trächtigen Tieren kommen. In manchen Fällen treten Hautläsionen bzw. Blindheit aufgrund schwerer Augeninfektionen auf. Letzteres wurde bei einem Ausbruch in Kudus in Kenia beobachtet, wo schwere Entzündungen der Bindehaut und Kornea beobachtet wurden. Bei schwach virulenten Stämmen des Rinderpestvirus kann die Inkubationszeit bis zu 15 Tage betragen. Auch kann die klinische Erkrankung viel schwächer ausfallen oder ganz ausbleiben. Aufgrund der Suppression des Immunsystems durch die Infektion mit Morbilliviren kommt es oft zu sekundären bakteriellen bzw. parasitären Infektionen, die oft den Krankheitsverlauf stark beeinflussen.

Diagnostik

In der Zeit nach der Ausrottung ist es empfehlenswert, die Untersuchungen auf molekulare Methoden wie RT-PCR für die Diagnostik auf Rinderpest zu beschränken, die hoch spezifisch und sensitiv sind, aber auch eine phylogenetische Zuordnung des Virus ermöglichen. Hohe Viruslasten findet man im Blut, in betroffenen Organen aber auch in Nasen- und Augensekreten von infizierten Tieren.

In den 1980-er und 1990-erer Jahren wurden monoklonale Antikörper erzeugt und damit wurden indirekte ELISAs und kompetitive ELISAs zur serologischen Diagnostik von Rinderpest entwickelt. Diese bereiteten die Basis für die Überwachung von Impfkampagnen und für serologische Überwachungsprogramme zur Anerkennung eines Rinderpest-freien Status, bevor Rinderpest als ausgerottet erklärt wurde.

Kontakt, Formulare

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling (Nationales Referenzlabor)
Robert Koch-Gasse 17
2340 Mödling
Tel: +43 50 555-38112
Fax: +43 50 555-38529
E-Mail: vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

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