Rifttalfieber

Rift valley fever (RVF)

Zuletzt geändert: 14.10.2021
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Tierseuchenkategorien: A D E

Steckbrief

Das Rifttalfieber wird durch ein Virus verursacht, das vor allem Nutztiere wie Schafe, Kühe, Ziegen und Kamele infiziert und zu Aborten bzw. hoher Sterblichkeit bei Neugeborenen führt, aber auch zu einer erhöhten Mortalität bei erwachsenen Tieren. Beim Rifttalfieber handelt es sich um eine virale Zoonose, die durch Vektoren (Stechmücken) übertragen wird und auch beim Menschen zu Erkrankungen führt.

Vorkommen

Afrika (von Südafrika bis Ägypten), seit 2000 auch auf der arabischen Halbinsel (Ausbrüche in Saudi-Arabien und im Jemen)

Wirtstiere

Nutztiere (Schafe, Rinder, Ziegen und Kamele); Wildtiere z. B. afrikanischer Büffel, Giraffen oder Pferdeantilope.

Infektionsweg

Übertragung durch Stechmücken, keine direkte Tier-zu-Tier Übertragung. Menschen werden auch durch Stechmücken infiziert bzw. durch den direkten oder indirekten Kontakt mit dem Blut bzw. Organen von infizierten Tieren.

Inkubationszeit

12 bis 36 Stunden

Symptomatik

Fieber mit bis zu 41 °C, Appetitlosigkeit, generelle Apathie und Bewegungsunlust, geschwollene Lymphknoten, Schmerzen im Abdomen und blutiger Durchfall. Lebernekrosen, gelegentlich leicht vergrößerte Milz. Die Sterblichkeitsrate schwankt zwischen 10 und 100 % abhängig vom Alter der Tiere und der Tierart

Therapie

Es gibt keine Therapie gegen das Rifttalfieber

Vorbeugung

In endemischen Gebieten werden sowohl inaktivierte als auch Lebendimpfstoffe eingesetzt

Situation in Österreich

Das Rifttalfieber ist in Österreich bisher nicht aufgetreten.

Fachinformation

Der erste Rifttalfieberausbruch wurde erstmals im Jahr 1930 auf einer Farm in der Nähe des Naivasha-Sees im Rifttal in Kenia beschrieben. Dabei kam es zu einer erhöhten Mortalität und Aborten bei adulten Schafen und zu einer sehr hohen Sterblichkeit bei neugeborenen Lämmern. Innerhalb weniger Wochen starben tausende Tiere auf dieser Farm. Damals wurde schon vermutet, dass die Krankheit durch Stechmücken übertragen wird, da der Ausbruch nach heftigen Regenfällen mit erhöhter Stechmückenaktivität auftrat. Außerdem berichteten fast alle Schafhirten über unspezifische Symptome wie Fieber und starke Schmerzen während dieses Ausbruchs.

Das Rifttalfiebervirus ist ein Phlebovirus mit einem segmentierten, einzelsträngigen RNA Genom mit negativer Polarität. Es gibt nur einen Serotyp und zwischen den Isolaten gibt es eine sehr limitierte Diversität mit ungefähr 2 % Unterschied in der Aminosäuresequenz zwischen den einzelnen Isolaten. Nach einer überstandenen Infektion entwickeln Tiere neutralisierende Antikörper innerhalb der ersten Woche nach der Infektion. Schafe und Rinder, die einer erneuten Infektion ausgesetzt waren, sind komplett immun und haben keine klinischen Erkrankungen gezeigt.

Stechmücken sind die einzig wichtigen Vektoren des Rifttalfiebervirus, das aus über 50 verschiedenen Stechmückenarten erfolgreich isoliert werden konnte. Auch konnte gezeigt werden, dass zumindest zwei in Europa vorkommende Stechmückenarten (Culex pipiens und Aedes albopictus) als Vektoren für das Rifttalfiebervirus geeignet sind. In endemischen Gebieten nehmen Aedes Stechmücken das Virus mit ihrer Blutmahlzeit von infizierten Tieren auf und geben so das Virus vertikal an Ihre Nachkommen weiter. Aus diesen Eiern schlüpfen wieder neue Generationen von infizierten Stechmücken. Auf diese Weise bleibt das Virus in der Natur auch über längere Trockenperioden von mehreren Jahren erhalten. Wenn Nutztiere bereits infiziert sind, können eine Reihe von verschiedenen Stechmückenarten und auch andere Vektoren, wie zum Beispiel Zecken oder Sandmücken. das Virus aufnehmen, als mechanische Vektoren fungieren und für eine weitere Verbreitung des Rifttalfiebervirus sorgen. Nach Perioden mit heftigen Regenfällen steigen die Stechmückenpopulationen stark an, was oft zu Rifttalfieberausbrüchen mit hohen Infektionszahlen bei Nutztieren führt.

Symptomatik

Viele verschiedene Tierarten sind gegenüber dem Rifttalfiebervirus empfänglich, wobei die Bandbreite der Krankheit von subklinischen Erkrankungen zu plötzlichem Tod reicht. Die Schwere der Erkrankung ist abhängig von der Tierart und dem Alter der Tiere, wobei Jungtiere stärker betroffen sind als adulte Tiere. Am stärksten betroffen sind Schafe gefolgt von Ziegen, Rindern und Kamelen. Auch in vielen Wildtieren konnten Antikörper gegen das Rifttalfiebervirus nachgewiesen werden. Neutralisierende Antikörper wurden in Afrikanischen Büffeln, Giraffen, Schwarzen Rhinozerossen, Impalas und Afrikanischen Elefanten nachgewiesen.

Wie beim Menschen ist die Leber bei den verschiedenen Tierarten der Hauptort der viralen Replikation. Es kommt zu Läsionen mit erhöhten Werten der Leberenzyme. Bei schweren Verlaufsformen kommt es auch zu einer Reduktion der Leukozyten. Während vor allem Hepatozyten und Monozyten als Zielzellen für das Rifttalfiebervirus gelten, wird das Virus durch das Blut auch zu anderen Geweben verteilt.

Schafe sind am empfänglichsten für das Virus unter den Nutztieren. Die Inkubationszeit beträgt 24 bis 36 Stunden, gefolgt von folgenden Krankheitsmerkmalen: Fieber, Appetitlosigkeit, Bewegungsunlust, Schmerzen im Abdomen und blutiger Durchfall. Post mortem Analysen zeigen multifokale Lebernekrosen und manchmal auch eine vergrößerte Milz. Nach experimenteller Infektion sterben 20 bis 30 % aller adulten Tiere, während die Mortalität bei neugeborenen Lämmern 95 bis 10 0% erreichen kann. Akut infizierte trächtige Tiere abortieren mit einer fast 100 %igen Wahrscheinlichkeit.

Ziegen sind ebenfalls empfänglich und machen einen ähnlichen Krankheitsverlauf wie Schafe durch, der allerdings variabler sein kann. Die Viruslast im Blut ist im Vergleich zu Schafen weniger hoch bei experimenteller Infektion. Außerdem zeigen Ziegen oft kein Fieber.

Bei Rindern kann die Infektion bei adulten Tieren oft asymptomatisch verlaufen, es kann jedoch auch zu akuten Verlaufsformen mit einer Mortalität zwischen 0 und 5 % kommen. Kälber sind empfänglicher und die Sterblichkeitsrate liegt bei 10 %.

Bei Rifttalfieberepidemien in Ostafrika, Ägypten und in Mauretanien haben nachweislich Kamele eine Rolle gespielt. Adulte Kamele sind oft subklinisch infiziert, jedoch wurden auch plötzliche Todesfälle, Aborte und erhöhte Mortalität bei Neugeborenen im Zusammenhang mit Rifttalfiebervirus-Infektionen beobachtet.

Folgende zwei Lebendimpfstoffe stehen zur Verfügung:

  1. Smithburn RVF Impfstoff: Basierend auf einem Stechmückenisolat (Uganda, 1948) und über 200mal passagiert in Mäusegehirnen und anschließend auf Babyhamsternieren (Baby hamster kidney, BHK) Zellen vermehrt. Sollte nicht bei trächtigen Tieren eingesetzt werden.
  2. Der sogenannte Klon-13, welches auf einem humanen Isolat basiert (1974), das durch eine natürliche Deletion des NSs Gens attenuiert ist, wird in Zellkultur auf Vero Zellen propagiert. Dieser Impfstoff wird momentan in Südafrika bei Schafen und Kühen eingesetzt (wird als Einzeldosis verabreicht).

Außerdem gibt es einen inaktivierten Impfstoff der auf Feldisolaten aus Südafrika und Ägypten basiert und in Zellkultur auf BHK Zellen hergestellt wird. Die Inaktivierung erfolgt chemisch durch Formalin, als Adjuvant wird Aluminiumhydroxid eingesetzt. Dieser Impfstoff benötigt eine Auffrischung 3 bis 6 Monate nach der ersten Impfung und danach jeweils eine jährliche Auffrischung.

Diagnostik

Direkter Virusnachweis mittels PCR bzw. Virusisolation:

  • Im Blut (versetzt mit Antikoagulantien) bei lebenden Tieren während der febrilen Phase der Erkrankung
  • In post mortem entnommenen, ca. 1 mm3 großen Gewebestücken von Leber, Milz oder Gehirn von betroffenen Tieren bzw. von Aborten

Virusnachweis mittels histopathologischer Methoden in Kombination mit Immunfluoreszenzfärbung in geeigneten Organen, wie z. B. Leber

Nachweis von Antikörpern

  • ELISA
  • Serumneutralisationstest (SNT)

Differentialdiagnose: Infektionen mit anderen Pathogenen, die zu Aborten führen (z. B. Brucellen, Chlamydien, Coxiella, Leptospiren) bzw. andere virale Erkrankungen wie Blauzungenkrankheit, Pest der kleinen Wiederkäuer und Schmallenbergvirus. In endemischen Gebieten in Afrika kommt es oft zu gemeinsamen Ausbrüchen mit der Wesselsbron-Krankheit.

Kontakt, Formulare

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling (Nationales Referenzlabor)
Robert Koch-Gasse 17
2340 Mödling
Tel: +43 50 555-38112
Fax: +43 50 555-38529
E-Mail: vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

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