Legionellen

Legionella ssp.

Zuletzt geändert: 08.06.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Legionärskrankheit (Legionellose) ist eine schwere, oft tödlich verlaufende Lungenentzündung. Sie betrifft hauptsächlich Erwachsene. Verursacht wird die Legionärskrankheit durch Bakterien (Legionellen).

Vorkommen

Warmwasserversorgungsanlagen von Großgebäuden (Krankenhäusern, Pflege-, Altersheimen, Beherbergungsbetrieben, Bädern, seltener von Wohnanlagen), künstliche wasserführende Systeme (Kühltürme, Whirlpools, Befeuchtungsanlagen, Innen-Dekorationsbrunnen, Beckenbädern, Thermalquellen und deren Verteilungssystemen)

Erregerreservoir

Legionellen sind weit verbreitete Umweltkeime, die in geringer Zahl in Oberflächengewässern und Grundwasser vorkommen, aber auch in feuchten Böden, Mischerde für Topfpflanzen, Humus und Kompost.

Infektionsweg

Das Einatmen von feinsten Wassertröpfchen (Aerosolen) oder Feinstäuben, die mit Legionellen belastet sind, kann zu einer schweren Lungenentzündung, der so genannten Legionärskrankheit, führen.

Inkubationszeit

2 bis 10 Tage

Symptomatik

Schwere Lungenentzündung

Therapie

Trotz Verfügbarkeit wirksamer antibiotischer Behandlung und bis dato fehlenden Nachweises von antibiotikaresistenten Erregern sterben jährlich zwischen 10-15 % der von Legionärskrankheit betroffenen Personen.

Vorbeugung

Die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen die Legionärskrankheit ist, mögliche Infektionsquellen zu beseitigen.

Situation in Österreich

In Österreich ist jeder Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfall meldepflichtig. Das Risiko, durch Einatmen legionellenhaltiger feinster Staubpartikel aus Pflanzenerde oder Kompost an der Legionärskrankheit zu erkranken, ist sehr gering (zwei dokumentierte Fälle im Jahr 2009).


Legende

    Fachinformation

    Legionellen sind stäbchenförmige, sporenlose, gram-negative Bakterien, die in der Familie Legionellaceae zusammengefasst werden. In der einzigen Gattung Legionella werden über 40 benannte Spezies mit mehr als 60 unterschiedlichen Serogruppen subsummiert, von denen nur eine geringe Anzahl für den Menschen pathogen (krankheitserregend) ist. Die epidemiologisch bedeutendste Spezies ist Legionella pneumophila mit mindestens 15 Serogruppen, wobei die Serogruppe 1 in Österreich bei ca. 90 % der humanen Legionellosen nachgewiesen wurde.

    Die Legionellose (Legionärskrankheit) ist eine schwere, oft tödlich verlaufende Lungenentzündung, hauptsächlich verursacht durch Inhalation von Aerosol, kontaminiert mit Legionella pneumophila oder seltener mit anderen Legionella-Arten. Das Bakterium kann in Warmwasserversorgungsanlagen von Großgebäuden wie Krankenhäusern, Pflege-, Altersheimen, Beherbergungsbetrieben, Bädern, seltener von Wohnanlagen und in anderen künstlichen wasserführenden Systemen, in denen es vermehrungsbegünstigende Bedingungen vorfindet (wie in wasserführenden Systemen von Kühltürmen, Whirlpools, Befeuchtungsanlagen, Innen-Dekorationsbrunnen, Beckenbädern oder in natürlichen Thermalquellen und deren Verteilungssystemen) in einer für den Menschen bedenklichen Zahl auftreten.

    Die Legionärskrankheit betrifft hauptsächlich Erwachsene. Trotz Verfügbarkeit wirksamer antibiotischer Behandlung und bis dato fehlenden Nachweises von antibiotikaresistenten Erregern sterben jährlich zwischen 10-15 % der von Legionärskrankheit betroffenen Personen. Die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen diese Infektionskrankheit ist daher die Prävention.

    Übertragung

    Das Einatmen von legionellenbelasteten Aerosolen (feinsten Wassertröpfchen) oder Feinstäuben kann zu einer schweren Lungenentzündung, der so genannten Legionärskrankheit, führen. Das Trinken von legionellenbelastetem Wasser stellt kein gesundheitliches Risiko dar. Ein erhöhtes Risiko haben Personen mit geschwächtem Immunsystem, mit chronischen Lungenerkrankungen sowie Raucher. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

    In Europa wird die Legionärskrankheit hauptsächlich durch Legionella pneumophila verursacht. Es gibt aber auch andere Legionellenarten, die in der Umwelt weit verbreitet sind und unter Umständen ebenfalls zu einer Infektion führen können. Weltweit, v. a. in Australien, aber auch in Europa, werden zunehmend Fälle von Legionärskrankheit registriert, die durch die Art Legionella longbeachae verursacht wurden. Als Infektionsquelle dient in diesen Fällen wahrscheinlich handelsübliche Pflanzenerde, so auch bei einem Todesfall in Österreich im Jahr 2008. Das Risiko, durch Einatmen legionellenhaltiger feinster Staubpartikel aus Pflanzenerde oder Kompost an der Legionärskrankheit zu erkranken, ist sehr gering: Im Jahr 2009 wurden zwei Fälle von der AGES dokumentiert.

    In Australien, wo Infektionen mit Legionella longbeachae weiter verbreitet sind, wird Pflanzenerde mit einem Risikohinweis gekennzeichnet und empfohlen, die Erde vor Verwendung zu befeuchten, um Staubentwicklung zu vermeiden, Gartenhandschuhe zu tragen und die Hände nach der Arbeit gründlich zu waschen. Auch das Tragen von Feinstaub-Atemschutzmasken wird manchmal für den Umgang mit Pflanzenerde angeraten.

    Prävention

    Nach der Entdeckung der Infektionskrankheit im Jahr 1976 wurden in vielen Ländern nationale Überwachungs-Systeme für Legionella-Infektion eingerichtet. In Österreich ist jeder Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfall meldepflichtig. Die epidemiologische Überwachung auf Basis der Meldungen von ÄrztInnen und Laboratorien gemeinsam mit dem Überwachungssystem der Nationalen Referenzzentrale für Legionella-Infektion ermöglicht eine rasche Identifizierung von Clustern. Durch die zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden mit Unterstützung durch InfektionsepidemiologInnen der AGES kann eine adäquate Ausbruchsabklärung mit prompter Identifikation und Eliminierung der Infektionsquelle erfolgen.

    Diagnostik

    An der Nationale Referenzzentrale für Legionella-Infektionen wird die mikrobiologisch-serologische Diagnostik von Legionella-Infektionen ständig verbessert, um Diagnosen abzusichern. Dazu gehört z. B. die phänotypische und genotypische Bestimmung von Legionella-Stämmen, die von Patienten isoliert wurden, die Untersuchung von Legionella-Antikörper positiven Seren mit monovalenten Antigenen und die Untersuchung von Legionella-Antigen positiven oder grenzwertig positiven Harnen im Sinne der Qualitätssicherheit.

    Weitere Aufgaben der Referenzzentrale:

    • Bei Hinweisen auf eine mögliche Infektionsquelle: Untersuchung von Wasserproben aus der verdächtigen Expositionsquelle
    • Vergleich von Legionella-Isolaten von Patienten und von Wasserproben mit molekularbiologischen Typisierungsmethoden, um verdächtige Wasser führende Systeme als Infektionsquellen zu bestätigen oder auszuschließen.

    Die Referenzzentrale ist Mitglied der "European Working Group for Legionella Infections (EWGLI)"; und damit erheblich am europäischen Netzwerk zur epidemiologischen Erfassung von Reise assoziierten Legionella-Infektionen (EWGLINET) beteiligt. In diesem Zusammenhang werden reiseassoziierte Legionella-Infektionen, die in Österreich diagnostiziert werden, mit Angabe der zumeist ausländischen Beherbergungsbetriebe, in denen der Patient während der Inkubationszeit übernachtet hat, an die Zentrale von EWGLINET gemeldet. Beherbergungsbetriebe in Österreich, die über EWGLINET als mögliche Infektionsquelle für ausländische Touristen gemeldet werden, gemeinsam mit den zuständigen Gesundheitsbehörden untersucht und gegebenenfalls werden Sanierungsmaßnahmen verlangt.

    Kontakt, Formulare

    Nationale Referenzzentrale für Legionella-Infektionen
    Währingerstraße 25a
    1096 Wien
    PD Dr. Daniela Schmid
    Tel: +43 50 555-37304
    daniela.schmidno@Spam@agesno.Spam.at

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