Fuchsbandwurm

Echinococcus multilocularis

Zuletzt geändert: 21.09.2020
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Tierseuchenkategorien: C D E

Steckbrief

Die Echinokokkose ist eine Krankheit, die durch Larven der Bandwurm-Gattung Echinococcus hervorgerufen wird. In Europa kommen der Fuchsbandwurm, Echinococcus (E.) multilocularis, der Erreger der alveolären Echinokokkose und der Hundebandwurm, E. granulosus, der Erreger der zystischen Echinokokkose, vor.

Vorkommen

Der Fuchsbandwurm kommt vor allem in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Norditalien vor. In Bayern und Nordtirol ist er im Durchschnitt bei jedem dritten bis vierten Fuchs, in Vorarlberg fast bei jedem zweiten Fuchs nachweisbar. Das Vereinigte Königreich, Norwegen, Finnland, Malta und Irland sind amtlich anerkannt frei vom Fuchsbandwurm.
Der Hundebandwurm ist weltweit vertreten, mit einer Häufung in Osteuropa im Mittelmeerraum und in den Balkan-Staaten. In Österreich gilt der Hundebandwurm als ausgestorben.

Erregerreservoir

E. multilocularis: Zwischenwirt: Kleinnager, Endwirt: Fuchs
E. granulosus: Zwischenwirt: Schaf, Schwein, Rind, Endwirt: Hund

Infektionsweg

Fuchsbandwurm: Die 2-3 mm kleinen fünfgliedrigen Würmer leben im Dünndarm von Füchsen, selten von Katzen und Hunden. Alle ein bis zwei Wochen schnüren sie das letzte, etwa 500 Eier enthaltende, Bandwurmglied ab, das mit dem Kot in die Umwelt gelangt. Werden diese Bandwurmglieder von geeigneten Zwischenwirten (z. B. Kleinnagern) beim Fressen aufgenommen, entwickeln sich aus den Eiern Larven, die über die Darmschleimhaut in das Blut und weiter in die Organe, insbesondere die Leber gelangen, wo infektionstüchtige Bandwurmköpfchen sogenannte Scolices, entstehen. Nimmt eine Person – der Mensch stellt einen Fehlwirt für diese Parasiten dar – Eier auf, können sich die Larven entwickeln und das Lebergewebe infiltrativ durchwachsen, wie ein bösartiger Tumor, als Alveolarzysten bezeichnet. Das Krankheitsbild wird als alveoläre Echinokokkose bezeichnet.

Hundebandwurm: Die 3-6 mm großen erwachsenen Würmer leben im Dünndarm von Hunden. Alle ein bis zwei Wochen schnüren sie das letzte, bis zu 1.500 Eier enthaltende Bandwurmglied ab, das mit dem Kot in die Umwelt gelangt. Diese Bandwurmglieder werden von Zwischenwirten (Schafe, Ziegen, Rinder, Schweine) beim Weiden aufgenommen. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die über die Darmschleimhaut in das Blut und weiter zu Leber und anderen Organen (z. B. Lunge, Herz, Milz) gelangen, wo sie zu blasenförmigen Gebilden, sogenannte Finnen, oder Zysten heranwachsen. Innerhalb dieser Zysten werden tausende „Köpfchen“ gebildet, aus denen sich jeweils neue Bandwürmer entwickeln können, sobald zystenhaltiges Gewebe von einem Hund gefressen wird. Beim Menschen, wie in den Zwischenwirten, wird das Krankheitsbild als zystische Echinokokkose bezeichnet. Der Mensch steckt sich über Schmutz- und Schmierinfektion durch Aufnahme von Echinococcus-Eiern aus Fuchs- oder Hundekot an.

Inkubationszeit

Alveoläre Echinokokkose: 5-15 Jahre
Zystische Echinokokkose: Monate bis Jahre

Symptomatik

Alveoläre Echinokokkose: Die häufigsten Symptome sind Schmerzen im Oberbauch sowie Gelbsucht, gelegentlich treten auch Müdigkeit, Gewichtsverlust oder eine vergrößerte Leber, verursacht durch krebsartiges Wachstum des Parasitengewebes, auf.

Zystische Echinokokkose: Häufig Schmerzen im rechten Oberbauch durch bis zu 30 cm große eingekapselte Zysten in der Leber. Der seltenere Befall der Lunge ist durch Atembeschwerden und Husten charakterisiert.

Diagnostik

Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Lungenröntgen oder Computertomographie können die unterschiedlich strukturierten oft auch verkalkten Gewebsveränderungen darstellen. Die Absicherung der Verdachtsdiagnose erfolgt durch spezifischen Antikörpernachweis im Patientenblut, womit auch die Unterscheidung der Spezies von E. granulosus und E. multilocularis möglich ist. Ein negatives Ergebnis der Serologie schließt eine Erkrankung nicht aus. Aus Operationsmaterial kann die Diagnose histologisch gestellt werden.

Therapie

Ziel der Behandlung ist die vollständige chirurgische Entfernung der Echinococcus-Zysten, was allerdings in einem fortgeschrittenen Stadium meist nicht oder kaum mehr möglich ist. Daher umfasst die Behandlung eine Kombination aus chirurgischem Eingriff und Verabreichung einer antihelminthischen Chemotherapie.

Cystische Echinokokkose: Für die Therapie steht auch die PAIR-Technik zur Verfügung: durch Ultraschall kontrollierte Punktion (P), Aspiration (A), Instillation (I) von Wurmköpfchen abtötenden Substanzen und Reaspiration (R) des Zysteninhaltes, gemeinsam mit antihelminthischer Therapie.

Prävention

Echinococcus-Eier weisen eine relativ hohe Resistenz gegen Kälte auf und können somit viele Monate infektionstüchtig bleiben. Durch Trockenheit und hohe Temperaturen werden sie jedoch innerhalb kurzer Zeit abgetötet. Zur Vermeidung der Ansteckung mit E. multilocularis sollten die Hände nach Kontakt mit Füchsen bzw. Fuchsfellen gründlich gewaschen werden. Zur Vermeidung von Ansteckung mit E. granulosus sollten Hunde regelmäßig entwurmt und nicht mit Schlachtabfällen von befallenen Schafen gefüttert werden.

Situation in Österreich

Mensch

Alveoläre Echinokokkose: Im Jahr 2019 wurden 18 Fälle gemeldet. Drei Fälle von nicht-österreichischen Staatsbürgern sind importiert, die übrigen Fälle betreffen österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Bei drei Erkrankten sind die Infektionsorte unbekannt, die übrigen gelten als in Österreich erworben. Die Inzidenz liegt bei 0,2 je 100.000 Bevölkerung.

Zystische Echinokokkose: Im Jahr 2019 wurden 18 Fälle ins EMS gemeldet, nur zwei davon sind österreichische Staatsbürger.

Abbildung 1: Echinokokkose-Fälle in Österreich

Tier

Hunde gelten in Österreich im Allgemeinen als frei von Wurmbefall mit E. granulosus. Der Fuchsbandwurm ist in Nordtirol im Durchschnitt bei jedem dritten bis vierten Fuchs, in Vorarlberg fast bei jedem zweiten Fuchs nachweisbar.

Kontakt

Referenzzentrale:
AGES-Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen Innsbruck
Technikerstraße 70
A-6020 Innsbruck
Tel.: +43 50 555-71111
E-mail: vetmed.innsbruck@ages.at

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