Escherichia coli inklusive Verotoxin bildende E. coli (VTEC)

Escherichia coli

Zuletzt geändert: 23.11.2020
Icon Icon Icon Icon

Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Bakterien der Art Escherichia (E.) coli mit der Fähigkeit zur Bildung eines bestimmten Toxins werden nach diesem Giftstoff Verotoxin-bildende E. coli (VTEC) genannt. Anhand ihrer unterschiedlichen Antigenstrukturen können sie in verschiedene Serotypen (zurzeit etwa 180 verschiedene O-Serotypen) eingeteilt werden. Als prototypischer Stamm gilt VTEC O157:H7, daneben kommen noch die Serotypen O26, O103, O111, O145, O146, O121, O128, O91, O104 und O113 häufiger als Erreger von humanen Erkrankungsfällen vor. Die Bakterien sind empfindlich gegen Hitze, überleben jedoch in gefrorenen Lebensmitteln und in saurem Milieu. Die Ausdrücke Shigatoxin-bildende E. coli (STEC) und enterohämorrhagische E. coli (EHEC) werden als Synonyme für VTEC verwendet.

Vorkommen

Seit dem Jahr 1982 ist VTEC als Durchfallerreger und Ursache des Nierenversagens durch hämolytisch-urämisches Syndrom bekannt.

Erregerreservoir

Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen) und Wildtiere (Rehe und Hirsche)

Infektionsweg

Die Übertragung der Bakterien erfolgt hauptsächlich über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel, wie rohes Rinderfaschiertes, Mettwurst, Salami, Rohmilch, aber auch pflanzliche Lebensmittel, die auf mit Rindergülle gedüngten Äckern kultiviert und roh verzehrt werden sowie industriell hergestellte Sprossen. Von Bedeutung sind Übertragungen nach Kontakt mit Wiederkäuern (Streichelzoos), wenn im Anschluss keine entsprechende Reinigung der Hände (Händewaschen mit Seife) durchgeführt wird sowie Mensch-zu-Mensch-Infektketten, was besonders in Gemeinschaftseinrichtungen (Kindergärten, Altenheime etc.) zu beachten ist. Es wird angenommen, dass 50-100 KBE an VTEC-Keimen ausreichen, um bei gesunden Menschen die Krankheit auszulösen.

Inkubationszeit

Zwischen 2 und 8 Tage, meist 3-4 Tage.

Symptomatik

Die Erkrankung beginnt meist mit wässrigen Durchfällen, die nach einigen Tagen oft blutig werden und von starker Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen begleitet sein können. Die Krankheit ist überwiegend selbstlimitierend und dauert im Durchschnitt acht bis zehn Tage. Bei circa 5-10% der Erkrankten, besonders bei Kleinkindern, kann es Tage nach Beginn der Durchfallerkrankung zu einer charakteristischen Folgeerkrankung kommen, dem lebensbedrohlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Dabei bindet das Toxin an spezielle Rezeptoren an den Zellwänden und schädigt Blutkapillaren; in weiterer Folge kann es zum Nierenversagen (fehlende Harnbildung), zu Blutarmut, verminderter Anzahl an Blutplättchen, Hautblutungen und neurologischen Veränderungen kommen.

Therapie

Eine Behandlung mit Antibiotika gilt im Allgemeinen als kontraindiziert, da die Bakterien unter Antibiotikaeinwirkung vermehrt Toxin produzieren, was die Komplikationsrate erhöhen kann. Eine Therapie, die den Wasser- und Elektrolythaushalt wieder ausgleicht, ist meist ausreichend. Bei schweren Verläufen (z. B. HUS) muss intensivmedizinisch behandelt werden, wie etwa durch Blutwäsche.

Prävention

Da als Reservoir dieser Bakterien Wiederkäuer und Wildwiederkäuer gelten, ist die strikte Einhaltung von Hygienevorschriften, z. B. Händewaschen nach Tierkontakt, von großer Bedeutung. Personen, die an VTEC-Infektionen erkrankt sind, dürfen so lange beim gewerbsmäßigen Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen von Lebensmitteln nicht beschäftigt werden, bis mit der Entscheidung des Gesundheitsamts eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist. Dies gilt sinngemäß auch für Beschäftigte in Küchen von Gaststätten, Kantinen, Krankenhäusern, Säuglings- und Kinderheimen sowie in Bereichen der Gemeinschaftsverpflegung.

Situation in Österreich

Mensch

Im Jahr 2019 wurden 286 laborbestätigte VTEC-Fälle gemeldet. Die Inzidenz lag bei 3,23/100.000 Bevölkerung. Bei 16 PatientInnen trat die schwere Komplikation HUS auf.

Abbildung 1: VTEC-Fälle in Österreich


Legende

    Abbildung 2: Inzidenz der VTEC-Erkrankungen und Anteil davon HUS-Fälle


    Legende

      Abbildung 3: Inzidenz nach Altersgruppe

      Lebensmittel

      Im Jahr 2018 wurden 1.174 Lebensmittelproben auf VTEC untersucht, davon 758 Fleischproben: In 17 von 313 rohen Fleischproben (5,4 %) wurden VTEC gefunden, wobei diese Erreger hauptsächlich in Fleischproben von Wildwiederkäuern (11 von 49 Proben) nachgewiesen wurde, weniger häufig in Fleischproben von in Ställen gehaltenen Tieren (sechs von 255 Proben). Eines der 208 untersuchten verzehrsfertigen Fleischprodukte (0,5 %) wies eine VTEC-Kontaminationen auf und zwei der 237 untersuchten Würste (0,8 %), davon eine von 57 untersuchten Rohwürsten von Wild und eine von 180 fermentierten Würsten aus gemischtem Fleisch bzw. ohne Angabe der Tierart.

      In allen übrigen untersuchten Proben (185 Käse, davon 129 aus roher Milch hergestellt, 69 Milcherzeugnisse, 24 Rohmilchen, 124 Proben von Obst, Früchten, Gemüse und Säften daraus und 14 andere Speisenzubereitungen waren keine VTEC nachweisbar.

      Die Typisierung der 20 VTEC-Isolate ergab 11 verschiedene Serotypen, von denen zwei Serotypen (VTEC O146 und VTEC O91) zu jenen gehören, die in der EU bei Menschen häufiger Erkrankungen verursachen. VTEC O146 wurde aus drei Proben von frischem Wildfleisch und einer Probe fermentierter Wurst ohne Angabe der Tierart isoliert, VTEC O91 aus drei frischen Fleischproben, je einmal Rind, Wild und einmal ohne Angabe der Tierart. Nicht typisierbare VTEC (VTEC Orough) konnten in fünf Proben von Wildfleich gefunden werden, in vier Proben von frischem Fleisch und in einer Rohwurst.

      Proben 2019 Untersuchungen positiv
      Rindfleisch, frisch 419 20
      Wild, frisch 121 19
      Schaf- oder Ziegenfleisch, frisch 7 2
      diverses Fleisch, frisch 119 1
      Milchprodukte 73 1

      Tier

      Gemäß EU-Vorgaben zur Überwachung und Meldung von Antibiotikaresistenzen bei zoonotischen und kommensalen Bakterien wurden im Jahr 2019 349 Proben Rindfleisch und 350 Proben Schweinefleisch aus ganz Österreich auf E. coli, das ESBL oder AmpC oder Carbapenemase bildet, untersucht. ESBL, AmpC und Carbapenemase sind Enzyme, die auf unterschiedliche Antibiotika (z. B. Penicillin) wirken und diese unwirksam machen können.

      • Bei sieben Proben Rindfleisch und bei 35 Proben Schweinefleisch waren ESBL/ AmpC-bildende E. coli nachweisbar.
      • Carbapenemase bildende E. coli waren in keiner Probe nachweisbar

      Schwerpunktaktion: Antibiotikaresistente Keime in Rind und Schweinefleisch – Monitoring

      Fachinformation

      Humanmedizin

      Diagnostik

      Die Diagnose wird nach klinischem Verdacht durch Nachweis eines Verotoxin-Gens oder der kulturellen Anzucht der Keime, durch Nachweis von Verotoxin im Stuhl oder (nur bei HUS) durch den Nachweis spezifischer Antikörper im Blut gestellt.

      Nationale Referenzzentrale für Escherichia coli - VTEC - EHEC

      • Nachweis von EIEC, EPEC, ETEC, EAggEC und VTEC in humanen Stuhlproben
      • Isolierung und kultureller Nachweis von VTEC aus humanen Stühlen, Lebensmitteln und Umgebungsproben mittels Selektivnährmedien, immunmagnetischer Separation, Objektträger-Agglutination und PCR
      • Bestätigung und Typisierung eingesandter Isolate mittels biochemischer und molekularbiologischer Methoden
      • Serotypisierung
      • Feintypisierung von VTEC: Typisierung der Shigatoxin-Gene (PCR), Subtypisierung der Shigatoxin-Gene und Typisierung weiterer Virulenzgene (Ganzgenom-Sequenzierung)
      • Aufzeigen epidemiologischer Zusammenhänge mittels Ganzgenom-Sequenzierungsdaten
      • Nachweis spez. Antikörper bei HUS im Humanserum
      • Führen einer Stammsammlung aller Human-, Veterinär-, Futtermittel- und Lebensmittelisolate
      • Aufklärung von Infektionsquellen und -wegen im Rahmen von Ausbruchsabklärungen
      • Beratung zu Fragen der Diagnostik, Meldepflicht, Epidemiologie, Lebensmittelsicherheit, Prävention bzw. Präventionsmaßnahmen
        Nationale Referenzzentrale für Escherichia coli einschließlich Verotoxin-bildender E. coli - Jahresbericht 2018 (2,41 M)
        Datei Download  | PDF öffnen

        Nationale Referenzzentrale für Escherichia coli einschließlich Verotoxin bildender E. coli Jahresbericht 2017 (1,09 M)
        Datei Download  | PDF öffnen

        E.coli/EHEC/VTEC Jahresbericht 2016 (1,56 M)
        Jahresbericht der nationalen Referenzzentrale
        Datei Download  | PDF öffnen

      Kontakt, Formulare

      Nationale Referenzzentrale für Escherichia coli - VTEC - EHEC
      Beethovenstraße 6
      8010 Graz

      Mag. Dr. Sabine Schlager
      Tel.: +43 50 555-61211
      E-mail: sabine.schlager@ages.at

      Downloads

        Folder Verotoxin bildende Escherichia Coli (VTEC) (282 K)
        Datei Download  | PDF öffnen

        Nationale Referenzzentrale für Escherichia coli einschließlich Verotoxin-bildender E. coli - Jahresbericht 2018 (2,41 M)
        Datei Download  | PDF öffnen

        Nationale Referenzzentrale für Escherichia coli einschließlich Verotoxin bildender E. coli Jahresbericht 2017 (1,09 M)
        Datei Download  | PDF öffnen

        E.coli/EHEC/VTEC Jahresbericht 2016 (1,56 M)
        Jahresbericht der nationalen Referenzzentrale
        Datei Download  | PDF öffnen

      zur Übersicht
      x