SARS-CoV-2-Varianten in Österreich

Zuletzt geändert: 28.01.2022

Tierseuchenkategorien:

Bestimmte Varianten werden von nationalen und internationalen Gesundheitsorganisationen und -behörden als so genannten "Variants of Concern" (besorgniserregende Varianten) gelistet, die WHO listet folgende Varianten:

  • B.1.1.7 (Alpha)
  • B.1.351 (Beta)
  • P.1 (Gamma)
  • B.1.617.2 (Delta)
  • B.1.1.529 (Omikron)

Übersicht "Variants of Concern" in Österreich

Tabelle 1: Österreich, Anzahl der bestätigten SARS-CoV-2 Fälle und der Variants of Concern identifiziert basierend auf PCR-Testverfahren oder Sequenzierung (Sanger-Sequenzierung, SARSeq-Sequenzierung oder Ganzgenom-Sequenzierung) nach Kalenderwoche (EMS-Falldatenstand 28.01.2022, 07:00 Uhr). Darstellung ab KW 46/2021 (erste bestätigte Omikron-Fälle). Für die KW 03/2022 sind Nachmeldungen zu erwarten.

Kalenderwoche B.1.1.7 (Alpha) B.1.351 (Beta) P.1 (Gamma) B.1.617.2 (Delta) B.1.1.529 (Omikron) Fälle gesamt
2021-W46 9 0 0 12501 1 97280
2021-W47 0 0 0 12642 271 82660
2021-W48 4 0 0 15034 206 50879
2021-W49 4 0 0 10684 152 29327
2021-W50 0 0 0 7842 463 18868
2021-W51 0 0 0 6200 2159 14636
2021-W52 1 0 0 5043 8208 23120
2022-W01 1 0 0 3515 32413 62362
2022-W02 5 0 0 2066 46441 111103
2022-W03 18 0 0 814 49163 175949
42 0 0 76341 139477 666184

Tabelle 2: Österreich, Anzahl der bestätigten SARS-CoV-2 Fälle und der Variants of Concern identifiziert basierend auf PCR-Testverfahren oder Sequenzierung (Sanger-Sequenzierung, SARSeq-Sequenzierung oder Ganzgenom-Sequenzierung) gesamt (EMS-Falldatenstand 28.01.2022, 07:00 Uhr). Für KW 03/2022 sind Nachmeldungen zu erwarten.

Kalenderwoche B.1.1.7 (Alpha) B.1.351 (Beta) P.1 (Gamma) B.1.617.2 (Delta) B.1.1.529 (Omikron) Fälle gesamt
KW 01/2021-KW 03/2022 120330 915 96 248762 139477 1266633

Tabelle 3: Anzahl der bestätigten SARS-CoV-2 Fälle und der Variants of Concern identifiziert basierend auf PCR-Testverfahren oder Sequenzierung (Sanger-Sequenzierung, SARSeq-Sequenzierung oder Ganzgenom-Sequenzierung) nach Bundesland, seit KW 01/2021 (EMS-Falldatenstand 28.01.2022, 07:00 Uhr). Für KW 03/2022 sind Nachmeldungen zu erwarten.

Bundesland B.1.1.7 (Alpha) B.1.351 (Beta) P.1 (Gamma) B.1.617.2 (Delta) B.1.1.529 (Omikron) Fälle gesamt
Burgenland 5817 4 0 6454 3634 30248
Kärnten 7939 3 2 7646 6169 77975
Niederösterreich 23040 59 1 30717 10822 212635
Oberösterreich 16135 26 2 63778 20348 237905
Salzburg 11412 14 1 36863 14070 111644
Steiermark 14741 14 2 16506 4876 141727
Tirol 7469 534 61 19960 13530 128796
Vorarlberg 840 9 10 7897 2327 58386
Wien 32937 252 17 58941 63701 267317
120330 915 96 248762 139477 1266633

Datensätze

Österreichweite Überwachung der SARS-CoV-2-Varianten

In Österreich gibt es derzeit zwei SARS-CoV-2-Varianten-Surveillancesysteme: das Fall-basierte System und das Sentinel-System. Die beiden Systeme haben unterschiedliche Ziele, was bei der Beurteilung, ob die Systeme diese erfüllen, auch zu berücksichtigen ist. Ansonsten kann es leicht zu einer falschen Beurteilung kommen.

Fall-basiertes Varianten-Surveillancesystem

Beim Fall-basierten Varianten-Surveillancesystem werden SARS-CoV-2-positive Proben mittels PCR-basierter Verfahren auf jene Mutationen analysiert, die Hinweise auf die vorliegende Virusvariante geben. Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, basierend auf internationalen Empfehlungen, gibt jeweils vor, auf welche besorgniserregende Varianten dabei getestet werden soll.

Seit Februar 2021 ist ein Varianten-Surveillancesystem etabliert, das aus zahlreichen, auf ganz Österreich verteilten Laboratorien besteht. Mit diesem System konnten sowohl das Auftreten der Alpha-Variante als auch der Übergang von der Alpha-Variante zur Delta-Variante erfolgreich detektiert werden.

Mit dem Auftreten der neuen besorgniserregenden Omikron-Variante haben diese Labore begonnen, ihre Testverfahren zu erweitern, um auch diese Variante erkennen zu können. Mittlerweile ist der Ausbau dieser Testverfahren so weit fortgeschritten, dass ein relativ guter Überblick über die Ausbreitung der Omikron-Variante gegeben ist. Durch eine weitere Steigerung der Kapazität der PCR-Testverfahren wird es gelingen, auch den erwarteten Übergang von der Delta-Variante zur Omikron-Variante detektieren zu können.

Eine aufwändige Genomsequenzierung ist beim Fall-basierten Varianten-Surveillancesystem nur erforderlich, wenn das Ergebnis des PCR-basierten Testverfahrens keine eindeutige Zuordnung zu einer besorgniserregenden Varianten zulässt.

Sentinel-Varianten-Surveillancesystem

Neben dem Fall-basierten Varianten-Surveillancesystem gibt es das Sentinel-Varianten-Surveillancesystem, das aus einigen Laboratorien, die jeweils ein Bundesland repräsentieren, besteht. Im Rahmen dieses Systems werden SARS-CoV-2 positive Proben einer Ganzgenomsequenzierung unterzogen. Die Auswahl der Proben erfolgt dabei stichprobenartig. Ziel dieses Surveillancesystems ist, das Auftreten von neuen SARS-CoV-2-Varianten mit verlässlicher Treffsicherheit zu entdecken. Im Gegensatz zum Fall-basierten Varianten-Surveillancesystem ist hier der Zeitfaktor weniger relevant, da es hauptsächlich um die Identifizierung neuer Varianten geht.

Ergebnisse der Überwachung aus dem Sentinel-System

Im Zeitraum November 2021 wurde im Zuge des Projekts nur die Variant of Concern B.1.617.2 (Delta) inklusive den Delta-Sublineages bestimmt. Über GISAID wurde erstmals die Omikron-Variante in Östereich bestätigt.

Im Zeitraum Oktober wurden im Zuge des Projekts drei verschiedene Varianten von SARS-CoV-2 bestimmt. Bei den gefundenen Varianten handelt es sich um die Variants of Concern B.1.617.2 (Delta) inklusive den Delta-Sublineages, B.1.433 sowie B.1.

Im Zeitraum September wurden im Zuge des Projekts drei verschiedene Varianten von SARS-CoV-2 bestimmt. Bei den gefundenen Varianten handelt es sich um die Variants of Concern B.1.617.2 (Delta) inklusive den Delta-Sublineages und B.1.351 (Beta) sowie die Variante B.1.1.10.

Im Zeitraum August wurden im Zuge des Projekts zwei verschiedene Varianten von SARS-CoV-2 bestimmt. Bei den gefundenen Varianten handelt es sich um die Variants of Concern B.1.1.7 (Alpha) und B.1.617.2 (Delta) inklusive deren Sublineages. Es wurde in diesem Zeitraum keine andere Variant of Concern oder Variant of Interest in den Sentinel Proben festgestellt.

Im Zeitraum Juli wurden insgesamt 250 Proben aus 8 Bundesländern bzw. vom Flughafen Wien eingesandt. Von den aktuellen besorgniserregenden Varianten konnten B.1.1.7 (148 Proben), B.1.617.2 (68 Proben) und P.1 (4 Proben) festgestellt werden.

Im Zeitraum Juni wurden insgesamt 380 Proben aus 9 Bundesländern bzw. vom Flughafen Wien eingesandt.  Von den aktuellen besorgniserregenden Varianten konnten B.1.1.7 (339 Proben), B.1.351 (1 Probe), P.1 (6 Proben), B.1.617.2 (3 Proben) festgestellt werden.

Im Zeitraum Mai (KW 18-KW 21) wurden insgesamt 330 Proben aus 8 Bundesländern sowie vom Flughafen Wien eingesandt. Von den aktuellen besorgniserregenden Varianten konnten B.1.1.7 (305 Proben, alle ohne E484K), B.1.351 (3 Proben) und B.1.617.2 (2 Proben) festgestellt werden (Hinweis: Die Daten wurden am 11.6. aktualisiert, da sie in der Vorversion nicht zur Gänze korrekt dargestellt waren).

Für den Zeitraum April 2021 (KW 14-KW 17) konnten in 240 untersuchten Proben ebenfalls 9 Varianten festgestellt werden; 213 Mal B.1.1.7 (90 Prozent), wobei in keiner dieser Proben eine E484K Mutation festgestellt wurde. Die Varianten B.1.351 und P.1 wurden in keiner der Proben nachgewiesen.

Beschreibung Sentinel-Varianten-Surveillancesystem

In jedem Bundesland wurde ein Labor ausgewählt und zum Sentinel-Labor ernannt: Jedes dieser Labore schickt pro Woche die ersten zehn positiven SARS-CoV-2 Rückstellproben an die AGES. Zusätzlich wurde ein zehntes Labor damit beauftragt, ausschließlich positive Proben von Besuchern des Flughafens Wien einzusenden. In der AGES wird die Virus-RNA isoliert und anschließend am Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften einer Ganzgenomsequenzierung unterzogen.

Bei den Proben aus dem Überwachungs-System handelt es sich nicht zwangsläufig um Proben, bei denen schon konkret die Vermutung auf eine bestimmte Mutation besteht, sondern um stichprobenartig ausgewählte Proben, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Da die Proben aus allen Bundesländern stammen, ist ein Überblick über die in Österreich zirkulierenden Virusvarianten möglich.

Die Monatsberichte werden auf AGES Wissen aktuell veröffentlicht

Varianten

Viren verändern sich ständig durch Mutation, Untersuchungen des Erbguts von SARS-CoV-2 haben gezeigt, dass es etwa alle zwei Wochen zu einer derartigen Mutation kommt. Die meisten neu auftretenden Mutationen haben keinen Einfluss auf die Ausbreitung des Virus oder die Schwere der Erkrankung.
Einige Mutationen oder Kombinationen von Mutationen können allerdings dem Virus einen Vorteil verschaffen, wie z. B. eine erhöhte Übertragbarkeit oder die Fähigkeit, sich der Immunantwort des Wirts zu entziehen. Derzeit stehen vier so genannte „Variants of Concern“ im Fokus der Öffentlichkeit: B.1.1.7 (Alpha), B.1.351 (Beta), P.1 (Gamma) und B.1.617.2 (Delta).

GISAID Österreich-Report

Im Bericht GISAID Österreich-Report sind die Sequenzierungs-Ergebnisse angeführt, die von den österreichischen Laboratorien und Instituten in GISAID hochgeladen wurden. GISAID (Global Initiative on Sharing All Influenza Data) ist eine globale Wissenschaftsinitiative, deren Ziel es ist, Genomdaten zu Influenza- bzw. SARS-CoV-2 Viren frei zugänglich zu machen sowie den schnellen und unkomplizierten Austausch aller verfügbarer Daten zu gewährleisten. Laboratorien und Institute in Österreich, die sich mit der Sequenzierung von SARS-CoV-2 Viren befassen, stellen ihre Ergebnisse bereits auf freiwilliger Basis im Rahmen der GISAID-Initiative zur Verfügung.

Variants of Concern (VOC)

Die N501Y-Mutation ist kennzeichnend für die momentan unter Beobachtung stehenden Variants of Concern (VOC) B.1.1.7 (Alpha), B.1.1.7+E484K, B.1.351 (Beta) und P.1 (Gamma). Bei ihrem Nachweis liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine dieser Varianten vor. Die Variante B.1.617.2 (Delta) zeichnet sich durch zwei Mutationen aus, die mit einer leichteren Übertragbarkeit und einer reduzierten Immunantwort in Verbindung gebracht werden.

B.1.1.7 (Alpha)

Im Dezember 2020 berichteten britische Behörden von einer neuen SARS-CoV-2-Virusvariante (Linie B.1.1.7), die sich seit September 2020 in Großbritannien ausbreitet. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist sie leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als die „Wildform“ von SARS-CoV-2. Die erhöhte Übertragbarkeit führt zu einer höheren absoluten Anzahl von Infektionen und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit schwerer Fälle. Zudem wird von einer erhöhten Sterblichkeit durch Erkrankungen mit der B.1.1.7-Variante ausgegangen. Es gibt bislang keine Hinweise auf eine verringerte Wirksamkeit der zugelassenen Impfstoffe.

Bei B.1.1.7 mit E484K handelt es sich um eine Sonderform der Variante, die eine zusätzliche Mutation (E484K) aufweist, die auch in den Varianten B.1.351 und P.1 auftritt und das Virus unempfindlicher gegen bereits gebildete neutralisierende Antikörper macht.

ECDC: https://www.ecdc.europa.eu/en/current-risk-assessment-novel-coronavirus-situation

British Medical Journal (BMJ): Risk of mortality in patients infected with SARS-CoV-2 variant of concern 202012/1: matched cohort study: https://www.bmj.com/content/372/bmj.n579

B.1.351 (Beta)

Über diese Virusvariante aus Südafrika wurde erstmals im Dezember 2020 berichtet. Sie ist mittlerweile der vorherrschende Virus-Typ in dieser Region, d. h. die Mehrzahl der Infektionen wird durch diese Virus-Variante verursacht. Vorläufige Studien-Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Variante um 50 % übertragbarer ist als die zuvor in Südafrika zirkulierenden Varianten. Es liegen noch keine ausreichenden Informationen darüber vor, ob die Anzahl der Reinfektionen im Zusammenhang mit dieser Variante tatsächlich höher ist. Erste Studien lassen vermuten, dass bei Personen, die an der ursprünglichen Variante erkrankt waren oder einen Impfstoff erhalten haben, der auf der ursprünglichen Variante beruht, der Schutz durch neutralisierende Antikörper (eine Komponente der Immunabwehr) gegenüber B.1.351 reduziert sein könnte.

Fast-spreading COVID variant can elude immune responses, https://www.nature.com/articles/d41586-021-00121-z

P.1 (Gamma)

Diese SARS-CoV-2-Variante zirkulierte erstmals im brasilianischen Staat Amazonas und ähnelt in ihren Veränderungen der südafrikanischen Variante. Eine erhöhte Übertragbarkeit wird ebenfalls als denkbar erachtet. Laut ECDC gibt es derzeit allerdings keine mikrobiologischen oder epidemiologischen Hinweise auf eine Veränderung der Übertragbarkeit. Bisher gibt es keinen Hinweis darauf, ob die Anzahl der Reinfektionen im Zusammenhang mit dieser Variante höher ist.

ECDC: https://www.ecdc.europa.eu/en/current-risk-assessment-novel-coronavirus-situation

Es gibt erste Hinweise darauf, dass einige der Mutationen in der P.1-Variante die Fähigkeit von Antikörpern (aus natürlicher Infektion oder Impfung), das Virus zu erkennen und zu neutralisieren, beeinträchtigen könnten.

SARS-CoV-2 reinfection by the new Variant of Concern (VOC) P.1 in Amazonas, Brazil, https://virological.org/t/sars-cov-2-reinfection-by-the-new-variant-of-concern-voc-p-1-in-amazonas-brazil/596

B.1.617.2 (Delta)

Die Variante B.1.617 (mit den Untervarianten B.1.617.1, B.1.617.2 und B.1.617.3) wurde zuerst im indischen Bundesstaat Maharashtra gefunden und verbreitet sich dort stark. Sie zirkuliert auch in anderen indischen Bundestaaten und wird auch in Europa immer öfter nachgewiesen. Es gibt Hinweise, dass die Variante B.1.617.2 (Delta) leichter übertragbar ist und mit einer reduzierten Wirksamkeit der Immunantwort in Verbindung gebracht werden kann. Die Mutation N501Y liegt in diesen Varianten nicht vor.

Risikoeinschätzung des Europäischen Zentrums für Seuchenkontrolle und Prävention (ECDC)

B.1.1.529 (Omikron)

Anfang November 2021 wurde eine SARS-CoV-2-Variante entdeckt, die zur Pango-Linie B.1.1.529 gehört und im Vergleich zum ursprünglichen Virus eine hohe Anzahl von S-Gen-Mutationen aufweist. Am 26. November 2021 wurde die Variante von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregende Variante eingestuft und mit der Bezeichnung Omikron versehen. Die Variante ist durch 30 Veränderungen im Spike-Protein gekennzeichnet, sie wurde erstmals in Proben nachgewiesen, die am 11. November 2021 in Botswana und am 14. November 2021 in Südafrika gesammelt wurden. Die Omicron-Variante ist die am stärksten abweichende Variante, die während der Pandemie bisher in signifikanter Zahl nachgewiesen wurde; sie könnte mit einer erhöhten Übertragbarkeit, einer erheblichen Verringerung der Wirksamkeit des Impfstoffs und einem erhöhten Risiko für Reinfektionen verbunden sein.

Risikoeinschätzung des Europäischen Zentrums für Seuchenkontrolle und Prävention (ECDC)

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