Infektion verschiedener Tierspezies mit SARS-CoV-2

Zuletzt geändert: 29.03.2021

Tierseuchenkategorien:

Übertragung

Diverse Haus-, Heim- und Wild- bzw. Zootierarten, wie Katzenartige (inklusive Großkatzen wie Tiger, Löwen etc.), Hunde, Frettchen, Marderhunde, Hirsche, Goldhamster, Kaninchen und diverse Primaten (z. B. Gorillas) können mit dem COVID-19 Erreger SARS-CoV-2 infiziert werden. In allen bekannten Fällen einer natürlichen Infektion erfolgte diese höchstwahrscheinlich über infizierte Menschen. Geflügel, Pferde, Rinder und Schweine können nicht oder nur sehr ineffizient infiziert werden.

Die Ausprägung der klinischen Symptome reicht in Abhängigkeit von der betroffenen Tierart von subklinisch (d. h. keine Krankheitssymptome) bis zu zumeist milder klinischer Symptomatik (vor allem Katzenartige und Frettchen sowie Nerze); die Tiere spielen nach heutigem Wissensstand in der Weiterverbreitung der Infektion keine Rolle. Eine Ausnahme stellen Nerze aus kommerziellen Pelzfarmen dar, wo eine von Nerzen ausgehende Infektion von exponierten Menschen dokumentiert ist.

Ein jüngst erschienener Bericht, wonach ein vermehrtes Auftreten von Herzerkrankungen bei Katzen und Hunden in Großbritannien mit dem starken Anstieg der sogenannten „britischen“ SARS-CoV-2 Variante B.1.1.7 in Verbindung stehen könnte, stellt einen neuen Aspekt zur krankmachenden Wirkung dieser Virusvariante bei diesen Tieren in den Raum. Allerdings ist aufgrund der bisherigen Datenlage nicht feststellbar, ob die beobachteten Herzveränderungen tatsächlich ursächlich mit der Virusinfektion in Zusammenhang stehen.

Empfehlungen für TierbesitzerInnen

Bis zum Vorliegen gegenteiliger Informationen ist trotz des Auftretens neuer Virusvarianten (B.1.1.7, B.1.351, P.1) davon auszugehen, dass Heim- und Haustiere in der Verbreitung der SARS-CoV-2 Infektion keine bedeutende Rolle spielen. Jedoch sollten unabhängig von der aktuellen Situation grundlegende Hygieneregeln, wie das gründliche Händewaschen mit Seife nach dem Kontakt mit Tieren oder deren Ausscheidungen beachtet werden. Sollte bei TierbesitzerInnen selbst eine Infektion mit diesem Virus bestätigt werden, ist es ratsam, den Kontakt zu empfänglichen Haustieren wie Katzen und Hunden (genauso wie zu menschlichen Mitbewohnern oder Familienangehörigen) so gering wie möglich zu halten, eine Gesichtsmaske (FFP2-Maske) zu tragen und sich vor und nach jedem Kontakt mit Ihrem Tier gründlich die Hände mit Seife zu waschen. Wenn möglich, sollte die Betreuung des Tieres vorranging durch eine gesunde (nicht infizierte) Person erfolgen. Jedoch ist es nach derzeitigem Wissensstand weder bei einer Infektion von Menschen noch von Tieren notwendig oder sinnvoll, sich von den Haustieren zu trennen.

Praktisch tätige TierärztInnen können bei Vorliegen entsprechender Symptomatik (respiratorische Symptome, Erbrechen/Durchfall, Fieber, Abgeschlagenheit, Inappetenz) UND passender Epidemiologie (= in PCR oder AG-Test positiv auf SARS-CoV-2 getestete Personen im selben Haushalt) Proben an das AGES Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen in Mödling einzusenden, wo die gesamte Palette an virologischen und serologischen Testverfahren auch für Proben von Tieren angeboten wird (Einsendemodalitäten siehe unten). Die Untersuchungskosten sind dabei privat zu bezahlen. Der Nachweis von SARS-CoV-2 bzw. Antikörpern beim Tier stellt keinen Grund dar, dieses wegzugeben oder gar einschläfern zu lassen, da nach derzeitigem Wissensstand keine effiziente Übertragung des Virus vom Haustier auf den Menschen erfolgt.

Fachinformation

Schon kurz nach der Erstbeschreibung der SARS-CoV-2 Infektion beim Menschen wurde erstmals der Nachweis von SARS-CoV-2 RNA (Viruserbgut) in einem Hund in Hongkong gemeldet (29. Februar 2020). Der Hund lebte im selben Haushalt mit einer Person (Besitzerin), die eine bestätigte SARS-CoV-2 Infektion hatte und wurde nach Hospitalisierung dieser Person in Quarantäne verbracht. Dort wurde der Hund klinisch untersucht, wobei keine Krankheitssymptome festgestellt wurden. Mehrere Tupferproben sowie Kot des Hundes wurden mit RT-PCR untersucht, wobei Nasen- und Rachentupfer mehrmals schwach positiv auf SARS-CoV-2 RNA getestet wurden. Ende März wurde bei diesem Hund von einem positiven Antikörpernachweis berichtet. Seit dieser Erstmeldung wurden sporadische Berichte von ähnlich verlaufenden natürlichen SARS-CoV-2 Infektionen bei weiteren Hunden und Katzen sowie diversen weiteren Tierarten (darunter auch Zootiere, wie Tiger, Löwen und Gorillas) berichtet, wobei in allen diesen Fällen eine Ansteckung durch Kontakt mit SARS-CoV-2 infizierten Besitzern oder Pflegern wahrscheinlich ist.

Vor diesem Hintergrund wurden weltweit wissenschaftliche Untersuchungen zur Empfänglichkeit verschiedenster Tierspezies durchgeführt. Beispielsweise wurden in einer Kohortenstudie bei Katzen (inkl. Streunerkatzen) aus Wuhan nach Abebben des Infektionsdruckes beim Menschen bei rund 14,7 % der untersuchten Katzen SARS-CoV-2 Antikörper nachgewiesen. In einer weiteren Studie wurden verschiedene Haustiere im Rahmen einer experimentellen Infektion mit einer hohen Viruslast auf die Empfänglichkeit gegenüber SARS-CoV-2 untersucht: bei Schweinen, Hühnern und Enten konnte kein Virus nachgewiesen werden. Nur bei der Hälfte der experimentell infizierten Hunde konnte Virus nachgewiesen werden, es erfolgte aber keine Übertragung des Virus auf Artgenossen. Interessanterweise zeigten sich Katzen und Frettchen empfänglich für das Virus und es kam auch zu einer Übertragung des Virus auf Artgenossen, die in getrennten Käfigen untergebracht waren. Damit übereinstimmend zeigten Studien, die am deutschen Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) durchgeführt wurden, dass insbesondere Frettchen empfänglich für SARS-CoV-2 Infektionen sind und diese auch effizient an ihre Artgenossen weitergeben können.

Zu den effizient infizierbaren Tierarten zählen auch Nerze (Amerikanischer Mink, Neovison vison), die nach wie vor in großen Pelztierfarmen in mehreren Ländern (darunter auch in Europa) gehalten werden. Obwohl auch diese Tiere ursprünglich durch infizierte Menschen (Farmarbeiter) angesteckt wurden, ist hier auch eine Infektion von Menschen durch die auf engstem Raum in unnatürlich hoher Zahl gehaltenen Tiere dokumentiert, was letztlich zur Entscheidung der Tötung von Millionen Nerzen geführt hat.

In jüngerer Zeit hat die Entwicklung und weltweite Verbreitung von SARS-CoV-2 Varianten, die auf Mutationen im viralen Spike-Protein zurückzuführen sind, für große Beachtung gesorgt. Diese Mutationen, wie zum Beispiel die Varianten B.1.1.7, B.1.351 und P.1 (sogenannte „britische“, bzw. „südafrikanische“ bzw. „brasilianische“ Variante), führen zu einer höheren Übertragbarkeit beim Menschen und möglicherweise schwereren Verläufen bzw. verringerter Effektivität von Impfungen. Über die Bedeutung dieser Mutationen hinsichtlich veränderter Empfänglichkeit, Übertragbarkeit und krankmachender Wirkung bei Haus- und Nutztieren ist bis dato nichts bekannt. Eine jüngst publizierte, jedoch noch nicht wissenschaftlich überprüfte Studie aus Großbritannien erwägt die Möglichkeit eines Zusammenhanges der Ausbreitung von B.1.1.7 mit dem gehäuften Auftreten eines bis dato nicht mit SARS-CoV-2 bei Tieren in Verbindung gebrachten Krankheitsbildes (Herzmuskelentzündung) bei Hunden und Katzen. Jedoch argumentiert die Studie hauptsächlich mit der zeitlichen Übereinstimmung, während die tatsächlichen virologischen und serologischen Nachweise der Infektion bisher wenig überzeugend sind. Zudem ist die Häufigkeit der beobachteten Herzmuskelentzündungen mittlerweile wieder auf Normalniveau zurückgekehrt, während die B.1.1.7 Variante in Großbritannien nach wie vor dominant ist.

Das Risiko für Menschen, sich über ein SARS-CoV-2 positives Haustier zu infizieren, kann anhand der bisherigen Erkenntnisse im Vergleich mit dem Infektionspotential von Mensch zu Mensch unverändert als sehr gering eingeschätzt werden.

Weiterführende Informationen:

https://www.oie.int/en/scientific-expertise/specific-information-and-recommendations/questions-and-answers-on-2019novel-coronavirus/

https://wsava.org/news/highlighted-news/the-new-coronavirus-and-companion-animals-advice-for-wsava-members/

https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/coronavirus/

Diagnostik

Virologische Befunde:

Die für den Nachweis von SARS-CoV-2 RNA verwendete Methode (RT-PCR) ist hochsensitiv und in der Lage, auch sehr geringe Spuren (wenige Genomkopien) von SARS-CoV-2 nachzuweisen. Mittels RT-PCR werden nur Genomabschnitte des Virus nachgewiesen. Ob das Virus infektiös ist, kann daher nicht beurteilt werden. Es ist weiters davon auszugehen, dass Wohnungen von SARS-CoV-2 infizierten Personen mit dem Virus kontaminiert sind. Daher ist es denkbar, dass eng mit dem Menschen zusammenlebende Haustiere wie Hunde bzw. Katzen das Virus auch passiv aufnehmen, ohne sich zu infizieren. Der alleinige Nachweis in der RT-PCR ist deshalb (vor allem bei Vorliegen später CT-Werte > 30) nicht ausreichend, um eine tatsächliche Infektion sicher nachzuweisen.

Eine erfolgreiche Virusisolation zeigt die Anwesenheit von infektionsfähigem Virus in der Probe an und kann somit je nach Probenart (z. B. bei Tupferproben) einen Hinweis auf eine Virusausscheidung geben.

Serologische Befunde:

Grundsätzlich deutet der Nachweis von spezifischen Antikörpern bei Tieren auf eine vorangegangene, produktive Infektion mit SARS-CoV-2 hin. Allerdings muss bei jedem Antikörpertest die Möglichkeit einer Kreuzreaktion mit ähnlichen Viren bedacht werden, da es ein großes Spektrum von Coronaviren, die Haustiere infizieren können, gibt. Die Eignung und sorgfältige Auswahl des jeweils verwendeten serologischen Testsystems kann daher große Auswirkungen auf die Ergebnisse haben und sollte kritisch beurteilt werden. Als Goldstandard gilt hier der Serumneutralisationstest, bei dem die Fähigkeit spezifischer Antikörper im Patientenserum untersucht wird, die Infektion von Zellkulturen durch SARS-CoV-2 zu unterbinden.

Fachinformation für TierärztInnen zur Probeneinsendung

Virologische Nachweisverfahren:

Nachweis von SARS-CoV-2 RNA mit RT-PCR (Goldstandard): Nasentupfer, Oropharyngealtupfer oder Rektaltupfer in kommerziell erhältlichem viralen oder universalen Transportmedium, oder in steriler Kochsalzlösung. Probennahme zum Zeitpunkt des Bestehens der Symptome. Befunderledigung innerhalb von 2-3 Werktagen.

Virusisolation: Probenmaterial und Probennahmezeitpunkt siehe PCR; für die Virusisolierung ist kommerziell erhältliches virales oder universales Transportmedium vorteilhaft. Befunderledigung innerhalb von 7-10 Werktagen.

Serologische Nachweisverfahren:

Serumneutralisationstest (Goldstandard): Nachweis von virusneutralisierenden Antikörpern im Serum. Probenmaterial Vollblut oder Serum. Probennahme nach Abklingen der Symptomatik oder ergänzend zu einem virologischen Verfahren (s. o.) bei bestehender Symptomatik. Befunderledigung innerhalb von 5-7 Werktagen.

Multispezies-ELISA: Probenmaterial und Probennahmezeitpunkt siehe Serumneutralisationstest. Befunderledigung innerhalb von 2-3 Werktagen.

Die Proben können in allen Fällen gekühlt (vorteilhaft vor allem für Virusisolierung) oder auf Raumtemperatur versandt werden.

Versand unter Berücksichtigung der geltenden Verpackungsvorschriften als UN3373 gekennzeichnete Sendung an AGES, Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling, Robert Koch Gasse 17, 2340 Mödling.

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