Fragen und Antworten zur Gentechnik

Zuletzt geändert: 24.02.2016

Häufige Fragen & Antworten

Was sind die wichtigsten Aufgaben der AGES hinsichtlich GVO?

Was sind die wichtigsten Aufgaben der AGES hinsichtlich GVO?

Das Hauptaugenmerk der Arbeit in der AGES liegt in der Abschätzung und Abklärung möglicher negativer Auswirkungen gentechnisch veränderter Organismen (GVO) auf die Gesundheit von Tier und Mensch. Weitere wichtige Aufgaben sind die Sicherstellung der Gentechnikfreiheit im Saatgutbereich, die Bearbeitung von Fragen zur Koexistenz sowie die Kontrolle im Bereich Lebensmittel und Futtermittel.

Um diese Aufgaben zu erfüllen betreibt die AGES Risikobewertung und Sicherheitsforschung. Die AGES ist maßgeblich an der wissenschaftliche Bewertung von GVO-Zulassungsdokumenten im Rahmen des EU-Zulassungsprozesses beteiligt. Ihre Expertinnen und Experten stehen im laufenden Wissensaustausch mit nationalen und internationalen Fachleuten und Behörden, wie etwa dem "GMO-Panel" der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Die AGES verfasst Stellungnahmen und berät das Gesundheits- und Landwirtschaftministeriums in Fragen der Gentechnik. Für den Nachweis von GVO werden in der AGES modernste Real Time PCR-Analysemethoden eingesetzt.

Was bedeutet Gentechnik? Was ist ein GVO?

Was bedeutet Gentechnik? Was ist ein GVO?

"Gentechnik" bezeichnet jenen wissenschaftlichen Fachbereich, der sich mit der zielgerichteten Manipulation der Erbsubstanz in Organismen beschäftigt. Sie ist ein Teilbereich der Biotechnologie. Das Produkt der Anwendung der Gentechnik ist ein GVO.

"GVO" steht für "gentechnisch veränderter Organismus" (englisch: "Genetically Modified Organism" (GMO)). Ein GVO ist ein Organismus, dessen Erbgut gezielt in einer Art verändert wird, wie es in der Natur nicht vorkommt. GVOs besitzen also "transgene Merkmale", sie werden daher auch als "transgene Organismen" bezeichnet.

Den Hauptanteil der GVO bilden gentechnisch veränderte Mikroorganismen, aber auch Pflanzen oder Tiere können das Ziel gentechnischer Veränderung sein.

Warum werden Organismen gentechnisch verändert?

Warum werden Organismen gentechnisch verändert?

GVO können zielgerichtet für spezielle Prozesse und Produktionsschritte konstruiert und angepasst werden. Im Gegensatz zu natürlichen oder konventionell gezüchteten Organismen besitzen GVO Merkmale, die in vielen Bereich (z. B. Industrie, Medizin, Forschung) einen Vorteil bieten. Den Hauptanteil bilden gentechnisch veränderte Bakterien und Pilze, aber auch gentechnisch veränderte Pflanzen werden kommerziell genutzt.

Die Mehrzahl der am Markt befindlichen gentechnisch veränderten Pflanzen bietet Vorteile im Bereich Landwirtschaft, denn sie besitzen Resistenzen gegen Schädlinge oder sind gegen Herbizide unempfindlich.

Gentechnisch veränderter Tiere werden vor allem zu Versuchszwecken eingesetzt. Es gibt auch schon Forschungsansätze für Freisetzungen (z. B. das Eindämmen von durch Stechmücken übertragenen Infektionskrankheiten wie Malaria oder Denguefieber).

In welchen Bereichen wird Gentechnik angewandt und worin liegen die Unterschiede?

In welchen Bereichen wird Gentechnik angewandt und worin liegen die Unterschiede?

Man unterscheidet weiße, rote, graue und grüne Biotechnologie (bzw. Gentechnik).

Die weiße Biotechnologie betrifft industrielle Anwendungen: Nutzung von biologischen Prozessen zur Erzeugung von industriellen Erzeugnissen.

Die rote Biotechnologie betrifft medizinische Anwendungen: Etwa die Diagnose einer Erkrankung mittels Genanalyse, die somatische Gentherapie oder auch die Erzeugung von Medikamenten mit Hilfe gentechnischer Verfahren.

Die graue Biotechnologie betrifft umweltbezogene Anwendung: Nutzung von biologischen Prozessen für Bodensanierung, Abfallentsorgung oder Abwasseraufbereitung.

Die grüne Biotechnologie betrifft Anwendungen im Bereich der Pflanzen: Nutzung pflanzlicher Inhaltsstoffe für technologische Zwecke oder die Verwendung und Verwertung und gentechnisch veränderter Pflanzen.

Eine klare Abgrenzung zwischen den einzelnen Bereichen ist allerdings nicht immer möglich.
Des Weiteren kann man zwischen Anwendungen im "geschlossenen Bereich" und der "Freisetzung" von GVO unterscheiden. Fast alle Anwendungen mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen finden im geschlossenen Bereich statt. Hierbei wird durch Sicherheitsmaßnahmen gewährleistet, dass keine GVO in die Umwelt gelangen können.
Kommerzielle Anwendungen im Bereich der Grünen Gentechnik sind hingegen fast immer Freisetzungen, da Pflanzen auf Feldern angebaut werden und Pflanzenmaterial als Rohstoff für industrielle Erzeugnisse (z. B. Futtermittel, Lebensmittel) Verwendung findet.

Was bedeutet Freisetzung und was Inverkehrbringen von GVO?

Was bedeutet Freisetzung und was Inverkehrbringen von GVO?

Unter "Freisetzung" von GVO versteht man definitionsgemäß das wissentliche Ausbringen von GVO in die Umwelt zu Entwicklungs- und Versuchszwecken, z. B. Feldtests mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu Forschungszwecken.

Das "Inverkehrbringen" ist auch eine Form der Freisetzung. Es bedeutet definitionsgemäß die Bereitstellung von GVO als Produkt oder in Produkten für Dritte. Gemeint ist damit der Verkauf oder die Weitergabe von Produkten, die GVO enthalten oder aus GVO bestehen. Solche Produkte können Lebensmittel und Futtermittel sein, aber auch Saatgut oder anderes (nicht vermehrungsfähiges) Pflanzenmaterial.

Warum werden Pflanzen gentechnisch verändert?

Warum werden Pflanzen gentechnisch verändert?

Die wichtigsten Ziele, die im Rahmen der Grünen Gentechnik verfolgt werden:

  • Toleranz gegen Herbizide
  • Resistenz gegen Schädlinge (z. B. Insekten)
  • Resistenz gegen Krankheiten (z. B. Pilze, Viren)
  • Stresstoleranz (Kälte-, Dürre-, Salztoleranz)
  • Anreicherung von Inhaltsstoffen (z. B. Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe)
  • Veränderung von Inhaltsstoffen (z. B. Amylose-reduzierte Stärke, Lignin-reduziertes Holz)
  • Eliminierung unerwünschter Stoffe (z. B. Alkaloide)
  • Produktion industrieller Rohstoffe (z. B. Biokunststoffe)
  • Längere Lagerfähigkeit durch Reifeverzögerung
  • Biologische Sanierung von Böden
  • Veränderung der Blütenfarbe

Was sind Stacked Events?

Was sind Stacked Events?

Werden in gentechnisch veränderten Pflanzen mehrere transgene Merkmale "gestapelt", spricht man von sogenannten "Stacked Events". In der Regel geschieht dies durch konventionelle Kreuzung zweier gentechnisch veränderter Pflanzen.

Für die Zulassung eines Stacked Events gelten ähnliche Kriterien wie für "Single Events". Bevor ein Stacked Event zugelassen wird, muss die Risikobewertung jedes involvierten Single Events abgeschlossen sein. Das Hauptaugenmerk der Risikobewertung des Stacked Events liegt auf der Abschätzung möglicher negativer Effekte ausgelöst durch das Zusammenwirken der einzelnen transgenen Merkmale.

Welche gentechnisch veränderten Pflanzen sind in der EU zugelassen?

Welche gentechnisch veränderten Pflanzen sind in der EU zugelassen?

Zum Zwecke des Inverkehrbringens gibt es derzeit in der EU Zulassungen im Bereich folgender Pflanzenarten: Mais, Sojabohne, Raps, Baumwolle, Zuckerrübe, Nelken. Zu Anbauzwecken ist derzeit in der EU nur ein einziger GVO (Mais MON810) zugelassen.

Wie funktioniert der GVO-Zulassungsprozess in der EU?

Wie funktioniert der GVO-Zulassungsprozess in der EU?

Der GVO-Zulassungsprozess ist für alle 28 Mitgliedstaaten der EU einheitlich geregelt: Zulassungsanträge werden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einer Risikobewertung unterzogen. Die Mitgliedstaaten können im Rahmen dieser Überprüfung ebenfalls in alle Unterlagen Einsicht nehmen und eine Stellungnahme übermitteln.

Auf Basis der Ergebnisse der Risikobewertung durch die EFSA und der Stellungnahmen der Mitgliedstaaten formuliert die Europäische Kommission dann einen Vorschlag für eine Entscheidung zu einer Zulassung oder Nicht-Zulassung. Diese Entscheidung wird im Ständigen Ausschuss diskutiert und abgestimmt. Kommt es zu keinem Konsens, entscheidet in letzter Instanz die Europäische Kommission.

Was wird gekennzeichnet?

Was wird gekennzeichnet?

Lebensmittel, die zugelassene GVO enthalten, aus zugelassenen GVO hergestellt werden oder Zutaten enthalten, die aus zugelassenen GVO hergestellt werden, müssen als „genetisch verändert“ gekennzeichnet werden. Nicht kennzeichnungspflichtig sind GVO mit einem Anteil unter 0,9 %, sofern diese Spuren zufällig oder technisch nicht zu vermeiden sind. Eine eindeutige Kennzeichnung ist unabhängig davon, ob man DNA oder Proteine aufgrund der genetischen Veränderung im Endprodukt nachweisen kann. Bei nicht in der EU zugelassenen GVO gilt "Nulltoleranz", d. h. wird ein nicht zugelassener GVO nachgewiesen, sind die betreffenden Lieferungen oder Produkte grundsätzlich nicht verkehrsfähig. Einzige Ausnahme sind bereits risikobewertete GVO in Futtermitteln, für die eine Toleranz von 0,1 % gilt. Kennzeichnungspflicht besteht auch für GV-Futtermittel und Saatgut von GV-Sorten.

Welche Merkmale haben GV-Pflanzen?

Welche Merkmale haben GV-Pflanzen?

Derzeit in der EU zugelassene gentechnisch veränderte Pflanzen besitzen in der Regel eine oder mehrere der unten angeführten Merkmale:

  • Herbizidtoleranz (erzeugt Unempfindlichkeit gegen bestimmte Herbizide)
  • Resistenz gegen Insektenschädlinge (ein Toxin wirkt gegen bestimmte Pflanzenschädlinge)
  • Pollensterilität (zur Vereinfachung der Pflanzenzüchtung)
  • verbesserte industrielle Verwertung (bringt Vorteile für die Weiterverarbeitung)
  • veränderte Blütenfarbe (Zierzwecke)
  • Markergene (dienen während der Entwicklung des GVOs im Labor zur Selektion von transformierten Pflanzenzellen)
  • verbesserter Nährwert

Zurzeit wird in den Forschungslabors an gentechnisch veränderten Pflanzen mit folgenden Eigenschaften gearbeitet:

  • Virus-, Pilz-, Fadenwurm-, Bakterienresistenz
  • Toleranz gegen Trockenheit, Kälte, Salzgehalt und Nährstoffmangel
  • verzögerte Reife
  • Eliminierung unerwünschter Inhaltsstoffe
  • Herstellung therapeutisch wirksamer Substanzen
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