Koexistenz

Zuletzt geändert: 03.04.2017

Unter dem Begriff "Koexistenz" versteht man die Wahlfreiheit der Landwirte zwischen konventioneller bzw. ökologischer Landwirtschaft und dem Anbau genetisch veränderter Pflanzen. Geeignete Koexistenzstrategien sollen die Möglichkeit der Anwendung unterschiedlicher landwirtschaftlicher Systeme nachhaltig gewährleisten.

In der EU ist neben konventioneller und biologischer Landwirtschaft auch der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen nach entsprechender Zulassung grundsätzlich möglich. Der tatsächliche Anbau ist in Österreich aufgrund nationaler Verordnungen verboten. Wirksame Koexistenzmaßnahmen sind jedoch für die gesamte Produktionskette – in der Saatguterzeugung, der landwirtschaftlichen Erzeugung bis hin zu den Prozessen zur Herstellung von Futtermitteln und Lebensmitteln – wichtig, um Gentechnikfreiheit gewährleisten zu können.

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Unter dem Begriff "Koexistenz" versteht man die Wahlfreiheit der Landwirte zwischen konventioneller bzw. ökologischer Landwirtschaft und dem Anbau genetisch veränderter Pflanzen. Geeignete Koexistenzstrategien sollen die Möglichkeit der Anwendung unterschiedlicher landwirtschaftlicher Systeme nachhaltig gewährleisten.

In der EU ist neben konventioneller und biologischer Landwirtschaft auch der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen nach entsprechender Zulassung grundsätzlich möglich. Der tatsächliche Anbau ist in Österreich aufgrund nationaler Verordnungen verboten. Wirksame Koexistenzmaßnahmen sind jedoch für die gesamte Produktionskette – in der Saatguterzeugung, der landwirtschaftlichen Erzeugung bis hin zu den Prozessen zur Herstellung von Futtermitteln und Lebensmitteln – wichtig, um Gentechnikfreiheit gewährleisten zu können.

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Beiträge der AGES zu Koexistenzfragen

Beiträge der AGES zu Koexistenzfragen

Europäisches Büro für Koexistenz

Das Europäische Büro für Koexistenz (European Coexistence Bureau, ECoB) wurde gemeinsam von der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung und der Gemeinsame Forschungsstelle (JRC) der Europäischen Kommission am Institut für Technologische Zukunftsforschung (IPTS) in Sevilla eingerichtet. Seit 2008 werden hier Praxisleitfäden ("Best-Practice-Dokumente") für geeignete Koexistenzmaßnahmen und Möglichkeiten für technische Trennungsvorkehrungen für unterschiedliche Kulturpflanzen (Mais, Sojabohne, Baumwolle, Kartoffel) erarbeitet. Diese Praxisleitfäden stellen von den Mitgliedstaaten allgemein anerkannte Dokumente dar, die ausreichend Möglichkeiten bieten sollen, um regionale und lokale Faktoren zur Koexistenz berücksichtigen zu können. Ziel ist es, die Mitgliedstaaten bei der Entwicklung oder Verbesserung der nationalen oder regionalen Koexistenzstrategien zu unterstützen.

Am Austausch technisch-wissenschaftlicher Informationen zu guter landwirtschaftlicher Praxis in den einzelnen Mitgliedstaaten und an der Erarbeitung dieser Dokumente ist auch die AGES beteiligt. Das ECoB veröffentlicht laufend "Best-Practice-Dokumente" zur Koexistenz von genetisch veränderten Pflanzen mit konventioneller und biologischer Landwirtschaft (z. B. Koexistenz in der Mais- und Sojaproduktion, Monitoringeffizienz von Koexistenzmaßnahmen in der Maisproduktion und Koexistenz von genetisch verändertem Mais und Honigproduktion) unter Mitarbeit der AGES (Technische Arbeitsgruppe Mais: Charlotte Leonhardt; Technische Arbeitsgruppe Sojabohne: Alexandra Ribarits).

National und bilateral

In Österreich hat sich die AGES in einer Expertengruppe bestehend aus Vertretern der Bundesländer, der Landwirtschaftskammern, der PRÄKO und des BMLFUW sowie in der erweiterten Gruppe unter Einbeziehung der Züchter, der Saatgutwirtschaft und der aufnehmenden Hand an der Erarbeitung von Empfehlungen für eine österreichische Koexistenzstrategie beteiligt.

In den vergangenen Jahren gab es auch eine italienisch-österreichische Zusammenarbeit von Vertretern Südtirols (Abteilung Landwirtschaft der Autonomen Provinz Bozen), der Toskana und des Piemonts zur Entwicklung eines Koexistenzplans für landwirtschaftliche Kulturen. Die vergleichbaren Agrarstrukturen und Ähnlichkeiten in den klimatischen Gegebenheiten und Rahmenbedingungen machen einen intensiven fachlichen Austausch mit den Nachbarländern möglich.

Maisanbau

Koexistenz im Maisanbau

Die AGES hat zwei Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur durchgeführt, um die Fremdbefruchtungsrate in Maiskulturen in den Hauptanbaugebieten Österreichs zu untersuchen. Dabei wurden in Feldversuchen sowohl die Bedingungen bei der Maissaatgutproduktion als auch jene bei der Konsummaisproduktion in vier Klimagebieten berücksichtigt.

Im ersten Projekt lag der Schwerpunkt auf der Saatgutproduktion, im zweiten auf dem üblichen Hybridmaisanbau unter Berücksichtigung einer möglichen Ausgangsverunreinigung des Saatguts. Die für die Koexistenz wesentlichen Mindestentfernungen bei Mais konnten so wissenschaftlich überprüft werden.

Die vorhandene Pollenmenge bei konventioneller Hybridmaisproduktion bietet Schutz vor unerwünschter Fremdbefruchtung. Der Einfluss von benachbarten Feldern ist geringer als bei der Saatmaisproduktion. Im Gegensatz dazu sind entfahnte Inzuchtlinien besonders empfänglich für Pollen.

Im ersten Versuchsansatz wurde die maximal mögliche Fremdbefruchtung durch externe Pollenspender nach Entfahnung (Entfernung der Rispe, Kastration der Empfängerflächen) festgestellt und eine erfolgreiche Befruchtung auf Basis des Kornansatzes analysiert. Das entsprach dem Worst-Case-Szenario einer Hybridmais-Saatguterzeugung und zeigte abhängig von der Entfernung hohes Potential für einen unerwünschten Gentransfer auf. Der zweite Versuchsansatz basierte auf nicht entfahnten Wachsmaisbeständen, in denen der Fremdpolleneintrag aus angrenzenden Gelbmaisflächen mit Hilfe eines Jodtests überprüft wurde. Damit konnten reale österreichische Anbaubedingungen abgebildet werden.

Zusätzlich wurde durch die künstliche Beimpfung eines Teils des Ausgangssaatgutes der Einfluss einer Ausgangsverunreinigung von 0,5 % geprüft. Bei allen beimpften Flächen lag nach Anpassung der Werte auf DNA-Quantifizierungsniveau die Fremdbefruchtungsrate über dem EU Kennzeichnungsschwellenwert von 0,9 %. Dagegen war auf 55 % der nicht beimpften Flächen dieser Wert kleiner oder gleich 0,9 %, das Erntegut wäre somit nicht kennzeichnungspflichtig gewesen Es zeigte sich auch, dass die Steuerung der Auskreuzungsrate über den Blühverlauf durch Anbauterminverzögerungen und Sortenwahl in unseren Klimaten und Strukturen keine geeignete Maßnahme ist.

Die beiden Studien "Untersuchungen zur Fremdbefruchtungsrate in Maiskulturen unter Berücksichtigung der Umwelten in den Hauptanbaugebieten Österreichs" wurden 2006 bzw. 2008 fertig gestellt.

Feststellung der maximalen Fremdbefruchtungsrate in Maiskonsumflächen unter Berücksichtigung der Umwelten in den Hauptanbaugebieten Österreichs – Veröffentlichung Juli 2006 (ISBN-13: 978-3-200-00627-0)

Untersuchungen zur Fremdbefruchtungsrate in Maiskulturen unter Berücksichtigung der Umwelten in den Hauptanbaugebieten Österreichs – Veröffentlichung Juni 2008 (ISBN: 978-3-200-01213-4)

Saatgut

Koexistenz in der Saatgutproduktion

Die AGES-Studie zur Koexistenz in der Saatgutproduktion beleuchtet anhand der genetischen Qualität von Saat- und Pflanzgut die Produktionsbedingungen für Saatgut in Österreich sowie Kriterien, Parameter bzw. Einflussgrößen, welche zur Vermeidung einer GVO-Verunreinigung in der Saatgutproduktion bekannt sind. Sie werden im Kontext mit der Koexistenz von konventioneller Landwirtschaft mit oder ohne GVO und biologischer Landwirtschaft gegenübergestellt und bewertet. Es werden jene botanischen Arten betrachtet, bei welchen GVO weltweit relevant sind und bei welchen in Österreich auch Saatgut erzeugt wird.

Saatgut ist das zentrale und strategisch bedeutende Betriebsmittel in der Landwirtschaft und spielt eine besondere Rolle in einer erfolgreichen biologischen Landwirtschaft. Es bestimmt maßgeblich Menge, Qualität und Sicherheit von Erntegut zur Erzeugung von Futter- und Lebensmitteln. Daher gibt es – auch unabhängig von GVO – umfassende Regelungen zur Feststellung, Bewertung und Vermeidung von genetischen Verunreinigungen (Sortenechtheit und Sortenreinheit) in Saatgut. Die Saatgutzertifizierung ist dazu geeignet, Grenzwerte zu genetischen Verunreinigungen über mehrere Generationen einzuhalten.

Das Qualitätssystem Saatgut umfasst vom Ausgangsmaterial bis hin zur Kennzeichnung des Produkts umfangreiche Maßnahmen, "Kontrollpunkte" und Systemüberwachung, und ermöglicht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit. Mais, Raps und Zuckerrübe erfordern bereits im Anbau besondere Beachtung bis hin zu einer weitgehenden geographischen Abgrenzung, während Sojabohne und Kartoffel aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften im Anbau nicht so kritisch sind. Für alle ist jedoch zur Vermeidung einer ungewollten Verunreinigung und einer damit verbundenen möglichen Kennzeichnungspflicht als GVO die Einrichtung geschlossener Produktionsprozesse zu empfehlen.

Die Produktion von Saatgut in abgegrenzten Erzeugungsprozessen zur Vermeidung einer Verunreinigung mit Gentechnisch Veränderten Organismen im Kontext mit der Koexistenz von konventioneller Landwirtschaft mit oder ohne GVO und ökologischer Landwirtschaft – Veröffentlichung Mai 2004 ISBN: 3-200-00137-2

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