Monitoring von Vektoren in der Veterinär- und Humanmedizin

Die AGES führt seit 2011 ein Gelsen-Monitoring in Österreich durch, um die Ausbreitung exotischer Stechmücken und neuer Krankheitserreger zu überwachen. Seit zehn Jahren treten Stechmücken (Culicidae, Gelsen) als potentielle Überträger von für Mensch und Tier krankmachende Viren nördlich des Mittelmeerraums vermehrt in Erscheinung. Klimawandel, Reisen  und weltweiter Handel gelten als Ursache der Ausbreitung von Gelsen-Populationen im Übergangsbereich von Südost- und Mitteleuropa, insbesondere entlang der großen Wasserstraßen wie z.B. der Donau. Es gilt, sich auf dieses Szenario vorzubereiten, und geeignete Methoden und Maßnahmen der Prävention zu entwickeln.

Vektoren im humanmedizinischen Bereich

Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) misst den durch Stechmücken übertragenen Krankheiten große Bedeutung zu. 2012 werden daher eigene "Mosquito guidelines" ausgearbeitet. Damit sollen die EU-Mitgliedsstaaten bei der Erstellung von Überwachungsprogrammen unterstützt und deren Datenmeldung harmonisiert werden. Hintergrund für diese Maßnahme sind in Europa erworbene, also nicht nach einer Reise aufgetretenen, Fälle von Dengue- und Chikungunya-Fieber in Gegenden in Europa, wo die Vektoren (=Überträger) Aedes albopictus  bereits nachgewiesen wurden. Ziel ist es, die europaweite Überwachung exotischer Stechmückenarten wie Aedes albopictus, Aedes aegypti, Aedes atropalpus, Aedes japonicus, Aedes koreicus und Aedes triseriatus zu verstärken.

Vektoren im veterinärmedizinischen Bereich

Bereits im Zuge der "Bluetongue Überwachung Österreich 2007-2010" wurden in Kooperation mit dem  Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und dem Naturhistorischen Museum Wien (NHM) eine Gnitzenzählung durchgeführt, mit dem Ziel, Bluetongue-Erkrankungen (BT) eine bei Rind, Schaf und Ziegen auftretende Viruserkrankung, frühzeitig zu erkennen und das Auftreten der die Krankheit übertragenden Insekten wissenschaftlich zu erfassen. Die Blauzungenkrankheit ist eine Tierseuche, die bis zu einem BT-Ausbruch (2006 in den Niederlanden und später in weiten Teilen Europas sowie in Folge auch in Österreich) nur in südlichen Ländern von Bedeutung war. Durch diese Erhebung finden sich zahlreiche Belege für das Auffinden bisher in Österreich nicht heimischer Stechmücken und Gnitzen. Durch veterinärmedizinische Maßnahmen gilt Österreich seit März 2011 wieder als BT-frei (siehe Endbericht). Ende 2011 ist mit dem Schmallenberg-Virus, das für schwere Fehlbildungen bei Lämmern, Kälbern und Zicklein verantwortlich ist, eine weitere von Gelsen übertragene Tiererkrankung in Europa neu aufgetaucht. Beide Virusinfektionen sind für den Menschen ohne Krankheitsbedeutung.

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