Hülsenfrucht des Monats Oktober: Kichererbse

Zuletzt geändert: 10.10.2016

Weltweit gibt es 43 Cicer-Arten. Bei Cicer arietinum handelt es sich um eine mediterrane Kulturpflanze, die bei uns nur selten kultiviert wird. Laut Statistik Austria stieg in Österreich der Anbau von Linsen, Kichererbsen und Wicken von 2014 (2.067 ha) auf 2015 (2.225 ha) um 11 %. Die Hauptanbaugebiete liegen hier im wärmeren Niederösterreich und Burgenland.
Kichererbsen werden hauptsächlich in Indien, Pakistan und Burma, aber auch im Mittelmeerraum (Türkei, Syrien, Nordafrika, Spanien) angebaut.

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Weltweit gibt es 43 Cicer-Arten. Bei Cicer arietinum handelt es sich um eine mediterrane Kulturpflanze, die bei uns nur selten kultiviert wird. Laut Statistik Austria stieg in Österreich der Anbau von Linsen, Kichererbsen und Wicken von 2014 (2.067 ha) auf 2015 (2.225 ha) um 11 %. Die Hauptanbaugebiete liegen hier im wärmeren Niederösterreich und Burgenland.
Kichererbsen werden hauptsächlich in Indien, Pakistan und Burma, aber auch im Mittelmeerraum (Türkei, Syrien, Nordafrika, Spanien) angebaut.

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Botanik

Die Kichererbse, Cicer arietinum L., gehört zur Familie der Fabaceae/ Leguminosae, zu Deutsch Schmetterlingsblütler bzw. Hülsenfrüchtler.

Die einjährige, krautige Pflanze kann bis zu einem Meter hoch werden. Der aufrechte bis liegende, vierkantige Stängel verzweigt sich meist schon von unten her. Er ist, wie auch die Blätter, blaugrün bis graugrün gefärbt.

Die wechselständig am Stängel angeordneten Blätter sind unpaarig gefiedert und am Grunde mit zwei- bis fünfspitzigen Nebenblättern versehen. Die einzelnen Blättchen sind verkehrt-eiförmig, sieben bis zehn Zentimeter lang, im oberen Teil stark gesägt und mit klebrigen Drüsenhaaren besetzt.

Die zehn bis zwölf Millimeter großen Schmetterlingsblüten stehen einzeln in den Blattachseln und sind weiß, rosa bis violett gefärbt. Kichererbsen sind grundsätzlich Selbstbefruchter, wobei vereinzelt durch Insektenflug auch Fremdbefruchtung vorkommt.

Die aufgeblasene, nickende Hülsenfrucht enthält ein bis zwei ungleiche Samen, welche hellbraun, beige, rot, braun oder schwarz sein können. Sie sind unregelmäßig rundlich kantig geformt und etwa haselnussgroß. Hierzulande kennt man hauptsächlich die größeren beige-gelblichen Kichererbsensamen, da die kleineren und dunkleren im europäischen Raum nicht so verbreitet sind. 

Inhaltsstoffe

Ihr hoher Eiweiß- und Eisengehalt macht Kichererbsen besonders für Menschen, die auf Fleisch verzichten, interessant. Sie enthalten essentielle Aminosäuren u. a. Lysin. Sie sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen wie Vitamin A, E, B1, B6, Folsäure sowie Eisen, Magnesium, Zink und Mangan. Ihre hohen Mengen an Ballaststoffen regen zudem die Verdauung an.

Auch antioxidativ wirkende Flavonoide und Phenolsäuren machen die Kichererbse zu einem wertvollem Nahrungsmittel. Im rohen Zustand enthalten Kichererbsen, wie alle Hülsenfrüchte, unverdauliches Phasin, das beim Kochen zerstört und unschädlich gemacht wird.

Verwendung einst und heute

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Kirchererbse (Martinus Houttuyn 1796)

Kichererbsen sind schon lange ein beliebtes und nahrhaftes Nahrungsmittel. Die runzligen Hülsenfrüchte sollen schon vor 8.000 bis 10.000 Jahren in Kleinasien kultiviert worden sein. Von dort aus traten sie ihren Siegeszug nach Indien und in die Mittelmeerregion an. Im Mittelalter war die Kichererbse (Cicer arietinum) auch bei uns als Nahrungsmittel und Heilpflanze geläufig.

Heute bekommt man sie entweder getrocknet oder vorgekocht in Dosen und Gläsern. Die getrockneten Kichererbsen müssen vor dem Kochen mindestens zwölf Stunden, am besten über Nacht, in Wasser eingeweicht werden. Die Garzeit schwankt je nach Größe und Verwendung zwischen 30 und 120 Minuten. Dank ihres nussigen Geschmacks sind sie wunderbar geeignet für Eintöpfe, Salate oder Suppen. Orientalische Gerichte wie Falafel (Kichererbsenbällchen) oder Hummus (Aufstrich aus pürierten Kichererbsen) werden auch bei uns immer beliebter. Daneben wird das Kichererbsenmehl als Basis für Brot, Pizzateig oder süße Backwaren verwendet. In Indien macht man Pakoras, mit Gemüse gefüllte Teigtaschen, aus dem sogenannten "Besan", einem Kichererbsenmehl. In Indien werden die Kichererbsensamen auch als Körnerfutter für Pferde genutzt.

Landwirtschaftliche Aspekte

Kichererbsen gedeihen am besten in warmen und sonnigen Klimagebieten mit einer guten Niederschlagsverteilung während der Vegetationsperiode. Die minimale Keimtemperatur liegt bei 5 °C, das Optimum bei 25 °C. Sie ist zwar frostempfindlich, aber dafür dürrefest und leidet eher unter übermäßiger Nässe. Kichererbsen sind somit die ideale Körnerhülsenfrucht des ariden Klimas. Wegen ihrer geringeren Bodenansprüche und der höheren Dürreresistenz tritt sie in südlichen Breiten vielfach an die Stelle der Trockenspeiseerbse.

Die Pflanzen bevorzugen kalkreiche sandige Lehmböden und wachsen auch auf kargen, trockenen Böden, wo andere Kulturen auf Grund von Nährstoffmangel versagen. Bindigen Lehm- und Tonböden erwiesen sich hingegen als ungünstig.

Gesät wird meist Mitte bis Ende Mai, wenn keine Frostgefahr mehr besteht und zwar 5-8 cm tief, in einem Reihenabstand von 30-35 cm.

Zu jeglichen anderen Hülsenfrüchten muss eine Anbaupause von mindestens fünf Jahren eingehalten werden (Leguminosenmüdigkeit). Selbst sind sie gute Vorfrüchte vor allem für schwach zehrendes Getreide.

Aufgrund der Stickstofffixierung der symbiontischen Knöllchenbakterien sind in der Regel keine Stickstoffgaben nötig. Bei zu sauren Böden sollte nach dem Räumen der Vorfrucht gekalkt werden (700-1200 kg/ha). Phosphordüngung als Tripel- und Superphosphat (ca. 70 kg/ha) wirkt sich positiv auf die Stickstoffbindung der Knöllchenbakterien aus. Außerdem sind die Kichererbsen wie die meisten Hülsenfrüchte kalibedürftig (ca. 80 kg/ha). Kalium verbessert die Wassereffizienz. Der mittlere Bedarf an Magnesium (ca. 20 kg/ha) kann mit magnesiumhaltigen Kalk oder Kaliumdünger zugeführt werden.

Die Ernte erfolgt von Ende August bis September. Da die Kichererbse sehr standfest ist und auch ihre Hülsen nicht so leicht platzen, kann mittels Mähdrusch geerntet werden.

Im Zeichen der Vielfalt

In der europäische Datenbank für genetische Ressourcen (http://eurisco.ipk-gatersleben.de) sind derzeit 8.650 Cicer arietinum-Akzessionen gelistet. Der Großteil wird in Genbanken in Russland, der Türkei und der Ukraine erhalten. Im Österreichischen Verzeichnis für genetische Ressourcen (Index Seminum) findet man drei Herkünfte von Cicer arietinum (www.genbank.at/nationales-verzeichnis.html).

Literatur

Literatur

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2014) Kichererbse Anbau und Verwertung: www.LfL.bayern.de

Becker-Dillingen J. (1956) Handbuch des gesamten Gemüsebaues, einschliesslich der Küchenkräuter. Verlagsbuchhandlung Paul Parey, Berlin.

Berendes J. (1902) Des Pedanios Dioskurides aus Anazarbos Arzneimittellehre in fünf Büchern. Übersetzt und mit Erklärungen versehen. Volltext; Digitalisat: http://www.pharmawiki.ch/materiamedica/

Fischer M. A., Oswald K., Adler W. (2008) Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. Auflage. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz.

Körber-Grohne U. (1994) Nutzpflanzen in Deutschland. Kulturgeschichte und Biologie. 3. Auflage. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart.

Lebensministerium (2006) Richtlinien für die sachgerechte Düngung. Anleitung zur Interpretation von Bodenuntersuchungsergebnissen in der Landwirtschaft. 6. Auflage: http://www.ages.at/fileadmin/AGES2015/Service/Landwirtschaft/Boden_Datein/Broschueren/SGD_6_Auflage.pdf

Statistik Austria (2015) Anbau auf dem Ackerland 2015: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/land_und_forstwirtschaft/agrarstruktur_flaechen_ertraege/bodennutzung/020291.html

http://bibd.uni-giessen.de/gdoc/2000/uni/p000003/kicherer.htm

www.genbank.at

www.naehrwertrechner.de

Pollenfotos siehe http://ponetweb.ages.at

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