Hülsenfrucht des Monats Dezember: Erdnuss

Zuletzt geändert: 16.12.2016
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Erdnuss (Köhler, 1987)

Die Gattung Arachis umfasst weltweit etwa 30 bis 40 Arten, die meist als Wildarten in Südamerika verbreitet sind. Die Ausgangseltern oder eine Wildform der kultivierten Erdnuss, Arachis hypogaea L., sind bisher nicht bekannt. Sie stammt aber ebenfalls aus Südamerika und wird heute vor allem in den Subtropen, Indien, China und den USA angebaut. Aufgrund der weniger günstigen Klimabedingungen hält sich der Anbau in Europa in Grenzen.

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Erdnuss (Köhler, 1987)

Die Gattung Arachis umfasst weltweit etwa 30 bis 40 Arten, die meist als Wildarten in Südamerika verbreitet sind. Die Ausgangseltern oder eine Wildform der kultivierten Erdnuss, Arachis hypogaea L., sind bisher nicht bekannt. Sie stammt aber ebenfalls aus Südamerika und wird heute vor allem in den Subtropen, Indien, China und den USA angebaut. Aufgrund der weniger günstigen Klimabedingungen hält sich der Anbau in Europa in Grenzen.

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Botanik

Bei der Erdnuss, Arachis hypogaea L. würde man die Zugehörigkeit zur Familie der Fabaceae/ Leguminosae oder Schmetterlingsblütler bzw. Hülsenfrüchtler, vielleicht nicht gleich vermuten. Betrachtet man sie genauer, ist das aber nicht mehr von der Hand zu weisen.
 
Die krautige Pflanze wächst mit einem ausgeprägten Pfahlwurzelsystem meist aufrecht 20 bis 50 cm hoch. Sie ist an der Basis stark verzweigt. Diese Seitentriebe können aufrecht, halbaufrecht oder kriechend sein. Die Stängel sind wechselständig beblättert.
Die Blätter sind familientypisch paarig gefiedert und setzten sich aus vier bis sechs länglich ovalen, ganzrandigen Blättchen zusammen. An der Blattbasis sitzen außerdem zwei mittelgroße, lanzettliche Nebenblätter.

Die klassischen Schmetterlingsblüten stehen einzeln oder zu mehreren in den Blattachseln. Sie sind mittelgroß und leuchtend gelb gefärbt. Die Erdnuss ist eine tagneutrale bis kurztagbeeinflusste Pflanze, das heißt sie beginnt zu blühen, wenn die Tage kürzer werden. Ihre Blüten öffnen sich morgens und verblühen, nach erfolgter Selbstbefruchtung, meist schon nach wenigen Stunden. Fremdbefruchtung durch Insekten kommt eher selten vor. Die Blühdauer einer Pflanze kann insgesamt ein bis zwei Monate betragen. Es bilden jedoch lediglich bis zu 20 % der 600 bis 1000 Blüten je Pflanze Früchte aus.
 
Die Entwicklung der Früchte nach der Befruchtung ist speziell. Die Basis des Fruchtknotens streckt sich zunächst und bildet einen nach unten (geotrop), in den Boden wachsenden Fruchtstiel (Karpophor) aus. An der Spitze dieses Karpophors entwickelt sich dann die klassische Erdnusshülse im Boden. Sie ist derb, stark genetzt und bildet ein bis vier Samen aus. Diese sind von einer rot, braun oder violett gefärbten dünnen Samenschale, die leicht abzulösen ist, umgeben.

Inhaltsstoffe

Wie alle Hülsenfrüchte zeichnet die Erdnuss ihr hoher Eiweißgehalt aus. Er liegt laut Souci zwischen  23-30 g/ 100 g Trockenmasse. Zudem hat die Erdnuss, wie die Sojabohne, einen hohen  Rohfettgehalt, er liegt bei etwa 48 %. Die Fettsäurezusammensetzung ist mit 40-62 % der einfach ungesättigten Ölsäure und 13-35 % der zweifach ungesättigten Linolsäure sehr gut. Außerdem beinhaltet diese "Nuss" B-Vitamine, Vitamin E, die Mineralstoffe Kalium, Magnesium und Phosphor sowie die Spurenelemente Eisen, Kupfer und Zink in für den Menschen bedeutenden Mengen.

Im Gegensatz zu den meisten Hülsenfrüchten hat das Eiweiß der Erdnuss einen relativ hohen Anteil an der schwefelhaltigen Aminosäure Cystein, so dass andere Leguminosenproteine mit Erdnussschrot oder -mehl aufgebessert werden können.

Verwendung einst und heute

Verwendung einst und heute

Durch ihren hohen Öl- und Eiweißgehalt ist die Erdnuss vielseitig nutzbar.

In den Anden soll diese Pflanze bereits seit über 3000 Jahren verwendet werden. Heute gilt sie vor allem in Afrika und anderen subtropischen Ländern als eine Grundnahrungspflanze. Hier wird sie, hauptsächlich zur menschlichen Ernährung, vielfältig zubereitet. Sie wird direkt geröstet oder frisch verzehrt. Erdnussmehl wird gemischt mit Weizen- oder Maniokmehl zu verschiedenen Speisen verarbeitet. Der Brei der bei der Ölgewinnung durch Kochen und Abschöpfen zurückbleibt gilt als schmack- und nahrhafte Speise. Auch süße Varianten zerkleinerter Erdnüsse mit Zucker oder Sirup und "Kaffee" aus gerösteten Erdnüssen ("Austria-Kaffee") kennt man hier.
 
In den USA wird seit etwa 100 Jahren die berühmte und beliebte Erdnussbutter hergestellt.
Die verschiedensten Erdnussknabbereien werden auf der ganzen Welt verzehrt. Sei es geröstet, mit und ohne Salz, oder süß in Form von kandierten Erdnüssen oder mit Schokolade überzogen etc.

Auch alkoholische Zubereitungen wie das "chicha de mani" aus Argentinien und Peru dürfen natürlich nicht fehlen. Die Rückstände aus der Ölgewinnung und der Nahrungsmittelherstellung werden als Futtermittel, dessen Rohprotein qualitativ dem Sojaeiweiß entspricht, genutzt.
Zudem dienen die rohfaserreichen Hülsen als Brennmaterial, zur Papierherstellung und zur Herstellung von Dämmplatten.

Landwirtschaftliche Aspekte

Die Erdnusspflanze stellt vor allem hohe Ansprüche an die Temperatur ihres Standortes. Für die Keimung benötigt sie 30 bis 34 °C, für ihre weitere Entwicklung 25 bis 30 °C. Liegen die Temperaturen jedoch über 35 °C treten Störungen in der Blütenbildung auf. Dies begrenzt ihren Anbau auf etwa 40° N und 35° S.

Die Ansprüche an die Wasserversorgung sind hingegen gering. Bei guter Niederschlagsverteilung und frühreifen Sorten reichen in der Vegetation 300 bis 500 mm aus. Auch die Ansprüche an den Boden sind nicht sonderlich hoch. Selbst schwere Böden sind für den Anbau geeignet, wenn sie keine Staunässe aufweisen und die Fruchtstiele in den Boden eindringen können.

Durch die lange Blütezeit kommt es zu einer ungleichmäßigen Abreifung, was die Ernte erschwert. Die Fruchterträge schwanken je nach Sorte und Anbaubedingungen zwischen 15 und 45 dt/ha.

Im Zeichen der Vielfalt

In der europäische Datenbank für genetische Ressourcen (http://eurisco.ipk-gatersleben.de) sind derzeit 1.193 Arachis hypogaea-Akzessionen gelistet, wobei diese hauptsächlich in Genbanken in Bulgarien (901) und Rumänien (121)  erhalten werden.

Literatur

Franke G. Hammer K., Hanelt P. (1977) Früchte der Erde. Urania Verlag, Leipzig, Jena, Berlin.

Köhler F.E. (1987) Köhlers Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen und kurz erläuterndem Texte: Atlas zur Pharmacopoea germanica. Band 2. Botanischer Verlag Franz Eugen Köhler [1883-1914], Gera-Untermhaus.

Lieberei R., Reisdorff Ch., Franke W. (2012) Nutzpflanzen. 8. Auflage. Thieme, Stuttgart/ New York.

Souci S.W., Fachmann W., Kraut H. (2008) Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwert-Tabellen. Medpharm Scientific Publishers, Stuttgart.

Würtenberger, O. (1917) Erdnuss (Arachis hypogaea), ihre Geschichte, geographische Verbreitung und wirtschaftliche Bedeutung. Hofbuchdruckerei von E. S. Mittler und Sohn.

www.genbank.at

www.naehrwertrechner.de

https://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2000/320/original/erdnuss.htm

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