Hülsenfrucht des Monats September: Linse

Zuletzt geändert: 24.10.2016
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Linsenpflanze mit Blüten und Hülsen

Weltweit gibt es nur sieben Linsen Arten, die Kultur-Linse, Lens culinaris Medik., die Wilde Linse, Lens ervoides (Brign.), Lens himalayensis Alef. (kommt nur in Indien vor), Lens kotschyana (Boiss.) Nab., Lens lamottei Czefr. (in Marokko, Frankreich und Spanien heimisch), Lens montbretii (Fischer & alli) P. Davis & Plitmann (Heimat: West-Asien) und Lens nigricans (M. Bieb.) Godr. (aus dem Mittelmeerraum). Die Kultur-Linse, Lens culinaris, war eine alte Kulturpflanze in Österreich. Sie wird heute aber nur noch selten kultiviert  und ist sehr selten und unbeständig verwildert in Wien, Oberösterreich und Vorarlberg anzutreffen.

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Linsenpflanze mit Blüten und Hülsen

Weltweit gibt es nur sieben Linsen Arten, die Kultur-Linse, Lens culinaris Medik., die Wilde Linse, Lens ervoides (Brign.), Lens himalayensis Alef. (kommt nur in Indien vor), Lens kotschyana (Boiss.) Nab., Lens lamottei Czefr. (in Marokko, Frankreich und Spanien heimisch), Lens montbretii (Fischer & alli) P. Davis & Plitmann (Heimat: West-Asien) und Lens nigricans (M. Bieb.) Godr. (aus dem Mittelmeerraum). Die Kultur-Linse, Lens culinaris, war eine alte Kulturpflanze in Österreich. Sie wird heute aber nur noch selten kultiviert  und ist sehr selten und unbeständig verwildert in Wien, Oberösterreich und Vorarlberg anzutreffen.

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Botanik

Die Kultur- Saat- oder Speise-Linse, Lens culinaris Medik., gehört zur Familie der Fabaceae/ Leguminosae, zu Deutsch Schmetterlingsblütler bzw. Hülsenfrüchtler.
 
Die einjährige Linsenpflanze wächst meist aufrecht 15-50 cm hoch und ist von unten an verzweigt. Die wechselständig am Stängel angeordneten Blätter sind paarig gefiedert, mit einer einfachen Wickelranke anstelle des Endblättchens. Trotz dieser Ranken am Ende der Blätter klettert die Pflanze nicht oder nur wenig. Die zwei bis sieben Blättchenpaare sind von schmal elliptischer Form, ganzrandig und kurz gestielt. Kleine weiß behaart Nebenblätter (3-7 mm) sind ebenfalls vorhanden.

Der Blütenstand trägt ein bis drei für die Familie typische Schmetterlingsblüten. Die bläulich weiße Blütenkrone ist mit 5-6 mm relativ klein und wird von den grünen Kelchblättern umrahmt. Die spitzen Zähne der Kelchblätter sind doppelt so lang wie die Kelchröhre. Die Hauptblütezeit ist im Juni. Es herrscht weitgehend Selbstbefruchtung, Fremdbestäubung durch Bienen oder Hummeln kommt eher selten vor. Die nach der Bestäubung entstehende Hülsenfrucht ist rhombisch, flach, 8-15 mm lang und 4-8 mm breit. Sie enthält nur ein bis zwei diskusförmige, flache, bräunlich grüne bis graubraune, rötliche oder dottergelbe, einfarbig oder fein punktierte bis marmorierte Samen.

Inhaltsstoffe

Linsen sind aufgrund ihres hohen Gehaltes an Eiweiß (ca. 25 %) und Kohlenhydraten (ca. 60 %), begleitet von einem geringen Fettanteil (ca. 2 %) sehr nahrhaft und gesund. Sie haben zudem einen hohen Anteil an Vitaminen, Ballast- und Mineralstoffe. Das in den Linsen enthaltene Provitamin A wandelt der Körper in Vitamin A um, welches für den Sehprozess und das Immunsystem bedeutend ist. Linsen sind reich an nervenstärkenden B-Vitaminen und verfügen über das zellschützende Vitamin E. Hervorzuheben ist ihr hoher Kalium-, Kalzium-, Magnesium-, Phosphor-, Eisen- und Zinkgehalt. Dank ihres hohen Ballaststoffgehalts sättigen Linsen außerdem schnell.

Rohe Linsen enthalten unbekömmliche, giftige Inhaltsstoffe, sogenannte Lektine, die aber durch Kochen oder Erhitzen auf 75 °C unschädlich gemacht werden.

Verwendung einst und heute

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Thome'sche Flora (1885): Linse

Linsen zählen zu den ältesten Kulturpflanzen. Sie werden seit jeher als Brei, Suppe oder Gemüse für den menschlichen Verzehr genutzt. Gegessen werden die runden, meist flachen Samen der Linsenpflanze. Bei kühler, trockener, luftiger und dunkler Lagerung sind ungeschälte, getrocknete Linsen mindestens ein Jahr haltbar, sie eigenen sich daher gut zur Vorratshaltung. Waren sie früher eher als „Arme-Leute-Essen“ verpönt, erleben sie derzeit eine Renaissance. Die verschiedensten Linsen sind vor allem in mediterranen, asiatischen oder indischen Rezepten ein wichtiger Bestandteil.

Sie müssen vor dem Verzehr gekocht, aber nicht unbedingt vorgeweicht werden. Bei uns werden vorwiegend Linsen in Nasskonserven verwendet. Die getrockneten Samen können aber auch relativ rasch und einfach zu schmackhaften Suppen, Eintöpfen oder Salaten verwertet werden.

Die verschiedenen Linsen werden im Handel nach Farbe, Größe und Herkunft eingeteilt. Bei den grünen Linsen handelt es sich um die frischen, ungeschälten Früchte mit gelbem Kern. Nach dem Schälen erhält man somit die gelben Linsen. Dieser Same verfärbt sich mit der Zeit braun und ergibt die klassische braune Linsenvariante. Rote Linsen sind meist geschält im Handel erhältlich. Im ungeschälten Zustand wird der leuchtend orangerote Same der Frucht von einer lilafarbenen bis bräunlichen Schale umgeben. Die kleinen schwarzen Beluga-Linsen sind besonders aromatisch.

Es gibt auch eine Sortierung nach Größe. Riesenlinsen sind rund 7 mm im Durchmesser, bei den flachen Tellerlinsen beträgt dieser 6-7 mm, bei Mittellinsen 4,5-6 mm und bei den dickbauchigen Zuckerlinsen ca. 4 mm. Außerdem gibt es auch regionale Bezeichnungen. Die sehr kleinen, außen grau-grünen und innen gelben Puy-Linsen etwa stammen aus der Auvergne und sind nach deren Hauptstadt benannt. Die rot-braunen Berglinsen haben eher eine feste Konsistenz und bleiben beim Garen kernig. Alblinsen wurden bis zum zweiten Weltkrieg v. a. auf der schwäbischen Alb angebaut.

Landwirtschaftliche Aspekte

Die Linsenpflanze braucht für ein optimales Wachstum ein warmes, trockenes Klima mit einer guten Niederschlagsverteilung während der Vegetationsperiode. Sie bevorzugt tonarme Böden, Geröllböden, Muschelkalk und Sandkalk. Linsen sind Pflanzen der kargen, trockenen Böden, wo auf Grund von Nährstoffmangel andere Kulturen nicht gedeihen. Gute Böden mit hohem Nährstoffgehalt führen zu einem üppigem vegetativen Wachstum mit geringem Hülsen- und Samenansatz. Sie sind daher nicht zur Körnergewinnung geeignet.

Linsen werden oft in Mischkulturen kultiviert. Für den Aufwuchs brauchen sie ein gut gelockertes, mittelfeines, unkrautfreies Saatbett. Die Linse verträgt Temperaturen von -5 bis -9 °C und kann deshalb in milden Lagen, wie im Mittelmeergebiet, als Winterfrucht kultiviert werden. Unter winterharten Bedingungen wird sie zu Beginn des Frühjahrs gebaut. Gesät wird meist mit einer üblichen Getreidesämaschine von Ende April bis Anfang Mai in einer Saattiefe von 4-5 cm und Saatstärke von 80-100 kg/ha bei großsamigen Sorten und 40-60 kg/ha bei kleinsamigen Sorten. Der Reihenabstand sollte 15-35 cm betragen. Die Keimung erfolgt bei einer Temperatur ab 4-5 °C.

Stickstoffdüngung ist, da es sich um eine Leguminose handelt, in der Regel nicht nötig, der Bedarf an Phosphor liegt bei ca. 11 kg/ha und der an Kalium bei ca. 14 kg/ha. Aufgrund der mangelnden Selbstverträglichkeit muss eine Anbaupause von 4 bis 6 Jahren eingehalten werden. Am besten baut man Linsen nach Getreide, in unkrautwüchsigen Lagen nach Hackfrucht (v. a. Kartoffel) an.

Da die Linse unregelmäßig von unten nach oben abreift, ist es schwierig, den richtigen Erntezeitpunkt zu wählen. Die Ernte erfolgt mit dem Mähdrescher sobald die unteren Hülsen braun und die Körner hart sind. Das Kraut ist dabei meist noch grün.

Im Zeichen der Vielfalt

In der europäische Datenbank für genetische Ressourcen (http://eurisco.ipk-gatersleben.de) sind derzeit 8.249 Lens culinaris-Akzessionen gelistet, wobei diese hauptsächlich in Genbanken in Russland, der Türkei und Ungarn erhalten werden. Im Österreichischen Verzeichnis für genetische Ressourcen (Index Seminum) findet man drei Linsen Herkünfte (www.genbank.at/nationales-verzeichnis.html).

Literatur

Literatur

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2014) Linse Anbau und Verwertung: www.LfL.bayern.de

Becker-Dillingen J. (1956) Handbuch des gesamten Gemüsebaues, einschliesslich der Küchenkräuter. Verlagsbuchhandlung Paul Parey, Berlin.

Berendes J. (1902) Des Pedanios Dioskurides aus Anazarbos Arzneimittellehre in fünf Büchern. Übersetzt und mit Erklärungen versehen. Volltext; Digitalisat: http://www.pharmawiki.ch/materiamedica/

Fischer M. A., Oswald K., Adler W. (2008) Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. Auflage. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz.

Körber-Grohne U. (1994) Nutzpflanzen in Deutschland.  Kulturgeschichte und Biologie. 3. Auflage. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart.

Lebensministerium (2006) Richtlinien für die sachgerechte Düngung. Anleitung zur Interpretation von Bodenuntersuchungsergebnissen in der Landwirtschaft. 6. Auflage: http://www.ages.at/fileadmin/AGES2015/Service/Landwirtschaft/Boden_Datein/Broschueren/SGD_6_Auflage.pdf

Statistik Austria (2015) Anbau auf dem Ackerland  2015: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/land_und_forstwirtschaft/agrarstruktur_flaechen_ertraege/bodennutzung/020291.html

http://bibd.uni-giessen.de/gdoc/2000/uni/p000003/linse.htm

www.genbank.at

www.naehrwertrechner.de

Pollenfotos siehe http://ponetweb.ages.at

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