Hülsenfrucht des Monats Juli: Ackerbohne

Zuletzt geändert: 24.10.2016

Vicia Arten gibt es weltweit 140, einige Wicken-Arten wachsen auch bei uns, die Ackerbohne jedoch stammt ursprünglich aus dem mediterranen Gebiet.
In Österreich verzeichnete der Anbau von Ackerbohnen 2015 mit 10.780 ha eine Zunahme von 41 % im Vergleich zum Vorjahr 2014 (7.661 ha); vor allem in Niederösterreich (+948 ha oder +41,1 %) wurden Ackerbohnen wieder verstärkt angepflanzt.

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Vicia Arten gibt es weltweit 140, einige Wicken-Arten wachsen auch bei uns, die Ackerbohne jedoch stammt ursprünglich aus dem mediterranen Gebiet.
In Österreich verzeichnete der Anbau von Ackerbohnen 2015 mit 10.780 ha eine Zunahme von 41 % im Vergleich zum Vorjahr 2014 (7.661 ha); vor allem in Niederösterreich (+948 ha oder +41,1 %) wurden Ackerbohnen wieder verstärkt angepflanzt.

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Botanik

Schmetterlingsblüte der Ackerbohne
Blatt der Ackerbohne

Die Ackerbohne, auch als Saubohne oder Pferdebohne bezeichnet, Vicia faba L. gehört zur Familie der Fabaceae/Leguminosae oder Schmetterlingsblütler bzw. Hülsenfrüchtler, die, wie der Name schon sagt, Hülsen als Früchte ausbilden.

Die Ackerbohne, Vicia faba, wächst aufrecht und meist unverzweigt bzw. mit basaler Bestockung meist bis zu 1 m hoch. Ihr Stängel ist scharf vierkantig und innen hohl, weshalb er auch leicht knickt. Die wechselständig am Stängel angeordneten, gefiederten Blätter setzen sich aus ein bis drei eiförmigen, blaugrünen Fiederpaaren zusammen. Zwei bis sieben Schmetterlingsblüten sitzen in kurz gestielten Blütentrauben an der Basis der Blätter und weisen eine weiße Grundfärbung auf. Die Fahne kann violett oder bräunlich geadert oder ganz lila sein, die Flügel sind meist mit einem großen schwarzen Fleck versehen. Die 8-12 cm lange und 1-2 cm breite Hülse ist fast stielrund und wird zur Reife dunkelbraun. Die darin enthaltenen Samen sind rundlich, abgeflacht und meist hellbraun.

Inhaltsstoffe

Der größte ernährungsphysiologische Wert der Bohnen besteht in ihrem hohen Eiweißgehalt, der je nach Sorte zwischen 16 und 25 % liegt sowie ihrem hohen Anteil an Ballaststoffen.

Der größte ernährungsphysiologische Wert der Bohnen besteht in ihrem hohen Eiweißgehalt, der je nach Sorte zwischen 16 und 25 % liegt, sowie ihrem hohen Anteil an Ballaststoffen. Sie enhalten alle essentiellen Aminosäuren, darunter die schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und Methionin, sowie Lysin, Phenylalanin, Tryptophan, Valin, Threonin, Leucin und Isoleucin. Außerdem sind noch die nicht essentiellen Aminosäuren Alanin, Prolin, Arginin, Serin, Asparaginsäure, Histidin, Glutaminsäure, Tyrosin und Glycin enthalten.   

Die Bohne liefert auch wichtige Mineralstoffe u. a. Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalzium sowie Spurenelemente wie Eisen. Bohnen enthalten dazu noch die Vitamine A, B6, Folsäure und Vitamin C.
Je nach Sortentyp und Herkunft sind in rohen Bohnen unterschiedliche Mengen des für den Menschen giftigen Lektingemisches Phasin, das die Blutgerinnung erhöht, enthalten. Das Glykosid wird jedoch durch Kochen oder Erhitzen auf 75 °C unschädlich gemacht.

Verwendung einst und heute

Verwendung einst und heute

Vor Einführung der Gartenbohne, Phaseolus vulgaris, wurde in Europa die Ackerbohne, Vicia faba, gegessen.

Kleinkörnige Formen der Ackerbohne ("Pferde-" oder "Saubohne“) gelten heute nur mehr als Kraftfutter für Tiere, wofür sie gemahlen oder geschrotet werden. Großkörnige Sorten ("Dicke Bohne") werden auch als Gemüse in der menschlichen Ernährung verwendet. Hierfür werden die grünbleibenden Samen noch unreif geerntet und vor allem für Brei und Suppen verwendet.
 
Dioskurides schreibt über die bei ihm als "Griechische Bohne" bezeichnete Vicia faba, auch Schweins- oder Buffbohne genannt: "Die griechische Bohne erzeugt Blähungen und Winde, ist schwer zu verdauen und verursacht böse Träume. Gegen den Husten ist sie gut, bildet auch Fleisch. Gekocht mit Essigwasser und mit der Schale genossen hemmt sie Dysenterie- und Bauchflüsse, ist gegessen auch gegen Erbrechen gut. Sie wird aber weniger blähend, wenn das erste Wasser nach dem Kochen weggegossen wird, dagegen ist sie grün dem Magen schädlicher und erzeugt mehr Winde. Das Bohnenmehl für sich allein und mit Graupen als Umschlag lindert die Wundentzündungen, macht ferner die Narben der Haut gleichfarben, hilft bei verhärteten und geschwollenen Brüsten und vertreibt auch die Milch…"

Landwirtschaftliche Aspekte

Die Ackerbohne, Vicia faba, ist nicht so kälte- und witterungsempfindlich, wie manch andere Fabaceae-Art und verträgt schon einmal bis -4 °C, hat aber dafür einen hohen Feuchtigkeitsbedarf. Sie sollte deshalb eher möglichst früh, im Februar bis März, gesät werden. Der Anbau erfolgt mit Drillmaschinen (doppelter Getreideabstand) oder als Einzelkornsaat. Die Körner sollen 8 bis 10 cm tief abgelegt werden.

Generell gedeiht sie besser in mäßig kühlem, feuchtem Klima und bevorzugt schwere Ton- und Torfböden, tiefgründige lehmige Sandböden und sandige Lehmböden. Kalk- und Sandböden sind für sie nur bei ausreichenden Niederschlägen geeignet. Besonders wichtig für die Bestandes- und Ertragsbildung ist die Wasserversorgung in den Monaten Mai bis Juli. Die Niederschläge sollten in dieser Zeit möglichst 180 l/m² betragen (Makowski 2011).

Aufgrund der eigenen Stickstoffproduktion mit Hilfe von Knöllchenbakterien sollte auf eine Stickstoffdüngung verzichtet werden, auch für eine Stickstoff-Startdüngung besteht keine Notwendigkeit. Allerdings sollte eine Schwefeldüngung mit 20 kg S/ha vorgenommen werden. Ihre Vegetationszeit ist länger als die von Erbsen und Gartenbohne. Geerntet wird Ende August bei einer Samenfeuchtigkeit von ca. 16 %.

Alle Bohnenarten sind beliebte Vor- und Nachfrüchte, da sie als mit stickstofffixierenden Knöllchenbakterien in Symbiose lebende Fabaceae den Boden mit Stickstoff anreichern. Auf Bohnen selbst sollten drei bis vier Jahre keine Bohnen und andere Fabaceae Arten wie Erbsen, Sojabohnen oder Klee angebaut werden. Günstige Vorkulturen für die Buschbohne sind Frühkartoffeln, Spinat, Salat oder Kohl Arten.

An der züchterischen Verbesserung von Winterackerbohne wird auch in Österreich gearbeitet. Eine nennenswerte Bedeutung hat diese Kultur derzeit aber nur in wintermilden Regionen Frankreichs und Englands.

Im Zeichen der Vielfalt

Der EU-Sortenkatalog für landwirtschaftliche Arten listet aktuell 134 Eintragungen zu Vicia faba, der für Gemüsearten 121 Vicia faba Sorten. (http://ec.europa.eu/food/plant/plant_propagation_material/plant_variety_catalogues_databases/search/public/index.cfm). In der Österreichischen Sortenliste findet man sechs Körnerackerbohnen (Vicia faba zur Körnernutzung bestimmt) und zwei Vicia faba-Sorten, die zur Grünnutzung bestimmt sind.
In der europäische Datenbank für genetische Ressourcen (http://eurisco.ipk-gatersleben.de) sind derzeit 10.122 Vicia faba-Akzessionen gelistet, wobei diese hauptsächlich in Genbanken in Deutschland, Spanien und Russland erhalten werden. Im Österreichischen Verzeichnis für genetische Ressourcen (Index Seminum) findet man 73 Ackerbohnen (Vicia faba) (www.genbank.at/nationales-verzeichnis.html).

Literatur

Becker-Dillingen J. (1956) Handbuch des gesamten Gemüsebaues, einschliesslich der Küchenkräuter. Verlagsbuchhandlung Paul Parey, Berlin.

Berendes J. (1902) Des Pedanios Dioskurides aus Anazarbos Arzneimittellehre in fünf Büchern. Übersetzt und mit Erklärungen versehen. Volltext; Digitalisat: http://www.pharmawiki.ch/materiamedica/

Fischer M. A., Oswald K., Adler W. (2008) Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. Auflage. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz.

EU-Sortenkatalog: http://ec.europa.eu/food/plant/plant_propagation_material/plant_variety_catalogues_databases/search/public/index.cfm

Hammer K. (1992) Kulturpflanzen aus Amerika erobern Europa: Anmerkungen zur Einführungsgeschichte der Bohne in der alten Welt. Kataloge des OÖ. Landesmuseums N.F. 0061: 253-256.

Körber-Grohne U. (1994) Nutzpflanzen in Deutschland.  Kulturgeschichte und Biologie. 3. Auflage. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart.

Makowski N. (2011) Erfolgreich Ackerbohnen anbauen.  Raps- Die Fachzeitschrift für Spezialisten, Heft 04/2011.

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (2011) Gemüsebohnen Anbau und Verwendung im Haus- und Kleingarten: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/12700/documents/13861

Lebensministerium (2006) Richtlinien für die sachgerechte Düngung. Anleitung zur Interpretation von Bodenuntersuchungsergebnissen in der Landwirtschaft. 6. Auflage: http://www.ages.at/fileadmin/AGES2015/Service/Landwirtschaft/Boden_Datein/Broschueren/SGD_6_Auflage.pdf

Österreichische Sortenliste 2015 - Republik Österreich, gemäß Saatgutgesetz 1997. Schriftenreihe 3/2015: http://www.baes.gv.at/fileadmin/user_upload/%C3%96SL_2015_Gesamt.pdf

Reintahler D. (2011) Gartenbohne. BMLFUW: http://www.bmlfuw.gv.at/dms/lmat/land/lebensmittel/trad-lebensmittel/feldfruechte/gartenbohne/Gartenbohne-d/Gartenbohne%20d.pdf

Statistik Austria (2014) Anbau auf dem Ackerland  2014. Endgültige Ergebnisse. Schnellbericht 1.16.: www.statistik.at/web_de/.../anbau_auf_dem_ackerland_2014_081443.pdf

Statistik Austria (2014) Gemüseernte  2014. Endgültige Ergebnisse. Schnellbericht 1.13.: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/land_und_forstwirtschaft/agrarstruktur_flaechen_ertraege/gemuese/080121.html

www.genbank.at

www.naehrwertrechner.de

http://www.gartenratgeber.net/pflanzen/buschbohnen.html

Pollenfotos: http://ponetweb.ages.at

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