Antibiotika & Resistenzen in Österreich

Zuletzt geändert: 15.06.2016

Antibiotika zur Behandlung von bakteriellen Infektionen zählen zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Arzneimitteln. Zwischen ihrem Einsatz und der Häufung antimikrobieller Resistenzen gibt es belegbare Zusammenhänge: je häufiger Antibiotika einer bestimmten Stoffgruppe bei Mensch oder Tier eingesetzt werden, desto häufiger finden sich später bakterielle Krankheitserreger, die gegen diese Substanz unempfindlich sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte für den World Health Day am 7. April 2011 das Thema "Antimicrobial resistance: no action today, no cure tomorrow" gewählt. Die EU-GesundheitsministerInnen verabschiedeten im Jahr 2012 eine Erklärung, in der betont wird, dass diese zunehmende Antibiotikaresistenz ein in Europa und weltweit zunehmendes Gesundheitsproblem für Mensch und Tier ist, das zu begrenzten oder unzureichenden Behandlungsmöglichkeiten führt und somit die Lebensqualität mindert.

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Antibiotika zur Behandlung von bakteriellen Infektionen zählen zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Arzneimitteln. Zwischen ihrem Einsatz und der Häufung antimikrobieller Resistenzen gibt es belegbare Zusammenhänge: je häufiger Antibiotika einer bestimmten Stoffgruppe bei Mensch oder Tier eingesetzt werden, desto häufiger finden sich später bakterielle Krankheitserreger, die gegen diese Substanz unempfindlich sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte für den World Health Day am 7. April 2011 das Thema "Antimicrobial resistance: no action today, no cure tomorrow" gewählt. Die EU-GesundheitsministerInnen verabschiedeten im Jahr 2012 eine Erklärung, in der betont wird, dass diese zunehmende Antibiotikaresistenz ein in Europa und weltweit zunehmendes Gesundheitsproblem für Mensch und Tier ist, das zu begrenzten oder unzureichenden Behandlungsmöglichkeiten führt und somit die Lebensqualität mindert.

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Lebensmittel

Lebensmittel

Resistente Keime in Lebensmitteln

Keime sind in frischen Lebensmitteln häufig nachweisbar. Keimfrei sind nur konservierte oder bestrahlte Lebensmittel. Bedingt durch den Schlachtprozess zeigt Frischfleisch hohe Keimraten: Gemäß Richtwerten der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie sind bis zu 5 Millionen Keime pro Gramm Geflügelfleisch zulässig. Bei Fleisch, das länger reift, sind auch höhere Keimzahlen möglich. Ein Teil dieser Keime kann auch gegen bestimmte Antibiotika resistent sein.

In einem Forschungsprojekt hat die AGES im Jahr 2013 jeweils 100 Schweinefleischproben, 100 Rinderfleischproben, 100 Proben von Fischen bzw. Meeresfrüchten, 100 Salatproben und 100 Eier, die im steirischen Einzelhandel erworben wurden, selektiv auf MRSA (Methicillin resistenter Staphylococcus aureus) und resistente Enterobakterien untersucht.

Es konnten 5 MRSA aus den konventionellen Schweinefleischproben, ein MRSA aus einer Bio-Schweinefleischprobe, 7 MRSA aus den konventionellen Rindfleischproben und 4 MRSA aus den Bio-Rindfleischproben isoliert werden. In drei der untersuchten Fisch- und Meeresfrüchteproben konnten MRSA gefunden werden. Aus Ei-Inhalten und bei den Salatproben konnten keine MRSA isoliert werden. Bei der Untersuchung von 200 Geflügelproben im Jahr 2012 wurde in einer Putenfleischprobe MRSA nachgewiesen.

Klassische ESBL-Bildner (ESBL = Extended-Spektrum Beta-Laktamase; Enzyme, die von Bakterien produziert werden und die ein breites Spektrum von so genannten Beta-Laktam-Antibiotika inaktivieren können) konnten in 6 % der konventionellen Schweinefleischproben und in 18 % der konventionellen Rindfleischproben gefunden werden. Bei Bioprodukten lag die Nachweisrate beim Schweinefleisch bei 18 % und beim Rindfleisch bei 6 %. Ciprofloxacin-resistente Enterobakterien wurden in 22 % der konventionellen Schweinefleischproben, in 14 % der Bio-Schweinefleischproben, in 30 % der konventionellen Rindfleischproben und in 4 % der Bio-Rindfleischproben gefunden. Die ESBL-bildenden bzw. Ciprofloxacin-resistenten Isolate zeigten sehr hohe Kreuzresistenzraten gegen andere Antibiotikaklassen.

Im Zug der Lebensmittelproduktion, bei Zubereitung und Verzehr können resistente Keime über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden. Nimmt ein Mensch resistente Keime über Lebensmittel auf und diese Keime überleben die Magenpassage, dann können sie für eine gewisse Zeit den Darm besiedeln. In den meisten Fällen kommt zu keiner Infektion. Gelangen diese Keime aber in andere Regionen des Körpers (z. B. durch Operationen), können sie, wie auch nicht-resistente Keime, Erkrankungen verursachen.
 
Resistente Keime sind nicht pathogener als Keime, die empfindlich auf Antibiotika reagieren. Das bedeutet, dass sie nicht häufiger Infektionen verursachen. Wenn es allerdings zu einer Infektion kommt, stehen weniger Antibiotika zur Therapie zur Verfügung. Es kann auch sein, dass die erste Therapie aufgrund der Resistenz nicht wirksam ist und sich der Krankheitsverlauf dadurch verlängert oder verschlimmert. Eine Testung bei gesunden Menschen ist nur bei wenigen, ganz speziellen Fragestellungen sinnvoll (z. B. in bestimmten Fällen eine Testung auf MRSA oder Trägertum mit Carbapenemase-bildenden Bakterien).

Unabhängig, davon, ob Keime resistent sind oder nicht, sollte beim Umgang mit rohen tierischen Lebensmitteln besonderes Augenmerk auf die richtige Lagerung und Zubereitung gelegt werden:

  • Bei rohen tierischen Lebensmitteln auf kurze Transportzeiten bzw. Kühlung nach dem Einkauf achten
  • Richtige Lagerung im Haushalt (Kühlschranktemperatur unter 5 °C)
  • Kein Kontakt von rohem Fleisch, rohem Fisch und rohen Meeresfrüchten mit anderen Lebensmitteln
  • Nach dem Hantieren mit rohen Lebensmitteln immer die Hände waschen
  • Geschirr und Geräte, die für Arbeiten mit rohen Lebensmitteln verwendet wurden, dürfen nicht mit fertig zubereiteten Speisen in Berührung kommen
  • Gründliches Durcherhitzen. Dadurch werden Mikroorganismen (auch resistente) verlässlich abgetötet

Nutztiere

Nutztiere

Antibiotikaresistenz bei Nutztieren

Entsprechend der-EU Richtlinie 2003/99/EG führt das Bundesministerium für Gesundheit in Österreich seit 2004 gemeinsam mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) und mit TierärztInnen in den Ländern bei verschiedenen Nutztierpopulationen jährliche Monitoringprogramme zur Feststellung der Prävalenz und der antimikrobiellen Empfindlichkeit bestimmter Zoonoseerreger und Indikatorbakterien durch.

Nach einem randomisierten Stichprobenplan wurden im Jahre 2013 Darminhalte von gesunden, geschlachteten Kälbern unter 8 Monaten, Jungrindern bis zu 2 Jahren und Rindern über 2 Jahre sowie von Schweinen und Schlachtchargen von Masthühnern gezogen und in der AGES je nach Tierart u. a. auf das Vorhandensein von thermotoleranten Campylobacter und Indikator-E. coli untersucht. Weiters wurden alle Herden von Legehennen, Masthühnern und Mastputen entsprechend dem nationalen Salmonellen-Bekämpfungsprogramm in amtlichen Veterinärlaboratorien auf Salmonellen kontrolliert. Die gewonnenen Isolate von Campylobacter, E. coli und Salmonellen wurden in den jeweiligen nationalen Referenzlaboratorien der AGES auf ihre antimikrobielle Empfindlichkeit ausgetestet.
 
Campylobacter: Aus 328 Schlachtchargen von Masthühnern wurden 183 (56 %) thermotolerante Campylobacter-Isolate gewonnen. Bei Campylobacter jejuni lag bei Masthühnern der Anteil an voll empfindlichen Isolaten bei 26 %. Die mikrobiologischen Resistenzen gegenüber Ciprofloxacin und Nalidixinsäure sowie Ampicillin wiesen weiterhin signifikant steigende auf mit hohen bis extrem hohen Resistenzanteilen (73 %, 71 % sowie 34 %), die Resistenzanteile gegenüber Tetracyclin (25%) waren hoch. Bei Campylobacter coli wiesen die Isolate von Masthühnern zu 97 % Resistenzen gegenüber mindestens 1 von 5 repräsentativen Antibiotika auf. Die höchsten Resistenzanteile lagen gegenüber Tetracyclin vor (84 %), gegenüber den Chinolonen wurden niedrigere Resistenzen gemessen (48 %) als bei C. jejuni; die übrigen Resistenzanteile waren bei beiden Campylobacter-Spezies ähnlich.

84 % der E. coli-Isolate von Masthühnern, 70 % der Isolate von Mastschweinen, 31 % der Isolate von Kälbern, 12 % der Isolate von Rindern über 2 Jahre und 7 % der Isolate von Jungrindern zeigten Resistenzen gegenüber mindestens einem von neun repräsentativen Antibiotika. Die höchsten Resistenzanteile gegenüber Chinolonen wurden bei Isolaten von Hühnern (65 %), gegenüber Streptomycin und Tetracyclin (57 % und 53 %) bei Isolaten von Schweinen, sowie gegenüber Sulfonamiden und Ampicillin (38 %) und Streptomycin (35 %) wiederum bei Isolaten von Hühnern gefunden.

28 % der Salmonella-Isolate von Legehennen, 49 % der Isolate von Masthühnern und 78 % der Isolate von Puten wiesen antimikrobielle Resistenzen auf.
 
Siehe AURES Bericht, Antibiotikaresistenz bei ausgewählten Zoonoseerregern und Indikatorbakterien, Daten aus dem Veterinärbereich, 2013, Seite 212 ff.

Antibiotika in der Nutztierhaltung

Tierhaltung

Tierhaltung

Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung


Gemäß Tierschutzgesetz ist ein Tierhalter verpflichtet, wenn erforderlich tierärztliche Hilfe heranzuziehen und Behandlungen erkrankter Tiere zu veranlassen. Eine Behandlung von bakteriellen Infektionen mit Antibiotika wird auch durchgeführt, um größeren wirtschaftlichen Schaden (Totalverlust durch Verenden des Tieres, temporäre oder bleibende Leistungseinbußen, Gefahr der Ausbreitung der Erkrankung im Bestand und darüber hinaus in weitere Bestände und in Folge Gefährdung der Gesundheit der VerbraucherInnen) zu vermeiden.

Die Feststellung, dass eine bakterielle Infektion vorliegt, muss ein Tierarzt treffen. Antibiotika zur Behandlung von Tieren sind in Österreich ohne Ausnahme rezeptpflichtige Tierarzneimittel, ihre Anwendung ist prinzipiell dem Tierarzt vorbehalten. Im Rahmen eines Betreuungsverhältnisses im Tiergesundheitsdienst kann der Tierarzt den Tierhalter in die Nachbehandlung einbinden.

Antibiotika werden auch zur Verhinderung der Ausbreitung zu erwartender bakterieller Infektionen eingesetzt. Beispiele für einen solchen Antibiotikaeinsatz sind die gleichzeitige Behandlung von erkrankten und (noch) nicht erkrankten, aber wahrscheinlich bereits infizierten Tieren in einem Bestand oder einer Tiergruppe.

Gemäß der EU-Bioverordnung darf der Tierarzt in einem Bio-Betrieb alle Tierarzneimittel einsetzen. Erforderlichenfalls dürfen zur Behandlung auch Antibiotika verwendet werden, allerdings mit der Folge, dass die gesetzliche Wartezeit (Zeit, die nach der letzten Verabreichung eines Arzneimittels an ein Tier bis zum Zeitpunkt der Herstellung von Lebensmitteln aus diesem Tier einzuhalten ist) zu verdoppeln ist. Die Häufigkeit der Behandlungen ist für Biotiere begrenzt. Tiere, die kürzer als ein Jahr leben, dürfen maximal einmal behandelt werden. Alle anderen Tiere dürfen maximal drei Antibiotika-Behandlungen innerhalb eines Jahres erhalten.

Vorbeugemaßnahmen können bakterielle Infektionen und damit den Einsatz von Antibiotika reduzieren. Dazu gehören einerseits die Optimierung der Tierhaltung (Stallbau, Stallklima), Optimierung des Managements (geschlossene Tierbestände, Hygienemaßnahmen etc.), aber auch Impfungen.

Bundesministerium für Gesundheit - Antibiotikaresistenz

Tierärztekammer

Tiergesundheitsdienste

Veterinärantibiotika

Veterinärantibiotika

In Österreich zugelassene Veterinärantibiotika für Nutztiere (Lebensmittel liefernde Tiere)

In Österreich sind derzeit 305 Tierarzneimittel zur Anwendung bei Nutztieren zugelassen, die folgende antibiotische Wirkstoffe enthalten: Aminoglykoside, Ansamycine-Rifamycine, Cephalosporine der 1. und 2. Generation, Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Lincosamide, Makrolide, Penicilline, Polymyxine, Amphenicole, Pleuromutiline, Fluorchinolone, Sulfonamide, Sulfonamide+Trimethoprim, Tetracycline.

Die AGES Medizinmarktaufsicht überprüft im Zuge der nationalen Zulassungs- und Verlängerungsverfahren von Antibiotika die Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität des Arzneimittels und entscheidet nach vorliegendem Nutzen-Risiko-Profil über die Zulassung bzw. die Verlängerung der Zulassung. Eine eingehende Prüfung der Wirksamkeit und Sicherheit einschließlich der Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier und der Risiken für die Umwelt, die von bakteriellen Resistenzen ausgehen können, wird vorgenommen.

In den vergangenen fünf Jahren wurden die Zulassungen von mehr als 80 antimikrobiellen Veterinärarzneimitteln für Nutztiere aus Gründen wie mangelnder Wirksamkeit zusammen mit einem hohen Risiko zur Resistenzausbreitung, obsoleten Kombinationen von Wirkstoffen oder Mängeln in der Herstellung (Qualität) sowie aus wirtschaftlichen Gründen aufgehoben.

BASG/AGES-MEA Arzneispezialitätenregister

BMG: Informationen für Tierärzte

Eindämmung

Eindämmung

Maßnahmen zur Eindämmung von Antibiotika in der Nutztierhaltung

Da der Anteil an resistenten Erregern in den vergangenen Jahren gestiegen ist, wurden Maßnahmen zur Vermeidung der weiteren Entwicklung und Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen ergriffen und verstärkte Bemühungen in vorbeugende Maßnahmen gelegt:

  • Verbot antibiotischer Leistungsförderer in der EU seit 2006
  • keine Anwendung von Antibiotika zur Prophylaxe
  • Einschränkungen hinsichtlich der oralen Anwendung von Antibiotika zur Behandlung ganzer Tierbestände (zahlreiche Aufhebungen von Arzneimittel-Vormischungen in den vergangenen Jahren)
  • keine Zulassung von Antibiotika für bestimmte Anwendungsarten wie z. B. als „top dressing“ (zum Aufstreuen auf das Futter)
  • Einschränkung der Anwendung von Fluorchinolonen (keine Anwendung bei Salmonellen-Infektionen von Nutz- und Kleintieren)
  • Beschränkung der Packungsgrößen auf die für die Behandlung erforderliche Mindestmenge
  • Aufnahme von Warnhinweisen für eine sorgfältige Anwendung von Antibiotika („prudent-use“) in Fach- und Gebrauchsinformation (z. B. Anwendung auf Basis einer Empfindlichkeitsprüfung)
  • Empfehlungen in Fach- und Gebrauchsinformation zur gleichzeitigen Verbesserung des Stallmanagements (Hygiene, Belegung, Belüftung)
  • Aufhebung der Zulassung von obsoleten Antibiotika-Kombinationsprodukten, von denen die Gefahr einer Resistenzentwicklung/-ausbreitung auf breiter Ebene ausgeht
  • Aufhebung bzw. Ablehnung der Zulassung von Antibiotika mit kritischer Resistenzsituation bzw. nicht ausreichender Wirksamkeit
  • Vermehrte Zulassung von Impfstoffen zur Vorbeugung gegen bakterielle Infektionskrankheiten

Mit dem Nationalen Aktionsplan zur Antibiotika-Resistenz (NAP-AMR) und dem Österreichischen Antibiotikaresistenz-Bericht AURES verfolgt das Bundeministerium für Gesundheit in der Human- und Tiermedizin ein gemeinsames Konzept zur Eindämmung der antimikrobiellen Resistenzen. Die Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln gelten sowohl für die Behandlung bakteriell bedingter Erkrankungen von landwirtschaftlichen Nutztieren als auch von Individual-, Klein- und Heimtieren. Die Leitlinien treffen ebenso für die antibiotische Behandlung von Tieren mit umgewidmeten Humanarzneispezialitäten zu. Dem Ziel einer genauen  Erfassung des Verbrauchs von Antibiotika in der Nutztierhaltung dient seit 2015 die Umsetzung der Antibiotika-Mengenströme-Verordnung (BGBl. II Nr. 83/2014), im Zuge derer sowohl der Vertrieb von antimikrobiellen Substanzen durch Firmen wie, ab 2016, auch die Abgabe durch Tierärzte aufgezeichnet wird.

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