Antibiotikaresistente Keime

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Zuletzt geändert: 10.08.2017
Petrischalen

Im Folgenden werden der Methicillin resistente Staphylococcus aureus (MRSA) Extended Spektrum Beta-Laktamase bildende Enterobakterien (ESBL-Bildner) und Colistin-resistente Keime näher vorgestellt. Die angesprochenen Keime können Mensch und Tier besiedeln und auch auf Lebensmitteln nachgewiesen werden.

MRSA

MRSA

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) ist ein wichtiger humanpathogener Erreger und oftmals die Ursache von Krankenhausinfektionen. MRSA kommen beim Menschen und bei Tieren (landwirtschaftliche Nutztiere wie Schweine, Geflügel, Rinder sowie Pferde und Haustiere) vor, die Übertragung kann sowohl von Tier auf Mensch als auch umgekehrt erfolgen. Neben der primär in Gesundheitseinrichtungen auftretenden Variante, dem HA (Hospital Associated)-MRSA, ist seit nunmehr 10 Jahren auch eine mit Nutztieren assoziierte Variante, der LA (Livestock Associated)-MRSA, meist vom klonalen Komplex (CC) 398, von Bedeutung.

2008 wurde von der Europäischen Union in allen Mitgliedstaaten eine Grundlagenstudie zur Erhebung der Prävalenz von MRSA in Zuchtschweinebeständen durchgeführt. In Österreich wurden bei 5,3 % der 75 beprobten Zuchtbetriebe und bei 12,6 % der 167 beprobten Erzeugerbetriebe Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (ST398) in den untersuchten Staubproben nachgewiesen.

Bei Untersuchungen von frischem Hühnerfleisch aus dem Einzelhandel im Jahr 2016 - die entsprechenden Proben waren im Rahmen der Zoonose- und Resistenzüberwachungen von landwirtschaftlichen Nutztieren sowie daraus gewonnenen Lebensmitteln gezogen worden - konnten Methicillin-resistente Staphylococcus aureus  in 4 (1,4 %) der 285 untersuchten Proben nachgewiesen werden.

Referenzen:
Analysis of the baseline survey on the prevalence of methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA) in holdings with breeding pigs, in the EU, 2008, Part A: MRSA prevalence estimates; on request from the European Commission. EFSA Journal 2009; 7(11):1376. [82 pp.]. doi:10.2903/j.efsa.2009.1376. Available online: www.efsa.europa.eu

Prevalence of multi-drug resistant Staphylococcus aureus and Escherichia coli in poultry and broiler meat in Austria in 2016. Köberl-Jelovcan S, Weissensteiner G, Lepuschitz S, Monschein S, Schlagenhaufen C, Lassnig H, Allerberger F, Springer B. Poster presented at: 27th European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases, Vienna, Austria, 22 -25 April 2017

Methicillin-resistant Staphylococcus aureus: a new zoonotic agent? Springer B, Orendi U, Much P, Höger G, Ruppitsch W, Krziwanek K, Metz-Gercek S, Mittermayer H. Wien Klin Wochenschr. 2009;121(3-4):86-90

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) ist ein wichtiger humanpathogener Erreger und oftmals die Ursache von Krankenhausinfektionen. MRSA kommen beim Menschen und bei Tieren (landwirtschaftliche Nutztiere wie Schweine, Geflügel, Rinder sowie Pferde und Haustiere) vor, die Übertragung kann sowohl von Tier auf Mensch als auch umgekehrt erfolgen. Neben der primär in Gesundheitseinrichtungen auftretenden Variante, dem HA (Hospital Associated)-MRSA, ist seit nunmehr 10 Jahren auch eine mit Nutztieren assoziierte Variante, der LA (Livestock Associated)-MRSA, meist vom klonalen Komplex (CC) 398, von Bedeutung.

2008 wurde von der Europäischen Union in allen Mitgliedstaaten eine Grundlagenstudie zur Erhebung der Prävalenz von MRSA in Zuchtschweinebeständen durchgeführt. In Österreich wurden bei 5,3 % der 75 beprobten Zuchtbetriebe und bei 12,6 % der 167 beprobten Erzeugerbetriebe Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (ST398) in den untersuchten Staubproben nachgewiesen.

Bei Untersuchungen von frischem Hühnerfleisch aus dem Einzelhandel im Jahr 2016 - die entsprechenden Proben waren im Rahmen der Zoonose- und Resistenzüberwachungen von landwirtschaftlichen Nutztieren sowie daraus gewonnenen Lebensmitteln gezogen worden - konnten Methicillin-resistente Staphylococcus aureus  in 4 (1,4 %) der 285 untersuchten Proben nachgewiesen werden.

Referenzen:
Analysis of the baseline survey on the prevalence of methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA) in holdings with breeding pigs, in the EU, 2008, Part A: MRSA prevalence estimates; on request from the European Commission. EFSA Journal 2009; 7(11):1376. [82 pp.]. doi:10.2903/j.efsa.2009.1376. Available online: www.efsa.europa.eu

Prevalence of multi-drug resistant Staphylococcus aureus and Escherichia coli in poultry and broiler meat in Austria in 2016. Köberl-Jelovcan S, Weissensteiner G, Lepuschitz S, Monschein S, Schlagenhaufen C, Lassnig H, Allerberger F, Springer B. Poster presented at: 27th European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases, Vienna, Austria, 22 -25 April 2017

Methicillin-resistant Staphylococcus aureus: a new zoonotic agent? Springer B, Orendi U, Much P, Höger G, Ruppitsch W, Krziwanek K, Metz-Gercek S, Mittermayer H. Wien Klin Wochenschr. 2009;121(3-4):86-90

ESBL

ESBL

ESBL steht für "Extended-Spektrum Beta-Laktamase": Dabei handelt es sich um Enzyme, die das ß-Laktamantibiotikum durch Spaltung des ß-Laktamrings wirkungslos machen. Die Bedeutung der ESBL-bildenden Bakterien liegt in einer häufig unwirksamen initialen Antibiotikatherapie, was zu einer erhöhten Sterblichkeit bei schweren Infektionen führen kann. ESBL produzierende Bakterien sind nicht pathogener als empfindliche Bakterien. Das bedeutet, sie führen nicht häufiger zu Erkrankungen, allerdings sind die Behandlungsmöglichkeiten (Anzahl der zur Verfügung stehenden Antibiotika) eingeschränkt.

Colistin-Resistenz

Der antimikrobielle Wirkstoff Colistin wird als eine der letzten therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von Infektionen durch multiresistente Gram-negative Bakterien angesehen. Ende 2015 wurde in China erstmals eine Plasmid-lokalisierte übertragbare Form der Colistin-Resistenz in E. coli-Isolaten beschrieben, seither ist das Colistin-Resistenz-vermittelnde Gen mcr-1 weltweit in Nutztieren, im Menschen, in Lebensmitteln und in Umweltproben festgestellt worden (Anmerkung: Plasmide sind mobile genetische Elemente in Bakterien, die häufig Gene für Antibiotikaresistenzen tragen und von einem Bakterium auf ein anderes übertragen werden können). Wenngleich nach derzeitigem Wissensstand die Prävalenz dieses Gens in humanen Isolaten noch als sehr niedrig anzusehen ist, stellt das Vorkommen des mcr-1 Gens im Nutztierbestand und in Lebensmitteln ein potentielles Risiko der Übertragung auf den Menschen dar.

In den vergangenen Jahren konnten Bakterien mit Resistenz gegenüber Colistin im Rahmen der Zoonose- und Resistenzüberwachung von landwirtschaftlichen Nutztieren sowie daraus gewonnener Lebensmittel isoliert werden. Eine weiterführende Analyse dieser Stämme zeigte bei einem E. coli Isolat vom November 2015 (Darminhalt eines Mastschweines) erstmals eine derartige mcr-1 Gen vermittelte Resistenz in Österreich. Seither konnten wiederholt mcr-1-positive E. coli aus dem Darminhalt von Masthuhn, Mastpute und Mastschwein sowie aus Hühnerfleisch aus dem Einzelhandel isoliert werden. Im Jahr 2016 wurde erstmals für Österreich das Vorkommen des mcr-1 Gen bei einem Humanisolat festgestellt.

Referenzen:

Detection of plasmid-mediated colistin resistance (mcr-1) in E. coli isolated from pig caecum in Austria. Jelovcan S, Leekitcharoenphon P, Weissensteiner G, Hendriksen RS, Lassnig H, Allerberger F, Springer B. Int J Infect Dis.  2016; 53 (Supplement):44.

Plasmid-mediated colistin-resistance in Escherichia coli isolated from poultry and broiler meat in Austria in 2016. Allerberger F, Weissensteiner G, Springer B, Schlagenhaufen C, Lassnig H, Ruppitsch W, Jelovcan S. Int J Infect Dis. 2016; 53 (Supplement):36-37.

Detection of the mcr-1 Gene in a Multidrug-Resistant Escherichia coli Isolate from an Austrian Patient. Hartl R, Kerschner H, Lepuschitz S, Ruppitsch W, Allerberger F, Apfalter P. Antimicrob Agents Chemother. 2017; 61(4). pii: e02623-16. doi: 10.1128/AAC.02623-16. Print 2017 Apr.

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