West Nil Virus - Situation in Österreich

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Zuletzt geändert: 09.10.2018

Erkrankungsrisiko in Österreich gering

Das Risiko, sich in Österreich anzustecken und an West Nil Fieber zu erkranken, ist derzeit noch sehr gering. Da die Übertragung durch Stechmücken erfolgt, treten West Nil Virus Infektionen in den Sommermonaten auf. In Österreich wurden zwischen 2009 und 2018 (Stand 9. Oktober) insgesamt 44 im Inland erworbene West Nil Virus-Fälle bestätigt. Die wahrscheinlichen Ansteckungsorte sind in Wien und in Niederösterreich zu finden. Es gab bislang keinen Todesfall beim Menschen. In Summe konnten seit 2009 in Österreich 54 West Nil Virus Infektionen nachgewiesen werden. Zehn davon waren importiert.

Im Jahr 2014 wurde West Nil Virus erstmalig bei einer Blutspenderin diagnostiziert. 2015 fanden sich acht Fälle, darunter fünf Blutspender [Céline M Gossner CM, Laurence Marrama L, Marianne Carson M, Franz Allerberger F, Paolo Calistri P, Dimitrios Dilaveris D, Sylvie Lecollinet S, Dilys Morgan D, Norbert Nowotny N, Marie-Claire Paty M-C, Danai Pervanidou D, Caterina Rizzo C, Helen Roberts H, Friedrich Schmoll F, Wim Van Bortel W, Andrea Gervelmeyer A. West Nile virus surveillance in Europe: moving towards an integrated animal-human-vector approach. Eurosurveillance, Volume 22, Issue 18, 04 May 2017. Verfügbar über: http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=22789, abgefragt am 9. Mai 2017]. 

Das West Nil Virus (WNV) kommt in tropischen, aber auch gemäßigten Gebieten vor. Der Erreger überwintert vorwiegend in Stechmücken, kann aber auch in manchen Vögeln monatelang in inneren Organen überleben und durch Zugvögel über weite Entfernungen verschleppt werden (Aspöck 2002).

Laut Europäischem Seuchenkontrollzentrum ECDC (West Nile fever maps) wurden 2017 204 WNV Humanfälle in der EU und 84 in EU-nahen Ländern wie Serbien, Türkei und Israel gemeldet. Im Jahr 2018 wurden EU-weit mit Stand 16. August 273 Fälle mit West Nil Virus gemeldet. Es steht zurzeit für den Menschen kein Impfstoff zur Verfügung.

West Nil Situation in Österreich beim Tier

Im Jahr 2008 wurden in Österreich erstmals bei Greifvögeln klinische WNV-Infektionen der Linie 2 nachgewiesen und seit diesem Zeitpunkt wird am IVET Mödling ein WNV-Überwachungsprogramm im Auftrag des BMASGK bei Wildvögeln und seit 2011 auch bei Pferden durchgeführt.

Der Schwerpunkt des Programms liegt bei Greifvögeln (Falconiformes), Sperlingsvögeln (Passeriformes) und Rabenvögeln (Corvidae, Raben und Krähen), denen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Erregers zugeschrieben wird. Zusätzlich wurden auch andere Vogelspezies, wie Weidegänse und Enten aus Risikoregionen aus dem passiven Aviären Influenza Überwachungsprogramm über Schlachtblut, auf WNV untersucht.

In den Jahren 2013 und 2014 konnte im Rahmen der durchgeführten PCR Untersuchungen von Wild- und Greifvögel jeweils bei einem Habicht das WNV Linie-2 detektiert werden. Im Jahr 2015 konnte das WNV Linie 2 bei zwei Habichten nachgewiesen werden. Im Jahr 2017 wurden 129 Vögel mittels WNV- bzw. Flaviviren-PCR untersucht, bei insgesamt 12 Vögeln (6 Falken, 2 Habichte, 2 Bartgeier, 1 Bartkauz, 1 Kanarienvogel) konnte erneut WNV Linie 2 nachgewiesen werden (Datenquelle AGES und Vetmeduni Vienna). Im Zuge der serologischen Untersuchungen 2017 bei 126 Wildvögeln bzw. Weidegänsen sowie Straußen konnten in 2 Schlachtblutproben von Straußen eines Betriebes im Bundesland Niederösterreich Hinweise auf länger zirkulierende WNV-Antikörper gefunden werden (IgG AK ELISA fraglich, IgM Flavivirus ELISA negativ).

Alle klinischen Formen der Encephalomyelitiden bei Pferden sind in Österreich anzeigepflichtig und die verdächtigen Tiere werden routinemäßig auch auf das Vorkommen von WNV und andere Flaviviren untersucht. Klinische Fälle bei Pferden waren bis 2015 in Österreich nicht aufgetreten. Im August 2016 wurde erstmals bei einem Pferd im Osten von Österreich WNV bestätigt – das betroffene Tier zeigte klinische Symptome, sprach gut auf die Behandlung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien an und konnte geheilt werden.

Im Oktober 2016 mußte ein Pferd aus Niederösterreich wegen progressiven neurologischen Symptomen an der Veterinärmedizinischen Universität Wien euthanasiert werden. Das Tier zeigte bei der pathomorphologischen Untersuchung am NRL in Mödling das Bild einer viralen Meningoenzephalitis, die ätiologische Diagnose „WNV-Infektion“ konnte jedoch erst im Jänner 2017 bestätigt werden. Hierbei handelt es sich um den ersten dokumentierten Fall einer WNV-bedingten Enzephalitis bei einem österreichischen Pferd. Im Spätsommer/Früherbst 2017 konnten drei weitere klinisch relevante Fälle von equinen WNV-Infektionen in Niederösterreich nachgewiesen werden. Ein Pferd musste aufgrund der klinischen Symptomatik euthanasiert werden, bei diesem Tier lag eindeutig eine WNV-assoziierte Meningoenzephalitis vor. Die zwei weiteren Pferde haben die Krankheit überstanden, eine stattgefundene WNV-Infektion konnte serologisch jedoch bestätigt werden. Es handelte sich bei den equinen WNV-Fällen in Österreich bislang ausschließlich um WNV Linie 2.

In den vergangenen 15 Jahren wurden klinische WNV-Fälle bei Pferden auch in Italien, Ungarn, Frankreich, Griechenland, Portugal und Spanien gemeldet – zumeist gingen diese gleichzeitig auch mit Humanerkrankungen einher.

Im Jahr 2017 wurden im Rahmen des serologischen WNV-Screenings 148 Blutproben von Pferden auf das Vorkommen von Flavivirus AK untersucht. Davon reagierten 42 Sera  im IgG Flavivirus ELISA positiv, jedoch im IgM Flavivirus ELISA negativ, viele davon zeigten auch im FSME AK ELISA ein positives Ergebnis. In Österreich besteht die Möglichkeit, Pferde auch gegen WNV (Linie 1) zu impfen.

Im Jahr 2018 wurde West Nil Virus bei zwei Vögeln (1 Habicht, 1 Krähe) in Niederösterreich nachgewiesen (Stand 27. August).

Vorbeuge-Maßnahmen für Pferdehalter:

  • Stechmücken sind in der Morgen- und Abenddämmerung besonders aktiv. Daher gilt es besonders in der Dämmerung, die Tiere in den Stall zu führen
  • Fenster mit Mückennetzen abdichten, Stall-Türen in der Nacht und in der Dämmerung geschlossen halten
  • Gelsenmenge reduzieren: Stechmücken legen ihre Eier in jede Wasseransammlung ab. Um die Vermehrung zu vermeiden, sollten Regentonnen abgedeckt und Tränken täglich gereinigt werden
  • Waschplätze trocken halten: An den Waschplätzen der Tiere ist darauf zu achten, dass das Wasser in die Kanalisation abfließt
  • Impfstoffe für Pferde: es gibt mehrere zugelassen Impfstoffe. Pferde sind zwei Mal im Abstand von drei bis fünf bzw. vier bis sechs Monaten und danach jährlich zu impfen

Bei Hunden und Katzen ist der Verlauf der Infektion in der Regel symptomlos. Ein Impfstoff ist derzeit nur für Pferde erhältlich. Einen in der Prävention einsetzbaren Impfstoff für den Menschen gibt es nicht. Das Vermeiden von Moskitostichen ist das einzige Mittel zur Prophylaxe von WNV-Infektionen.

Anzahl von West Nil Virus Nachweisen in Österreich, 2010-2017

WNV-Nachweise bei: 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Mensch 1 0 0 0 2 8 6 7
Pferd 0 0 0 0 0 0 2 3
Vögel 0 0 0 1 1 2 0 12
Stechmücken-Pools 0 1 1 0 2 3 2 0

Gelsen als Überträger

Das West Nil Virus wird von einer für Flaviviren ungewöhnlich großen Zahl an Stechmückenarten übertragen. Als mögliche Vektoren kommen eine Vielzahl verschiedener Mückenarten in Frage, vor allem die Gattungen Culex, Aedes und Ochlerotatus. In der Gattung Culex sind dies vor allem Culex pipiens, C. quinquefasciatus, C. molestus, C. restuans, C. salinarius und C. tarsalis. Heimische Gelsen haben bereits wiederholt bewiesen, dass sie West-Nil-Fieber in Österreich übertragen können [Kolodziejek J, Seidel B, Jungbauer C, Dimmel K,  KolodziejekM, Rudolf I, Hubálek Z, Allerberger F, Nowotny N. West Nile Virus Positive Blood Donation and Subsequent Entomological Investigation, Austria, 2014. PloS One. 2015; 10(5): e0126381. Verfügbar über:  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4427133/, abgefragt am 9. Mai 2017].

Culex pipiens, als Parasit von Vögeln und Mensch, ist in Österreich der wichtigste Vektor in der Übertragungskette vom Vogel zum Mensch. Das Virus kann in dieser „Hausgelse“ den Winter überdauern und im Folgejahr im Frühling einen Vermehrungszyklus in der Mücke durchmachen. Stechmücken der Gattung Culex verbringen den Winter in geschützten Räumen wie Kellern, Scheunen, Tunneln und Höhlen. Nach 10-15 Tagen Inkubation in der weiblichen Mücke wird das West Nil Virus durch Stechen weitergegeben. Entsprechend hohe Temperaturen gelten als eine Voraussetzung für das Vorkommen in Europa: Während der Virustiter im Insekt bei 18 °C nur langsam steigt, vermehrt sich das Virus bei 30 °C rasch und die Übertragungswahrscheinlichkeit ist hoch.

Erstmals 1937 aus dem Blut einer fieberhaft erkrankten Frau im West Nil District von Uganda isoliert, kam das West Nil Virus vor 1999 nur in Afrika und Teilen Asiens und Südeuropas vor. Im Jahr 1999 kam es zum Auftreten von Enzephalitis-Fällen bei Menschen, Hunden, Katzen und Pferden in Nordamerika 1999 durch West Nil Virus der Genotypenlinie 1. Das Virus breitete sich seitdem auf dem ganzen nordamerikanischen Kontinent aus; es wurde mittlerweile in den Vereinigten Staaten, Kanada, Mexiko, der Karibik, sowie in Mittel- und Südamerika isoliert.

In Europa findet sich vor allem das West Nil Virus der Genotypenlinie 2. Neben sporadischen Infektionen in Süd-, Mittel- und Osteuropa hat es einige größere lokale Ausbrüche gegeben, z. B. 1996 in Bukarest (393 Erkrankungen, 17 Todesfälle), 1999 in Volgograd (826 Erkrankungen, 40 Todesfälle) und 2010 in Nord-Griechenland (262 Erkrankungen und 35 Todesfälle).

Die Erkrankung: West Nil Fieber

Etwa 80 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch. Nur 20 % der erkrankten Patienten zeigen eine grippeähnliche Erkrankung mit plötzlichem, hohem Fieber (= leichtes West Nil Fieber), Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Symptomen, eventuell Schnupfensymptomen, Lymphknotenschwellungen und Hautflecken. Die Inkubationszeit beträgt 2-8 Tage. Innerhalb von 7-10 Tagen erfolgt meist ein Abklingen der wichtigsten Symptome.

In Einzelfällen (bei 0,7 %) kommt es zur West Nil Meningitis oder Enzephalitis. Neuroinvasive Störungen mit Bewusstseinstrübung, Koordinationsstörungen, Schluckbeschwerden, extreme Müdigkeit und Schwindel kombiniert mit Verhaltens- und Persönlichkeitsänderungen sind typische Anzeichen. Hepatitis, Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Nephritis (Entzündung der Niere), Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsen-Entzündung) und Splenomegalie (Vergrößerung der Milz) gekoppelt mit einer langen Rekonvaleszenz sind die Folge. Immunschwache Patienten und Personen über 50 Jahre haben ein höheres Risiko, die schwere Form der Krankheit zu entwickeln. Dort, wo im Ausland Ausbrüche mit West Nil Fieber auftraten, hat sich gezeigt, dass einerseits Personen im Alter von über 50 Jahren und andererseits Personen, die sich viel im Freien aufhalten, überdurchschnittlich oft betroffen waren.

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So können Sie mithelfen, die Gelsen einzudämmen.
Behälter, in denen sich Wasser sammeln kann, kippen oder unter Dach lagern (Töpfe, Kübel, Autoreifen etc.); Regentonnen abdecken; Blumenuntersetzer vermeiden; Kinderplanschbecken wöchentlich entleeren; Dachrinnen auf Verstopfung kontrollieren; Behälter, in denen sich Wasser sammeln kann, nicht im Freien stehen lassen.

Wie vermeide ich Mückenstiche

Hausgelsen sind so genannte „Kulturfolger“, ihre Brutstätten befinden sich in unmittelbarer Umgebung menschlicher Behausungen; erwachsene Stechmücken bleiben im Umkreis bis zu 200 Meter. Hier liegt auch der erste Ansatzpunkt bei ihrer Bekämpfung: Jede/r Einzelne kann dafür sorgen, mögliche Brutstätten für Gelsen gar nicht erst zuzulassen: Regentonnen, mit Wasser gefüllte Hundeschüsseln, Blumentopf-Untertassen, also Behältnisse mit Wasser sind ideale Brutstätten für Mücken. Werden diese Vermehrungs-Plätze nicht geboten, wachsen auch die Populationen nicht so stark. Der Folder „Helfen Sie mit, die Gelsen einzudämmen“ zeigt einfache aber wirksame Maßnahmen gegen Gelsen. Stechmücken sind nicht nur schmerzhaft und lästig, sie können auch Krankheitserreger übertragen: In Österreich ist dieses Risiko sehr gering, bei Urlaubsreisen kann es allerdings erhöht sein. Daher sollte man Vorbeugemaßnahmen gerade bei Reisen beherzigen.

  • Im Freien Insektenrepellentien auftragen: Schweiß und Kohlendioxid (der Atemluft) ziehen Stechmücken an.
  • Bei Stechmückenplage langärmelige Bekleidung tragen. Das gilt besonders in der Dämmerung, da viele Mückenarten in dieser Zeit aktiv sind.
  • Fenster und Türen mit Mückennetzen abdichten. Wenn viele Stechmücken unterwegs sind, helfen zusätzliche Moskitonetze über dem Bett. Lassen Sie die Schlafzimmerfenster notfalls nachts geschlossen.
  • Stechmücken legen ihre Eier in jede Wasseransammlung ab. In der eigenen Umgebung kann man die Gelsenmenge reduzieren, indem man zum Beispiel Regentonnen abdeckt und in Vogeltränken/Hundetränken zumindest wöchentlich das Wasser wechselt.
  • Bei Bauvorhaben ist die Stechmückenproblematik zu berücksichtigen. Falsch konzipierte Raumplanungs- und Wasserbauprojekte können zu Massenvermehrungen von Stechmücken führen.
  • Im Bereich der Landschaftsplanung sind Maßnahmen zur Eindämmung der Vermehrung von Stechmücken wie Reduktion von Nistplätzen oder – in besonderen Situationen – die gezielte Einbringung von Mitteln gegen Larvenbildung in Wasser-Reservoirs sinnvoll.

Information für TierhalterInnen: Was kann ich tun, um Mückenstiche zu vermeiden?

Links:


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