Tuberkulose in Österreich

Zuletzt geändert: 17.04.2018

Die Tuberkulose, hervorgerufen durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis, ist eine der häufigsten und auch gefährlichsten Infektionserkrankungen der Welt. Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung ist nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO mit Tuberkelbakterien infiziert (zur Tuberkulose in Europa: https://ecdc.europa.eu/en/news-events/world-tuberculosis-day-2018). Von 100 Personen, die sich mit Tuberkelbakterien angesteckt haben, werden fünf im Lauf der folgenden zwei Jahre erkranken; weitere fünf werden erst im Laufe der folgenden Jahrzehnte die Krankheitszeichen einer Tuberkulose entwickeln.

Die Übertragung erfolgt zumeist über mikroskopisch kleine Tröpfchen, sogenannte Aerosole, die durch Husten, Niesen, Singen, oder Sprechen ausgeschieden werden. Für eine Übertragung ist im Regelfall mehrstündiger Kontakt in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen notwendig. Ein kurzer Kontakt, vor allem im Freien, stellt kein relevantes Risiko dar.

Situation in Österreich

Für das Jahr 2017 wurden bisher 569 Tuberkulose Fälle gemeldet. Das ist ein Rückgang um 65 Fälle zum Vergleichszeitraum 2016.  Sowohl bei den PatientInnen mit österreichischer (2016: n=210; 2017: n=194) als auch ohne österreichische Staatsbürgerschaft (2016: n=424; 2017; n=375) war ein Rückgang der absoluten Fallzahlen zu verzeichnen. Diese Zahlen spiegeln den Europatrend wieder. Die Anzahl an schwierig zu behandelnder multiresistenter Tuberkulose-Fälle ist im vergangenen Jahr mit 15 (2016: n=15) multiresistenten und 3 XDR (Extensively drug-resistant tuberculosis) (2016: n=2) Tuberkuloseisolaten annähernd gleich geblieben.

Monatliche Anzahl der Fälle von Tuberkulose in Österreich 2015 bis 2017



Legende

    Monatliche Inzidenz der Tuberkulose in Österreich 2015 bis 2017



    Legende

      Jahresinzidenz der Tuberkulose in Österreich 2008 bis 2017

      "Jahr";"Fälle pro 100.000 Population";"unteres Konfidenzintervall";"oberes Konfidenzintervall";"Fälle";"Population" 2008;9,8;9,1;10,5;816;8335003 2009;8,3;7,7;9;696;8351643 2010;8,3;7,7;8,9;691;8375164 2011;8,1;7,5;8,8;684;8408121 2012;7,6;7,1;8,3;646;8451860 2013;7,7;7,1;8,3;653;8507786 2014;6,8;6,3;7,4;586;8584926 2015;6,7;6,2;7,3;583;8700471 2016;7,2;6,7;7,8;634;8772865 2017;6,5;6;7;569;8772865

      Genetischer Fingerabdruck von jedem Tuberkulose-Bakterium

      Die AGES ist seit 2002 Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK), den Behörden in den Bundesländern, Spitälern, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und Betreuungseinrichtungen werden Tuberkulose-Fälle erfasst und bis zur Beendigung der Therapie labordiagnostisch und epidemiologisch begleitet.Durch das Inkrafttreten des neuen Tuberkulosegesetzes 2016 werden alle positiven Isolate von Tuberkulose-PatientInnen an die Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose zu weiterführenden Untersuchungen übermittelt.

      Alle Isolate von an Tuberkulose erkrankten Personen werden mittels Ganzgenom-Sequenzierung analysiert. Durch Vergleich der gewonnen Daten konnte 2017 im Zusammenarbeit mit dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), der Universität Zürich und den Gesundheitsbehörden der betroffen Länder ein europaweiter Tuberkuloseausbruch unter Asylwerbern aus der östlichen Region Afrikas aufgeklärt werden. Im Gegensatz zu anderen Methoden der Ausbruchsabklärung ermöglicht die Ganzgenomsequenzierung einen detaillierten Einblick in den Übertragungsverlauf und die molekulare Resistenzentwicklung. Die erfolgreiche internationale Zusammenarbeit wurde durch die Publikation in der renommierten  wissenschaftlichen Zeitschrift The Lancet Infectious Diseases abgeschlossen.

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