Aktuelles aus der Schweinemedizin

(Wien, 30.09.2014) Mit der Afrikanischen Schweinepest ist in diesem Jahr eine Tierseuche in die Europäische Union vorgedrungen, mit der praktizierende TierärztInnen in Österreich noch keine praktische Erfahrung haben können – sie ist hierzulande noch nie aufgetreten. Daher sind wissenschaftliche Veranstaltungen wie der Themenabend des Vereins „Freunde und Förderer der Schweinemedizin“, der jüngst am AGES-Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen in Mödling abgehalten wurde, besonders wichtig: Hier werden aktuelle Entwicklungen im Seuchengeschehen, Möglichkeiten der Diagnostik und praktische Handlungsempfehlungen für PraktikerInnen und AmtstierärztInnen sowie das Lehrpersonal der Veterinärmedizinischen Universität Wien dargestellt und intensiv diskutiert. Ebenso wurden aber auch aktuelle Themen aus Forschung und Diagnostik wie Speicheluntersuchungen als Alternative zu Blutuntersuchungen und der Einsatz von Blutplasma in der Schweinefütterung vorgestellt und kritisch diskutiert. Dementsprechend gut besucht war die Veranstaltung, rund 80 praktizierende TierärztInnen und einige Amtstierärzte aus ganz Österreich sowie MitarbeiterInnen des Ministeriums für Gesundheit und der VetmedUni Vienna nutzten die Gelegenheit für Austausch und Diskurs.

Referenzlabor Afrikanische und Klassische Schweinepest: Ergebnis innerhalb eines Arbeitstags

Das Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen in Mödling ist u. a. nationales Referenzlabor für Afrikanische Schweinpest und Klassische Schweinepest. Dr. Evelyn Wodak, AGES Mödling, erläuterte die molekularbiologischen Methoden, mit denen Probenmaterialien gleichzeitig auf Klassische und Afrikanische Schweinepest rasch untersucht werden können, sodass in der Regel ein erstes Ergebnis innerhalb eines Arbeitstage mitgeteilt werden kann. Dr. Elisabeth Marsch (BMG) stellte die derzeitige besorgniserregende Seuchensituation betreffend Afrikanische Schweinepest in Europa dar und unterstrich die Notwendigkeit der intensiven Zusammenarbeit zwischen praktischen TierärztInnen, Behörden und Untersuchungslabor. Rege, aber durchaus konstruktive Diskussionen gab es zu den Begriffen „Differential-, Ausschluss-, Verdachts- und Bestätigungsuntersuchungen“ im Rahmen von Schweinepestuntersuchungen und anderen anzeigepflichtigen Krankheiten.

Speichelprobe - Forschung zum direkten Erregernachweis

In einem weiteren Block wurden Vor- und Nachteile der Analyse von Speichelproben als tierfreundliche Alternative zu Blutproben in Zusammenarbeit der VetmedUni Vienna (Dr. Doris Verhovsek), der Universität Leipzig (Dr. Tatjana Sattler) und der AGES dargestellt. Insbesondere wurde die Spezifität der Tests zum Nachweis von PRRSV-Antikörpern sowie die Möglichkeit der Verkürzung der Beprobungsintervalle bei der Entnahme von Speichelproben diskutiert. Gemeinsam wird an der Nutzung von Speichelproben zum direkten Erregernachweis gearbeitet. Diese Studie wurde teilweise vom Verein der Freunde und Förderer der Schweinemedizin unterstützt.

Blutplasma in der Schweinefütterung

Aufgrund der immer wieder auftretenden Humanerkrankungsfälle, gerade auch bei Schweinehaltern, sprach Univ.-Prof. Friedrich Schmoll in einem Referat über die Leptospirose. Das AGES Institut in Mödling ist als Spezialeinrichtung österreichweit auch mit der diagnostischen Abklärung humaner Leptospirosefälle befasst.

Zum Abschluss stand noch ein weiteres aktuelles Thema auf dem Programm: gegenwärtig wird kontroversiell diskutiert, ob das in der Schweinefütterung zum Teil eingesetzte Schweineblutplasma nicht eine mögliche Quelle für Infektionskrankheiten darstellt, da der Herstellungsprozess nur eine kurzzeitige Erhitzung auf maximal 80 °C einschließt. Vielen TeilnehmerInnen der Veranstaltung war nicht bewusst, dass sowohl Antikörper als auch Nukleinsäuren (PCR) von Infektionserregern im Blutplasma nachweisbar sein können. Offen bleibt natürlich, inwiefern durch das Blutplasma auch noch ein tatsächliches Infektionsrisiko besteht. Eine Vermutung geht dahin, ob dieser Einsatz von Blutplasma in der Schweinefütterung nicht als eine Ursache für den Eintrag von PEDV in den USA in Frage kommt. PEDV ist eine durch Coronaviren verursachte Darminfektion, die bei Neuausbrüchen insbesondere bei Saugferkeln mit sehr hoher Sterblichkeitsrate einhergeht. Derzeit gibt es keine Anzeichen für das Vorkommen dieser Erkrankung in Österreich, eine Einschleppung wird aber befürchtet. Anlass für diese Besorgnis ist ein aktueller Bericht über den erstmaligen Nachweis des PEDV in Deutschland.

Aus diesem Anlass bietet die AGES, Geschäftsfeld Tiergesundheit, allen Ferkelproduzenten und Tierärzten ein umfassendes Informations- und Untersuchungspaket an:

Saugferkeldurchfall: Schwerpunkt Bakterien und Coronaviren

Der Verein der Freunde und Förderer der Schweinemedizin wurde vor 10 Jahren gegründet und stellt ein Bindeglied zwischen Hochschule, Praxis und Industrie dar.

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