Tea Bag Index liefert neue Erkenntnisse über Bodenaktivität in Österreich

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Zuletzt geändert: 16.06.2017

BMLFUW und AGES zeichnen HobbyforscherInnen für Boden- und Klimaschutz-Einsatz aus - Österreichische Citizen Science Konferenz "Expanding Horizons" im März geplant

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Bundesminister Andrä Rupprechter , AGES-Geschäftsführer Wolfgang Hermann und Tea Bag Index-Projektleiterin Taru Sandén gratulieren Citizen Science Award 2016-Preisträgerin Renate Krainer
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Bundesminister Andrä Rupprechter , AGES-Geschäftsführer Wolfgang Hermann und Tea Bag Index-Projektleiterin Taru Sandén danken dem Citizen Science Award 2016-Gruppenpreisträger Nachbarschaftsgarten Kaisermühlen/Donaucity
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Bundesminister Andrä Rupprechter und AGES-Geschäftsführer Wolfgang Hermann danken der LFS Hollabrunn, Preisträger des Citizen Science Awards 2016.

„Mit Teebeuteln die Bodenaktivität messen und das Klima schützen“ - mit diesem Anspruch trat das Boden-Forschungsprojekt „Tea Bag Index Österreich“ an und liefert dank intensiver BürgerInnen-Beteiligung neue Daten zur Bodenaktivität und zu den Zersetzungsraten heimischer Acker-, Wald- und Grünlandböden. „Bodenschutz ist aktiver Klimaschutz“, betonte Bundesminister Andrä Rupprechter bei der Auszeichnung der HobbyforscherInnen, den so genannten #CitizenScientists, während der Abschlussveranstaltung in der AGES am 16.01.2017. „Die Zukunft des Pflanzenbaus und somit der Ernährungssicherung in Österreich braucht Nachhaltigkeit. Mit dem aktiven Einbinden von  Bürgerinnen und Bürgern  in die wissenschaftliche Arbeit gelingt eine nachhaltige Bewusstseinsbildung für das Thema Boden und Forschung. Besonders freut mich die Teilnahme der Landwirtschaftlichen Fachschulen, denn gut ausgebildete und interessierte Schülerinnen und Schüler sind die Garantie  für eine  nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft“, so Bundesminister Rupprechter.

Der Dialog mit der Gesellschaft sei in Bodenfragen ebenso wichtig, wie die gezielte Förderung von humusbildenden Maßnahmen im Rahmen des Österreichischen Agrar- und Umweltprogramms, so Rupprechter weiter. „Mit dem ÖPUL-Programm setzt die Politik ein starkes Signal in Richtung  einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft.“ Langfristige Vergleichsdaten der AGES zeigen in allen Regionen einen vergleichbaren Trend, nämlich eine Zunahme des Humusgehaltes: Im Nordöstlichen Flach- und Hügelland und im Alpenvorland sind im Verlauf der vergangenen 15 Jahre die Humusgehalte um etwa 0,2 bis 0,4 Prozent angestiegen, der Median liegt nun bei knapp 3 Prozent. Zu den humusfördernden ÖPUL-Maßnahmen zählen insbesondere der Erosionsschutz, die Begrünung von Ackerflächen, der Einsatz von Mulch- und Direktsaat, Erhaltung von Grünland sowie Untersaat bei Mais.

Im Rahmen eines „Tag des Bodens“ dankten AGES-Geschäftsführer Wolfgang Hermann und Bundesminister Andrä Rupprechter den Nachwuchs-BodenexpertInnen. „Citizen Science verbindet geistiges Crowdfunding mit den Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung und stärkt gleichzeitig das Bewusstsein für die gesellschaftliche Bedeutung von wissenschaftlicher Arbeit“, so der AGES Geschäftsführer. Das Tea Bag Index Österreich-Projekt sei Dank der „aktiven und kompetenten Feldforschungsarbeit der Bürgerwissenschafter ein großer Erfolg“ geworden. Das Tea Bag Index Österreich – Projekt wurde in drei Kategorien (Schule, Gruppe und Einzelperson) mit dem Citizen Science Award 2016 ausgezeichnet: Von Sommer bis Herbst 2016 beteiligten sich 41 Schulklassen landwirtschaftlicher Berufs- und Fachschulen, vier Landwirte-Gruppen und 18 Einzel-LandwirtInnen am Teebeutel-Experiment. Unter der Leitung der AGES haben sie mehr als 2.700 Teebeutel in Maisfeldern, Wiesen oder Waldböden in Österreich vergraben. Die Teebeutel wurden nach drei Monaten wieder aus dem Boden ausgegraben und bei der AGES ausgewertet.

Fotos von der Veranstaltung

Über den Gewichtsverlust der Teebeutel können Rückschlüsse auf die Aktivität der Bodenorganismen und -lebewesen beim Zersetzungsprozess unterschiedlicher Pflanzenteile unter unterschiedlichen Umweltbedingungen gezogen werden. Je höher die Zersetzungsrate der Teebeutel, desto  höher ist die Bodenaktivität und somit die Menge an gebildetem Gas (CO2), Humus und freigesetzten Nährstoffen. Der Abbau pflanzlichen Materials im Boden ist entscheidend für das Wachstum und den Stoffwechsel von Pflanzen und Bodenorganismen. Durch die Zersetzung und Mineralisierung werden benötigte Nährstoffe verfügbar. Dabei wird auch das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre freigesetzt. Ein schneller Abbau pflanzlichen Materials im Boden führt zu erhöhten CO2-Emissionen, während ein langsamer Abbau die Kohlenstoffspeicherung im Erdreich erhöht.

Mit der wissenschaftlich anerkannten Teebeutel-Methode können wichtige Zusammenhänge von CO2-Speicherkapazität, Humusaufbau und Bodenleben sowie Auswirkungen auf das Klima auch für Laien verständlich bearbeitet werden“, erklärt Tea Bag Index-Projektleiterin Taru Sandén. Alle gesammelten Daten werden in eine Österreichkarte sowie eine globale Karte eingetragen. „Boden- und Klimaforscher bekommen so erstmals weltweit vergleichbare Daten. Damit können Modelle zur Klimaentwicklung genauer und besser werden“, betonte Taru Sandén, die derzeit die wissenschaftliche Publikation der Detailergebnisse vorbereitet.

Die Auswertung der Teebeutel, die in 101 Maisfeldern, 44 Waldstandorten und 33 Grünlandstandorten vergraben waren, zeigt deutlich, dass der Boden lebt und ein wichtiger Umschlagplatz für organische Materialen ist. Aber auch die vom Menschen vorgegebene Form der Bodennutzung und Bewirtschaftung hat neben den natürlichen klimatischen und topographischen Gegebenheiten Einfluss auf den Boden. Der Gewichtsverlust bei Grüntee betrug zwischen 64 und 83 Prozent, der Gewichtsverlust bei Roibusch zwischen 27 und 38 Prozent. Meist waren die Gewichtsverluste von Grüntee im  Maisfeld höher als im Wald, während sie im Grünland stärker variierten. Grund dafür dürfte die unterschiedliche Zusammensetzung der abbauenden Mikroorganismen sein. Für Roibuschtee waren die Ergebnisse weniger offensichtlich. Die Projektergebnisse finden Sie hier: Präsentation von TBI Projektleiterin Taru Sandén

Die AGES setzte im März 2017 einen weiteren Schwerpunkt in Sachen Citizen Science: Bei einem WissenschafterInnen-Workshop wurden die Ergebnisse des Teebeutel-Experiments sowie deren Anwendung in Klima- und Umweltmodellen diskutiert. Unter dem Motto “Expanding Horizons” veranstalteten die Plattform “Österreich forscht”, der FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung), das Naturhistorische Museum und die AGES von 2. bis 4. März 2017 die Österreichische Citizen Science Konferenz 2017.


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