Risikobewertung von Neonikotinoiden für Bienen

Zuletzt geändert: 08.04.2019

Die Mehrzahl der Anwendungen von Neonikotinoid-haltigen Pflanzenschutzmitteln stellt ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar. Das hat die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA in ihren wissenschaftlichen Risiko-Bewertungen für drei Neonikotinoide – Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam – festgestellt. Diese drei insektiziden Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonikotinoide unterliegen aufgrund des von ihnen ausgehenden hohen Risikos für Bienen seit Mai 2013 einer Reihe von Beschränkungen des Einsatzes. Mit den im Februar 2018 veröffentlichen neuen Schlussfolgerungen wurden die Ergebnisse von 2013 aktualisiert. Die neue Datenerhebung und Literaturrecherche umfasste sämtliche seit den vorhergehenden Bewertungen veröffentlichten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Wildbienen – Hummeln und Solitärbienen – sowie Honigbienen. Grundlage für die Bewertung sind die von der EFSA eigens zur Risikobewertung von Pestiziden und Bienen entwickelten Leitlinien.

Die EU-Kommission erweiterte auf Grundlage der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse die  Maßnahmen zur Beschränkung des Einsatzes der drei Pestizide: Gegenwärtig wird eine generelle Einschränkung der drei Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam auf Anwendungen in geschlossenen Glashäusern auf EU-Ebene umgesetzt. Die zuständige nationale Zulassungsbehörde BAES, Bundesamt für Ernährungssicherheit, hat die Durchführungsverordnungen der Europäischen Kommission mit den Details zum Verbot publiziert.  Die Risikobewertungsagentur AGES befürwortet eine EU-einheitliche Position betreffend der Zulassungssituation Neonikotinoid-haltiger Pflanzenschutzmittel sowie zielgerichtete Auflagen in der Verwendung dieser Pflanzenschutzmittel für verbleibende Anwendungen sowie die Entwicklung von erweiterten Methoden der Risikobewertung, die dem Stand der Wissenschaft und Technik über diese Wirkstoffgruppe Rechnung tragen.

Ergebnisse der wissenschaftlichen Bewertung der EFSA zu den Neonikotinoiden Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam

Die Europäische Kommission beauftragte die EFSA 2012 mit einer Risikobewertung unter besonderer Beachtung der möglichen akuten, chronischen und subletalen Wirkungen auf Bienen für in der EU zugelassene Anwendungen der drei Wirkstoffe als Saatgutbehandlungsmittel oder Granulat gem. Artikel 21 der Verordnung (EC) No 1107/2009; ein Jahr später folgte der Auftrag für alle anderen Anwendungen (Blattbehandlungen). Die 2013 publizierten jeweiligen EFSA conclusions identifizierten für Teilaspekte der Bewertung ein hohes Risiko und in mehreren Bereichen der Bewertung Datenlücken. Auf Basis dieser Risikobewertungen wurde die Verwendung der drei Neonikotinoid-Wirkstoffe von der EU-Kommission eingeschränkt (Commission implementing regulation (EC) No 485/2013).

Im Jahr 2015 wurden EFSA Risikobewertungen gem. Artikel 21 der Verordnung (EC) No 1107/2009 für alle Anwendungen außer als Saatgutbehandlungsmittel oder Granulat für die drei Neonikotinoid-Wirkstoffe finalisiert. Sie identifizierten für alle Freilandanwendungen ein hohes Risiko bzw. konnte ein solches nicht ausgeschlossen werden. Für Anwendungen in geschützten Kulturen (Glashaus) wurden die Risiken für Bienen als gering bewertet.

Für Anwendungen als Saatgutbehandlungsmittel oder Granulat wurde die EFSA ebenfalls beauftragt eine Überprüfungen gem. Artikel 21 der Verordnung (EC) No 1107/2009 durchzuführen. Alle neuen zur Verfügung stehenden Daten aus Studien, Forschung und Überwachung seit der letzten Bewertung im Jahr 2013 wurden berücksichtigt. Als Bewertungsgrundlage wurde das von der EFSA publizierte Leitliniendokument zur Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln für Bienen herangezogen. Diese Leitlinie berücksichtigt nicht nur Honigbienen, sondern auch die wichtigen Bestäubergruppen Solitärbienen und Hummeln.

Die Ergebnisse sind vergleichbar mit denen die bei der Bewertung aller Anwendungen außer Saatgutbehandlungsmittel oder Granulate gefunden wurden: Alle Freiland-Anwendungen sowie die meisten Anwendungen in geschützten Kulturen (Glashaus) stellen ein hohes Risiko für Wild- und Honigbienen dar bzw. konnte ein solches nicht ausgeschlossen werden. Die detaillierten Berichte der EFSA sind seit 28. Februar 2018 auf der EFSA Homepage veröffentlicht: www.efsa.europa.eu/de/press/news/180228

Parallel zu den Verfahren gemäß Art. 21 wurden „bestätigende Informationen“ (confirmatory data) bewertet, die bei der Aufnahme von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Annex I der Verordnung 91/414/EEC festgelegt wurden. Die Vorlage dieser zusätzlichen Daten zum Risiko für Bienen waren eine Voraussetzung für die Genehmigung dieser drei Neonikotinoide. Die von den Antragstellern nachgereichten Unterlagen zu Clothianidin und Imidacloprid wurden durch die berichterstattenden Mitgliedsstaaten evaluiert und in einer ExpertInnengruppe aus Mitgliedstaaten und EFSA diskutiert. Zu Thiamethoxam wurden keine vollständigen Daten eingereicht.

Die EFSA publizierte die Schlussfolgerungen der Risikobewertungen auf der EFSA-Homepage.

Auf Basis sämtlicher Risikobewertungen der EFSA publizierte die Europäische Kommission im Mai 2018 entsprechende Durchführungsverordnungen zum Verbot aller Freilandanwendungen der drei Neonikotinoid-Wirkstoffe. Nur Anwendungen in permanenten Glashäusern sind von diesem Verbot ausgenommen - siehe Fakten-Übersicht der EU-Kommission.

Risikobewertung für Bienen im Rahmen des Zulassungsverfahrens für Pflanzenschutzmittel

Die generellen Datenanforderungen für die Risikobewertung für Bienen sind in der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln EU-weit einheitlich geregelt. Die EU-Kommission legte außerdem neue spezielle Datenanforderung für alle Pflanzenschutzmittel fest (Commission Regulation (EU) 283/2013 und Commission Regulation (EU) 284/2013), welche für Bienen mehrere neue Anforderungen, wie Daten zur chronischen-, subletalen- und Larven-Toxizität beinhalten. Die Empfehlungen der EPPO sind in der EPPO-Richtlinie 170 (2010) formuliert.

Die EFSA publizierte 2013 ein Leitfadendokument zur Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln für Bienen (einschließlich Wildbienen), welches 2014 strukturell überarbeitet wurde: Guidance Document on the risk assessment of plant protection products on bees (Apis mellifera, Bombus spp. and solitary bees, EFSA Journal 2013;11(7):3295 [266 pp.]). Das neue Leitliniendokument ist auf EU-Ebene noch nicht angenommen. Seitens der EU-Kommission ist eine stufenweise Umsetzung des Leitliniendokuments geplant (sofortige-, mittel- und langfristige Umsetzung einzelner Teilbereiche).

Die auf den Bewertungskriterien beruhenden Schlussfolgerungen zu Wirkstoffen sind auf der Website der EFSA bzw. der EU Pesticides Database öffentlich zugänglich.

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