Listeriose-Ausbruch aufgeklärt (Stand 16.02.2018)

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Zuletzt geändert: 16.02.2018

Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) hat die AGES mit 26.01.2018 mit der Abklärung eines bundesländerübergreifenden Listeriose-Ausbruchs in den Jahren 2015 bis 2017 beauftragt. Die epidemiologischen und molekularbiologischen Untersuchungen der ExpertInnen der Abteilung Infektionsepidemiologie der AGES haben gezeigt, dass Fleischprodukte eines Herstellers in Ostösterreich die Quelle des Ausbruchs sind.

In Österreich waren in den Jahren 2015 bis 2017 sieben Personen in drei Bundesländern (Niederösterreich, Oberösterreich und Wien) am selben Listerien-Stamm erkrankt: Die molekulare Feintypisierung der Patientenisolate zeigte ein identes Muster. Eine Person verstarb im Jahr 2015 an einer durch diesen Listeria monocytogenes Clonal Type 1234 verursachten Sepsis (Blutvergiftung).

In der AGES wurde der genetische Fingerabdruck der Patienten-Isolate mit denen von Lebensmittelisolaten, die in den vergangenen Jahren auf Listerien untersucht wurden, verglichen. Dabei zeigte sich, dass aktuelle Lebensmittelproben des Herstellers auch diesen speziellen Listerien-Typ enthalten.

Behörden haben notwendige Maßnahmen gesetzt

Aufgrund der Ergebnisse der AGES-Erhebungen haben die zuständigen Behörden die notwendigen Maßnahmen gesetzt: Sämtliche Vertriebswege werden überprüft; die Produkte des Herstellers, der überwiegend Großhandel und Gastronomie beliefert, wurden zurückgerufen. Produkte, die vom Endverbraucher nicht mehr durcherhitzt werden müssen, dürfen den Betrieb nur verlassen, wenn sie nachweislich frei von Listerien sind. Unter Aufsicht der Behörden wurden Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt.

Die Abklärung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem BMASGK und den zuständigen Landesbehörden. Die österreichischen Daten wurden auch an das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) übermittelt. Laut ECDC wurden auch bei Erkrankten in anderen Mitgliedstaaten genetisch nahe verwandte Listerien-Isolate gefunden. Bis dato konnte hier jedoch kein internationaler Zusammenhang nachgewiesen werden.

Die erfolgreiche Abklärung eines Listeriose-Ausbruchs gehört zu den schwierigsten Aufgaben im Bereich lebensmittelbedingter Erkrankungen: Der Zeitraum zwischen Infektion und Erkrankung beträgt bei Listerien im Schnitt drei Wochen, kann aber auch bis zu 70 Tage dauern. Ein kontaminiertes Lebensmittel ist nach dieser Zeit nicht mehr vorhanden; PatientInnen können sich in der Regel nicht daran erinnern, was sie vor drei Wochen oder noch früher gegessen haben. Durch Listerien verursachte Erkrankungen sind überdies selten und treten meist nur sporadisch als Einzelfälle auf. Erst durch die genaue Kenntnis des genetischen Fingerabdrucks der Listerienisolate kann man mögliche Verbindungen zwischen den Erkrankungen verschiedener Personen, die oft monatelang auseinander liegen, entdecken.

Kontrollsystem in Österreich hilft bei rascher Ausbruchsabklärung

Lebensmittelunternehmer sind aufgrund EU-rechtlicher Vorgaben für die Sicherheit der Lebensmittel verantwortlich. Sie müssen ihre Produktion durch so genannte Eigenkontrollsysteme absichern und kritische Kontrollpunkte definieren, um sichere Lebensmittel für die Konsumentinnen und Konsumenten zu gewährleisten. Die Behörden haben die Einhaltung dieser Bestimmungen zu kontrollieren. Dies erfolgt durch Revisionen und Probenziehungen. Das BMASGK hat in der Vergangenheit ein in der EU einzigartiges Kontrollnetz aufgebaut, welches dazu führt, dass in Ergänzung zu den amtlichen Proben auch Ergebnisse der Eigenkontrolle einbezogen werden können.

Werden bei diesen Eigenkontrollen Listerien in einem Lebensmittel nachgewiesen, so hat der Unternehmer dafür zu sorgen, dass die Listerien-Isolate in die nationale Referenzzentrale für Listerien der AGES in Graz übermittelt werden. Dort wird der genetische Fingerabdruck erstellt und mit anderen Isolaten verglichen. So wurde und wird laufend ein großer Datenpool aufgebaut. Bei Auffinden gleicher genetischer Verwandtschaft kann sehr schnell der Verdacht für das Vorliegen eines lebensmittelbedingten Krankheitsausbruches geäußert werden und die jeweilige zuständige Landesbehörde ist in der Lage, rasch und zielgerichtet zu reagieren, um ein etwaiges Ausbruchsgeschehen abzuklären und Sicherheit für die Konsumentinnen und Konsumenten herzustellen.

Auch der aktuelle Fall hat gezeigt wie wichtig es ist über ausreichende Informationen aus der Produktionskette zu verfügen, um Ausbruchsgeschehen auch erkennen zu können. Würden diese Erhebungen nur über Ergebnisse durch die amtlichen risikobasierten Probenziehungen erfolgen, wäre die Datenlage für Vergleiche zu gering und es könnten keine Zusammenhänge aufgezeigt werden.


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