Information zu europaweitem Salmonellenausbruch

(Wien, 13.05.2014) Seit 2011 kommt es europaweit immer wieder zu lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen, die durch Infektionen mit dem Durchfallerreger Salmonella Stanley verursacht werden. Im Zuge von Abklärungen durch das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC), die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) und nationale Behörden konnte die AGES nachweisen, dass die Ausbrüche mit dem Konsum von Putenfleisch (Putenspieße) in Zusammenhang stehen. Auch in Österreich ist eine Häufung von Infektionen mit diesem Erreger zu beobachten.

EFSA/ECDC: Multi-country outbreak of Salmonella Stanley infections
Eurosurveillance, Volume 19, Issue 22, 05 June 2014 "Letter to the editor"
 

Den Keimen auf der Spur

Wenn einzelne Menschen durch Lebensmittel erkranken, gelingt es meist nicht, das Lebensmittel zu finden, das die Erkrankung verursacht hat. Kommt es aber zu Gruppenerkrankungen, zu sogenannten lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen, so besteht eine bessere Chance, durch Herausarbeiten von charakteristischen Gemeinsamkeiten zwischen den Erkrankungsfällen, das Lebensmittel ausfindig zu machen. Ziel einer Ausbruchserhebung ist es nicht nur, einen gerade stattfindenden Ausbruch zu stoppen, sondern weitere derartige Erkrankungen in der Zukunft zu verhindern: So ist in Österreich die Zahl der durch Salmonellen verursachten Krankheitsausbrüche von 453 im Jahr 2006 auf 53 im Jahr 2012 gesunken.

Salmonella Stanley ist einer von über 2000 Salmonellen-Typen. Für die beiden wichtigsten Typen, Salmonella Enteritidis und Salmonella Typhimurium, gibt es EU-weit gültige rechtliche Regelungen. Die EU hat z. B. für jeden Mitgliedstaat Höchstwerte festgelegt, mit denen Herden von Geflügel mit S. Enteritidis und S. Typhimurium maximal belastet sein dürfen: Dieser liegt für Legehennen bei 2 Prozent, für Masthühner und Puten bei 1 Prozent und für Elterntiere von Hühnern bei 1 Prozent.

Salmonella Stanley ist vor 2011 als Erreger von lebensmittelbedingten Durchfallerkrankungen beim Menschen nicht in Erscheinung getreten; spezielle rechtliche Vorgaben wie bei S. Enteritidis und S. Typhimurium gibt es auf europäischer Ebene daher noch nicht. Aufgrund der verzweigten innereuropäischen Warenströme einerseits und der Tatsache, dass es sich bei Putenfleisch um ein sensibles Lebensmittel hinsichtlich einer Kontamination mit Salmonellen handelt, erklären sich die europaweiten Ausbrüche. Auch die Abklärung dieser Ausbrüche erfolgt europaweit, wie auch Maßnahmen zur Eindämmung auf europäischer Ebene erfolgen müssen. Die Kontamination eines Lebensmittels mit diesem Erreger hat aber auf jeden Fall den Rückruf der betroffenen Charge zur Folge.

Salmonellen lassen sich in der Lebensmittelproduktion nie gänzlich vermeiden, aber eindämmen. In Österreich wird das Thema ständig mit Tierhaltern, Lebensmittelproduzenten und Behörden diskutiert. Der wichtigste Hebel zur Eindämmung der Problematik liegt in Hygienemaßnahmen bei betroffenen Geflügel-Betrieben. Dieses besondere Augenmerk auf Hygiene zieht sich durch bis ans andere Ende der Lebensmittelkette, die VerbraucherInnen. Da bei rohen tierischen Lebensmitteln immer mit dem Vorkommen möglicherweise krankmachender Keime gerechnet werden muss, sollten auch immer küchenhygienische Grundregeln beachtet werden.

Aktuelle Situation 2014

Erhebungen der AGES, zeigen, dass nach Ausbrüchen in den Jahren 2011 und 2012 auch heuer 72 Fälle von Erkrankungen in Westösterreich (Insgesamt 102 Fälle, Stand 05.06.2014) auftraten, die durch Salmonella Stanley verursacht wurden. Seit Ende März wurden von den österreichischen Behörden entsprechende Ausbruchsuntersuchungen durchgeführt. Als wahrscheinliche Infektionsquelle eines Teils derselben stellte sich Putenkebab heraus, weshalb die österreichischen Lebensmittelbehörden bei entsprechenden Betrieben Untersuchungen durchführten und weiterführende Maßnahmen im Bereich Reinigung und Desinfektion vorschrieben. Bei den Untersuchungen wurde ein noch verpackter Puten-Kebab Spieß aus Ungarn identifiziert, von welchem bei der mikrobiologischen Untersuchung S. Stanley isoliert werden konnte. Untersuchungen haben ergeben, dass Fleisch aus Österreich und Ungarn zur Kebab-Spieß-Produktion in Ungarn verwendet wurde.

Die Ausbruchsabklärung ist mittlerweile abgeschlossen, die Erkrankungsfälle sind deutlich zurückgegangen.

Als weiterführende Maßnahmen sind vorgesehen, für die Herstellung und den Vertrieb von Kebab-Spießen im Wege der CODEX-Kommission spezielle Hygieneleitlinien für die Gastronomie zu erstellen und auf Ebene der Primärproduktion im Falle von positiven Putenherden eine zusätzliche Kontrolle der Reinigung und Desinfektion vor der Einstallung der neuen Putenherde durch die Bezirksverwaltungsbehörde anzuordnen.

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