EHEC-Gefahr: Hygienemaßnahmen können Leben retten

(Wien, 29.08.2014) Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können. Die Übertragung der Erreger kann über Hautkontakt mit infizierten Tieren (Kot, Harn, Speichel, Blut, Sekrete), aber auch über den Konsum roher Tierprodukte wie zum Beispiel Rohmilch, Eier erfolgen. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, ältere Personen, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Die häufigsten zoonotischen Infektionskrankheiten beim Menschen sind heute Infektionen mit den Durchfallerregern Campylobacter und Salmonellen, die meist über Lebensmittel aufgenommen werden. Diese verursachen in der Regel Durchfall, Fieber und Unterbauchschmerzen. Seltener sind so genannte EHEC-Infektionen, allerdings verlaufen diese Erkrankungen häufig deutlich schwerer. Vor allem bei kleinen Kindern droht als Folge einer EHEC-Infektion das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das zu schweren Krankheitsverläufen mit bleibenden Nierenschäden und Todesfällen führen kann. Eine Infektion mit EHEC kann auch symptomlos verlaufen.

Infektionen mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) stellen heute in industrialisierten Ländern die wichtigste lebensmittelbedingte bakterielle Erkrankung dar, an der zuvor völlig gesunde Kleinkinder und auch völlig gesunde Erwachsene schwer erkranken und sogar versterben können. Zu trauriger Berühmtheit gelangte 2011 in Deutschland der EHEC-Erreger-Stamm O104:H4. Durch einen lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch mit diesem neuen Bakterienstamm erkrankten über 3.800 Menschen, 53 starben an den Folgen des HUS-Syndroms. Es handelte sich um den bisher größten Krankheitsausbruch durch EHEC-Infektionen in Deutschland und bezogen auf die Anzahl der HUS-Fälle um den größten, weltweit beschriebenen derartigen Ausbruch.

Überwachung von EHEC in Österreich

Die Überwachung dieser lebensmittelbedingten Infektionskrankheit zählt deshalb zu den vordringlichsten Aufgaben des öffentlichen Gesundheitswesens. EHEC ist ein Bakterium, welches sich im Darm warmblütiger Tiere finden kann und mit dem Kot ausgeschieden wird. Die Erreger können daher beispielsweise beim Melken in die Milch gelangen. Seit dem Jahr 1982 kennen wir als Reservoir von enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen) und Wildtiere (Rehe und Hirsche). Die AGES überwacht daher die Situation bei Menschen, Lebensmitteln und vor allem Tieren durch jährliche Monitoringproben und –analysen. Darüber hinaus werden auch Umweltproben (Wässer, Dünger, etc.) untersucht. Die Ergebnisse werden im jährlichen Bericht der nationalen Referenzzentrale sowie im Zoonosenbericht veröffentlicht.

Nationale Referenzzentrale für Escherichia coli einschließlich Verotoxin-bildender E. coli
Jahresbericht 2012 - Nationale Referenzzentrale für E. coli

Österreichischer Zoonosenbericht 2013

EHEC-Situation beim Mensch

Im Jahr 2013 wurden im Epidemiologischen Meldesystem (EMS) 130 EHEC-Krankheitsfälle gemeldet (Stand 23.04.2014). Bei 17 der 130 Fälle trat die schwere Komplikation in Form des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) auf. Bei 5-15 Prozent der Erkrankten, besonders bei Kleinkindern, kann es Tage nach Beginn der Durchfallerkrankung zu dieser Folgeerkrankung kommen, welche zu einem blutigen Durchfall bis hin zu Nierenversagen führen kann. 2013 kam es in Österreich zu einem EHEC-bedingten Todesfall auf Grund einer toxischen bakteriellen Sepsis. Die wahrscheinlichste Infektionsquelle war rohes Faschiertes. Im Vergleich dazu gab es 2012 in Österreich keinen, und 2011 zwei durch EHEC bedingte Todesfälle. Die Anzahl bestätigter EHEC-Infektionen lag in Österreich etwas über dem EU-Durchschnittswert.

EHEC-Ausbrüche selten, aber gefährlich

Im Jahr 2013 gab es in Österreich keinen größeren EHEC-Ausbruch, lediglich dreizehn kleinere Familien- bzw. Haushaltsausbrüche (jeweils weniger als 5 Personen) sind bei der nationalen „Referenzzentrale für Escherichia coli einschließlich Verotoxin bildender E. coli“ bei der AGES in Graz dokumentiert. Die ursächliche Erreger-Quelle (u.a. Lebensmittel Rohmilch bzw. direkter Kontakt mit Tieren bzw. Kot) für die Erkrankungsfälle kann nicht immer eindeutig verifiziert werden. Immer wieder gibt es Mitteilungen über Erkrankungsfälle, die durch den Verzehr von Rohmilch, oder durch direkten Kontakt mit Tieren auf Bauernhöfen oder in Streichelzoos verursacht wurden.

Im Jahr 2014 kam es in Niederösterreich und Wien zu einem gehäuften Auftreten von Nierenversagen bei Kleinkindern. Die AGES konnte bei der bundesländerübergreifenden Ausbruchsabklärung 6 Fälle mit demselben EHEC-Stamm O145 nachweisen. Die Krankheitsverläufe waren teilweise so schwerwiegend, dass fünf erkrankte Kinder hospitalisiert werden mussten. Die Untersuchung von Lebensmittelproben, Wasserproben und Tieren (Streichelzoo) führte allerdings bisher zu keinem Ergebnis. Insgesamt sind bei der nationalen Referenzzentrale heuer 91 EHEC-Erkrankungsfälle, davon 12 HUS-Fälle, gemeldet (Stand 28.08.2014).

Lebensmittelbedingte Infektionen lassen sich nicht immer vermeiden

EHEC kommen vereinzelt im Verdauungstrakt von Wiederkäuern vor, zum Beispiel bei Rindern, Schafen und Ziegen, ohne dass diese selbst erkranken müssen. Die Tiere scheiden die Bakterien mit dem Kot aus. Da EHEC relativ unempfindlich sind, können sie in der Umwelt, im Boden und im Wasser wochenlang überleben. Über verunreinigtes Wasser und durch Düngen mit Gülle oder unsachgemäß gelagerten Mist können auch pflanzliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse mit EHEC belastet sein. Auch EHEC-infizierte Menschen können den Keim ausscheiden und somit Infektionen so auf andere übertragen.

Wie die meisten Lebensmittelinfektionserreger lassen sich auch EHEC-Bakterien durch Erhitzen abtöten, also durch Kochen, Braten oder Pasteurisieren. Tiefgefrieren garantiert hingegen nicht, dass ein Lebensmittel vollständig frei von EHEC wird. Daher kann nur immer wieder betont werden:  Kinder, Schwangere, ältere und kranke Menschen (Risikogruppen) sollten auf Rohmilch und Rohmilchprodukte verzichten. Rohmilch und Fleisch sollten vor dem Verzehr immer abgekocht bzw. ausreichend erhitzt werden, weil sie mit Krankheitserregern verunreinigt sein können.

Darüber hinaus kann der Keim bei der Nahrungsmittelzubereitung durch Hygienefehler auch in andere verzehrsfertige Lebensmittel gelangen. Über den direkten Tierkontakt, zum Beispiel auf Bauernhöfen oder in Streichelzoos, können EHEC-Bakterien ebenfalls übertragen werden. Weitere Risikofaktoren sind der Kontakt mit EHEC beim Baden in natürlichen Gewässern, die durch Tierkot verschmutzt sind. Für kleine Kinder spielen außerdem durch Fäkalien verschmutzte Planschbecken oder Sandkästen eine Rolle als Infektionsquelle.

VerbraucherInnen-Tipps zur Küchenhygiene

Schwerpunkt Richtig und sicher kochen des BM für Gesundheit (BMG)
Hygieneleitlinien
des BM für Gesundheit (BMG) für Großküchen
AGES-Schwerpunktthema: Wenn Essen krank macht – den Keimen auf der Spur

VerbraucherInnen-Tipps zum Umgang mit Tieren

Zur Verhinderung der Übertragung von Krankheiten auf den Menschen sind beim Umgang mit Tieren und den von ihnen gewonnenen Lebensmitteln seit jeher gewisse Grundregeln einzuhalten.

Was sollte man beim Umgang mit Tieren jedenfalls beachten?

  • Grundsätzlich sollte man sich nach jedem Tierkontakt die Hände gründlich waschen;
  • insbesondere soll mit ungewaschenen Händen nicht gegessen werden oder die eigenen Schleimhäute (Augen, Mund) berührt werden;
  • eigene - auch kleinste - Wunden versorgen (z. B. mit einem Pflaster), bevor man mit Tieren Kontakt hat;
  • Kinder sollten beim Umgang mit den Tieren sorgfältig beaufsichtigt werden; besonders sollten Kinder darauf hingewiesen werden, Tieren kein Bussi zu geben, sich von Tieren nicht im Gesicht ablecken zu lassen bzw. Tiere nicht von eigenen Lebensmitteln kosten zu lassen;
  • den Kontakt mit Kot, Urin und Gülle vermeiden bzw. nach Kontakt gründlich Hände waschen.

Merkblätter des BM für Gesundheit (BMG) sind unter folgenden Links herunterzuladen

Quellen und Literaturverweise

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