In Europa ist gentechnisch veränderter Reis (gv-Reis) nicht zugelassen. Seit dem Jahr 2006 werden umfangreiche Untersuchungen von Reiserzeugnissen durchgeführt, in mehreren Proben aus China konnten zuletzt Spuren von nicht zugelassenen gv-Reislinien nachgewiesen werden.

Zur Vermeidung der Einfuhr derartiger Reisprodukte aus China hat die Europäische Kommission die Vorschriften hierfür verschärft (siehe Durchführungsbeschluss der Kommission vom 22.Dezember 2011). Dabei ist ein positives Screening-Ergebnis bereits ausreichend, um ein Inverkehrbringen gentechnisch veränderter Reis-Produkte aus China zu unterbinden.

Untersuchung auf GVO-Reis

In der Abteilung Molekular- und Mikrobiologie des Instituts für Lebensmittelsicherheit Wien werden Saatgut, Lebensmittel und Futtermittel auf gentechnische Veränderungen (GVO) untersucht.

Ziel der Untersuchung ist es, Anteile von gentechnisch veränderten Pflanzen aufzuspüren. In mehreren Arbeitsschritten wird zuerst mittels GVO-Screening auf die bloße Anwesenheit von gentechnisch veränderten DNA-Sequenzen geprüft. Sollte das Screening einen Hinweis auf GVO liefern wird eine Identifikation der gentechnisch veränderten Bestandteile vorgenommen und wenn möglich auch die Menge ermittelt. Abschließend kann von Gutachtern beurteilt werden, ob die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden.

Seit dem ersten Auftreten von gentechnisch verändertem Reis in der EU im Jahre 2006 werden Reisprodukte regelmäßig überprüft.  Alljährlich finden Schwerpunktaktionen des BMG statt (siehe auch Ergebnistabelle). Die Zahl der bekannten gv-Reislinien steigt ständig an, für sechs in Reispflanzen verwendete GVO-Konstrukte sind spezifische Untersuchungsmethoden vorhanden. Ausführlichere Informationen zu den drei bekanntesten gv-Reislinien sind den FAQ´s zu entnehmen.

I. FAQ's

Frage 1: Was ist LL601?
Als LL601 wird ein in Europa nicht zugelassenes Genkonstrukt in Reis bezeichnet, das von der Firma Bayer CropScience entwickelt wurde.

Frage 2: Welche Wirkung sollte das Genkonstrukt LL601 haben?
Es wird dadurch in der Pflanze ein Protein mit der Bezeichnung PAT erzeugt, das eine Resistenz gegen das Pflanzenschutzmittel Liberty® der Firma Bayer bewirkt. Dadurch sollte die Reispflanze geschützt werden, während unerwünschte Pflanzen absterben. So soll der Ertrag gesteigert und die Menge sowie Häufigkeit der Anwendung von Pflanzenschutzmittel verringert werden.

Frage 3: Wurde LL601 von den Behörden geprüft und zugelassen?
Die Firma BayerCropScience hat nach umfangreichen Versuchen entschieden, Reis mit dem Genkonstrukt LL601 nicht kommerziell zu nutzen und hat daher keinen Antrag auf Zulassung gestellt. In den USA wurde LL601 in Freisetzungsversuchen getestet.

Frage 4: Was ist LL62 ?
LL62 ist ein beinahe identisches Genkonstrukt wie LL601 und wurde bereits vor Jahren in den USA und der EU zur Zulassung eingereicht. In den USA wurde LL62 inzwischen zur Verwendung in Lebensmitteln und Futtermitteln zugelassen. Die Sicherheitsbewertung der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA befand ebenfalls, dass der LL62-Reis bei der vorgesehenen Verwendung genau so sicher ist wie konventioneller Reis. Eine endgültige Entscheidung über eine Zulassung in der EU ist allerdings noch nicht gefallen.

Frage 5: Welche Daten zur möglichen Gesundheitsschädlichkeit von LL601 bzw. LL62 liegen vor?
Die EFSA (European Food Safety Authority) hat die vorliegenden Daten von LL62 geprüft, das LL601 sehr ähnlich ist (siehe Frage 3).
Danach besteht nach dem derzeitigen Informationsstand keine Gesundheitsgefährdung: ("Opinion of the Scientific Panel on Genetically Modified Organisms on an application (reference EFSA-GMO-UK-2004-04) for the placing on the market of glufosinate tolerant genetically modified rice LLRICE62 for food and feed uses, import and processing, under Regulation (EC) No1829/2003 from Bayer CropScience GmbH.").

Frage 6: Was ist BT63?
Dabei handelt es sich um eine gentechnische Veränderung in der Pflanze, die die Produktion eines für Fraßinsekten giftigen Proteins bewirkt. Dieses Protein wird vom Bodenbakterium Bacillus thuringiensis gebildet und seit langem als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. Die aus Bacillus thuringiensis isolierten Bt-Toxin-Gene können über gentechnische Verfahren auf Pflanzen übertragen werden. Diese produzieren nun in ihren Zellen den für Fraßinsekten giftigen Wirkstoff.

Frage 7: Welche Schritte unternimmt das in Österreich zuständige Bundesministerium für Gesundheit (BMG)?
Sofort nach Bekanntwerden des Auftretens des nicht zugelassenen Genkonstruktes LL601 in der EU hat das BMG die zuständige Lebensmittelaufsicht der Länder informiert und Schwerpunktaktionen veranlasst. Das bedeutet gezielte Probenziehungen bzw. im Fall positiver Probenergebnisse Beschlagnahmen und Rückholaktionen im Lebensmitteleinzelhandel. Seit 2006 wird  das Kompetenzzentrum Biochemie der AGES jährlich mit der Untersuchung von Proben auf die nicht zugelassenen Genkonstrukte LL601 und Bt63 beauftragt. Die Ergebnisse dieser Schwerpunktaktionen werden auch auf der AGES homepage zur Verfügung gestellt.

III. Untersuchungsergebnisse der Schwerpunktaktionen GVO-Reis in Lebensmittel:

Stand 08.08.2012

 

Zeitraum der Untersuchung

eingelangte Proben

untersuchte Proben

negatives Ergebnis:
kein GVO-Reis

Positives Ergebnis:
LL601

Positives Ergebnis: Bt63

Positives Ergebnis:
LL62

2006

278

278

228

50

1

0

2007

119

117

113

3

0

1

2008

102

101

101

0

0

0

2009

32

31

31

0

0

0

2010 36 36 36 0 0 0
2011 75 75 74 0 1 0

 

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