FAQ zu MCPDs und Glycidyl-Fettsäureestern

Zuletzt geändert: 17.10.2017

Was sind 3-MCPD und 2-MCPD sowie Glycidyl-Fettsäureester?

Freies MCPD (3- und 2-Monochlorpropandiol) und deren Ester sowie Glycidyl-Fettsäureester gehören zu den Prozess-Kontaminanten, da diese Substanzen vor allem bei der Herstellung von pflanzlichen Fetten und Ölen entstehen: Pflanzliche Fette und Öle werden hoch erhitzt, damit unangenehme und bittere Geruchs- und Geschmacksstoffe entfernt werden (Raffination). Die dabei entstehenden MCPD-Fettsäureester (ab 150 °C) und Glycidyl-Fettsäureester (ab 200 °C) können somit in allen raffinierten pflanzlichen Fetten und Ölen und allen Lebensmitteln enthalten sein, denen diese Fette und Öle als Zutat zugegeben werden.

Neuere Erkenntnisse zeigen, dass sich 3-MCPDs auch bei der Verarbeitung von tierischen Lebensmitteln (Fisch, Fleisch) bilden können. Man findet sie auch in Lebensmitteln die getoastet, gegrillt, gebraten, frittiert oder geräuchert werden.

Welche gesundheitlichen Risiken gehen von diesen Substanzen aus?

MCPD (Monochlorpropandiaol):

  • 3-MCPD gilt als möglicherweise krebserregend für den Menschen. 2016 wurde eine tägliche duldbare Aufnahmemenge von 0,8 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag ermittelt, die ein Leben lang täglich aufgenommen werden kann, ohne dass sich daraus negative Folgen für die menschliche Gesundheit ergeben.
  • Für 2-MCPD existiert bislang kein derartiger Grenzwert. Die Auswirkungen auf den Organismus sind nicht ausreichend untersucht.

Gycidyl-Fettsäureester:

  • Im Körper werden Glycidyl-Fettsäureester aufgespalten und Glycidol wird freigesetzt. Diese Substanz gilt als wahrscheinlich krebserregend und erbgutschädigend. Aufnahme über Lebensmittel sollte daher so gering wie möglich sein. Für diesen Stoff kann keine täglich duldbare Aufnahmemenge festgelegt werden, bei dem negativen Folgen für die menschliche Gesundheit auszuschließen sind.

In welchen Lebensmitteln kommen diese Substanzen vor?

Die aktuellste Zusammenstellung von Gehaltsdaten in Lebensmitteln findet sich in dem Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus dem Jahr 2016. Dabei wurden insgesamt 7.175 Analysedaten zum Vorkommen dieser Stoffe in Lebensmitteln aus insgesamt 23 europäischen Mitgliedstaaten (2009 - 2015) erfasst.

Glycidyl-Fettsäureester und 3-MCPDs wurden in Speiseölen und Speisefetten nachgewiesen sowie in Lebensmitteln, die daraus hergestellt wurden, wie zum Beispiel Margarine, Back- und Konditoreiwaren, Brotaufstriche (Schokoladen-Aufstriche, Erdnussbutter), frittierte Produkte sowie verschiedene Snack-Produkte (bspw. Brezel, Kartoffel-Chips) sowie Säuglingsanfangs- und Folgenahrung. Die AGES hat im Februar 2017 Nuss-Nougat-Cremes für die Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) untersucht.

Palmöl enthält vergleichsweise die höchsten Konzentrationen

Die höchsten Konzentrationen dieser Substanzen finden sich in Palmölen und Palmfetten, sie kommen jedoch auch in anderen Pflanzenölen und Pflanzenfetten vor (z. B.: Kokosöl/-fett, Walnussöl, Sonnenblumenöl, Sojabohnenöl, Rapsöl und Margarine). Laut EFSA enthält Palmfett/-öl mittlere Gehalte von 2.912 Mikrogramm pro Kilogramm Lebensmittel μg/kg) für 3-MCPD und 1.565 für 2-MCPD sowie 3.955 μg/kg für Glycidol. Für andere Öle wurden niedrigere mittlere Gehalte festgestellt: zwischen 48 und 608 μg/kg für 3-MCPD, zwischen 86 und 270 μg/kg für 2-MCPD und zwischen 15 und 650 μg/kg für Glycidol.

Gemäß EFSA werden Glycidyl-Fettsäureester aus Diacylglycerol (DAG) bei der Erhitzung von pflanzlichen Ölen auf Temperaturen über 200°C gebildet. Palmöl enthält hohe DAG Gehalte (4 - 12 %), daher wird mehr Glycidyl-Fettsäureester gebildet.

Welche Lebensmittel tragen zur Aufnahme bei?

Laut EFSA gibt es Anlass zu möglichen Gesundheitsbedenken für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder: diese jüngeren Altersgruppen nehmen durchschnittlich, bezogen auf ihr Körpergewicht, die größte Menge dieser Stoffe auf. Bei Jugendlichen und Erwachsenen besteht für Vielverzehrer (Personen mit überdurchschnittlich hohem Konsum) von Produkten die diese Substanzen enthalten Anlass zu möglichen Gesundheitsbedenken.

  • Säuglinge nehmen diese Stoffe über Säuglingsanfangs und –Folgenahrung zu sich. Denn raffinierte Öle/Fette sind Bestandteil von Säuglingsmilchnahrung.
  • Kinder bis 3 Jahren nehmen diese Stoffe über Pflanzenfette- und Öle, Kekse, Backwaren und Kuchen, Säuglingsmilchnahrung, frittierte oder geröstete Fleischwaren auf.
  • Kinder ab 3 Jahren nehmen diese Stoffe vor allem über Margarine, Backwaren und Kuchen auf. Weitere Quellen sind Pflanzenfette und –Öle, frittierte oder geröstete Fleischwaren sowie Schokoladen-Aufstriche.
  • Jugendliche/Erwachsene nehmen diese Stoffe über Margarine, Backwaren und Kuchen, sowie frittierte oder geröstete Fleischwaren und Schokoladen-Aufstriche auf.

Aktuelle Untersuchungsergebnisse: AGES Wissen Aktuell zu Säuglingsanfangs- und Folgenahrung auf Milchbasis, Endbericht der Schwerpunktaktion A-011-17

Was wird in Österreich getan?

Im Zuge von Greenpeace-Untersuchungen zu Palmöl in Lebensmitteln wurden amtliche Proben von jenen Produkten, die die höchsten Werte an MCPDs und Glycidyl-Fettsäureestern aufgewiesen hatten, gezogen und untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen und eine ebenfalls durchgeführte Risikobewertung ergaben, dass bei keinem Produkt lebensmittelrechtlichen Beanstandungsgründe vorliegen. Sämtliche Produkte sind somit uneingeschränkt verkehrsfähig.

Die AGES teilt jedoch die Ansicht der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA zu möglichen Gesundheitsbedenken für Kleinkinder und Kinder: Die täglich tolerierbare Aufnahmemenge einer Substanz – die Menge, die ein Mensch täglich ein Leben lang zu sich nehmen kann – ist immer abhängig vom Körpergewicht einer Person. Das bedeutet: Je kleiner und leichter ein Kind ist, desto weniger kann es von einem Lebensmittel essen, das MCPDs und Glycidyl-Fettsäureestern enthält. Bei Produkten, die einen hohen Anteil an belastetem Palmöl enthalten, wie z. B. Margarinen, Aufstriche oder Backerbsen, kann das dazu führen, dass Kleinkinder die täglich tolerierbare Aufnahmemenge an MCPDs und Glycidyl-Fettsäureestern schon bei einer Portion erreichen können. Aus diesem Grund sollten Kinder nicht täglich Lebensmittel mit einem hohen Palmölanteil essen.

Für die lebensmittelrechtliche Bewertung von Produkten müssen allerdings valide Verzehrsdaten aus bestimmten Bevölkerungsgruppen in Österreich herangezogen werden, wie sie z. B. im Österreichischen Ernährungsbericht erhoben wurden. Im Österreichischen Ernährungsbericht wurden Daten für Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren erhoben (für jüngere Kinder stehen valide Daten derzeit noch nicht zur Verfügung); diese werden daher auch für die lebensmittelrechtliche Beurteilung herangezogen. Aufgrund dieser Bewertung ergaben sich keine lebensmittelrechtlichen Beanstandungsgründe.

In Österreich werden derzeit weitere Maßnahmen angedacht, um die Situation zu verbessern:

Zum Thema Palmöl tagte bereits Anfang Oktober eine ExpertInnenrunde für sichere Lebensmittel (EXSIL), der u. a. VertreterInnen von NGOs, AGES und Behörden angehören. Die ExpertInnen kamen zu folgenden Empfehlungen:

  • Bei nationalen Monitoringaktionen sollen Margarine, Frittierfette, Süßwaren (insbesondere Kekse und gefüllte Schokoladen) und Trockensuppen besonders berücksichtigt werden.
  • Für im österreichischen Handel erhältliche raffinierte, sortenreine Pflanzenöle sollen validierte österreichische Daten zu den Gehalten an Glycidylester und 3-MCPD ermittelt werden.
  • Da für die lebensmittelrechtliche Bewertung von Produkten der durchschnittliche Verzehr in der österreichischen Bevölkerung herangezogen wird, sollte die Österreichische Nationale Ernährungskommission damit befasst werden, für Personengruppen mit einem besonders hohen Konsum, Empfehlungen auszuarbeiten.

Aus derzeitiger Sicht sind nationale Grenzwerte für Österreich nicht erforderlich, da auf EU-Ebene bereits eine Regelung für Glycidylester beschlossen wurde, sowie voraussichtlich bis Mitte 2018 eine europäische Regelung für 3-MCPD vorliegen wird.

Zum Thema Palmöl gab es ebenfalls Gespräche zwischen Gesundheitsministerium und Industrie. Die Notwendigkeit einer Reduktion der Gehalte von MCPDs und Glycidyl-Fettsäureestern stand dabei außer Frage. Von Seiten der Industrie wurden bereits Maßnahmen gesetzt: So wurden bereits Palmöl-Raffinerien umgerüstet und der Raffinationsprozess geändert. Mit weiteren Gesprächen mit allen Beteiligten Interessensgruppen ist in absehbarer Zeit zu rechnen.

 Was können VerbraucherInnen tun?

  • Palmöl/Palmfett trägt für die meisten Menschen wesentlich zur Aufnahme dieser unerwünschten Stoffe bei, da es in vielen Lebensmitteln enthalten ist. Anhand der Zutatenliste ist ersichtlich welche Fette verwendet werden.
  • Frittierfette enthalten oft hohe Gehalte dieser Kontaminanten und aus diesem Grund wird empfohlen möglichst selten frittierte Lebensmittel wie Pommes frites, Schnitzel usw. zu verzehren.
  • Selber kochen mit frischen Zutaten, da viele industriell hergestellte Lebensmittel Palmöl enthalten (insbesondere Schokolade-Aufstriche, Kekse, Backwaren, Kuchen, Margarine, frittierte und gebackene Produkte)

Wie sollen sich Eltern verhalten, deren Kinder nicht gestillt werden und ihre Säuglinge mit industriell gefertigter Säuglingsmilchnahrung ernähren?

Wenn nicht gestillt wird, gibt es für die Ernährung von Säuglingen keine Alternative zu industriell gefertigter Säuglingsmilchnahrung. Eltern wird empfohlen, ihre Säuglinge wie bisher mit den speziell für sie hergestellten Produkten zu ernähren, weil diese Produkte für den Säugling lebenswichtige Nährstoffe in der richtigen Zusammensetzung enthalten.

Was wird zur Verringerung dieser Substanzen getan?

Die Ergebnisse der EFSA Studie zeigen, dass die Gehalte an Glycidyl-Fettsäureestern in Palmfett/-öl zwischen 2010 und 2015 von den Herstellern um die Hälfte reduziert wurden. Die Belastung der VerbraucherInnen durch Glycidyl-Fettsäureester in Lebensmittel wurde damit bereits erheblich reduziert. Der Gehalt an 3-MCPD und dessen Fettsäureestern in Pflanzenölen hat sich in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert.

Die Europäische Kommission wird noch heuer (2017) Höchstgehalte für Glycidyl-Fettsäureester in pflanzlichen Fetten und Ölen sowie für Säuglingsanfangsnahrung und Folgemilch festsetzen. Der Entwurf für die geplanten Höchstgehalte sieht folgende Werte vor:

Glycidyl fatty acid esters expressed as glycidol Maximum level
(µg/kg)
Vegetable oils and fats placed on the market for the final consumer or for use as an ingredient in food with the exception of the foods referred to in 4.2.2 1000
Vegetable oils and fats destined for the production of baby food and processed cereal-based food (3)500
Infant formula, follow-on formula and foods for special medical purposes intended for infants and young children (powder) (3,29)75 until 30.06.2019
50 as from 1.07.2019
Infant formula, follow-on formula and foods for special medical purposes intended for infants and young children (liquid) (3, 29)10.0 until 30.06.2019
6.0 as from 1.07.2019

Link: EUR-Lex - Ares(2017)4129615


Für 3-MCPD gilt für Sojasoßen und hydrolysiertes Pflanzeneiweiß europaweit ein Grenzwert von 0,02 mg/kg (Verordnung EG 1881/2006).

Quellen:

BfR (2016). Fragen und Antworten zur Kontamination von Lebensmitteln mit 3-MCPD-, 2-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern. FAQ des BfR vom 07. Juli 2016. (Zugriff: 26.07.2016).

BfR (2016). 3-MCPD-, 2-MCPD- Glycidyl-Fettsäureester in Lebensmitteln: EFSA und BfR sehen Gesundheitsrisiko vor allem für jüngere Bevölkerungsgruppen. Mitteilung Nr. 020/2016 des BfR vom 07. Juli 2016. (Zugriff: 26.07.2016).

BLL (2016). Toolbox zur Minimierung von 3-MCPD-Fettsäureestern und Glycidyl-Fettsäureestern in Lebensmitteln. (Zugriff: 26.07.2016).

EU Kommission (2014): Empfehlung vom 10. September 2014 zum Monitoring Vorkommens von 2- und 3-Monochlorpropan-1,2-diol (2- und 3-MCPD), von 2- und 3-MCPD-Fettsäureestern und Glycidyl-Fettsäureestern in Lebensmitteln (Zugriff: 10.10.2017)

EFSA (2016). Risks for human health related to the presence of 3- and 2-monochloropropanediol (MCPD), and their fatty acid esters, and glycidyl fatty acid esters in food. EFSA Journal 2016;14(5):4426 [159 pp.]. (Zugriff: 26.07.2016).

EFSA (2016). Chemicals in food 2016: Overview of selected data collection. (Zugriff. 26.01.2017)

IARC (2000). IARC monographs on the evaluation of carcinogenic risks to humans. Volume 77. Some Industrial Chemicals. (Zugriff: 26.07.2016).

Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 der Kommission vom 19. Dezember 2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln. (Zugriff: 26.07.2016).

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