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PFAS

Changed on: 06.11.2020

Was sind PFAS?

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS), zu denen auch PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) und PFOA (Perfluoroctansäure) zählen, sind Industriechemikalien, die jahrzehntelang bei der Herstellung einer Vielzahl von Produkten verwendet wurden: In Beschichtungen von Textilien wie Outdoor-Kleidung, als Imprägnierung, in Backpapier, in Skiwachsen oder Feuerlöschern.
PFAS sind schwer abbaubar und mittlerweile überall in der Umwelt verbreitet. Sie sind daher auch in der Nahrungskette und im Menschen nachweisbar. Die Verwendung von PFOS ist seit 2010 in Europa verboten. Seit dem Jahr 2020 gilt in der EU für PFOA und Substanzen, aus denen PFOA freigesetzt werden kann, ein Verwendungsverbot als Reinstoffe. In Mischungen und Erzeugnissen gelten seit 2020 Höchstmengen von 0,025 Milligramm (mg) pro Kilogramm (kg) bzw. 1 mg pro kg (PFOA freisetzende Substanzen). Für einige Spezialverwendungen gibt es Ausnahmen bzw. längere Übergangsfristen.

Welche gesundheitlichen Bedenken gibt es?

Im Juni 2020 hat die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) eine Neubewertung zu gesundheitlichen Risiken durch Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen in Lebensmitteln veröffentlicht. In dieser Risikobewertung hat die EFSA ihren Schwerpunkt auf vier PFAS gelegt, neben PFOA und PFOS auch Perfluornonansäure (PFNA) und Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS), da sie ähnliche Stoffeigenschaften haben und sie im menschlichen Blut am meisten nachgewiesen worden sind.

Der Mensch nimmt PFAS in erster Linie über Lebensmittel und Trinkwasser auf. Die toxische Wirkung aufgrund einer kurzfristigen hohen Aufnahme (akute Toxizität) ist bei PFAS gering. Sie binden sich nach der Aufnahme im Körper an Eiweiße im Blut und werden beim Menschen nur extrem langsam, hauptsächlich über die Nieren, ausgeschieden. Das führt zu einer Anreicherung im Körper, zum Beispiel im Blut und in der Leber. Die Halbwertszeit im Körper kann je nach Kettenlänge der PFAS zwischen wenigen Tagen und Monaten (z.B. PFHxA, PFBA) bis hin zu mehreren Jahren (z.B. PFOAS, PFOA, PFHxS) liegen. Weltweit zeigt sich, dass die Gehalte an PFOS, PFOA und PFHxS im Menschen seit dem Jahr 2000 weniger werden, wohingegen der Gehalt von PFNA steigt.

Diese Risikobewertung basiert auf epidemiologischen Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Höhe des PFAS-Gehalts bzw. des Summengehalts von PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS im Blut bei Kindern und einer verminderten Antikörper-Bildung nach bestimmten Impfungen, beobachtet haben.

Aufgrund dieser Bewertung hat die EFSA eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemengen (TWI) für die Summe der vier PFAS von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche abgeleitet. Dieser Wert gibt die wöchentliche Dosis an, die bei lebenslanger Aufnahme keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen beim Menschen erwarten lässt.

Gefahren- und Kennzeichnungseinstufung der ECHA

Die Gefahreneinstufung und Kennzeichnung der Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen erfolgt durch die Europäische Chemikalienbehörde ECHA. Die Bewertung des Komitees für Risikobewertung (RAC) der ECHA beruht ausschließlich auf den gefährlichen Eigenschaften des Stoffes und der Frage, ob der Stoff schädliche Wirkungen verursachen kann. Dem Risiko oder dem Ausmaß, in dem Menschen und die Umwelt dem Stoff ausgesetzt sind, wird dabei nicht Rechnung getragen.

Die ECHA hat PFOS, PFOA und PFNA als vermutlich krebserregend (CARC 2) und reproduktionstoxisch (Repr. 1B) eingestuft, d.h. sie können das Kind im Mutterleib und Säuglinge über die Muttermilch schädigen. Zusätzlich wird PFNA verdächtigt Einfluss auf die Fertilität zu haben.

Aufgrund seiner stark persistenten und sehr bioakkumulierenden Eigenschaften (d.h. der Stoff baut sich sehr langsam in der Umwelt ab und reichert sich in Organismen an) wurde PFHxS und seine Salze gemäß Artikel 54 e in die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC) aufgenommen. Ein besonders besorgniserregender Stoff wird laut der REACH-Verordnung als ein Stoff mit besonders gefährlichen Eigenschaften bezeichnet, der schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen oder die Umwelt hat.

Sobald die ECHA einen Stoff als solches identifiziert, erfolgt eine Aufnahme in das Verzeichnis von zulassungspflichtigen Stoffen nach Anhang XIV der REACH-Verordnung. Alternativ zur Zulassungspflicht können die SVHC auch im Anhang XVII der REACH-Verordnung aufgenommen werden und damit Beschränkungen unterstellt werden.

PFAS in Lebensmitteln

Menschen nehmen die vier untersuchten PFAS hauptsächlich über Fisch und Fischprodukte, Obst, Eier und Trinkwasser auf. In den meisten untersuchten Lebensmittelproben, die für die Bewertung der EFSA herangezogen wurden, lagen die Gehalte für die Verbindungen allerdings unterhalb der Nachweisgrenzen.

Konsumentinnen und Konsumenten können die Aufnahme von PFAS über Lebensmittel kaum beeinflussen. PFAS gehen in die Muttermilch über und reichern sich während der Stillperiode im kindlichen Organismus an. Messergebnisse und Modellierungen zeigen jedoch, dass sich die Blutgehalte dieser Verbindungen von lange gestillten und nicht gestillten Kindern innerhalb von wenigen Jahren angleichen.

Auf Basis der derzeit vorliegenden Daten besteht kein Grund, von den bestehenden Stillempfehlungen abzuweichen.

Links

EFSA Risikobewertung:https://www.efsa.europa.eu/en/news/pfas-food-efsa-assesses-risks-and-sets-tolerable-intake

Brüller et al. (2018); Occurrence of chemicals with known or suspected endocrine disrupting activity in drinking water, groundwater and surface water, Austria 2017/2018; Die Bodenkultur - Journal of Land Management, Food and Environment; 69 (3) : 155-173; ISSN: 0006-5471, https://content.sciendo.com/view/journals/boku/69/3/article-p155.xml

ECHA Einstufung:
PFOA: https://echa.europa.eu/de/information-on-chemicals/cl-inventory-database/-/discli/details/67229
PFOS: https://echa.europa.eu/de/information-on-chemicals/cl-inventory-database/-/discli/details/82756
PFNA: https://echa.europa.eu/de/information-on-chemicals/cl-inventory-database/-/discli/details/31321
PFHxS: https://echa.europa.eu/de/candidate-list-table/-/dislist/details/0b0236e18184a0e1

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