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Microplastics

Changed on: 05.12.2016

1. Was sind Mikropartikel aus Plastik?

Unter Mikroplastik versteht man verschiedengeformte Kunststoffteilchen mit einer Größe von 0,1-5.000 µm (0,1 µm – 5 mm). (100 µm, also das 1000-fache von 0,1 µm, entsprechen in etwa der Dicke eines Blatt Papiers, während 5 mm der durchschnittlichen Länge einer roten Ameise entsprechen).

Grundsätzlich wird zwischen primären und sekundären Mikropartikeln aus Kunststoff unterschieden; Primäre Mikropartikel werden gezielt in der für den Gebrauch vorgesehenen Größe hergestellt, wie z.B. für Duschgels, Handwaschseifen, Zahnpasta etc. und dienen hier der mechanischen Reinigung der Haut bzw. der Zähne. Sekundäre Mikropartikel entstehen unbeabsichtigt aus gewöhnlichen Gebrauchsgegenständen aus Kunststoff durch Alterungs- und Zerfallsprozesse, wie z.B. durch Abrieb von Produktionsanlagen oder durch Umweltverschmutzung. Sie kommen wesentlich häufiger vor, als primäre Mikropartikel aus Kunststoff und stellen v.a. in den Meeren ein Problem dar.

Am häufigsten findet Polyethylen (PE) zur Herstellung von Mikroplastik Verwendung; Darüber hinaus werden selten auch andere Kunststoffe wie Polypropylen (PP), Polyurethan (PU) oder Polyamid (PA) verwendet.

AGES Analytik-Leistung: Die AGES ist in der Lage, Lebensmittel mittels FTIR-Spektrometrie auf Kunststoffmikropartikeln zu untersuchen, und hier ggf. auch die Kunststoffart (z.B. PE, PA, PET etc.) zu bestimmen. Kontakt

2. Welche Bedenken bezüglich Mikropartikel aus Kunststoff gibt es?

Im Hinblick auf mögliche Bedenken bezüglich Mikroplastik sind zwei ursächlich unterschiedliche Auftrittsmöglichkeiten zu unterscheiden. Einerseits bestehen Bedenken einer Gesundheitsgefährdung des Konsumenten bezüglich des Gebrauches von Kosmetikartikeln, denen Mikroplastik zugesetzt wurde. Andererseits wird zunehmend das Auftreten von Mikroplastik in den Meeren beobachtet, wodurch es wiederum zu einem Eintrag in die Nahrungskette über Fisch und Meeresfrüchte kommen könnte. Unabhängig von einer potentiellen Gefährdung der menschlichen Gesundheit, müssen darüber hinaus auch noch ökologisch relevante Aspekte in die Betrachtung miteinbezogen werden. Die jährliche Verschmutzung der Meere durch Mikroplastik wird momentan (Stand 2016) auf 68.500 – 275.000 Tonnen geschätzt. Ein geringer Bruchteil ist auf Mikroplastik aus Kosmetikartikeln, welches über Abwasser und schließlich über Kläranlagen in Gewässer gelangt, zurückzuführen. Einer Schätzung zufolge sind nur 0,1 – 1,5 % des gesamten Plastikeintrags in die Nordsee auf Mikroplastik aus Kosmetikartikeln zurückzuführen.

In erster Linie stellen Kosmetikartikel, welche Mikroplastik enthalten, für den Verbraucher eine Quelle dar. Eine Aufnahme von Mikroplastik über die gesunde Haut in den Körper aus Duschgels o.Ä. ist nicht zu erwarten. Auch durch versehentliches Verschlucken von Zahnpasta können diese Partikel aufgrund ihrer Größe nur in äußerst geringen Mengen über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, während der Großteil wieder über den Stuhl ausgeschieden wird.

Des Weiteren ist es möglich, dass Mikroplastik über die Nahrungskette zum Verbraucher gelangt, und zwar über Fisch und Meeresfrüchte, die Plastikpartikel im Meer aufgenommen haben. In einigen Untersuchungen wurde bereits nachgewiesen, dass Meerestiere wie Fische, Muscheln, Garnelen etc. Mikroplastik mit Plankton verwechseln und dieses als Nahrung aufnehmen. Außerdem konnte bereits gezeigt werden, dass dieses Mikroplastik auch in den Magen-Darm-Trakten dieser Tiere wiederzufinden ist. Dennoch ist hier mit einer äußerst geringen Aufnahme von Mikroplastik aus Fischen und Meeresfrüchten zu rechnen, da für gewöhnlich nur ausgenommene Fische verzehrt werden.

Darüber hinaus kann Mikroplastik eine Quelle für weitere Schadstoffe darstellen, welche entweder bereits bei der Kunststoffherstellung zugegeben werden (Additive) oder die während der Verweildauer im Meer oder in der Umwelt adsorbiert werden. Additive stellen im Durchschnitt 4 % des Gewichts des Kunststoffs dar und beinhalten Stoffe wie Weichmacher. Zusätzlich können die im Meereswasser verteilten organischen und anorganischen Schadstoffe am Mikroplastik anhaften und dort in weiterer Folge angereichert werden. Hierzu zählen vor allem Verbindungen wie organische Chlorverbindungen (z.B. PCBs, Pestizide) oder Polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAHs).

3. Welche Auswirkungen kann Mikroplastik auf VerbraucherInnen haben?

Die genauen toxikologischen Effekte von Mikroplastik auf den Menschen sind bisher noch nicht umfassend untersucht worden. Klar ist bisher allerdings, dass, sofern es zu einer oralen Aufnahme von Mikroplastik kommt, sei es über das Schlucken von Zahnpasta oder über den Verzehr von kontaminierten Meeresfrüchten, die tatsächliche Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt in die Körperzellen äußerst gering ist. Hier spielt v.a. die jeweilige Partikelgröße eine Rolle, so können laut EFSA grundsätzlich nur Partikel mit einer Größe kleiner als 150 µm aufgenommen werden und hiervon wiederum nur maximal 0,3 %. Die toxikologische Relevanz einer Aufnahme derartig geringer Mengen Mikroplastik in die Körperzellen ist bisher weitgehend ungeklärt.

In einer Worst-Case-Szenario-Berechnung kommt die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu dem Ergebnis, dass mit 225 g Muschelfleisch (1 Portion Muscheln) rund 7 µg Kunststoff aufgenommen werden würden. Dies würde zugleich weniger als 0,01 % der geschätzten täglichen Aufnahme der Schadstoffe PCBs und PHAs, sowie weniger als 2 % der geschätzten täglichen Aufnahme von Bisphenol A entsprechen. Dementsprechend kommt die EFSA zu dem Schluss, dass selbst ein übermäßiger Verzehr von Meeresfrüchten keinen nennenswerten Einfluss auf die mit Kunststoffen assoziierte Schadstoffaufnahme hat.

Eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch Mikroplastik aus Kosmetikartikeln ist aufgrund der äußerst geringen Aufnahme nicht zu erwarten. Aufgrund der momentanen Datenlage und bisheriger Erkenntnisse ist eine gesundheitliche Gefährdung durch Mikroplastik aus Meeresfrüchten und Fischen ebenfalls nicht zu erwarten.
Sowohl das BfR, als auch die EFSA haben bereits Empfehlungen veröffentlicht, weiterführende Untersuchungen im Hinblick auf Mikroplastik durchzuführen. Im Fokus momentaner Untersuchungen stehen  v.a. Studien im marinen Umfeld bezüglich der verschiedenen, möglichen Auswirkungen von Mikroplastik auf Meerestiere, sowie toxikologische Untersuchungen hinsichtlich der Aufnahme und Wirkung von Mikroplastik im menschlichen Körper.

4. Welche Maßnahmen gibt es? Warum werden diese Stoffe nicht verboten?

Im Bereich des Einsatzes von Mikroplastik in Kosmetikprodukten gibt es bereits einige Hersteller die freiwillig auf die Zugabe von Mikroplastik verzichten. Darüber hinaus verpflichten sich Hersteller, welche das EU-Umweltzeichen „Rinse-off“-Kosmetikprodukte (Produkte, die ab- bzw. ausgespült werden; 2014/893/EU) tragen, auf den Verzicht von Mikroplastik.

Bezüglich des sekundären Mikroplastiks aus Umweltverschmutzung gibt es innerhalb der EU zahlreiche Projekte, sowie Gesetzesinitiativen, die sich mit der marinen Verschmutzung auseinandersetzen und diese vermindern wollen, wodurch auch die Entstehung von Mikroplastik vermindert wird.

Jeder Verbraucher kann durch die richtige Entsorgung von nicht mehr benötigten Kunststoffprodukten über Wertstoffsammelstellen oder den Hausmüll zur Vermeidung der Bildung von weiterem Mikroplastik beitragen.

5. Weiterführende Informationen

Mikroplastik vermeiden

Öffentliches Gesundheitsportal Österreich: Wie kann Mikroplastik vermieden werden?
EU-Umweltzeichen - Umweltkriterien für „Rinse-off“-Kosmetikprodukte

Stellungnahmen

BfR - Polyethylenhaltige Mikrokunststoffpartikel: Gesundheitsrisiko durch die Verwendung von Hautreinigungs- und Zahnpflegemitteln ist unwahrscheinlich (BfR)
BfR - Mikroplastikpartikel in Lebensmitteln
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) - Presence of microplastics and nanoplastics in food, with particular focus on seafood

Analyse von Mikroplastik in der Umwelt

Umweltbundesamt - Analyse von Mikroplastik
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft - Pilotstudie zu Plastik in der Donau

Weitere Fragen & Antworten

BfR - FAQ des BfR vom 1. Dezember 2014

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